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EINLEITUNG 1
In dieser Arbeit sollen die beiden Kommunikationsmodelle, das Organonmodell von Karl Bühler und das Kommunikationsmodell von Roman Jakobson, beschrieben und anschließend einer vergleichenden Betrachtung unterzogen werden. Kommunikationsmodelle versuchen, die komplexe Wirklichkeit des Kommunikations prozesses in ihren wesentlichen Faktoren zu erfassen und darzustellen. Sie sind damit nur vereinfachende Modelle der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst.
Karl Bühler entwarf im Rahmen seiner Sprachtheorie (1934) das Organonmodell, ein zentrales Sprach- bzw. Zeichenmodell, das sich mit den Funktionen von Sprache befasst. Er nannte es Organonmodell in Anlehnung an Platons Metapher der Sprache als Werkzeug (griechisch: Organon). 1 Sprache ist demnach ein Hilfsmittel, mit dem eine Person einer anderen einen Sachverhalt mitteilt, um sie zu informieren oder um eine Verhaltensänderung zu bewirken. 2
Laut Bühler hat Sprache drei konstitutive, diakritische Funk tionen: die Ausdrucksfunktion, die Appellfunktion und die Darstellungsfunktion, die seiner Meinung nach „den Kosmos der reinen Sprache restlos konstituieren.“ 3
Roman Jakobson erweiterte in seinem Aufsatz Linguistik und Poetik (1960) Bühlers dreigliedriges Organonmodell (1933) zu einem Sprachmodell mit sechs Funktionen. Demzufolge spielen in jeder sprachlichen Kommunikation sechs Faktoren eine Rolle: der Sender, der Empfänger, der Kanal, die Botschaft, der Kontext und schließlich der Code, der von allen Kommunikationsteilnehmern beherrscht werden muss. 4
1 Vgl. Lexikon der Sprachwissenschaft (1983): 365.
2 Vgl. Brockhaus (1991): 261.
3 Bühler (1927): 51, zit. n. Busse (1975): 207.
4 Vgl. Pelz (2000): 28.
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BESCHREIBUNG DER 2 KOMMUNIKATIONSMODELLE
2.1 Das Organonmodell von Bühler
Das konkrete Sprechereignis bildet für Karl Bühler den Ausgangspunkt seiner Untersuchung der menschlichen Sprache. 5 Zu einer Kommunikationssituation gehören nach Bühler drei Hauptelemente: ein Sprecher (Sender), ein Hörer (Empfänger) und ein Gegenstand (Referent), auf die sich die Sprache bezieht. Bühler kommt zu der Feststellung, dass die Leistung des sprachlichen Zeichens dreifach ist. 6 Außerdem stellt er fest, dass sie abhängig ist von der Gesprächssituation, in der das Zeichen geäußert wird, sowie dem sozia len Rollenspiel, welches dieser Situation zugrunde liegt.
[Es gibt drei] semantische [...] Funktionen des (komplexen) Sprachzeichens. Es ist Symbol kraft seiner Zuordnung zu Gegenständen und Sachverhalten, Symptom (Anzeichen, Indicum) kraft seiner Abhängigkeit vom Sender, dessen Innerlichkeit es ausdrückt, und Signal kraft seines Appells an den anderen Hörer, dessen äußeres oder inneres Verhalten es steuert wie andere ‚Verkehrszeichen’. 7
Erklärung des Modells:
