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Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG 3
1. BERUFLICHE SOZIALISATION 4
1.1. Allgemeines zur Sozialisation. 4
1.2. Geschlechtsspezifische Sozialisation. 4
1.3. Berufliche Sozialisation von Frauen. 6
2. DER GESCHLECHTSSPEZIFISCH GETEILTE ARBEITSMARKT. 8
2.1 Die Theorie des geteilten Arbeitsmarktes 8
2.1. Die Erklärung ihrer Entstehung. 10
2.2.1 Beitrag und Entwurf von Lappe. 11
2.2.2 Beitrag und Entwurf von Willms-Herget 13
2.2.3 Beitrag und Entwurf von Beck-Gernsheim 15
3. ZUSAMMENHANG VON BERUFLICHER SOZIALISATION UND DEM
GESCHLECHTSSPEZIFISCH GETEILTEN ARBEITSMARKT 17
4. FAZIT 18
5. LITERATURVERZEICHNIS 20
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0. Einleitung
Für junge Frauen hat die Berufstätigkeit heute einen hohen Stellenwert in ihrer Lebensplanung. Sie wollen eine qualifizierte Berufsausbildung absolvieren und berufstätig sein. Dementsprechend war die Zahl der erwerbstätigen Frauen noch nie so hoch wie in den letzten Jahren: Von 27,4 Mio. Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren in der BRD waren im April 1996 knapp 60% erwerbstätig 1 . Dazu gehören vermehrt auch verheiratete Frauen und Frauen mit Kindern. Diese eigentlich positive Entwicklung täuscht jedoch über eine nach wie vor bestehende Diskriminierung der Mädchen und jungen Frauen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt hinweg. Die Verteilung der Chancen beim Zugang zu bestimmten Berufsgruppen und die beruflichen Karriereaussichten sind zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern ungleich verteilt. Zwar haben eine vermehrte Bildungsbeteiligung und höhere Qualifikationen der Frauen maßgebliche Veränderungen im Verhältnis der Geschlechter zum Ergebnis gehabt, nicht aber zum völligen Abbau geschlechtsspezifischer Ungleichheiten im Berufsleben beigetragen. Dies kommt zunächst darin zum Ausdruck, dass man von typischen Männer- und Frauenberufen spricht. Auch heute noch besetzen eher Männer die technischen Berufe und Frauen soziale und Dienstleistungsberufe. Das Management rekrutiert sich ebenfalls eher aus den männlichen Arbeitnehmern. So hat die Angleichung der Ausbildungsvoraussetzungen bis jetzt nicht zu einer Veränderung der beruflichen Ausbildungsstrukturen geführt: Frauen beschränken sich immer noch auf ein begrenztes Berufsspektrum und erreichen im Ganzen niedrigere berufliche Positionen als ihre männlichen Kollegen.
Hier soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit geschlechtsspezifische Sozialisationsmuster diese Tendenzen bewirken. Im zweiten Schritt wird dann die Theorie des geteilten Arbeitsmarktes und hier insbesondere auf den geschlechtsspezifisch geteilten Arbeitsmarkt eingegangen. Im Anschluss wird der Zusammenhang von beruflicher Sozialisation von Frauen und des geschlechtsspezifisch geteilten Arbeitsmarktes dargestellt.
1 Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie: Bundesbildungsbericht
1997, S. 114
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1. Berufliche Sozialisation
1.1. Allgemeines zur Sozialisation
Um das Thema der Beruflichen Sozialisation zu diskutieren, ist zunächst eine Definition des Begriffes „Sozialisation“ notwendig.
