Abstract
Beim Studium menschlicher Rationalität benützen Psychologen derzeit klassische Modelle der Logik. Mehr und mehr wird jedoch klar, dass für das allgemeine Schließen die klassische Logik nicht adäquat ist. Eine plausible Alternative zum System der klassischen Logik ist das „nicht monotone“ System P, über das breiter Konsens herrscht. In unserem Artikel berichten wir über ein psychologisches Experiment, in welchem die Monotonie mit der Vorsichtigen Monotonie des System P verglichen wird. Wir fanden eine relativ gute Übereinstimmung zwischen dem menschlichen Schließen und Grundlagen des „nicht monotonen“ Schließens, bezugnehmend auf die kohärente Interpretation des System P. Es wurde beobachtet, dass die Versuchspersonen mehr Verletzungen der unteren Grenze als der oberen Grenze begingen. Die von den Versuchspersonen angegebenen Intervalle der Monotonieregel waren größer als die angegebenen Intervalle der Vorsichtigen Monotonie-Regel.
III
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1 Logik 1
1.1.1 Deduktion (Monotonie) vs. Induktion (Nichtmonotonie) 2
1.1.2 Conjunction Fallacy 5
1.1.3 System P 7
1.2 Fragestellung und Hypothesen 9
1.2.1 Fragestellung. 9
1.2.2 Hypothesen 9
2. Methoden 9
2.1 Untersuchungsplan 10
2.2 Untersuchungsgruppe 10
2.3 Untersuchungsverfahren 10
2.3.1 Doppelblindversuch 10
2.3.2 Booklet 11
2.3.3 Ablauf 11
2.4 Untersuchungsdurchführung 11
3. Ergebnisse 12
3.1 Häufigkeiten. 13
3.2 U-Test nach Mann und Whitney. 15
3.3 Variablen Aufgabenklarheit, -sicherheit u. -schwierigkeit. 20
3.4 Qualitative Auswertung. 21
4. Diskussion 22
5. Literaturverzeichnis 23
Anhang
Anhang A: Booklet Monotonie und Vorsichtige Monotonie
Anhang B: Statistische Auswertung
1
1. EINLEITUNG
Diese Arbeit beschäftigt sich mit menschlichen Denken bei unsicherem Wissen. Weil im Alltag immer neues Wissen hinzukommt, müssen im Lichte neuer Evidenz, neue Konklusionen gemacht werden. Folglich ist menschliches Schließen „nicht monoton“. Es ist von besonderem Interesse, empirisch zu untersuchen, welche Lösungswege und Denkprozesse das einzelne Individuum in Konfrontation mit einer Aufgabe durchläuft, bei der ein Problem durch Denken bei unsicheren Wissen, zu lösen ist. Um diese Denkprozesse vorhersagen zu können, sollte die heutige wissenschaftlich Forschung verstärkten Fokus auf das „nichtmonotone“ Schließen beim Menschen werfen. Insbesondere wird der Zusammenhang von Schlußfolgerungen bei Wahrscheinlichkeiten untersucht.
In unserer Untersuchung beziehen wir uns auf die gegenwärtig relevante Studie von Pfeifer und Kleiter (2002), in der psychologische Experimente vorgestellt werden, die sich mit drei Regeln des SYSTEM P auseinandergesetzt haben. Die Conjunction Fallacy wurde dabei als Brücke zur Psychologie verwendet. (vgl. D. Kahnemann, P. Slovic & A. Tversky, 1982)
1.1. Logik
Seit Anfang des 20. Jahrhundert befassen sich Psychologen mit menschlichem Schließen und Rationalität. Es gibt keine eindeutige Auffassung davon, was rationales Verhalten ausmacht. Die Philosophen streiten sich auch. Folgende unterschiedliche Rationalitätsauffassungen können festgemacht werden:
1. Der lernfähige rationale Mensch
Nach Edwards (1977) kann der Mensch in Situationen, in denen sein Verhalten vom Optimalen abweicht, durch geeignete Instruktion oder Training diesen Mangel an Wissen beheben.
2. Der begrenzt rationale Mensch
Nach Simon (1956) verhalten sich Individuen nicht notwendigerweise vollständig optimal, sondern nur bis zu einem gewissen Grad. Sie wählen etwa Alternativen, die sie als „gut genug“ auf ihr Ziel wahrnehmen. Der begrenzt rationale Mensch berück- sichtigt den Aufwand an Zeit, Energie und Denken und wählt optimale Strategien.
