INHALTSVERZEICHNIS
1 PROBLEMLAGE 1
2 DER BEGRIFF „KÖNNEN“ 3
2.1 Allgemeines 3
2.2 Mathematisches Können 5
3 DER KOMPETENZBEGRIFF 7
4 ZIELVORSTELLUNGEN GEOMETRIE 11
4.1 Standards Klasse 4 11
4.1.1 Sich im Raum orientieren 11
4.1.2 Geometrische Figuren erkennen, benennen und
darstellen 12
4.1.3 Einfache geometrische Abbildungen erkennen,
benennen und darstellen 13
4.1.4 Flächen- und Rauminhalte vergleichen und messen 13
4.2 Rahmenpläne 14
4.2.1 Rahmenplan Klasse 4 14
4.2.2 Rahmenplan Klasse 5/6 16
4.3 Schlussfolgerungen für das weitere Vorgehen 17
5 ANALYSEMÖGLICHKEITEN DER ZIELSTELLUNGEN 20
5.1 Testbegriff 20
5.2 Testkonstruktion 21
5.2.1 Test-Item 21
5.2.2 Konstruktionsstrategien 22
5.2.3 Bestimmung der Testart 23
5.2.4 Itemgestaltung 24
5.3 Folgerungen für die Erstellung eines Tests des
geometrischen Könnens am Ende der Klasse 4 24
6 DER TEST ZUM GEOMETRISCHEN KÖNNEN AM ENDE DER KLASSE 4 26
6.1 Auswahl der Testaufgaben 26
6.1.1 Sich im Raum orientieren 27
6.1.2 Geometrische Figuren erkennen, benennen und
darstellen 32
6.1.3 Einfache geometrische Abbildungen erkennen,
benennen und darstellen 36
6.1.4 Flächen- und Rauminhalte vergleichen und messen 39
6.2 Weiterentwicklung des Tests 41
7 ANHANG 42
7.1 Testaufgaben und Testmanual 42
7.2 Testauswertung 74
LITERATURVERZEICHNIS 79
1 Problemlage
Das deutsche Bildungssystem ist derart gestaltet, dass die Schüler nach einer vier-bis sechsjährigen Grundschulzeit auf verschiedene
weiterführende Schulen aufgeteilt werden. In diesen weiterführenden Schulen soll nun,
anknüpfend an die Grundschulzeit, das Lernen im Fach Mathematik fortgesetzt werden. Eine
Fortsetzung ist aber nur dann möglich, wenn der Wissens- und Könnensstand zu diesem Zeitpunkt bekannt ist.
Durch die Standards der Kultusministerkonferenz 1 ist ein bestimmtes mathematisches Können, das am Ende der vierten Klasse erreicht sein soll, als verbindlich festgelegt. Aber welches Können ist für das weiterführende Lernen und das Leben der Schüler von Bedeutung? Was ist notwendig, um in der fünften und sechsten Klasse erfolgreich zu lernen?
Um diese Fragen zu klären, müssen zuerst die Standards und der Rahmenplan sowohl der vierten Klasse, als auch der fünften und sechsten Klasse analysiert werden, um herauszufinden, welche objektiven Anforderungen sich aus dem Ziel-Inhalts-Konzept ergeben. Anschließend an diese Analyse stellt sich dann die Frage, ob die Kinder am Ende der vierten Klasse auch auf diesem Könnensstand angelangt sind. Dieses kann man mittels eines Tests herausfinden, welcher explizit den Könnensstand der Schüler zum Zeitpunkt desselben anzeigt.
1 Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Bildungsstandards im Fach Mathematik für den Primarbereich (Jahrgangsstufe 4). Bonn 2004
1
Somit könnte man sagen, dass derjenige Schüler, der diesen Test erfolgreich bewältigt, die
idealen Voraussetzungen mitbringt, um auch den Unterrichtsstoff im Fach Mathematik an der
weiterführenden Schule zu bewältigen. Der Test soll mehrere Funktionen erfüllen:
1. eine Analyse des momentanen Könnens des konkreten Schülers,
2. eine Weiterentwicklung des Könnens konkreter Kinder,
3. eine Bilanz des bisherigen Unterrichts, und 4. eine Weiterentwicklung des künftigen Unterrichts.
