Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung 3
Einleitendes über die Pastoralbriefe 5
Das Apostelamt des Paulus 8
Der Dienst der Apostelschüler 10
Die lokalen Ämter 14
Zusammenfassung. 15
Exkurs : Die Pastoralbriefe und die Frauen 16
Quellenverzeichnis 18
2
Einleitung
Zwischen den Pastoralbriefen, die wir im Neuen Testament finden, und dem Passauer Pastoralplan, der an Pfingsten 2000 von Bischof Franz Xaver Eder in Kraft gesetzt wurde und welcher der Diözese Passau den Weg in die Zukunft weisen soll, scheint es - neben vielen Unterschieden - einige Ähnlichkeiten zu geben.
So sprechen beide Schriftstücke in eine Zeit hinein, in der die Kirche vor dem Umbruch steht. Sie wollen Neues initiieren und ihrer Kirche Möglichkeiten aufzeigen, wie man bestehenden Problemen erfolgreich entgegenwirken kann.
Die Zeit der Pastoralbriefe stellt die Aufgabe, den Übergang von der apostolischen zur nachapostolischen Zeit zu bewerkstelligen. Häretiker treten auf, verkünden neue Wege, die zum Heil führen sollen, aber dem Evangelium immer fremder werden.
Der Diözese Passau (sicherlich exemplarisch für viele Diözesen der heutigen Zeit) begegnen andere Aufgaben. Mitgliederschwund, Überalterung der Priester, eine mehr und mehr verloren gehende Nähe zwischen Seelsorger und Menschen und ein abnehmendes Vertrauen in die Kirche, so heißen die aktuellen Probleme.
So musste die Kirche immer wieder auf Probleme verschiedenster Art reagieren; oder wie das der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner ausdrückt: „Entweder entscheidet sie [nämlich die Kirche] sich für den Aufbruch in die Zukunft und damit für die Entwicklung, oder sie bereitet sich auf das Sterben vor.“ 1
Während dieser Aufbruch der heutigen Zeit (unter anderem) im Passauer Pastoralplan dokumentiert ist, fand der Aufbruch der nachapostolischen Zeit im Neuen Testament seine Niederschrift. Vieles davon ist uns heute fremd; gerade das Amtsverständnis der Pastoralbriefe stößt heute immer wieder auf Kritik. Und trotzdem haben gerade diese Schriftstücke dazu beigetragen, dass das Evangelium nicht verwässert wurde und sie haben somit das Fundament der jungen Kirche bewahrt.
1 Zulehner, S. 13.
3
In dieser Seminararbeit soll es, nach der Darstellung einiger einleitungswissenschaftlichen Erkenntnisse, zunächst um das Amt des Apostel Paulus, dann um das Amt der beiden Apostelschüler Timotheus und Titus gehen, bevor der Blick schließlich auf die lokalen Ämter in den damaligen Gemeinden geleitet wird. Den Schluss dieser Arbeit bildet ein Exkurs, der der Frage nachgeht, welche Forderung die Pastoralbriefe in unserer Zeit hinsichtlich der Berufung von Frauen in kirchliche Ämter stellen.
Einleitendes über die Pastoralbriefe
Schon die aus dem 18. Jahrhundert stammende Bezeichnung der beiden Timotheusbriefe und des Titusbriefes als „Pastoralbriefe“ (lat. pastor = Hirt) geben die Intent ion dieser drei Epistel wieder: sie bemühen sich „um die Begründung und Ausgestaltung des kirchlichen Hirtenamtes“ 2 .
Auch wenn die Verfasserschaft in allen drei Pastoralbriefen dem Apostel Paulus zugewiesen wird, gibt es heute kaum noch Zweifel daran, dass die Briefe pseudepigraphischen Charakter haben 3 . Als Sachargumente 4 gegen die paulinische Verfasserschaft kann zum Beispiel die historische Situation angeführt werden, die in den Briefen vorausgesetzt wird und die sich weder mit der Apostelgeschichte noch mit den Protopaulinen in Übereinstimmung bringen lässt.
Auch die in den Pastoralbriefen vorherrschende Theologie unterscheidet sich erheblich von der paulinischen Theologie. Wichtige Begriffe, die die Sprache des Apostel Paulus charakterisieren, wie „ Gerechtigkeit Gottes“, „Freiheit“, „Kreuz“, usw., fe hlen.