5 Busse (1975): 213.
6 Vgl. Bühler (1934): 28.
7 Bühler (1934): 28.
3
Der Kreis symbolisiert den materiellen Zeichenträger, z.B. beim verbalen Zeichen das Schallphänomen. Das Dreieck stellt die Zeichenfunktion dar, die das Schallphänomen hat. Die Seiten des Dreiecks sind den drei Hauptelementen zugewandt. Die Linien, die vom Mittelpunkt weggehen, stellen die semantischen Funktionen des Sprachzeichens dar. 8 Die referentielle Funktion ist nur gestrichelt markiert, also weniger konstitutiv und auch weniger direkt als die Beziehung zwischen Sender, Zeichen und Hörer. 9
Die drei Funktionen des Organonmodells sollen im Folgenden näher erläutert werden:
1. Das Zeichen ist ein Symbol für Gegenstände und Sachverhalte. Es kennzeichnet die Beziehung zwischen dem Zeichen und einem Objekt. Sprachzeichen stellen die realen Gegenstände und Sachverhalte symbolisch dar. Bühler spricht von der Darstellungsfunktion.
2. Das Zeichen ist ein Symptom für den Sender (Sprecher). Es geht um die Bezie hung zwischen dem Zeichen und dem Sender.
Das sprachliche Zeichen drückt als ein Symptom die menschliche Befindlichkeit des Senders mit ihren Emotionen und Werten aus. Die Sprache hat also auch Ausdrucksfunktion.
3. Das Zeichen wirkt als Signal für den Empfänger und zeigt die Beziehung zwischen Zeichen und Empfänger auf.
Der Sender kann seiner Mitteilung ein Interpretationssignal mitgeben, das durch seine Beschreibungsstruktur oder seinen Tonfall und seiner Körpersprache festgemacht werden kann. Hier liegt die Appellfunktion des Zeichens vor.
Zu beachten ist bei Bühlers Modell, dass die Zeichenfunktion und die Laut funktion nicht deckungsgleich sind. Im Alltag werden viele redundante und unnötige Informationen produziert, die herausgefiltert werden müssen, so dass nur diejenigen Aspekte der Zeichen übrig bleiben, die für die Informationsvermittlung als relevant angesehen werden. Bühler nennt diese Eigenschaft das Prinzip der abstraktiven Re- 8 Vgl.Bühler (1976): 116.
9 Vgl. Auer (1999): 25.
Arbeit zitieren:
Margret Jonas, 2005, Kommunikationsmodelle: Organonmodell von Bühler und Kommunikationsmodell von Jakobson, München, GRIN Verlag GmbH
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Bilaterales Zeichenmodell, Semiotisches Dreieck, Organonmodell
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Serap Celen
Es handelt sich beim Organon-Modell eben nicht um ein Kommunikationsmodell!.
Schade, dass die Autorin dies nicht zu erkannt haben scheint. Das Organon-Modell von Bühler ist ein Zeichenmodell und kein Kommunikationsmodell. Vllt. einfach ein kleiner Tipp, für die Interessenten, die sich für diese Arbeit interessieren.
am Saturday, April 21, 2007-
Burcu Caliskan
Das Organon Modell ist kein Kommunikationsmodell.
Als Semiotikerin und Kommunikationswissenschaftlerin schließe ich mich der Frau Celen an. Die Autorin hat es nicht erkannt, dass das Organon-Modell definitiv ein Zeichenmodell ist.
am Tuesday, September 09, 2008-
Eli Rose
Warum wird dann das Organon-Modell in vielen einschlägigen Literaturen wie "Germanistische Linguistik" von Busch/Stenschke oder auch im "Metzler Lexikon Sprache" immer wieder als Kommunikationsmodell benannt? Das Organon-Modell veient viele spezifische Seiten der Kommunikation und durch das Modell kann sprachliche Kommunikation beschrieben werden. Meiner Meinung nach ist die Bezeichnung Kommunikationsmodell nicht falsch.
am Wednesday, June 30, 2010-
Alex Schwert
Ein Zeichen dient immer der Übermittlung einer Botschaft des Adressanten dem Adressaten, also ein Zeichenmodell ist auch ein Kommunikationsmodell. Das gehört zum Allgemeinwissen jedes "Semiotekers/in". Das Organon-Modell ist sowohl Zeichen- als auch Kommunikationsmodell.
am Sunday, August 08, 2010-