Ich werde in meiner Examensarbeit das Können im Fach Mathematik, insbesondere der Geometrie, am Ende der vierten Klasse analysieren. Da die Grenzen zwischen Arithmetik und Geometrie jedoch fließend sind, was auch den Kindern immer wieder bewusst gemacht werden sollte, werden auch arithmetische Probleme ihre Berücksichtigung finden.
2
2 Der Begriff „Können“
2.1 Allgemeines
Die keineswegs neue Forschung 2 geht davon aus, dass es neben der Aneignung von Kenntnissen von großer Bedeutung ist, die Schüler zum
selbstständigen Kenntniserwerb zu befähigen, was sich am besten mit einer Handlungsorientierung des Unterrichts erreichen lässt. In der Lernpsychologie gilt es als sicher, dass Denkstrukturen aus verinnerlichten Handlungs-
strukturen entwickelt werden. Deshalb sollte Wissen nicht in fertiger Form an die Lernenden vermittelt werden, sondern es sollte ihnen
ermöglicht werden, es sich handelnd anzueignen. 3 Nach den Erkenntnissen der Motivationspsychologie kann der handlungsorientierte Unterricht 4 die Motivation der Schülerinnen und Schüler erhöhen, weil sich bei handelndem Lernen Emotion und Kognition adäquat ergänzen und beeinflussen. 5 Die neue Didaktikdiskussion (konstruktivistische Didaktik) geht davon aus, dass der Lernende sein Denken selbst baut und konstruiert, wobei jeder als sich selbst organisierendes System ganz
2 Faust, Helmut u.a.: Probleme der Könnensentwicklung im Unterricht. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin. Berlin 1981. S. 29 f.
3 Edelmann, W. (1996). Lernpsychologie. München-Weinheim: Beltz, 5. Vollst. Überarb. Aufl.
4 Unter Handlungsorientiertem Unterricht versteht man nach Jank/Meyer (1994) einen ganzheitlichen und schüleraktiven Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbarte Handlungsprodukte die Gestaltung des Unterrichtsprozesses leiten, so dass Kopf- und Handarbeit der Schüler in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können.
5 Edelmann 1996
3
individuell lernt. 6 Das, was gelernt wird, hängt von der jeweiligen Erfahrung des Lerners ab, da er sich seine Welt selbst konstruiert hat. Deshalb wird dieses Wissen auch besonders nachhaltig gespeichert, und kann in neuen
Situationen angewendet werden. 7 in Bezug auf den Handlungsorientierung
Mathematikunterricht bedeutet die Verknüpfung von äußeren Handlungen und inneren Tätigkeiten des Schülers. Erst wenn eine äußere Handlung mit einer entsprechenden inneren Tätigkeit verbunden wird, erhält diese einen Sinn, und kann zu einer Erweiterung der geistigen Fähigkeiten führen. Wenn äußere Prozesse, also Handlungen mit
konkreten Gegenständen, in geistige Prozesse übergehen, so spricht man von Interiorisation. Während dieses Übergangs werden die Prozesse verallgemeinert, verbalisiert, verkürzt und „[…] zu einer Weiterentwicklung fähig, die über die Möglichkeiten der äußeren Tätigkeit hinausgeht“. 8 Eine menschliche Tätigkeit enthält also immer sowohl äußere, als auch innere Prozesse, welche in einer ständigen wechselseitigen Beziehung stehen. Ziel des Handlungsorientierten Unterrichts ist es, den Kindern die
Wechselbeziehung zwischen äußerer Handlung und innerer Tätigkeit soweit bewusst zu machen, dass sie zu jeder von ihnen durchgeführten äußeren Handlung auch eine damit im Zusammenhang stehende innere Handlung entwickeln können, die den
theoretischen Aspekt derselben erfasst. Dieser
6 Aebli, Hans: Denken: Das Ordnen des Tuns. Band 1: Kognitive Aspekte der Handlungstheorie. Bd. 2 Denkprozesse. Stuttgart 1980,1981
7 www.wikipedia.de (14.10.2005)
8 Leontjew, A.: Tätigkeit Bewusstsein Persönlichkeit. Volk und Wissen Volkseigener Verlag. Berlin 1987, S. 95
4
Prozess erfordert vor allem in der Grundschule eine ausführliche Anleitung durch den Lehrer, da die Kinder von sich aus oft nicht in der Lage sind die übergeordnete Perspektive einzunehmen, sondern sich lediglich am Handlungsprodukt
erfreuen. Hier ist aber sehr viel Feingefühl vom Lehrer gefordert, da sich sonst der Sinn der Handlungsorientierung, nämlich das selbst
gesteuerte Lernen, ins Gegenteil verkehren würde.
