Funktionen und Eigenschaften des Wissenschaftsjournalismus
Gliederung:
1. Einleitung
2. Funktionen des Wissenschaftsjournalismus und deren Verwirklichung
2.1 Definitorische Abgrenzung des Begriffs Wissenschaftsjournalismus
2.2 Die Lösung des Kommunikationsproblems der Wissenschaft durch den
Journalisten
2.3 Das Verhältnis zwischen Wissenschaftler und Journalisten
3. Funktionen des Wissenschaftsjournalismus bezogen auf den Rezi pienten
3.1 Vier Argumente für Wissenschaftsjournalismus
3.2 Anforderungen an die Wissenschaftsberichterstattung - Informationstransfer
3.3 Anforderungen an die Wissenschaftsberichterstattung - Bildung und Aufklärung
4. Wissenschaftsjournalismus in der Öffentlichkeit
4.1 Wissenschaftsjournalismus in verschiedenen Medien
4.2 Der Weg zum Wissenschaftsjournalisten
5. Ethik im Wissenschaftsjournalismus
5.1 Journalisten in der Kontroverse
5.2 Lösungsvorschläge und Sichtweisen
6. Fazit
2
1. Einleitung
Wissenschaft ist ein aufstrebender Bereich unserer Gesellschaft. Diese Hausarbeit befasst sich mit der Frage, ob Medien diese Entwicklung wahrnehmen, sich mit dieser genügend befassen und wenn ja, wie sie umgesetzt wird. Darüber hinaus soll erörtert werden, wie Wissenschaftsjournalismus verstanden wird. Es sollen seine Facetten und seine Ziele, so wie die Probleme der Wissenschaft, Wissenschaftlern und Rezipienten journalistisch gerecht zu werden, aufgezeigt werden. Auch soll Kritik, an Betrachtungsweisen und an der journalistischen Umsetzung geübt werden. Die Entwicklung und Defizite der gegenwärtigen Wissenschaftsberichterstattung spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Es soll ein Einblick in den Beruf des Wissenschaftsjournalisten vermittelt, die Aufgaben der Berichterstattung definiert und Probleme dieses Berufsfeldes erläutert werden.
2. Funktionen des Wissenschaftsjournalismus und deren Verwirklichung
2.1 Definitorische Abgrenzung des Begriffs Wissenschaftsjournalismus
Die Anfänge der Wissenschaftsberichterstattung reichen bis in die ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts zurück. 1 Trotz alledem gibt es bis heute keine zusammenhängende Theorie des Wissenschaftsjournalismus. Verschiedene Autoren versuchen dieses Problem zu lösen. Dabei erheben Kommunikationswissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten immer wieder Kritik; mit einer Definition würde ein Status quo festgeschrieben werden, welcher die Kluft zwischen den Naturwissenschaften vertiefen würde. 2
Hier soll auf die Definition eingegangen werden, an welcher sich die Mehrzahl der Journalisten orientiert. 3
1 Vgl. Matthias Koring „Die Funktion der Wissenschaftsjournalismus“ (Westd. Verl. 1997) S. 11
2 Vgl. Leo Schmidt „Symbiotischer Wissenschaftsjournalismus“ (Bochum 1989) S. 1
3 Vgl. Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 10
3
Der Wissenschaftsjournalismus unterscheidet sich vom allgemeinen Journalismus durch seine Spezifikation. Der Wissenschaftsjournalismus bildet einen Teilbereich des Journalismus, wie auch der Sportjournalismus.
Die Aufgabe des Wissenschaftsjournalismus liegt in der Vermittlung von Wissen zwischen dem Wissenschaftler und der Öffentlichkeit. „Traditionell gilt im deutschsprachigen Raum die journalistische Berichterstattung über
Naturwissenschaften, Technik und Medizin als Wissenschaftsjournalismus“ 4 .
Nach GÖPFERT und RUß-MOHL ist die Wissenschaft nicht nur Thema des Journalismus, sondern „Wissensressource als Dienstleistung“. Wissenschaftsjournalismus habe demnach das Ziel „ Wissenschaftsaussagen zu prüfen und die Gültigkeit bzw. Reichweite von Aussagen zu erklären“ 5 .
Der Wissenschaftsjournalismus ist allerdings nicht mit dem Fachjournalismus zu verwechseln. „Wissenschaftliche Fachzeitschriften, die [...] primär Originalbeiträge der Forscher enthalten, sind nicht Wissenschaftsjournalismus“ 6 . Der Wissenschaftsjournalist hat ein eher generalisiertes Wissen. Meist hat er „ein wissenschaftliches, oft naturwissenschaftliches Studium hinter sich“ 7 . Er ist „fachlich fundiert, aber (arbeitet) unter allgemein journalistischen Gesichtspunkten“ 8 . Er hält sich oft in der Scientific Community auf, schreibt nicht nur für ein bestimmtes Fachpublikum sondern f ür verschiedene Adressaten und nicht selten auch über Bereiche, bei denen er selbst sich vorerst ein Basiswissen zulegen muss.
2.2 Die Lösung des Kommunikationsproblems der Wissenschaft durch den Journalisten
Die Aufgabe des Wissenschaftsjournalisten liegt primär in der Erläuterung des zu untersuchenden wissenschaftlichen Themas gegenüber der Öffentlichkeit. Er schafft die Kommunikation zwischen Wissenschaftler und Leser.