2
Dabei wird die beschränkte Leistungsfähigkeit des kognitiven Apparates berücksichtigt.
3. Der fehleranfällige intuitive Statistiker
Fehler bei Wahrscheinlichkeitsurteilen resultieren nach Kahnemann und Tversky (1982) danach aus dem Gebrauch von vereinfachenden Heuristiken. Der Mensch versucht weitgehend rational zu sein, bei zunehmender Komplexität der Umgebung gelingt es aber immer weniger. Es fehlen die notwendigen korrekten Programme, um die jeweilige Situation richtig zu identifizieren und die entsprechenden normativ richtigen Strategien anzuwenden.
4. Der Mensch, der normative Modelle falsch anwendet
Nach Gigerenzer (1991) zeigt der Mensch irrationales Verhalten, in dem er normative Modelle in Situationen anwendet, in denen sie nicht anwendbar sind.
Psychologen haben ein systematisches Versuchsprogramm entwickelt, um die Vereinbarkeit zwischen menschlichem Schließen und klassischer Logik auf der einen Seite und possibilistische Theorien auf der anderen Seite zu testen (vgl. Da Silva Neves, Bonnefon & Raufaste, 2002). Logik hat die Normen für menschliche deduktive Fähigkeiten bestimmt. Da Silva Neves et al. waren die ersten, die das SYSTEM P untersucht haben. Zwei wichtige Ansätze der Logik sind zu unterscheiden, die deduktive und die induktive Logik.
1.1.1 Deduktion (Monotonie) vs. Induktion (Nichtmonotonie)
Das Folgende sind Beispiele für korrekte Formen.
(a) Deduktiv: Jedes Säugetier hat ein Herz
3
(b) Induktiv: Jedes der Pferde, die bisher beobachtet worden sind, hat ein Herz gehabt.
Induktive Argumente besitzen im Gegensatz zu deduktiven Argumenten Konklusionen, deren Gehalt über den Gehalt ihrer Prämissen weit hinausgeht. Genau diese Eigenschaft macht induktive Argumente zur Stützung umfassender Gebiete unseres Wissens unentbehrlich (Salmon, 1983).
Die meisten Behauptungssätze - das sind Sätze, deren Hauptfunktion in der Mitteilung irgendeiner Information besteht - sind entweder wahr oder falsch, wenn wir auch in vielen Fällen nicht wissen, welche von den zwei Möglichkeiten der Fall ist. Wahrheit und Falschheit sind uns als Wahrheitswerte von Aussagen bekannt. Bei der Analyse deduktiver Argumente sind wir an der Art von Sätzen interessiert, denen man Wahrheitswerte zuschreiben kann. Die Konklusion muss wahr sein, wenn die Prämissen wahr sind.
Der Grundgedanke der Konstruktion von Wahrheitstafeln (siehe unten) ist, dass es bestimmte Möglichkeiten gibt, komplexe Aussagen aus Teilaussagen zu bilden, und zwar derart, dass der Wahrheitswert der zusammengesetzten Aussage vollkommen durch die Wahrheitswerte der Teilaussagen bestimmt ist (Salmon, 1983).
Jede komplexe Aussage der From „p und q“ ist wahr, wenn die Teilaussagen „p“ und „q“ beide wahr sind; andererseits, wenn eine oder beide der Teilaussagen fa lsch sind, dann ist auch die zusammengesetzte Aussage falsch (Salmon, 1983).
Andere Ausdrücke, die Aussagen miteinander verknüpfen wie „oder“, „wenn ..., dann ...“ und „genau dann, wenn“, können in einer ähnlichen Weise analysiert werden. Alle diese Ausdrücke bezeichnet man als wahrheitsfunktionale Verknüpfungszeichen, denn der Wahrheitswert irgendeiner komplexen Aussage, die mittels dieser Verknüpfungszeichen konstruiert wurde, ist vollständig bestimmt durch die Wahrheitswerte der Teilaussagen.
Arbeit zitieren:
Sonja Mayr-Stockinger, 2003, Vergleich "Monotonie" und "Vorsichtige Monotonie" beim Schließen mit unsicherem Wissen, München, GRIN Verlag GmbH
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