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Inhalt:
1. Einleitung 03
2. Erwartungen an einen
handlungsorientierten Politikunterricht 05
3. Was bedeutet Handlungsorientierung? 09
3.1. Begriffsbestimmung 09
3.2. Handlungsorientierung als Prinzip
der schulischen politischen Bildung 14
3.3. Kriterien bei der Realisierung 16
4. Chancen und Grenzen
von handlungsorientiertem Fachunterricht 18
5. Unterrichtsplanung und Durchführung
am Beispiel der Befragungsmethode 21
5.1. Einstiegsphase 21
5.2. Handlungsprodukt- und Planungsphase 22
5.3. Arbeitsphase 23
5.4. Auswertungs- und Reflexionsphase 24
6. Fazit 25
7. Literatur 27
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1. Einleitung
Demokratie ist eine vom Vo lk ausgehende Staatsform, in der jedem Bürger ein Minimum an Verantwortung für das Funktionieren dieses Systems zuteil ist. Demokratie braucht demnach eine Gesellschaft mit mündigen Bürgern, die nach Breit folgende Fähigkeiten besitzen sollten: „• selbstbestimmt und ohne Leitung eines anderen zu denken; • sich um eine eigene Meinung zu bemühen und sie gegebenenfalls auch öffentlich zu vertreten;
• andere Menschen, unabhä ngig von Herkunft, Nationalität, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit, als gleichwertig und gleichberechtigt anzusehen; • ihren Mitmenschen gewaltfrei, fair, tolerant und solidarisch zu begegnen; • sich für die Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger mitverantwortlich zu fühlen;
• [und schließlich] die Verbindlichkeit von Regeln anzuerkennen und die Bewahrung einer demokratischen Ordnung als notwendig für den Bestand der Freiheit anzusehen“. (Breit 2002, S.148f)
Es ist jedoch ohne Zweifel im Alltag zu erkennen, dass eben dieser Bürger nicht allein im Mutterleib geformt wird. Demokratie ist „nichts Naturwüchsiges“ und sie bedarf eben daher einer „ständigen Pflege“. (Schiele 2004, S.X). Unter Pflege versteht Schiele dabei ein Minimum an politischer Bildung, u m das „[…] Interesse für Politik (wieder) zu wecken und die Bereitschaft zum politischen und selbstbestimmten bzw. selbst verantworteten Engagement zu fördern.“ (ebd.) Zahlreichen Studien (wie z. B. der Sachsen-Anhalt-Studie und der Shell Jugendstudie von 2002) ist zu entnehmen, dass sich hierbei der darbietende Unterricht nur wenig bzw. teilweise bewährt hat. Bereits vor einigen Jahren hat man begonnen, den Fokus auf alternative Unterrichtsprinzipien und Methoden zu setzen, um eine effektivere politische Bildung in der Schule erzielen zu können. Ein bedeutender Hoffnungsträger ist dabei das Prinzip der
„Handlungsorientierung“. Doch warum sieht man in diesem Prinzip eine befriedigendere Realisierung der schulischen politischen Bildung?
Um dieser Frage im Folgenden nachzugehen, werde ich zunächst die Erwartungen an einen handlungsorientierten Unterricht genauer beleuchten. Dieses Kapitel
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beantwortet somit gleichsam die Frage „Warum macht Handlungsorientierung Sinn?“.
Anschließend soll die Bedeutung von Hand lungsorientierung bestimmt und eingegrenzt werden. Bei der Untersuchung der Frage „Was ist Handlungsorientierung?“ wird zunächst eine allgemeine Begriffsbestimmung vorgenommen werden, um es dann als Prinzip des Politikunterrichts genauer beleuchten zu können. Abgeschlossen wird dieses Kapitel indem ich die relativ abstrakte theoretische Ebene verlasse in Richtung einer konkreteren Ebene der Realisierung. Dabei soll an dieser Stelle zunächst auf einige Kriterien bei der Umsetzung des Prinzips im Unterricht eingegangen werden. Da es jedoch keinen Sinn macht, nur die positive Seite einer Medaille zu beleuchten, wird anschließend eine kritische Betrachtung des Prinzips vorgenommen werden. Sowohl Chancen als auch Grenzen eines handlungsorientierten Unterrichts sollen hier Beachtung erhalten. Im letzten Kapitel dieser Arbeit sollen meine konkreten praktischen Erfahrungen mit der Methode der Befragung im Sozialkundeunterricht einer elften Klasse, die ich im Rahmen meiner ersten universitären schulpraktischen Übungen (SPÜ) sammeln konnte, angeführt werden, um einen möglichen Weg der Unterrichtsplanung und Durchführung von handlungsorientierten Unterricht darstellen zu können.