Das sichere Beherrschen von Tätigkeiten, im Sinne von äußeren Handlungen, wird in der Pädagogik als Können bezeichnet. 9 Das Können ist eine komplexe Eigenschaft, für welche Kenntnisse bezüglich des Inhalts, des Zieles und des Verlaufs notwendig sind. Es kann sich auf verschiedenen Niveaustufen zeigen, und integriert die Komponenten Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Gewohnheiten und Einstellungen.
2.2 Mathematisches Können
Die besondere Qualität des mathematischen Könnens wird durch seine ganz eigene Spezifik bestimmt: hier können, neben den mathematischen Fähigkeiten, geistige Fähigkeiten allgemeine
entwickelt werden. Das hängt damit zusammen, dass der Erwerb eines Systems von Begriffen, Sätzen und Verfahren immer eng mit der Entwicklung bestimmter Tätigkeiten verbunden ist. Es werden also sowohl spezielle als auch allgemeine
geistige Fähigkeiten entwickelt, die die Art des Denkens an sich, über die Mathematik hinaus,
9 Faust 1981. S. 35
5
beeinflussen. Dazu gehören eine Vielfalt
kognitiver Stützfunktionen, wie das abstraktlogische Denken, die klare Gliederung von Gedankengängen, die Fähigkeit zum Verallgemeinern, die Suche nach rationellen Lösungswegen, Konzentration und Klarheit im Ausdruck. 10
Das zu erwerbende Können umfasst dabei das Anwenden „mathematischer Begriffe, Sätze,
Verfahren, Methoden sowie Denk- und Arbeitsweisen bei der Erfassung, Beschreibung und Veränderung von Natur und Gesellschaft[…].“ 11 Eine Tätigkeit im Mathematikunterricht muss also immer sowohl unter dem inhaltlichen Aspekt, als auch unter dem Aspekt der Aneignung dieser Tätigkeit betrachtete werden. Auf der einen Seite ist sie Ziel der Könnensentwicklung und auf der anderen Seite Mittel zum Erwerb anderer Inhalte des Mathematikunterrichts.