Hurrelmann sieht Sozialisation als „Prozeß der Entstehung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit in Abhängigkeit von und in Auseinandersetzung mit den sozialen und den dinglich-materiellen Lebensbedingungen verstanden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt der historischen Entwicklung einer Gesellschaft existieren. Sozialisation bezeichnet den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen weiterentwickelt.“. 2
Es wird unterschieden zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Sozialisation: „Dabei wird die frühe Sozialisation allein in der Familie (primär) von der nachfolgenden Sozialisation in Familie, Schule und Altersgruppe (sekundär) unterschieden. Dementsprechend wird für die Sozialisation im Erwachsenenalter der Begriff `tertiär´ benutzt.“ 3
Gesellschaftlich lebensfähig werden Individuen erst durch die im Verlauf des Sozialisationsprozesses übernommenen gesellschaftlichen Werte, Normen, Rollenmuster und -erwartungen.
1.2. Geschlechtsspezifische Sozialisation
Da Thema dieser Hausarbeit die berufliche Sozialisation von Frauen ist, will ich mich bei der Definition der geschlechtsspezifischen Sozialisation auf die geschlechtsspezifische weibliche Sozialisation beschränken. „Die Rolle der Frau ist ein Komplex von Erwartungen, die gesellschaftlich an die Frau herangetragen und ihr zugemutet werden: Erwartungen darüber, wie ein Mädchen/ eine Frau zu sein hat (hübsch, freundlich, fügsam) bzw. nicht zu sein hat (wild, widerspenstig, herrisch); Erwartungen darüber, wie sie sich kleidet, sich bewegt und wie sie spricht, wofür sie
2 Hurrelmann, K.: Einführung in die Sozialisationstheorie. Weinheim und Basel 1998, S. 14
3 Tillmann, K.-J.: Sozialisationstheorien. Hamburg 2000, S. 19
5
sich interessiert (Kochrezepte, Poesie) und wovor sie Angst hat (Mäuse und Technik)“ 4 Gefühle, Wünsche, Erwartungen, Denkmuster, Lebensziele, Ängste, Hoffnungen und Verhaltensweisen werden im Sozialisationsprozess vermittelt. Die gesellschaftlichen Vorstellungen von Weiblichkeit enthalten Rollenzuschreibungen und Erwartungen an das weibliche Individuum, wie sie sein soll, was sie möglichst tun und lassen soll, welchen Idealen sie nachzueifern hat und welche Einstellungen sie vertreten soll. All die Vorstellungen und Klischees zeigen sich in Äußerungen des sozialen Umfeldes (besonders Eltern, Lehrer und Lehrerinnen), durch Texte und Bilder, in Werbung und Massenmedien. „Weiblichkeit“ wird also gesellschaftlich hergestellt und ist damit kulturabhängig. Werte und Maßstäbe sind variabel und einem stetigem Wandel ausgesetzt.
In vielen Kulturen, so auch in unserer, werden Mädchen im Verlauf des Sozialisationsprozesses dazu erzogen, „Ehe und Familiengründung als wesentliches Lebensziel zu sehen und darauf ihre Wunschträume, ihre Verhaltensstrategien und Entscheidungen zu richten“ 5
Mit diesen unter gesellschaftlichen Bedingungen im Alltag entwickelten „natürlichweiblichen“ Eigenschaften und Fähigkeiten wird das weibliche Individuum praktisch sein Leben lang konfrontiert, verbunden damit ein ganzes Bündel an Stereotypen und Anforderungen. Hier soll davon ausgegangen werden, dass „Frau-Sein“ im Wesentlichen eine soziale Kategorie ist. Der Inhalt der sozialen Kategorie der Geschlechter ist nach Bilden 6 bestimmt durch die gesellschaftliche Arbeitsteilung nach Geschlecht und Herrschaftsverhältnissen zwischen den Geschlechtern. Fundament der geschlechterdifferenten Erwartungen ist die umfassende Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, zwischen Beruf und Familie, wobei Beruf noch immer primär dem Mann und Hausarbeit primär der Frau zugewiesen wird.