Des Weiteren dient diese A rbeit, v. a. das eben erwähnte letzte Kapitel, einer erneuten Reflexion meiner ersten Lehrerfahrungen, die (wie ich vermute) zu diesem Zeitpunkt, am Ende meines Studiums eine andere (eventuell intensivere) sein wird, als zu Beginn meines Studiums.
Dabei möchte ich zunächst, wie schon erläutert, der Frage nach der Begründung handlungsorientierten Unterrichts nachgehen.
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2. Erwartungen an einen handlungsorientierten
Politikunterricht
Wie begründet sich nun Handlungsorientierung? Gudjons (vgl. Gudjons 1992, S.56ff) führt drei Begründungsebenen an, die ich im Folgenden z. T. erläutern und mit weitern Autorenaussagen ergänzen werde:
1. Aus sozialisationstheoretischer Perspektive betrachtet, lässt sich eine Veränderung der Lebenswelt feststellen: „Die Welt begegnet den Kindern heute über weite Strecken medial vermittelt.“ (Klippert 1988, S.79) Durch die zunehmende Dominanz der elektronischen Medien im Alltag der Heranwachsenden nehmen sie eine Umwelt wahr, die mehr oder weniger ohne sie abläuft und in der sie oftmals auch nichts bewirken können. Vielmehr ist hier zumeist ihre Rolle von passiver Natur. Hinzu kommt, dass z. B. Fernsehberichte „nur selten Widersprüche, Unsicherheiten und kritisches Nachdenken beim Zuschauer [provozieren].“ (ebd., S.80) Dieses „verzerrte und verkürzte Wirklichkeitsbild“ (ebd.) und die „Reduzierung sozialer Erfahrungsmöglichkeiten von Eigentätigkeit und Primärerfahrungen“ (Gudjons 1992, S.56) durch die prägende mediale Kraft kann nach Gudjons zu einer von Entsinnlichung und Abstraktion bestimmten Wahrnehmung der Kinder und Jugendlichen führen. (vgl. ebd.) Klippert ergänzt die veränderten Lerndispositionen mit der zunehmenden Dominanz eines ausgeprägten Konsumdenkens bei jungen Heranwachsenden. „Sie wollen konsumieren und rezipieren und bei alledem gut unterhalten werden. Das gilt zwar nicht für alle Schüler, aber doch für einen beträchtlichen Teil“ (Klippert 1988, S.82). Es stellt sich ihm daher die Frage, ob der heutige Lerner den Lernstoff auf eine rezeptive und belehrende Unterrichtsweise effektiv aufnehmen und behalten kann. Dabei sind gerade einmal 5-10 Prozent der Schüler dem „verbal-abstrakten Lerner“ zuzuordnen, wohingegen 90-95 Prozent dem „anschaulich-praktischen Lerner“ zuzuordnen sind. Mit diesen unterstützenden Daten verdeutlicht der Autor eine (mehr oder weniger) neue Anforderung an die Bildung. „Denn nur so können die Kinder mit der überwältigenden Informations- und Bilderflut fertigwerden“ und nur
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so kann dem „Vergessens- Training“ der heutigen Medienwelt entgegen gewirkt werden (ebd.).
