INHALTSVERZEICHNIS
1. Prolog 2
2. Exkurs 4
2.1. Dokumentarfilm 4
2.2. Kompilationsfilm 6
2.2.1. Definition 6
2.2.2. Produktion 8
2.2.3. Rezeption 9
2.2.4. Gestaltung 10
2.2.5. Montage 13
3. Inszenierung des Politischen 15
3.1. (Um-)Erziehung durch Doku-Film 15
3.2. Inszenierung 16
3.3. Authentizität - die Macht der Bilder 17
3.4. „The Atomic Café“ 20
4. Epilog 25
5. Literatur/Quellen 26
6. Anhang 28
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1. Prolog
Ziel einer ‚richtig’ verfassten Kompilation ist „ (…) jede Methode, die den Zuschauer veranlasst, längst vertraute Bilder so zu sehen, als hätte er sie nie zuvor zu Gesicht
bekommen (…)“ Jay Leyda 1
Die Wiederverwertung alten Filmmaterials zur Erstellung von anders als den uns vertrauten Filmen ist keine Erfindung neueren Datums. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Entstehen des Films beschäftigten sich Schriftsteller, Filmregisseure und Filmtheoretiker wie Sergej Michajlowitsch Eisenstein und die Schnittmeisterin Esther Schub (eine Mitarbeiterin Eisensteins) mit der Theorie und Praxis sog. „Filmkompilationen“, also dem Zusammenschneiden gefundenen Archivmaterials.
Heute fällt diese Methodik allgemein unter den Begriff des „Found Footage“. Die älteste Kategorie bildet hierbei der „Kompilationsfilm“, ein aus altem Archivmaterial hergestellter Dokumentarfilm, wenn man so möchte.
Im Rahmen dieser Hausarbeit beschäftigt mich insbesondere die Frage nach der Inszenierung des Politischen im Kompilationsfilm und welche Bedeutung ihm als Wahrheitsträger über die vermeintliche ‚Wahrheit’ im Vergleich zum reinen Dokumentarfilm zukommt oder ob er nicht doch ggf. eher als ‚filmisches Kunstwerk’ zu verstehen ist. Inwieweit können Kompilationsfilme ihre politischen Aussagen überzeugender treffen als ihre ‚Genre-Vettern’, die Dokumentarfilme. Welchen Ansprüchen möchte, kann und soll Kompilationsfilm genügen, ab wann könnte man von einen gelungenen Kompilationsfilm sprechen.
Hierzu untersuche ich anhand recherchierter Literatur und eines ergänzenden Filmbeispiels, inwieweit der Kompilationsfilm als subjektiver Meinungsträger, der er ja ist, historische Zusammenhänge derart erfassen kann, dass er wissenschaftlichen Ansprüchen i. S. von ‚Wahrheitsabbildung’ genügt ohne sich dabei auf die äußeren Erscheinungsformen eines ‚reinen’ Dokumentarfilms zu beschränken bzw. inwiefern er sich von ihm unterscheidet. Und auch, inwieweit Produzenten von Kompilationsfilmen sich die Frage der inhaltlich richtigen Historizität selber stellen und beantworten müssen.
Denn auch ein bildender Künstler versucht auf seine Weise, ‚Wahrheit’ zu vermitteln. Aber er tut dies auf sehr subjektive Art, und somit bleibt es eine individuelle Interpretation der von ihm wahrgenommenen Welt, was vom Rezipienten auch als solches verstanden wird. Oder, um es mit den Worten Anaϊs Nins zu sagen: „Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind, sondern so, wie wir sind.“
1 Leyda, Jay: „Filme aus Filmen“, S. 55
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Inwieweit trifft diese Aussage auch auf den Kompilationsfilm zu? Dazu werde ich näher auf dieses speziellen Filmgenre als solches eingehen, und unter Betrachtung unterschiedlicher Theorieansätze versuchen aufzuzeigen, was einen Kompilationsfilm nach meinem Verständnis ausmacht, inwieweit sich diese Methodik umschreiben lässt und welche Möglichkeiten seine Gestaltungsform anbietet. Natürlich gibt es vielschichtige Strömungen im Bereich des Kompilationsfilms, doch würde eine vertiefende Untersuchung den Rahmen meiner Arbeit sprengen. Um dem Anspruch wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen, weise ich deshalb vorsorglich darauf hin, dass sich meine Erkenntnisse lediglich an der Oberfläche dieser durchaus vielschichtigen und komplexen Thematik bewegen können.
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2. Exkurs
Um auch jenen Lesern ein Verständnis über den „Kompilationsfilm“ zu geben, die sich noch nicht mit ihm beschäftigt haben, äußere ich mich vorab kurz zum Filmgenre „Dokumentarfilm“, denn bei den Kompilationsfilmen, um die es mir hier geht, handelt es sich grob gesagt um Filme dokumentarischer Art.
2.1. Dokumentarfilm
2 Dokumentarfilm, Definition: www.wikipedia.org/wiki/Dokumentarfilm
3 ebd.
4 ebd.
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5 GWK/UdK: Vorlesung Keilbach, Judith v. 16.2.05: „Geschichte des Dokumentarfilms“, WS 2004/05
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2.2. Kompilationsfilm
2.2.1. Definition
„(…) To ‚undo’ an image means to loosen its connections to the cultural and ideological assumptions that lie behind its production and intended reception. (...) Although the original contexts and meanings usually continue to be apparent, the images in their new contexts also produce new meanings, alternative readings or in semiological terms ‘aberant decoding’
(…)” 8
6 Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2003. © 1993-2002 Microsoft Corporation
7 Leyda, Jay: „Filme aus Filmen“, S. 30
8 Wees, William C.: „the ambiguous aura of Hollywood Stars in Avant-garde Found-Footage Films”, S. 3
9 Möller, Olaf: „Die Suche nach Wahrhaftigkeit“, S. 17
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Bei Kompilationsfilmen mit politischem oder historischem Inhalt steht die Verwissenschaftlichung eines Themas im Vordergrund, deren Intention eine aufklärerische und didaktische ist (z. B. Geschichts- und Diskussionsfilme). Entscheidend ist hier, den angestrebten Bedeutungszusammenhang zu verdichten und glaubhaft erscheinen zu lassen. Das ausgewählte Material wird entsprechend zusammengeschnitten und im Nachgang nicht mehr bearbeitet: Es entsteht auf diesem Wege der Eindruck von Authentizität. Das narrative Grundelement verstärkt die angestrebte Glaubwürdigkeit des neuen Bedeutungszusammenhangs.
10 Bacher, Josef: “Found Footage Film”, S. 7 - 11
11 Dokumentarfilm, Definition: www.wikipedia.org/Dokumentarfilm
12 Möller, Olaf: „Die Suche nach Wahrhaftigkeit“, S. 17
13 ebd.
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Arbeit zitieren:
Tanja Stojanovic, 2005, Die Wahrheit über die 'Wahrheit'? - Inszenierung des Politischen im Kompilationsfilm, München, GRIN Verlag GmbH
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