In den Pastoralbriefen spiegeln sich nicht die Probleme der paulinischen Generation wider, sondern die der dritten urchristlichen Generation 5 . „So ist die kirchliche Verfassung weiter fortgeschritten als bei Paulus. Nicht mehr die Hausgemeinde, sondern die nach dem Modell des antiken Hauses gegliederte Ortsgemeinde (vgl. 1Tim 3,15; 2Tim 2,20 f.; Tit 1,7) bildet die vorherrschende Organisationsstruktur.“ 6
Dies ist auch das dominierende Kirchenbild, das alle Pastoralbriefe durchzieht, das Bild der Kirche als hierarchisch geordnetes Haus Gottes. Der Verfasser der Briefe „entwirft ein neues Kirchenbild mit klaren Strukturen und Kompetenzen: Kirche soll nunmehr verstanden werden als das Haus Gottes (1Tim 3,5.15; 2Tim 2,19 ff.; Tit
2 Schnelle, S. 374.
3 Zur Problematik der Pseudepigraphie vgl. u. a.: Schnelle, S. 325 ff., Roloff, S. 36 ff., Knoch, S. 12 f.
4 Die im Folgenden genannten und weitere Begründungen des pseudepigraphischen Charakters der
Pastoralbriefe finden sich übersichtlich in Schnelle, S. 376 ff.
5 Vgl. mit den Ausführungen über die Datierung der Pastoralbriefe.
6 Schnelle, S. 377.
5
1,7), geleitet, befehligt und in seiner hierarchischen Ordnung zusammengehalten von durch ihr Amt dazu legitimierten Männern. (…) Also: Stabilisierung der Kirche durch Ausrichtung am Leitbild eines hierarchisch strukturierten Hauswesens!“ 7
Deutlich wird dieses Prinzip der Oikonomik (= Rede über das Haus/ die Hausgemeinschaft) schon daran, dass die Pastoralbriefe nicht direkt an die ganze Gemeinde geschrieben werden, sondern an deren Leitungsperson. „Im Hintergrund dieser Ekklesiologie steht die gewollte Übernahme eines profanen zeitgenössischen Gesellschaftsbildes als Ideal für ein gedeihliches Zusammenleben: Das patriarchalhierarchische Haus als kleinste als kleinste Lebens- und Produktionseinheit, als ‚Keimzelle der Gesellschaft’“. 8 In diesem Leitbild wird „vorausgesetzt…, dass die verschiedenen Mitglieder des Hauses in einem durch Natur und Sitte festge legten Verhältnis von Über- und Unterordnung zueinander stehen und dass sie unterschiedliche Aufgaben und Verwaltungsbereiche haben, auf die sie jeweils angesprochen werden können.“ 9
Und schließlich ist auch das in den Pastoralbriefen propagierte Frauenbild kaum in Einklang zu bringen mit den protopaulinischen Bemerkungen über die Frau.
Für die beiden Timotheusbriefe wird als Entstehungsort in der Forschung im Allgemeinen Ephesus angegeben 10 . „Über Seine Entstehungsbedingungen sagt der Titusbrief nichts aus, zweifellos gehört er aber in die unmittelbare Nähe der Timotheusbriefe.“ 11
Als Abfassungszeit nimmt Schnelle um 100 n. Chr. an 12 und begründet dies u. a. damit, dass die paulinischen Personaltraditionen der Pastoralbriefe noch der lebend igen Gemeindetradition entstammen. Außerdem unterscheidet sich die dargestellte Ämterstruktur „von der Ordnung, die bei Ignatius und Polykarp für die Zeit zwischen 110 und 130 n. Chr. vorauszusetzen ist.“ 13
7 Niemand, S. 353.
8 Niemand, S. 354.
9 Niemand, S. 354.
10 Vgl. Schnelle, S. 380, und auch Roloff, S. 42.
11 Schnelle, S. 380, Anm. 190.
12 Schnelle, S. 380.
13 Schnelle, S. 380.
6
Arbeit zitieren:
Timo Grünbacher, 2006, Das Amt in den Pastoralbriefen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Sind systembedingte Mängel der...
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
The Effects of Alzheimer's Disease on Language
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Amt- und Amtsverständnis in Kolosser- und Epheserbrief
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 43 Seiten
Das allgemeine Priestertum der Gläubigen und das geistliche Leitungsam...
Theologie - Praktische Theologie
Magisterarbeit, 78 Seiten
Aussagen des Neuen Testaments über die Rolle der Frau
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 15 Seiten
Timo Grünbacher hat den Text Das Amt in den Pastoralbriefen veröffentlicht
Timo Grünbacher hat einen neuen Text hochgeladen
FAR/AMT: Federal Aviation Regulations for Aviation Maintenance Technic...
Aviation Supplies & Academics
Lutherisch Glauben 5
Reinhard Slenczka, Gert Kelter, Dorothea Wendebourg, Karl-Hermann Kandler
Die besten Abschiedsreden für Betrieb, Amt/Behörde, Schule und Verein
Joachim Müller, Alexandra Sievers
0 Kommentare