Ein-Euro-Job - zwei aktive Frauen
Ines Zeugner und Gisela Vukanci´c bauen in Merseburg eine Ehrenamtsbörse auf
VON PETRA WOZNY, 25.11.04, 18:03h, aktualisiert 25.11.04, 20:44h, erschienen in: Mitteldeutsche Zeitung
Merseburg/MZ. "Das ist doch Ausbeutung", hat Ines Zeugner als
erstes gedacht, als sie von den Ein-Euro-Jobs hörte. Bei Gisela Vukanci´c war die erste Reaktion etwas anders: "Ob ich zu Hause sitze und nur von Arbeitslosenhilfe, Wohngeld und GEZ-Befreiung lebe, kann ich mir auch was dazu verdienen." Beide Frauen sind seit 1. Oktober im Merseburger Bürgerzentrum beim Verein Agenda 21 beschäftigt - und wollen den Ein-Euro-Job nicht mehr missen.
30 Stunden arbeiten sie die Woche über, das macht 120 Euro Zuverdienst im Monat. Peanuts? Sie schütteln den Kopf. "Klar geht es bei der Arbeit auch um Geld, aber uns ist wichtig, dass wir gebraucht werden", schildert Ines Zeugner und ihre Kollegin nickt. In den nächsten Monaten bauen sie eine Ehrenamtsbörse auf.
Viel Zeit bleibt ihnen nicht. "Unser Projekt geht nur bis Juni nächsten Jahres" sagt Ines Zeugner leise und Tränen steigen ihr in die Augen. Hat die 41-Jährige bis dahin keinen Job gefunden, steht sie wieder vor dem Aus. Ein Zustand, der sie zur
Verzweiflung bringt. Klug ist sie, hat Leistungsstipendium während des Studiums bezogen und Jahre als Projektantin im Chemieanlagenbau Grimma gearbeitet. 1988 kam ihre Tochter. Als die Wende sich abzeichnete, war sie mit dem Kleinkind beschäftigt. "Erst hatte ich Kurzarbeit, dann Kurzarbeit Null, 1991 die Entlassung", schildert sie. "Ich wollte auf keinen Fall zu Hause bleiben", war ihr Ziel. Weiterbildungen, ABM und Enttäuschungen prägen die Neunziger.
Auch Gisela Vukanci´c' Lebensweg ist nicht eben. "Ich hatte einen Prima-Job zu DDR-Zeiten. Mann, hat mir die Arbeit vielleicht Spaß gemacht", erinnert sie sich mit Freude an fast zwei Jahrzehnte, wo sie Versicherungskaufmann war. Die Mutter dreier Kinder geht 1990 mit ihrem Mann, einem Jugoslawen, in seine Heimat. "Dort hat uns der Krieg einen Strich durch die Rechnung gemacht" erzählt die heute 54-jährige. Sie kehrt zurück und findet ein anderes Land wieder.
Da sie vor der Ausreise alles aufgegeben hatte, steht Gisela Vukanci´c vor dem Nichts. Das neue, andere Leben beginnt auf der untersten Stufe - mit gebrauchten Möbeln und Arbeitslosengeld. ABM folgen - manche nimmt sie auch mit Zähneknirschen. "Es musste sein, denn das Geld wurde immer weniger." Auf Theater, Kino, Kosmetik muss sie verzichten. Einen DVD-Player oder ein Auto hat sie nicht.
"Vielleicht reicht das Geld mal für ein Fahrrad", lacht sie und auch Ines Zeugner lächelt zaghaft: "Ich wünsche mir für meine Familie eine größere Wohnung." Doch die Umzugskosten und die Miete lassen den Traum rasch zerplatzen. Die Bescheide für ALG II sind noch unterwegs. Indes lassen sich Ines Zeugner und Gisela Vukanci´c nicht beirren.
In den nächsten sieben Monaten wollen sie eine brauchbare Datenbank aufbauen. Im Juni 2005 werden sie die an die Neuen übergeben. "Wir wollen zeigen, dass wir was können", sagt Ines Zeugner. "Das kann es doch in unserem Alter noch nicht gewesen sein", findet Gisela Vukanci´c.
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So oder ähnlich sehen viele Nachrichten über Frauen in Deutschland und ihre derzeitige Situation aus. Aber wie kommt es zu solch schlechten Lagen? Ist der Spagat zwischen Familie und Beruf doch nicht zu verwirklichen? Haben Frauen überhaupt die Chance dazu?
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Der Text von Irene Dölling mit dem schlagkräftigen Titel: „Arbeit zuerst.“ Wird uns darüber Aufschluss geben.
Eingangs erhalten wir eine Einführung in das Hauptthema des Textes, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Des weiteren wird die Forschungsmethode, das sample, das uns vorgestellt wird, näher erläutert. Es folgen aufgeworfene Fragestellungen, die der Text beantworten wird. Die Fragen werden abgearbeitet und es werden uns, zum jeweiligen Unterthema passend, Probandinnen vorgestellt. Den Schluss bilden ein vorsichtig ausgeführtes Fazit und einige Anmerkungen.
Im vorliegenden Text lernen wir 16 ostdeutsche Frauen kennen, die ähnliche Schicksale durchlebt haben. Sie beschreiben ihre Erfahrungen mit dem Vereinbarkeitsmodell Familie-Beruf während und nach der Wende in Deutschland.
Gleich in der Einleitung erfahren wir, dass die Berufstätigkeit in der DDR „erste Bürgerpflicht“ für Männer und Frauen war. (S. 222) Diese Richtlinie haben die ostdeutschen Frauen bis heute nicht verloren, sie definieren sich über (Berufs-) Arbeit und ungern über (Haus-) Arbeit. Schwer ist es jedoch, so wird erwähnt, dieses ehemals selbstverständliche Modell der Vereinbarung auch heute, ohne politisch- staatliche Unterstützung zu verwirklichen. Jetzt heißt es privat aushandeln mit dem Mann, wie man sich arrangiert zwischen Erwerbs- und Familienarbeit.
