Inhalt
1. Einleitung
2. Entwicklung bis 1945
3. Entwicklung in der BRD
4. Entwicklung in der DDR
5. Erfolg der Koedukation in Ost oder West
6. Stand der Koedukation-Monoedukation in Deutschland
6.1 Allgemeines
6.2 Einzelne Befunde
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Einleitung
Die Wiedervereinigung der 40 Jahre getrennten zwei deutschen Staaten wirkte sich unter anderem stark auf die bis dahin stattfindende Diskussion über koedukative Ausbildung in deutschen Schulen aus. Zum einen wurde das Diskussionsforum um die koedukativen Erfahrungen der ehemaligen DDR bereichert, zum anderen wurde die Lehrstruktur der neuen Bundesländer zum ersten mal mit dieser Diskussion konfrontiert. Die bedeutet nicht, daß die Lehrkräfte der ehemaligen DDR bisher keine Meinungen zu der Problematik der gleichgeschlechtlichen Ausbildung hatten. Vielmehr galten im sozialistischen Staat DDR diese Probleme als gelöst und nicht diskutierenswert. Dementsprechend wenige Daten bzw. Untersuchungen zu dieser Problematik gibt es dazu aus dem Gebiet der neuen Bundesländer. Sicherlich ist es auch schwierig von heutigen Umständen auf die Gleichberechtigung in den Politechnischen Oberschulen ( POS ) und Erweiterten Oberschulen ( EOS ) zu schließen. Viele Grundlagen dieser modernen Studien, so z.B.
Berufswahl der Mädchen oder Frauenpositionen in Regierung und Betriebsleitung, wurden wesentlich vom politischen System und Rollenverständnis beeinflußt. Dennoch wird in dieser Ausarbeitung versucht, einen kritischen Vergleich dieser beiden deutschen Staaten unter Berücksichtigung aktueller Studien zu ziehen. Eine anschließende Betrachtung der derzeitigen Ausbildungssituation im deutschsprachigem Raum soll diesen Bericht abrunden und eine eventuell vorhandene Tendenz in der Entwicklung aufzeigen.
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Entwicklung bis 1945
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Schulbildung in Europa nicht nur abhängig vom Geschlecht, sondern vielmehr auch von Stand in Gesellschaft und Besitztum der Eltern. Daraus entwickelten sich die ersten Schulen speziell für Mädchen. Der Versuch des gehobenen Bürgertums seinen weiblichen Nachkommen eine höhere Schulbildung angedeihen zu lassen sollte den zukünftigen Frauen eine weitere Möglichkeit in der Berufswahl geben. Desweiteren stand aber auch die Erziehung einer zukünftigen Ehefrau und Mutter im Mittelpunkt des Unterrichts. So wurden die Mädchen nicht nur in z.B. Pädagogik unterrichtet, sondern auch in Fächern wie Handarbeit, Kinderbetreuung oder Hauswirtschaft. Diese Fächer beruhten zum Großteil auf dem traditionellen Rollenverständnis und der Auszubildenden Bevölkerungsschicht. Das Mädchen eines Arbeiters erlangte die notwendigen Haushaltskenntnisse durch die Mithilfe in der Familie. Eine höhere Bildung konnte, selbst bei besten geistigen Voraussetzungen, nicht erlangt werden. Es mangelte nicht nur an Geld, sondern die lebenslange Unterstützung der Familie war dringender als eine höhere Bildung. Reichere Familien nutzten in dieser Zeit ein Haus- oder Kindermädchen. Häusliche belange der Mütter bestanden mehr in der Koordination der Tätigkeiten als in deren Ausführung. Die Ausbildung der Jungen in Kadettenschulen zu Männern war allgemein üblich. Eine höhere Schule für Mädchen mit den entsprechenden Fächern war zu dieser Zeit die logische Konsequenz um eine Frau auf die von der höheren Gesellschaft bestimmte Rolle vorzubereiten. Damit wurde auch der entstehenden Frauenbewegung Rechnung getragen, welche zu diesem Zeitpunkt immer lauter eine bessere Möglichkeit der Entfaltung der Persönlichkeit von Frauen forderte. Mit einem höheren Schulabschluß war es den Frauen des gehobenen Bürgertums möglich selber Berufstätig zu werden und Unabhängigkeit zu erlangen. Allerdings wurde die Rolle der Hausfrau und Mutter in wohlhabenden Familien immer noch bevorzugt. Hier verweise ich darauf, daß dies die Entstehungszeit des Marxismus- Leninismus war. Karl Marx verbrachte einen nicht geringen Zeitraum in rein kapitalistischen Systemen wie England. Das in dieser Zeit veröffentlichte Manifest der Kommunistischen Partei diente der späteren DDR als eine der Grundlagen für ihre Bildungspolitik.
Nachdem 1908 durch den preußischen Ministererlaß die Mädchenschulen den öffentlichen Knabenschulen gleichgestellt wurden, konnten Mädchen nun die allgemeinen Hochschulreife erwerben. Damit war der Weg an die Universitäten des Landes auch für Frauen frei. Bis 1931/32 bestand der Abiturjahrgang bereits aus etwa 27 %. Anfang des 20. Jahrhunderts änderte sich nicht nur das allgemeine Wahlrecht zu Gunsten der Frauen, auch die Arbeiterklasse ermöglichte ihren Kindern zumindest eine minimale Ausbildung. Die Industrialisierung und die damit verbundene Fachausbildung der Arbeiter machte spezielle Berufsschulen notwendig. Da immer mehr Frauen für den Erwerb in der Familie mitarbeiteten mußten sie ebenso wie die Männer eine entsprechende Schule besuchen. Hier unterschieden sich allerdings wieder höhere Schulen und Schulen, welche dazu dienten eine Person für die Arbeit zu qualifizieren. In höheren Schulen galt weiterhin Bildung statt Beruf 1 . In den niederen Schulen stand die Bildung für den Beruf im Mittelpunkt. Ein reicheres Mädchen mußte primär lernen Hausfrau und Mutter zu sein. Ein Arbeiterkind lernte im Einzelhandel zu arbeiten oder wurde im günstigen Fall Lehrerin.
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Arbeit zitieren:
Daniel Pagels, 1998, Koedukative Erziehung: Geschlechtsspezifische Sozialisation im gesellschaftlichen Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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