Inhalt
1. Einleitung. 1
2. Die familiale Erwerbs- und Freizeitsituation zur Zeit der
Industrialisierung.......................................................................................... 3
2.1 Die familiale Erwerbsstruktur zur Zeit der Industrialisierung. 3
2.2 Familie und Freizeit während der Industrialisierung. 5
3. Die familiale Erwerbs- und Freizeitsituation vom Wirtschaftswunder
bis in die 1970er Jahre. 9
3.1 Die familiale Erwerbsstruktur in der Wohlstandsgesellschaft. 9
3.2 Familie und Freizeit in der Wohlstandsgesellschaft. 11
4. Die familiale Erwerbs- und Freizeitsituation am Ende des 20.
Jahrhunderts. 14
4.1 Die familiale Erwerbsstruktur am Ende des 20. Jahrhunderts. 14
4.2 Familie und Freizeit am Ende des 20.Jahrhunderts. 16
5. Schlussbetrachtung. 19
Literaturverzeichnis 21
Der Bedeutungswandel von Arbeit und Freizeit für die Familie 1
1. Einleitung
Diese Arbeit soll sich mit der Frage beschäftigen, wie sich die Veränderungen in der Erwerbsstruktur, die sich beispielsweise in Arbeitszeitverkürzungen, aber auch in Form von Einzel- oder Doppelverdienerhaushalten stark niederschlagen, auf das Freizeitverhalten in der Familie und vor allem mit der Familie ausgewirkt haben. Als Betrachtungszeitraum wird hier die Zeit von der Industrialisierung, mit extrem hohen Arbeitszeiten, über die Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges, die einen Überfluss an Wohlstand symbolisiert, bis in das 21.Jahrhundert, als Epoche des Umbruches in der Arbeitswelt, herangezogen. Der Betrachtungsgegenstand soll sowohl das innerfamiliäre Zusammenleben mit Schwerpunkt der Freizeitnutzung in der Familie, als auch die Veränderungen in der Erwerbsarbeit sein, die nötig waren um mehr Zeit für Freizeit zu schaffen.
Der zeitliche Einschnitt, der hier zwischen der industriellen Revolution und der deutschen Nachkriegszeit gemacht wird, ist nicht ohne Grund gewählt, da die wirtschaftlichen Krisen während der Weimarer Republik eine besondere Lage auf dem Arbeitsmarkt und im Erwerbsleben der Familien darstellen. Auch die beiden Weltkriege führten zu einer ungewöhnlichen Situation auf dem Arbeitsmarkt, da Frauen beispielsweise die männliche Arbeitskraft in der Wirtschaft ersetzen mussten. Aufgrund dieser besonderen Situation bietet e sich in Hinblick auf das Thema dieser Arbeit nicht an, diese Zeit näher zu beleuchten.
Im zweiten Gliederungspunkt wird zuerst auf den Wandel in der Erwerbsstruktur der Familie eingegangen. Eingangs soll die Bedeutung und das Ausmaß von Arbeit in der Gesellschaft in der Epoche der Industrialisierung herausgearbeitet werden. Darauffolgend soll der Umgang mit der freien Zeit in der Gesellschaft der industriellen Revolution näher betrachtet werden, wobei hier vor allem auf die zahlreichen Gründungen von Arbeitervereinen im Bereich Sport, Kultur und Politik eingegangen werden soll. Im weiteren Verlauf soll dann geklärt werden, wie und ob sich dieses Vereinsleben auf die
Der Bedeutungswandel von Arbeit und Freizeit für die Familie 2
Familie ausgewirkt hat und welche Aktivitäten in und mit der Familie stattfanden.
Der dritte Abschnitt dieser Arbeit soll das Bild der typischen Erwerbssituation der traditionellen bürgerlichen Familie ab der Zeit des Wirtschaftswunders mit dem Ehemann als Alleinverdiener und der Ehefrau als Hausfrau und Mutter vorgestellt werden. Von diesem Bild ausgehend wird die Rolle von Ausbildung und Beruf für die (Ehe-) Frau thematisiert werden, um im Folgenden die strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft dieser Zeit darzustellen. Die sich anschließende Untersuchung des Freizeitverhaltens in der traditionellen bürgerlichen Kernfamilie der deutschen Nachkriegszeit wird hier unter das Schlagwort der Intimisierung des Freizeitverhaltens gefasst. Aufgrund von strikter Trennung von Arbeits- und Berufsleben und vor allem durch die alleinige Mutterrolle der Frau ist davon auszugehen, dass die familiäre Situation eher von behütetem Familienleben bestimmt ist und das Freizeitleben somit auch hauptsächlich im Kreise dieser behüteten Familie stattfand.
Die letzte her betrachtete Station in der Entwicklung des Familienlebens ist die Familie der jüngsten Zeit. Hier werden die starke Verkürzung der Lebensarbeitszeit und die Rolle von Strukturwandel und neuen Beschäftigungsverhältnissen für den Wandel in der Erwerbsstruktur in der jüngeren Zeit aufgegriffen. Darauffolgend soll das Freizeitverhalten der modernen Familie, das unter dem Begriff Individualisierung und Mediatisierung zusammengefasst werden kann, näher beleuchtet werden. Aufgrund von immer stärker werdender Mediennutzung in der Gesellschaft soll das Freizeitverhalten der Familie auch unter diesen Aspekt gestellt werden. Die mediensoziologische Sicht soll hier noch um weitere
Individualisierungsthesen, die auch andere Bereiche des Freizeitverhaltens betreffen, erweitert werden.
