Inhaltsverzeichnis
1. Begriffserläuterung. Seite 3
2. Die Anfänge der Matriarchatsforschung. Seite 4
2.1 Johann Jakob Bachofen. Seite 4
2.2 Henry Lewis Morgan. Seite 5
2.3 Bronislaw Malinowskis. Seite 6
3. Das Matriarchat heute: Mythos oder fester
Bestandteil jeder Gesellschaft. Seite 8
3.1 Uwe Wesel. Seite 8
3.2 Heide Göttner-Abendroth. Seite 9
3.3 Vergleich der beiden Autoren anhand deren Äußerungen zum
Stamm der Irokesen. Seite 11
4. Schlussbemerkung. Seite 12
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Die gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Mann und Frau in Familie und Gesellschaft als gängigste Form geschlechtlicher Rollenverteilung wird heutzutage in weiten Teilen der Welt als selbstverständlich aufgefasst. Auch das Vorkommen patriarchalischer Familien- und Gesellschaftsstrukturen mit einer Vormachtstellung des Mannes ist bekannt. Ob es jedoch auch eine andere geschlechtliche Rollenverteilung gab, wie diese aussah und inwiefern sie mit dem Patriarchat vergleichbar war, ist das Thema meiner folgenden Arbeit. Hierfür befasse ich mich nach einer knappen einleitenden Begriffsklärung zunächst in aller Kürze mit den frühen evolutionistischen und funktionalistischen Erkenntnissen der Matriarchatsforschung, die auch heute noch die Grundlage jeglicher Beschäftigung mit diesem Thema bilden. Anschließend widme ich mich mit den beiden gegenwärtigen konträren Autoren Uwe Wesel und Heide Göttner-Abendroth der aktuellen Entwicklung dieser wissenschaftlichen Fragestellung, um abschließend deren gegensätzliche Haltung noch einmal an deren jeweiliger Bewertung des Mutterrechts bei den Irokesen zu verdeutlichen.
1.0 Der Begriff Matriarchat
Der Begriff Matriarchat setzt sich aus den beiden Wörtern mater und archê zusammen. Während sich das lateinische mater jedoch eindeutig mit Mutter übersetzen lässt, kann der griechische Begriff archê sowohl Herrschaft als auch Anfang heißen. Folglich kann das Matriarchat sowohl als Mutterherrschaft als auch als „mütterlicher Anfang“ definiert werden, was zu vollkommen verschiedene n Interpretationen dieses Begriffs führt.
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2.0 Die Anfänge der Matriarchatsforschung
2.1 Johann Jakob Bachofen
Johann Jakob Bachofen (1815 - 1887), Professor römischen Rechts, entdeckte die Thematik des Matriarchats über seine Beschäftigung mit antiken Mythen. In der Epoche des Realismus, die von der wissenschaftlichen Suche nach unveränderlichen Regeln geprägt war, wurden vereinzelte , geschichtliche Zeugnisse vor allem Herodots und Diodors über frühe mutterrechtliche Gesellschaften ebenso wie mythische Inhalte als unergründliche
Phantasieprodukte abgetan, was Bachofen bezüglich des Matriarchats in seinem 1861 erschienenen Werk „Das Mutterrecht“ zu widerlegen versuchte. Denn d ass sich geschichtliche Tatsachen aus der mythischen Bildsprache herauslesen lassen, wurde spätestens in den darauf folgenden Jahren mit der Entdeckung Trojas durch Heinrich Schliemann belegt. So fand Bachofen bei seinen Forschungen Indizien für ein ursprüngliches Mutterrecht in der menschlichen Gesellschaft. Diese anfängliche Gynaikokratie, wie er sie nannte, ließ sich auch ausgezeichnet mit seinem evolutionistischen Weltbild vereinbaren, dass sämtliche Gesellschaften auf dem gleichen Weg vom Einfachen zum Komplexen streben: die anfängliche , primitive, einfach zu bestimmende Abstammungslinie der Mutter wurde demnach erst später durch die komplizierte Bestimmung des Vaters, die ja nur in einer streng monogamen Partnerschaft festzustellen war, ergänzt beziehungsweise ersetzt. „Das Mutterrecht gehört einer frühern Kulturperiode als das Paternitätssystem, seine volle und ungeschmälerte Blüte geht mit der siegreichen Ausbildung des letztern dem Verfall entgegen.“ 1 Folglich entwarf Bachofen auch für die Entfaltung der Gynaikokratie ein Entwicklungsmodell, das sich in drei Stufen vollzieht: Die erste Stufe bezeichnete er als Hetärismus, geprägt durch sexuelle Nötigung der physisch unterlegenen Frauen, wogegen sich diese zur Wehr setzten. Es folgte die zweite Stufe, das Amazonentum, welche durch Dominanz der Frauen in allen Bereichen geprägt war. Im Anschluss daran kam es zu einem Ausgleich der jeweiligen Stellungen in der Gesellschaft durch eine klare Trennung der Arbeitsbereiche, was zur höchsten Stufe, der ehelichen Gynaikokratie, führte, bei
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welcher die Frau jedoch immer noch eine politische und familiäre Vorrangstellung innehatte. Erst ab dieser Stufe wurde das Mutterrecht allmählich vom Vaterrecht verdrängt, was Bachofen als Lossagung von der Natur versteht. Denn „in der Hervorhebung der Paternität liegt die Losmachung des Geistes von den Erscheinungen der Natur, in ihrer siegreichen Durchführung eine Erhebung des menschlichen Daseins über die Gesetze des stofflichen Lebens.“ 2
2.2 Henry Lewis Morgan
Als zweiter wichtiger Matriarchatsforscher ist der amerikanische Ethnologe Henry Lewis Morgan (1818 - 1881) zu nennen: Ebenso wie Bachofen folgte Morgan einem darwinistisch-evolutionistischen Ansatz. Allerdings gelangte Morgan auf einem vollkommen anderen Weg zu jenem Forschungsbereich, denn sein Interesse galt der matrilinearen Verwandtschaftsvorstellung der Irokesen, „wo die Abstammung in der Mutterfolge stattfindet, wie dies in der älteren Periode allgemein war“ 3 . Da zur damaligen Zeit allein die Existenz patrilinearer Deszendenz als agnatisches Verwandtschaftssystem nachgewiesen worden war, handelte es sich hierbei um ein absolutes Novum. Morgan führte als Bezeichnung einer solchen Verwandtschaftslinie den Überbegriff gens ein, die mit mehreren anderen gentes, durch Heiratsregeln verbunden, zu einer Gentilgesellschaft zusammengefasst werden können. „Die Blutsverwandten wurden hauptsächlich durch das Band ihres mütterlichen Ursprungs zusammengehalten. In der älteren gens galt nur die Abstammung in der Mutterfolge.“ 4 Innerhalb dieser gentes entsprach die Organisation innerhalb der Sippe auch gleichzeitig der politischen Machtverteilung, was zu einem Fernbleiben jeglicher festgeschriebener, politischer Herrschaft führte.
Die Gentilorganisation erschließt uns eine der ältesten und im weitesten
Umfang zur Geltung gelangte Institutionen der Menschheit. Sie lieferte die
nahezu universelle Verfassungsgrundform der alten asiatischen,
5 afrikanischen, amerikanischen und australischen Gesellschaft.
Die Stellung der Personen in den ursprünglichen Gesellschaften richtete sich folglich weniger nach Geschlecht als nach den persönlichen Beziehungen innerhalb der Verwandtschaft.
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Arbeit zitieren:
Michael Wallner, 2005, Zur Frage des Matriarchats, München, GRIN Verlag GmbH
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