10 Ebd. S. 153 f.
11 Ebd. S. 154
6
3 Der Kompetenzbegriff
Der Begriff der Kompetenz hat in den letzten Jahren in der Pädagogik stark an Bedeutung gewonnen. Auch wenn die Verwendung in Bezug auf Lern- und Lehrprozesse nicht ganz neu ist 12 , so hat sich aber der Begriffsinhalt in den letzten Jahren stark verändert. Kompetenz 13 Im Duden wird der Begriff folgendermaßen erklärt: „Sachverstand, Fähigkeiten; Zuständigkeit“. 14 Gemeint ist also eine Kombination aus Kenntnissen und Fähigkeiten. Kompetenz im Sinne der Standards der
Kultusministerkonferenz im Fach Mathematik muss aber als „[…]ein normatives Modell verstanden werden, das zusammenstellt, was sein soll […]“. 15 Um die Funktion des Faches Mathematik zu
bestimmen, wird davon ausgegangen, dass die Grundschulbildung den Grundstein für alles weitere Lernen legt. Aus den ersten mathematischen Alltagserfahrungen sollen
grundlegende mathematische Kompetenzen entwickelt werden, die den Anforderungen des täglichen Lebens genügen, und eine Grundlage für den Mathematikunterricht an den weiterführenden
Schulen bilden. 16 Da dieses am besten über zentrale Leitideen umgesetzt werden kann, bauen die Standards weniger auf den Sachgebieten des Mathematikunterrichts, als auf „inhaltsbezogenen
12 Roth, Heinrich: Pädagogische Anthropologie. 2 Bände. Schröder Verlag. Hannover 1971
13 Lateinisch: competere - fähig sein
14 Duden. Dudenverlag. Mannheim Leipzig Wien Zürich 1996
15 Eckerle, G.-A.: Kompetenz - ein nicht mehr neuer Begriff, mit alten Zielen aufgeladen. März 2000. S.9
16 Bildungsstandards im Fach Mathematik für den Primarbereich (Jahrgangsstufe 4), S.7
7
mathematischen Kompetenzen“ 17 auf. Diese stehen in einer engen Wechselbeziehung mit den allgemeinen mathematischen Kompetenzen. Eine große Bedeutung für den Erfolg im Fach Mathematik hat also die Art der Auseinandersetzung mit den Inhalten. Die allgemeinen Kompetenzen sollen von den Schülern nicht nur im Mathematikunterricht,
sondern auch außerhalb dessen angewendet werden können. Es werden fünf allgemeine mathematische Kompetenzen angeführt:
1. Problemlösen
Das Problemlösen beinhaltet das Anwenden der mathematischen Kenntnisse, Fertigkeiten und
Fähigkeiten bei der Aufgabenbearbeitung, das Anwenden von Lösungsstrategien, und das Erkennen und Nutzen von Zusammenhängen.
2. Kommunizieren
Die Schüler sollen über mathematische
Vorgehensweisen reflektieren, dabei Fachbegriffe benutzen und sich an Regeln halten.
3. Argumentieren
Mathematische Aussagen sollen nicht als gegeben hingenommen, sondern hinterfragt und geprüft werden. Die Schüler sollen Vermutungen anstellen und nach Begründungen suchen.
4. Modellieren
Die Schüler sollen in der Lage sein, aus dem Mathematikunterricht heraus einen Lebensweltbezug herzustellen, also Sachtexten Informationen zu entnehmen, diese in die Mathematik zu übertragen,
17 Ebd.
8
dort zu lösen und anschließend außermathematisch anzuwenden.
5. Darstellen
Mathematische Probleme sollen mit Hilfe
geeigneter Darstellungen bearbeitet werden, und die Schüler sollen in der Lage sein, die Darstellungen ineinander zu übertragen, mit-einander zu vergleichen und zu bewerten. 18
Zugleich stehen fünf inhaltsbezogene mathematische Kompetenzen im Mittelpunkt:
1. Zahlen und Operationen
2. Raum und Form 3. Muster und Strukturen 4. Größen und Messen
5. Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit. 19
Die Beziehung der allgemeinen mathematischen Kompetenzen und der inhaltsbezogenen Kompetenzen lässt sich gut graphisch darstellen:
18 Ebd. S.9
19 Ebd. S. 11
9
Aus diesen inhaltsbezogenen Kompetenzen wurden die Standards für den Unterricht abgeleitet, bei denen beide Seiten des Kompetenzbegriffes
gleichermaßen beachtet werden. Diese werden im folgenden Kapitel ausführlich erläutert.