Ohne jede Hilfe von außen wird die Familienarbeit schnell vollständig Sache der Frau, wenn sie sich nicht gegen diesen Stempel wehrt. „Normal“ ist mittlerweile die vollzeitige, ununterbrochene Berufstätigkeit des Mannes- als „Ernährer“ der Familie. Eher wird einer Frau, als einem Mann gekündigt- frau kann ja dann noch zuhause genug Arbeit leisten, aber „Big Daddy“ muss den Job behalten. Dieses „Wegbrechen sozialpolitischer Rahmenbedingungen“ (S. 223) erhöht natürlich das Risiko für Frauen arbeitslos zu werden. Diesem Druck in die Hausfrauensparte setzen sich aber dennoch genug Frauen zur Wehr, wie wir alsbald im Text erfahren.
Erst aber wird das Sample näher beschrieben. 55 Frauen, die 1990 zwischen 20 und 30 Jahre waren und damit die letzte Alterskohorte, die ihre Sozialisation nach typischen, selbstverständlichen DDR- Bedingungen und Normen durchlebt haben, stellten ihr Tagebuch zur Verfügung. Die Hälfte davon wurde 1994 in Nachuntersuchungen befragt, letztendlich blieben davon 16 Frauen übrig, auf die sich das Sample stützt. Diese nicht repräsentativen Einzelfallanalysen geben Aufschluss darüber, wie einige Frauen Arbeitslosigkeit oder Abwertung direkt nach ihrer Familiengründung, zu einem Zeitpunkt, der in der DDR üblich war, erlebt haben.
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Es ergeben sich Fragen, die durch das Sample geklärt werden sollen. Beispielsweise: „Wie nehmen diese 16 Frauen diese Veränderung wahr? Wie reagieren sie auf das wiederbelebte Normativ vom männlichen Ernährer? Sind ihre Mütter und deren Lebensplanungen Vorbilder für sie?“ (S. 226-227)
Nun folgt die Vorstellung der Einzelschicksale und die Abhandlung der Fragestellungen unter dem Titel „Arbeit zuerst“. Dies ist die Devise aller 16 Frauen, die ausnahmslos die Veränderungen des Arbeitsmarkts als Anforderungen an sich selbst wahrnehmen. Ihnen ist klar, dass niemand mehr Für- oder Vorsorge für ihre Lebensplanungen übernimmt, sie stattdessen aber, wenn sie Beruf und Familie haben wollen, eine Vereinbarung für sich selbst treffen müssen. „Hausfrau“ zu sein oder zu werden ist 1990 für keine von ihnen eine Option, dieser Standpunkt hält sich auch bis 1997, auch wenn sie deshalb Langzeitarbeitslosigkeit in Kauf nehmen müssen.
Die 16 Frauen des Samples sind nach 1990 verstärkt einem Individualisierungsdruck im Erwerbsleben ausgesetzt, aufgrund ihrer hohen schulischen Qualifikationen können sie sich ihm aber relativ gut stellen. Zu diesem Thema werden nun 3 Frauen mit ständigen Berufsneuanfängen vorgestellt, aber bei allen stellt sich heraus, dass ihre bisherigen Bildungswege oder Tätigkeiten keine großen Perspektiven bringen. Nur eine der Probandinnen erfüllt sich den Wunsch des „Traumberufs“. Zu viele sehen es noch als allein ihre Aufgabe und Verantwortung an, sich ohne Hilfe unter den veränderten Bedingungen zurechtzufinden. Viele scheitern an dieser Hilflosigkeit.
Alle Probandinnen sehen immernoch das DDR- Modell der „Synchronisierung von Familien-und Berufsarbeit“ als selbstverständlich an, einige aber wollen es nicht automatisch ausleben und haben ihre Single- Lebensform seit DDR- Zeiten nicht verändert. (S. 230) Damals wurde das Single- Dasein jedoch als Abweichung der Norm angesehen, heute wird diese Lebensweise eher akzeptiert. Die Meinung unter Gleichgesinnten ist- „Männer sind für Frauen meist Karrierebremsen.“ (S. 230). Einige der Frauen sind nicht bereit Kinder ohne finanzielle Absicherungen in die Welt zu setzen.
Alle Frauen dieses Samples sehen das Vereinbarkeitsmodell von Beruf und Familie zwar als selbstverständlich an, aber die meisten merken auch schnell, dass dies leichter gesagt als realisiert ist. Der Kinderwunsch ist vollkommen geldabhängig und auch abhängig davon, inwiefern man vom Partner unterstützt wird. Die Frauen beschreiben „Mutterpflichten“ als reiflich überlegte Entscheidung und als ihre private Verantwortung. Es wird weiterhin erwähnt, dass die „Rolle des männlichen Ernährers“ in der DDR abgeschwächt war, die Familienarbeit und das Vereinbarkeitsmodell aber trotzdem Sache der
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Arbeit zitieren:
Syntje Krause, 2005, Rezension zu Dölling, Irene (2000) "Ganz neue Inhalte werden im Vordergrund stehen: die Arbeit zuerst" Erfahrungen junger ostdeutscher Frauen mit dem Vereinbarkeitsmodell (1990- 1997), München, GRIN Verlag GmbH
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Syntje Krause hat den Text Rezension zu Dölling, Irene (2000) "Ganz neue Inhalte werden im Vordergrund stehen: die Arbeit zuerst" Erfahrungen junger ostdeutscher Frauen mit dem Vereinbarkeitsmodell (1990- 1997) veröffentlicht
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