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Im Rahmen des Seminars „Kultursemiotik und Medientheorie“ versuchten wir unter anderem uns den Wurzeln der Kultur anzunähern und erkannten als eine dieser Wurzeln das menschliche Spiel in seinen unterschiedlichen Manifestationen.
Im Zuge dieser Seminararbeit will ich nun versuchen, mich dieser Thematik vor allem über die beiden Wissenschaftler Johan Huizinga, Roger Caillois und in Folge mit Eugen Fink anzunähern, um mich somit zum ersten mal in meiner studentischen Laufbahn wissenschaftlich mit der Thematik „Spiel“ auseinander zu setzen. Insofern dieser Bereich für mich noch völlig unbekannt war, dient diese Arbeit eher dazu, mir einen ersten Einblick zu verschaffen und mich mit den Grundgedanken der Spieltheorien anzufreunden, als neue wissenschaftliche Erkenntnisse einzubringen, für was ich mich noch nicht in befähigt sehe, was aber angesichts des nun geweckten Interesses hoffentlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.
Ich werde zu Beginn ganz kurz versuchen, einen Überblick über die Entwicklung der Spieltheorie und ihrer unterschiedlichen Interpretations- und Herangehensweisen zu schaffen, um mich danach ausführlicher mit den Werken „Homo Ludens“ des Niederländers Johan Huizinga, „Die Spiele und die Menschen“ von Roger Caillois und „Die Oase des Glücks“ von Eugen Fink auseinander zu setzen.
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In der Umgangssprache finden sich eine Unzahl von Verwendungen des Wortes Spiel, von "wie das Leben so spielt" über "verspielte" Kinder, "spielend gemeistert", von "spielerische Leichtigkeit" bis zum "Katz-und-Maus-Spielen". In allen Redewendungen dieser kleinen Auswahl - sie ließe sich noch sehr lange fortführen - kommt zwar der Wortstamm "spiel" vor, jedoch immer in einer anderen semantischen Bedeutung. So steht "spielend" in "spielend gemeistert" für leicht, mühe- und problemlos, das Leben spielt dagegen eher willkürlich. Der Versuch, sich dem Spielphänomen durch den sprachlichen Gebrauch zu nähern, ist somit zum Scheitern verurteilt. Allerdings wird deutlich, welche Komplexität besagtes Phänomen auszeichnet. Diese Komplexität wird auch deutlich, wenn man sich klar macht, in welchen Entwicklungsphasen gespielt wird und in welch unterschiedlichen Kontexten gespielt wird: Die Katze spielt anders mit der Maus als ein Kleinkind mit Bauklötzen, Skatspiel ist etwas deutlich anderes als Verstecken. Und dann gibt es noch Glücksspiele, Geschicklichkeitsspiele, Rollenspiele... . Die scheinbar einfache Frage "Was ist ein Spiel?" scheitert schon an grundsätzlichen Merkmalen: Ist spielen ein Zustand oder eine Tätigkeit, ist es ein physischer, psychischer oder geistiger Prozess? Die Tendenz der Spielforschung geht laut 6FKHXHUO in die Richtung "psychische Funktion". Beim Versuch, eine griffige und dennoch umfassende Definition zu erstellen, sind die Spieltheoretiker meines Wissens bisher gescheitert. Allerdings konnten einige Charakteristika herausgearbeitet werden, die das Spiel kennzeichnen, auf welche im Verlauf dieser Arbeit noch zu sprechen kommen werde. Vermutlich liegt der Ursprung des Wortes „Spiel“ im Althochdeutschen „spilen“ das Fließende, Bewegliche, das Schwebende, sich Bewegende.
Unter dem „Spiel“ versteht man heute großteils ein Verhalten, eine „Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck lediglich aus Freude an ihr selbst ausgeübt wird und mit Lustempfindungen verbunden ist.“ 1
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Das Spiel wurde schon von 3ODWRQ und $ULVWRWHOHV als Phänomen erkannt, allerdings bildet sich erst auf den Grundlagen der Untersuchungen 5RXVVHDXV 3HVWDOR]]LV 6FKLOOHUV und )U|EHOV eigene Spieltheorien heraus.
1 Meyers großes Taschenlexikon. 7. Auflage. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich, B.I.-Taschenbuchverlag 1999
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Herbert 6SHQFHU deutete das Spiel als Ä$XVIOXVV HLQHV .UDIWEHUVFKXVVHV³ der Spielenden, er sieht also im Spiel das Ablassen eines angestauten Kraftüberschusses. Diese Meinung vertraten unter anderen auch 7ROPDQ und 7KLQNOHSDXJK.
Eine Abwandlung der Kraftüberschusstheorie stellt die .DWKDUVLV RGHU 5HLQLJXQJVWKHRULH dar, der zufolge das Spiel dem Menschen, der von ursprünglich aggressiven Trieben besessen ist, die Chance, diese auf unschädliche Weise abzureagieren. Vertreter dieser Theorien sind u.a. Harvey &DUU und Karl *URRVV Unter Einfluss von Darwins Evolutionstheorie formulierte Stanley +DOO 1906 die 5HNDSLWXOLHUXQJVWKHRULH welche besagt, dass das Spiel des Kindes den Entwicklungsverlauf des Menschen bis zur Jetztzeit widerspiegelt.
/D]DUXV formulierte 1883 seine (UKROXQJVWKHRULH, die von 3DWULFN 1916 erweitert wird und der Energieüberschusstheorie gegenübersteht.
Auch der österreichische Tiefenpsychologe Alfred $GOHU setzte sich mit dem Spiel auseinander. Bei ihm erhält das Spiel die Bedeutung der 6FKHLQEHIULHGLJXQJ GHU 0DFKW XQG*HOWXQJVWULHEH, welche beim Spiel offen dargelegt werden können.
Mit seinem Buch „Homo Ludens“ hat Johan +XL]LQJD jedoch ein wegweisendes Werk geschaffen, welches den weiteren Verlauf der Entwicklung der Spieltheorien stark beeinflusst hat, weshalb sich das nächste Kapitel mit diesem Werk beschäftigen wird.
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Arbeit zitieren:
Martin Haiden, 2002, Spiel und Mimicry, München, GRIN Verlag GmbH
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