Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Bereich Medienwissenscha ften
Lehrstuhl für Geschichte und Ästhetik der Medien
Hausarbeit
für das EPS
„Einführung in die Ästhetik der Medien“
Wintersemester 2001 / 2002
Verfasser:
Daniel Heß
Stellen Sie die Grundbedeutung des Begriffs Ästhetik dar und zeigen Sie die Aufgaben und Zielsetzungen einer Ästhetik der Medien auf. Führen Sie dies beispielhaft entweder am phänomenologischen oder am semiotischen Ansatz der Bildtheorie aus, indem Sie eine dieser Positionen vor dem Hintergrund Ihrer Ausführungen zum Programm einer Medienästhetik diskutieren.
1.1 Begriffsklärung
1.1.1 Ästhetik
Der Begriff der Ästhetik ist von dem griechischen Wort „aisthánesthai“ abgeleitet (Ästhetik in Brockhaus, 1987). In seiner Übersetzung bedeutet dieses Wort „durch die Sinne wahrnehmen“. Die Theorie der Ästhetik versucht, das „Schöne“ in den Erscheinungsformen Natur- und Kunstschönheit zu betrachten. Die Ästhetik wurde im 18. Jh. als Gegenstand der künstlerischen Einzelwissenschaften und eigenständige philosophische Disziplin gegründet. Gebunden an eine eigene Form der sinnlichen Wahrnehmung, ist sie heute in allen Lebensbereichen zu finden. Nach Brockhaus (1987) sind 5 Teilbereiche innerhalb der Ästhetik erkennbar.
1. Die Produktionsästhetik beschäftigt sich mit den Bedingungen für das Entstehen von Kunstwerken.
2. Die Rezeptionsästhetik untersucht die Bedingungen und Formen der Rezeption von Kunstwerken.
3. Die Formalästhetik sucht nach den Bedingungen der Entstehung und Geltung von Wert- und Geschmacksurteilen.
4. Die Wirkungsästhetik untersucht die Wirkung des Schönen auf den Betrachter.
5. Die Objektästhetik fragt nach dem eigentlichen ästhetischen Gegenstand. Dabei bezieht sie sich z. B. auf die Funktion des Objektes, dass Verhältnis von Natur- und Kunstschönem, die Wechselwirkung zwischen Form und Inhalt sowie das Verhältnis zur Wirklichkeit.
In der bisherigen Beschreibung wird häufig auf die Begriffe Kunst und Schönheit zurückgegriffen. Diese sind eng an den Begriff der Ästhetik gebunden. Erklärbar wird das durch die Geschichte der Ästhetik.
Bereits Platon und Aristoteles nutzten den Begriff der Kunst (Hauskeller, 1998). Platon nannte die Kunst eine Nachahmung (Mimese) von sinnlichen Gegenständen. Die Schönheit ist bei ihm eng mit der Richtigkeit verbunden. Kunst ist das „Dritte von der Wahrheit ab“. Auch Aristoteles nutzt den Begriff der Mimese, nennt ein Kunstwerk aber eine Schöpfung dessen, was nach Angemessenheit und Notwendigkeit möglich ist. Aus diesen Gedanken heraus bezeichnete man einen Künstler auch als ‘Genie mit gottähnlicher Schöpferkraft’1.