Dies trifft auch immer noch zu, auch wenn Berufsausbildung und -tätigkeit mittlerweile zu einem festen Bestandteil in der weiblichen Normalbiografie geworden sind; jedenfalls zwischen Schulende und der Geburt des ersten Kindes 7
4 Beck-Gernsheim, E.: Das halbierte Leben. Frankfurt 1985, S. 14
5 Beck-Gernsheim, a.a.O., S. 172
6 Bilden, H.: Geschlechtsspezifische Sozialisation. IN: Handbuch der Sozialisationsforschung. Hrsg. v.
Hurrelmann, Ulich; Weinheim und Basel 1982, S. 778
7 Bilden, H.: a.a.O., S. 804
6
1.3. Berufliche Sozialisation von Frauen
Bevor ich zur geschlechtsspezifischen beruflichen Sozialisation von Frauen komme, soll zunächst noch der Terminus der „beruflichen Sozialisation“ definiert werden. Unter „Beruf“ wird ein Kreis von Tätigkeiten mit dazugehörigen Pflichten und Rechten verstanden, den der Mensch im Rahmen der Sozialordnung als Aufgabe ausfüllt und der ihm i.d.R. zum Erwerb des Lebensunterhaltes dient. Bis zum 19. Jahrhundert herrschte eine idealistische Berufsauffassung vor, in der industriellen Gesellschaft setzt sich eine mehr funktionelle durch. Die ethische Seite im Berufsbegriff blieb erhalten; damit steht der Beruf im Gegensatz zur zufälligen Erwerbstätigkeit (Job)“ 8 Nach Lempert werden Berufe durch drei Merkmale definiert: „Es handelt sich dabei erstens um personengebundene Kombinationen von Leistungen beziehungsweise von Kompetenzen (Kenntnissen, Fertigkeiten, Fähigkeiten, Orientierungen, Verhaltens- und Handlungsmustern), die von den Individuen in speziellen Ausbildungsgängen erworben und ihnen nach dem Bestehen einer Abschlussprüfungen bescheinigt werden. Zweitens vermittelt dieses Kompetenzbündel eine Erwerbschance, und zwar - drittens - für längere Zeit.“ 9
Für welchen Beruf ein Individuum sozialisiert wird, ist in bedeutendem Maße abhängig von der Schichtzugehörigkeit, von individuellen Fähigkeiten und Interessen. Diese werden bestimmt durch soziale Einflüsse, von der Geschlechtszugehörigkeit und vom Zugang zu bestimmten Informationen vor der Berufsentscheidung. „Obwohl sie seit langem immer wieder `totgesagt´ worden sind, bestimmen Berufe in unserer Gesellschaft darüber hinaus nach wie vor weitgehend das soziale Ansehen und das Selbstbewusstsein von Personen.“ 10 Dabei fließen die Arbeitssituation und Biografie der Eltern in die Zielsetzung ein, die sie in der Sozialisation ihrer Kinder verfolgen. Über den Erziehungsprozess werden auch Arbeitsorientierungen vermittelt: von Anpassung bis Auflehnung, von Gleichgültigkeit bis Engagement und Aufstiegsorientierung. Grüneisen und Hoff haben „bei Situationen, die als Erziehungskonflikte in der Familie thematisiert werden, einen Zusammenhang zwischen Arbeitserfahrungen der Väter und der Sozialisationspraxis feststellen können, wobei das Ausmaß an Handlungsautonomie am Arbeitsplatz das Erziehungsverhalten am stärksten bestimmt“ 11
8 dtv Lexikon: in 20 Bänden. Band 2. München 1992, S. 220
9 Lempert, W.: Berufliche Sozialisation. Baltmannsweiler 2002, S. 179
10 Lempert, a.a.O., S. 179
11 Grüneisen/Hoff , 1977 IN: Heinz, W.R.: Berufliche und betriebliche Sozialisation. IN: Handbuch der
Arbeit zitieren:
Karin Hagedorn, 2004, Die berufliche Sozialisation von Frauen und der geschlechtsspezifisch geteilte Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag GmbH
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