4 Stephan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München 1986)
5 Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 17
6 siehe www.wikipedia.de „Wissenschaftsjournalismus“
7 , 8 Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 11
4
„Gute Wissenschaftsberichterstattung ist [...] eine Gratwanderung“. Sie “muss den Bedürfnissen der Leser, Hörer und Zuschauer im nötigen Maße entgegenkommen“ und darf dabei „die Herkunft ihrer Themen nicht verleugnen“ 9 . Viele Wissenschaftsjournalisten haben schon zu Anfang ihrer Arbeit ein erhebliches Problem durch „mangelndes Zusatzwissen“. Es stellt sich die Frage wie sachkompetente oder auch sachneutrale Experten ausfindig zu machen sind. In Anlehnung an GÖPFERT kann diese Problematik wie folgt spezifiziert werden:
„Wo erhalte ich in passender Frist und zu akzeptablen Kosten eine knappe Übersicht über den wissenschaftlichen Wissensstand zum fraglichen Thema?“. Dieses Problem resultiert aus dem nicht vorhanden sein einer „journalistisch brauchbare[n] Wissenschaftsdokumentation (Datenbank)“ 10 . Der Wissenschaftsjournalist beschäftigt sich dadurch immer wieder von neuem mit Basisarbeit. Er muss sich in jedes Thema von neuem einarbeiten, wobei der Wissenschaftler sein wichtigster Ansprechpartner ist. Bei der Ausarbeitung des Artikels hat der Wissenschaftsjournalist mehrere Hürden zu überwinden. So müssen beispielshalber die Fachsprache und das enorme Hintergrundwissen, welches der Wissenschaftler in seine Arbeit einfließen lässt, erläutert werden. Daten und Fakten müssen interpretiert und in einen sinnvollen Kontext gebracht werden. Dieser Kontext sollte eine „direkte Beziehung zum Orientierungsbedarf des Publikums“ 11 beinhalten. Besonders im Zusammenhang mit einem unkundigen Publikum muss der Journalist seinen Schwerpunkt auf die Verknüpfung des Themas mit dem Alltag des Lesers legen. Dies weckt nicht nur Interesse für das Thema, sondern macht es unabhängig von Form des Artikels für den Adressaten leichter verständlich. Die Formulierung und Art der Ausarbeitung des wissenschaftlichen Themas hängt stark davon ab, ob der zu erreichende Leser Laie oder selbst im gleichen Wissenschaftsfeld tätig ist. Dabei ist es dem Journalisten freigestellt, ob er populärwissenschaftlich 12 an das Thema herangeht. Er muss hierbei sein Fachwissen als sprachlich fassbare Wissenschaft für den Leser präsentieren. Die Autoren GÖPFERT und RUß-MOHL deklarieren einer dpa-Meldung als häufigste Form des Wissenschaftsjournalismus die dem Leser im Alltag begegnet. In einer teilt ein Forscher mit, dass „ ein Drittel aller
9 Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 8
10 , 11 Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 19
12 Der Ausdruck „populärwissenschaftlich“ (eine konkrete „Populärwissenschaft“ als anerkannte
Wissenschaft gibt es nicht) steht für Aufbau, Form, Stil und meist auch wissenschaftliches Niveau einer
Publikation, die nicht auf Wissenschaftler des dem Thema entsprechenden Fachgebiets, sondern vielmehr
auf den interessierten Laien abzielt (www.wikipedia.de „Populärwissenschaftlich“)
5
deutschen Scheidungskinder durch die Trennung der Eltern bleibende psychische Schäden erleiden“. Die Autoren bezeichnen diese als „ radikal vereinfachende, im Kern aber korrekte Information, die diejenigen erreicht, die es betrifft“ 13 . Aber es würden nicht alle Wissenschaftler den „Transfer ihrer Aussagen in scheinbar verfälschende, tatsächlich aber sinnstiftende Kontexte“ 14 hinnehmen. Viele lägen Wert auf die Wertschätzung ihrer meist jahrelang dauernden Untersuchungen und erwarten eine angemessene Auseinandersetzung mit dem fraglichen Thema.
Wissenschaftsjournalisten, die diesen Wünschen folgen arbeiten meist für ausgewählte Zeitschriften, exemplarisch kann hier die „Bild der Wissenschaft“ aufgeführt werden. In dieser steht nicht der populärwissenschaftliche Aspekt im Vordergrund. Artikel aus wissenschaftlichen Magazinen dieser Art richten sich an Interessierte und vermeiden damit einen Konflikt zwischen dem wissenschaftlichen und einer erzwungene Einordnung in den gegenwärtigen Umweltkontext. Das Mitspracherecht des Forschers hängt demnach zu großen Teilen davo n ab, für welche Adressatengruppe die Meldung bestimmt ist. Oft kommt es durch die verschiedenen Vorstellungen der beiden Parteien zu Konflikten, die nur durch Konsensfindung gelöst werden können. Der Begründer der Zeitschrift „Die Naturwissenschaft“, Arnold Berliner kommentiert das problematische Verhältnis mit folgendem Satz “«Ein wissenschaftlicher Autor ist eine Kreuzung einer Mimose mit einem Stachelschwein»“ 15 und zielt damit auf die Hervorhebung der Interessenkonflikte so wie das spannungsreiche Verhältnis, mit welchem Wissenschaftsjournalisten umgehen müssen, ab.
2.2 Das Verhältnis zwischen Wissenschaftler und Journalisten
Der Wissenschaftler ist wichtigster Ansprechpartner für den Journalisten. Die Journalisten verfolgen das Ziel die vorhandenen Informationen knapp und „lesernah“ zu
13 , 14 Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S.18
15 http://www.journalistische-praxis.de/jpwiss.htm
„Mit diesen Worten illustriert Arnold Berliner, der Begründer der Zeitschrift Die Naturwissenschaft,
seinem Freund Albert Einstein die fehlende Bereitschaft der Wissenschaftler, allgemein verständliche
Texte zu verfassen.“
6
Arbeit zitieren:
Nina Bednarz, 2005, Funktionen und Eigenschaften des Wissenschaftsjournalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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