A.G. Baumgarten begründete mit seinem Werk „Aestetica“ in den 50er Jahren des 18. Jh. die Ästhetik als eigene Disziplin. Darin bezeichnet er die Ästhetik als „Theorie der freien Künste“ mit einem theoretischen und einem praktischen Teil. Schönheit bezieht er auf das sinnliche Erkennen von vorhandener Vollkommenheit. I. Kant geht später in seinem Buch „Kritik der Urteilskraft“ (1790) einen Schritt weiter und bezeichnet das als schön, was interesselos, „ohne Begriff als Gegenstand eines notwendigen Wohlgefallens erkannt wird“2. Schön ist also, was ein Lustgefühl und Wohlgefallen weckt. Er bezieht sich dabei nicht auf Inhalte, sondern auf die äußere Form. Die Schönheit selber ist für ihn ein Gefühl, keine Erkenntnis. Modernere Ansätze der Ästhetik orientieren sich an Begriffen der exakten Wissenschaft. Während in der Vergangenheit die Eigenständigkeit der Kunst und die von ihr vermittelten Inhalte im Zentrum der Aufmerksamkeit standen, achten neuere Theorien auf einzelne Komponenten wie Künstler, Kunstwerk und Rezipient. Vorgänge beim Betrachten der Kunst, dem Erstellen von Kunstwerken und die Form der Darbietung spielen eine immer größer werdende Rolle. Die Kunst beginnt, eine Verwissenschaftlichung ihrer Existenz zu erleben.
1.1.2 Semiotik
Die Semiologie, als Lehre von den Zeichen, ist von dem griechischen Wort „semeion“ (Zeichen) abgeleitet. Die Semiotik untersucht alle verbalen, nonverbalen, natürlichen und künstlichen Zeichen. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn wenigstens ein Zeichen für eine Person eine bestimmte Bedeutung hat (Semiotik in Brockhaus, 1987). Ein Zeichen stellt in einem semiotischen Dreieck eine Ecke dar, das welches einen Interpretanten (zweite Ecke) dazu zwingt, sich auf den ursprünglichen Gegenstand (dritte Ecke) zu beziehen (Morris, 1988). Dabei wird der Interpretant selber zum Zeichen. Dies ist ein Prozess des mittelbaren Notiznehmens, denn das Zeichen vermittelt nur die Bedeutung des Gegenstandes für den Interpretanten. Deutlich wird dies in der Unterscheidung von Designat und Denotat. Jedes Zeichen hat ein Designat, etwas das es klassifiziert. Das Denotat ist im eigentlichen Sinne der Gegenstand selbst. Das Erkennen des Gegenstandes erfolgt über die Designate des Zeichens, wobei jedoch kein Denotat notwendig ist. Das Geräusch eines singenden Vogels im Wald ist das Designat. Wenn der Vogel nun das Denotat ist, so kann dieser wirklich vorhanden sein und in der Baumkrone singen, oder das Geräusch wurde z.B. von einem Vogelkundler imitiert. In diesem Fall ist das Denotat nicht vorhanden. Das Zeichen hat den Interpretanten jedoch gezwungen sich auf den Ursprünglichen Gegenstand zu beziehen, auch wenn kein Vogel anwesend war. Eine Abgrenzung der Semiotik in verschiedene Teilbereiche ist durch die derzeit stattfindende Erweiterung des Zeichenbegriffs sehr schwer.
1.2 Aufgaben und Zielsetzung der Ästhetik in den Medien am Beispiel der Semiotik
Das 20.Jh. war das Zeitalter vieler neuer Medien. Bezeichnend hierfür ist die Weiterentwicklung typischer Kunstformen wie Malerei und Musik. Aus Gemälden wurden identische Abbildungen der Realität, Gesang konnte beliebig vervielfältigt werden und letztendlich lernten die Bilder Laufen. Durch diese Entwicklungen entstanden Trägermedien mit neuen Eigenschaften. Eine Schellackplatte kratzte bzw. rauschte, das Photopapier war glatt und scheinbar ohne schöne Trägerqualitäten. Mit dem Auftauchen dieser Abbildungsformen einer Wirklichkeit, stellte sich die Frage, ob es sich dabei überhaupt um Kunst handeln kann. Die herkömmlichen Ästhetikbegriffe mussten für die entstandenen Medien neu diskutiert werden.
[...]
1 siehe. Wo Brockhaus es her hat.
Seitenangabe des Zitats
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Daniel Pagels, 2002, Semiotik in der Ästhetik der Medien und der Film - Big Sleep - in der Filmanalyse, Munich, GRIN Publishing GmbH
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