20 Ebd.
10
4 Zielvorstellungen Geometrie
4.1 Standards Klasse 4
Wie bereits erläutert setzen sich die angestrebten inhaltsbezogenen mathematischen
Kompetenzen in den Standards der Kultusministerkonferenz aus fünf Teilbereichen zusammen. Die Geometrie wird dabei durch den Bereich Raum und Form repräsentiert, welcher sich wiederum in vier Punkte unterteilt.
4.1.1 Sich im Raum orientieren
Die Schüler sollen am Ende der vierten Klasse über ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen verfügen. Das bedeutet, dass sie
räumliche Beziehungen, wie zum Beispiel unten, oben, rechts, links, vor, hinter, über, unter, rechts von und links von kennen und nutzen können, um Lagebeziehungen, Ansichten und Wege zu beschreiben und Pläne lesen zu können. Das räumliche Vorstellungsvermögen hat einen
besonders starken Alltagsbezug. Es kommt immer wieder vor, dass Kinder sich zu zweidimensionalen Darstellungen dreidimensionale Objekte vorstellen müssen, zum Beispiel beim Lesen von
Bauanleitungen, zum Aufbau von Möbelstücken, Gebrauchsanweisungen für Elektrogeräte, Benutzen von Stadtplänen oder beim Beschreiben oder
Verstehen der Beschreibung eines Weges. Außerdem ist auch beim Lernen von Arithmetik die Fähigkeit, mit Vorstellungsinhalten zu operieren, sehr hilfreich. Zu guter Letzt fördert das Operieren mit
Vorstellungsinhalten die Konzentration und bietet
11
die Möglichkeit, mathematische Inhalte auf einer außermathematischen Ebene zu lösen.
4.1.2 Geometrische Figuren erkennen, benennen und darstellen
Die Kenntnis geometrischer Figuren bildet die Basis für alles weitere geometrische Lernen und besitzt eine Werkzeugfunktion. Die Schüler müssen grundlegende Figuren und Körper unterscheiden und beschreiben können, damit sie später Formeln zur Berechnung von Flächen- und Rauminhalt sowie komplexere geometrische Inhalte, wie sie zum Beispiel in der Analytischen Geometrie vorkommen, verstehen können. Außerdem besteht auch hier wieder ein ganz konkreter Umweltbezug:
schließlich bestehen die meisten Dinge in unserer Umwelt aus den geometrischen Grundfiguren. Hier sollen die Schüler den Hintergrund und den Nutzen desselben kennen lernen, sowie dadurch in die Lage versetzt werden, ihre Umwelt zu beschreiben. Konkret bedeutet das, dass sie Körper und Figuren benennen und beschreiben können, diese in der Umwelt wieder erkennen, Modelle derselben
herstellen, untersuchen und beschreiben, und diese mit und ohne Hilfsmittel zeichnen können. Das letztere setzt natürlich Fertigkeiten im Umgang mit den Hilfsmitteln, also Lineal,
Geodreieck, Bleistift und Zirkel voraus. Die Schüler sollten folgende ebene Figuren und Körper kennen: Quadrat, Rechteck, Trapez,
Rhombus, Parallelogramm, Drachenviereck, Dreieck, Kreis, Quader, Würfel, Kugel, Kegel und Zylinder. Außerdem sollten sie die Vierecke nach ihren Eigenschaften (Seiten und Innenwinkel) systematisieren können.
12
4.1.3 Einfache geometrische Abbildungen erkennen, benennen und darstellen
Grundschulrelevante Abbildungen sind Spiegelung, Drehung und Verschiebung. Die Bedeutung der Symmetrie ergibt sich daraus, dass sie nahezu alle Lebensbereiche durchdringt, und sich unter anderem auch in der Arithmetik, zum Beispiel bei der Symmetrie einer Relation oder der Symmetrie von Gleichungen, wieder findet. Speziell die Spiegelung bietet den Kindern auch einen guten Zugang zur Beschreibung und Erklärung ihrer Umwelt. Sie bildet die Grundlage für die spätere Beschäftigung mit Verschiebungs-und Drehsymmetrie.