Auf diese veränderte Bedingung muss die Schule reagieren, indem sie kompensatorisch tätig wird: Diese Reaktion kann sich beispielsweise in der Förderung von Handlungskompetenz bei Lernenden zeigen. (vgl. ebd.) Durch den Aufbau von Konzentration (vgl. ebd., S.83), Denkstrukturen und die Begünstigungen v on Primärerfahrungen in der schulischen politischen Bildung s ollen Lernende „politische Probleme und Realitätsausschnitte möglich authentisch erfahren, erforschen und intellektuell aufarbeiten und dabei eigene Sicht- und Urteilsweisen entwickeln.“ (Klippert 1988, S.81). Schließlich fordert die Vorstellung eines mündigen Bürgers dieses hochgesteckte aber auch unverzichtbare Ziel der politischen Bildung. Des Weiteren sieht Gudjons in zweifacher Hinsicht den Sinn im handlungsorientierten Unterricht (vgl. Gudjons 1992, S.57f): Zum einen kann durch das nichtentfremdete handelnde Arbeiten im Unterricht ein Bedeutungsgewinn der Konsequenzen selbstgeplanten Handelns gewonnen werden. Dabei können auch Produkte entstehen, die einen zunehmenden „Gebrauchswertcharakter“ (ebd.) einnehmen. Diese „Sinnstiftung durch Gegenwartserfüllung“ (ebd.) fördert die Identifikation der Lernenden mit ihrem Handeln und somit das Lernen selbst. Zum anderen deutet Gudjons ein mögliches Zukunftsszenario an, indem der darbietende, traditione ll vermittelnde Lehrer wahrscheinlich mit einem Qualitätsgewinn von der medialen Vermittlung abgelöst werden kann. Es stellt sich ihm daher die Frage „Was kann eine Lehrperson leisten, was z. B. eine CD-Rom nicht leisten kann?“ Die Antwort liegt für ihn im handlungsorientierten Unterricht: Trotz enormer Entwicklungen vermag auch heute noch kein modernes Medium (oder nur sehr begrenzt) mit „Sinnlichkeit, Erfahrung, Tätigkeit/ Handeln kognitive Strukturen aufzubauen“ (ebd.) Diese Perspektive schließt jedoch k eineswegs die modernen Medien, sozusagen als bedrohende Macht, aus dem Unterricht aus, vielmehr „werden [sie] im handlungsorientierten Lernen funktionalisiert für eine grundlegend andere Vermittlungsstruktur von Kind und Welt.“ (ebd., S.58)
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2. Die zweite Begründungsebene ist anthropologisch-lernpsychologischer Natur. Demnach lebt der Mensch in einer „dialektischen Person-Umwelt-Beziehung“ (ebd.), dessen Bindeglied in der materialistischen Aneignungstheorie die „Tätigkeit“ und in der kognitiven Handlungstheorie der „handelnde Aufbau kognitiver Strukturen“ ist. (vgl. ebd.). Allgemein geht man hierbei von der Annahme aus, dass „Denken aus dem Tun hervor [geht] und [.] als Handlungsregulation auf dieses zurück [wirkt].“ (ebd.) Dabei ist jedoch die „verbalargumentative undkommunikative Kompetenz“ (ebd.) nicht zu unterschätzen. Ein Ersatz von Kommunikation durch Handeln käme einem Missverständnis gleich. Denn Sprache „als Medium des Denkens [hat] ihren Ursprung [allenfalls] im Tun.“ (ebd.)
3. Der dritte von Gudjons genannte Aspekt, in dem sich die bereits angeführten Konzepte unter einer weiteren Perspektive vereinen, ist die didaktisch-methodische Ebene und sei an dieser Stelle nur genannt. Da sich seine Erläuterungen hier vielmehr auf die Beschreibung als auf die Begründung von Handlungsorientierung beziehen, möchte ich diese Anmerkungen an späterer Stelle in dieser Arbeit anführen.
Als all diese Begründungen umschließend ist das Ziel der Förderung eines mündigen Bürgers zu sehen. Schiele unterscheidet dabei zwischen Minimalziel, Maximalziel und realistisches Ziel:
„Das Minimalziel politischer Bildung sind die reflektierten Zuschauerinnen und Zuschauer, die
z.B. kritisch die Zeitung lesen und auch in ihrem Umfeld politische Gespräche führen. Das
Maximalziel sind mündige Bürgerinnen und Bürger, die aktiv das politische Geschehen
mitbestimmen und z.B. auch Mitglied in den politischen Parteien sein können. Das realistische
Ziel, das wir im Auge behalten sollten, ist der interventionsfähige Bürger. Er ist nicht in das
politische Tagesgeschehen involviert, wird aber dann aktiv, wenn aus seiner Sicht besonders
gravierende Mißstände im demokratischen Leben auftreten.“ (Schiele 1998, S.5)
Um diese differenten und doch ähnlichen Bürgerrollen in einer Demokratie erlangen z u können, kann ein handlungsorientierter Politikunterricht einen entscheidenden Beitrag leisten. Doch obwohl sich ein darbietender Unterricht als zu geringfügig ergiebig herausstellte, ist anzumerken, dass Handlungsorientierung darbietende Elemente und Wissenserwerb nicht ausschließen. (vgl. ebd.) Auch als reiner Aktionismus ist es nicht zu verstehen. Dies wäre kontraproduktiv, denn
Arbeit zitieren:
Regine Riedel, 2005, Das Prinzip der Handlungsorientierung - theoretische Bestimmung und praktische Anwendung im Fachunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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