Der Bedeutungswandel von Arbeit und Freizeit für die Familie 3
2. Die familiale Erwerbs- und Freizeitsituation zur Zeit der
Industrialisierung
2.1 Die familiale Erwerbsstruktur zur Zeit der Industrialisierung
Dieser Abschnitt der Arbeit soll sich mit der Erwerbsstruktur von Familien der Arbeiterschicht, und hier im speziellen der Industriearbeiterschicht, während der Zeit der Industrialisierung in Deutschland beschäftigen und der Frage nachgehen, wie die Verteilung der Erwerbsarbeit in der Familie ausgesehen und welchen Stellenwert sie eingenommen hat.
Um die Wanderung in die Städte, vor allem in die industriellen Ballungsräume zu verdeutlichen und die Beweggründe der Bevölkerung, die dazu führten sich de Industriearbeit zuzuwenden verständlich zu machen, soll hier zuerst ein kurzer geschichtlicher Abriss gegeben werden.
Die Auflösung der ständisch-agrarischen Gesellschaft und der Niedergang von handwerklich geprägten Zentren, wie etwa der Weber in Schlesien, 1 durch die ersten Einflüsse der Technisierung und Industrialisierung, bewirkten ein starkes Ansteigen der armen Bevölkerung und führte zu einer neuen Mobilität, die vor allem in der Unterschicht einsetzte.
Der Beginn der Industrialisierung, der in Deutschland nach der Revolution 1848/49 einzuordnen ist, ermöglichte die Bereitstellung von Arbeitsplätzen für diese Schichten, die zwar „Rettung vor der Verelendung [darstellte, aber in] das Elend frühindustriellen Proletarierdaseins“ 2 führte.
Die Arbeitskraft, die in den Fabriken benötigt wurde, aber wegen des großen Angebots an Arbeitskräften nur schlecht bezahlt war und zusätzlich noch starken strukturellen Schwankungen unterlag, wurde also zum scheinbaren
1 Vgl.: Hodenberg, Christina von: Aufstand der Weber. Die Revolte von 1844 und ihr Aufstieg
zum Mythos. Bonn 1997, S.54
2 Köllmann, Wolfgang; Aus dem Alltag der Unterschichten in der Vor- und
Frühindustrialisierungsphase. In: Reulecke, Jürgen; Weber, Wolfgang (Hrsg.): Fabrik -Familie - Feierabend. Beiträge zur Sozialgeschichte des Alltags im Industriezeitalter.
Wuppertal 1978, S.11
Der Bedeutungswandel von Arbeit und Freizeit für die Familie 4
Ausweg aus der Armut. 3 Dies war allerdings nur der Fall, wenn alle Familienmitglieder sich dieser Arbeit verschrieben, da die Ernährung einer ganzen Familie durch einen einzelnen Arbeitslohn nicht möglich war. Das Verbot beziehungsweise die Einschränkung der Kinderarbeit erfolgte nur schrittweise ab 1880, als sie zuerst für Kinder unter 12 Jahren und später auch für Kinder unter 14 Jahren verboten wurde. 4
Conze beispielsweise beschreibt, dass der alleinige Arbeitsverdienst des Vaters nicht ausreiche, um eine gesamte Familie auch nur annähernd zu versorgen. Gelernte Arbeiter könnten, laut Conze, nur etwas mehr als 80 zum benötigten Familieneinkommen beitragen, bei den Ungelernten seien es 75% oder weniger gewesen. Dies hatte zur Folge, dass Frau und Kinder ebenfalls der Erwerbsarbeit nachgehen mussten, um die Bedürfnisse der Familie wenigstens einigermaßen befriedigen zu können. 5
Weiterhin entstand durch die Trennung von Arbeits- und Wohnstätte zusätzlich das Problem, dass die in den meisten Fällen mitarbeitende Mutter nicht wie in früheren Zeiten ständig zu Hause war, um sich um Kinder und Haushalt zu kümmern, sondern der Lohnarbeit in der Fabrik nachgehen musste. 6 Diese doppelte Arbeitsbelastung durch Haushalt und Beruf erschwerte zusätzlich die sparsame Haushaltsführung, die notwendig war, um die Versorgung der Familie mit den begrenzten finanziellen Mitteln zu bewerkstelligen. 7
Ein weiterer Aspekt der hier zu berücksichtigen ist, ist die Intimisierung der Privatwohnung. Da in ihr nicht mehr wie früher gearbeitet und gelebt wurde, entwickelte sie sich zu einem rein familiären Bereich 8 , was auch auf
3 vgl.: Henning, Friedrich Wilhelm: Humanisierung und Technisierung der Arbeitswelt. Über
den Einfluß [sic] der Industrialisierung auf die Arbeitsbedingungen des 19. Jahrhunderts. In:
Reulecke, Jürgen; Weber, Wolfgang (Hrsg.): Fabrik - Familie - Feierabend. Beiträge zur
Sozialgeschichte des Alltags im Industriezeitalter. Wuppertal 1978, S.73
4 vgl.: Karst, Uwe Volker: Freizeit - Daten, Fakten, Hintergründe. In Engholm, Björn;
Hafemann, Michael; Reisch, Linda; Schlüpen, Detlef (Hrsg.): Die Zukunft der Freizeit.
Weinheim und Basel 1987, S.55
5 vgl.: Conze, Werner: Sozialgeschichte 1850 bis 1918. In: Aubin, Hermann; Zorn, Wolfgang
(Hrsg.): Handbuch der deutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 2. Stuttgart 1976,
S.620f.
6 vgl.: Köllmann: S.28
7 vgl.: Conze: S.621
8 vgl.: ebd.: S.672
Arbeit zitieren:
Florian Winkler, 2005, Der Bedeutungwandel von Arbeit und Freizeit für die Familie, München, GRIN Verlag GmbH
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