Die Schüler sollen ebene Figuren in Gitternetzen abbilden können, den Begriff der Symmetrieachse kennen, und selber Symmetrie herstellen können. Zusätzlich können schon erste Erfahrungen mit der Drehsymmetrie angebahnt werden.
4.1.4 Flächen- und Rauminhalte vergleichen und messen
Durch eine erste Auseinandersetzung mit Flächen-und Rauminhalten, werden die Schüler mit der Idee des Messens vertraut gemacht. Das geschieht durch das Auslegen von Figuren und Körpern mit Einheitsflächen beziehungsweise
Einheitswürfeln. In den weiterführenden Schulen können darauf aufbauend die Formeln für die Flächen-und Rauminhaltsberechnung erarbeitet werden.
13
4.2 Rahmenpläne
Im deutschen Bildungssystem gibt es gegenüber anderen Ländern eine Besonderheit: Durch den Föderalismus haben die einzelnen Bundesländer eine so genannte "Kulturhoheit", die ihnen eine weitgehend eigenständige Ausgestaltung des allgemeinen Bildungswesens erlaubt. Die Kultusministerkonferenz soll dabei eine Abstimmung zwischen den Ländern erreichen,
allerdings unterscheiden sich die Rahmenpläne trotzdem von Bundesland zu Bundesland. Obwohl es dennoch eine gemeinsame Basis gibt, würde es den Rahmen dieser Arbeit sprengen, sich mit allen Rahmenplänen im Einzelnen auseinanderzusetzen. Deswegen habe ich mein Hauptaugenmerk auf den gemeinsamen Rahmenplan der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und der
Hansestadt Bremen gerichtet, und werde nur an einer Stelle Bezug auf den Rahmenplan Sachsens nehmen, da in diesem die Geometrie einen
besonderen Stellenwert einnimmt.
4.2.1 Rahmenplan Klasse 4
Im gemeinsamen Rahmenplan der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen werden die Ziele am Ende der Klasse 4 als Standards zusammengefasst. Diese werden in
allgemeine mathematische Fähigkeiten und vier spezielle Bereiche (Form und Veränderung, Zahlen und Operationen, Größen und Messen und Daten und Zufall) gegliedert. Die allgemeinen mathematischen Fähigkeiten umfassen die allgemeinen mathematischen Kompetenzen der Standards der Kultusministerkonferenz. Auffallend ist nur die
14
klarere Strukturierung der Standards der Kultusministerkonferenz, die den einzelnen
Fähigkeiten übergeordnete Begriffe zuordnet. In dem Bereich Form und Veränderung werden die geometrischen Ziele zusammengefasst. Auch diese decken sich weitestgehend mit den Standards und unterscheiden sich wiederum nur in der Gliederung derselben.
Im Rahmenplan des Bundeslandes Sachsen 21 , welcher nicht auf dem Mecklenburger Kompetenzmodell
aufbaut, werden die Ziele der vierten Klasse anders klassifiziert. Unter vier Aspekten werden die mathematischen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten betrachtet. Hierbei treten einige Neuheiten auf, die ich im Folgenden nennen werde:
1. Entwickeln der Wahrnehmungs- und Vorstellungsfähigkeit
Die Vorstellungen der Symmetrie werden beim „[…] Erkennen von geometrischen und arithmetischen Strukturen und zum vorteilhaften Rechnen [genutzt]“. 22
2. Operieren mit geometrischen Objekten, Zahlen und Größen
Die Schüler „nutzen […] die Verbindungen zwischen geometrischen und arithmetischen Strukturen zum Veranschaulichen und Rechnen“. 23
3. Entwickeln von Fähigkeiten, mathematische Probleme zu lösen
21 Rahmenplan Mathematik Grundschule Sachsen. 2004. S. 22
22 Ebd.
23 Ebd.
15
Arbeit zitieren:
Katharina Kruppa, 2005, Zum geometrischen Können am Ende der Klasse 4 - Zielvorstellungen und Analysemöglichkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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