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Inhaltsübersicht
1. Einführung S.3
2. Historische Ausgangslage S.3
3. Ausbildung Friedrichs V., Heirat und Regierung S.8
4. Das Königreich Böhmen S.11
5. Friedrich als König von Böhmen S.13
6. Der „Winterkönig“ im Exil 16
1. Einführung
Friedrich V., der letzte Kurfürst der Oberen Pfalz, war eine der wenigen historischen Persönlichkeiten, die unter ihrem Spottnamen in die Geschichte eingingen. In die politischen Wirren Europas am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges verstrickt, nahm er die böhmische Königskrone an und stellte sich damit gegen Kaiser und Reich. Nach nur einem Jahr verlor er sie bereits wieder und wurde so zum „Winterkönig“, der nur einen Winter lang geherrscht hatte.
Sein politisches Handeln hatte weitreichende und verheerende Folgen für Europa und so war die Rolle, die ihm in der Geschichtsschreibung zufiel, auch lange Zeit eine wenig rühmliche. Friedrich Schiller stellte ihn in seiner „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ gar als unentschlossen und feige, als „schwachen Kopf“ dar, der durch sein leichtsinniges und schwärmerisches Wesen die böhmische Königskrone verspielt habe. 1 Die meisten Historiker folgten ihm in dieser Beurteilung. Golo Mann, der Friedrich V. in seiner Wallenstein-Biographie alle Fähigkeiten zu selbständigem politischen Handeln absprach, zog folgendes Resumeé: „Der Mann, eine europäische Revolution zu führen, war der Dreiundzwanzigjährige nicht. Ihrem Ruf musste er folgen.“.
2. Historische Ausgangslage
Der genaue Geburtsort Friedrichs V. ist nicht sicher bekannt. Er kam entweder im kurfürstlichen Schloss zu Amberg oder im Jagdschloss Deinschwang bei Neumarkt in der Oberpfalz am 26. August 1596 zur Welt. 2 Seine Eltern, Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz und Luise Juliane von Oranien-Nassau hatten ihre Residenzstadt Heidelberg wegen einer Pestepidemie verlassen und blieben b is 1598 in Amberg, wo der Kurprinz seine ersten
1 Hepp, Frieder, „Der Pfalz Haupt flecken“. Heidelberg um 1600, S. 81, in: Ausstellungskatalog „Der
Winterkönig Friedrich V. Der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz“ Katalog zur Bayerischen Landesausstellung
2003, Stadtmuseum Amberg, S. 75-82.
2 Wolf, Peter, Prolog - Pfalzgraf Friedrich in der Welt nach 1600, S. 247, in: Ausstellungskatalog „Der
Winterkönig Friedrich V. Der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz“ Katalog zur Bayerischen Landesausstellung
2003, Stadtmuseum Amberg, S. 247-248.
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Kindheitsjahre verbrachte. Die Obere Pfalz bildete zur damaligen Zeit gemeinsam mit der Unteren Pfalz die Kurpfalz. Seit dem Hausvertrag von Pavia 1329 war der nördliche Teil Altbayerns mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein verbunden und wurde vom pfälzischen Zweig der Wittelsbacher regiert. 3 Dieser hatte seit der Goldenen Bulle Karls IV. 1356 auch die Kurwürde inne. Durch die vornehme Herkunft väterlicherseits aus dem Geschlecht der Wittelsbacher bestanden für Friedrich V. zu fast allen bedeutenden Fürstenhäusern im Reich familiäre Bindungen. Noch wichtiger sollte für ihn jedoch die Abstammung seiner Mutter Luise Juliane werden. Sie war die Tochter Wilhelms von Oranien, stammte also aus dem Geschlecht, das die Statthalter in den reformierten nördlichen Niederlanden stellte. Ihre Mutter wiederum war Charlotte von Bourbon-Montpensier, so dass auch enge Verbindungen zum französischen Hochadel bestanden. 4
Der pfälzische Zweig der Wittelsbacher war kalvinistischen Glaubens und stand damit im Gegensatz zur katholischen Linie der Familie in Bayern, die zu dieser Zeit durch Herzog Maximilian I. von München aus regierte. Diese Konstellation bedeutete auch auf politischer Ebene eine tiefe Kluft zwischen den beiden Linien aus demselben Geschlecht: Während die pfälzische Politik eher die Anbindung an das protestantische Deutschland und Nordwesteuropa suchte, ric htete sich der bayerische Zweig ganz auf das Herrscherhaus Habsburg und das katholische Deutschland aus. Auch im Heiligen Römischen Reich selbst nahmen die Kurpfalz und Bayern ganz unterschiedliche Positionen ein: Obwohl die Pfalz über ein kleineres und noch dazu geteiltes Territorium verfügte, war der pfälzische Kurfürst der vornehmste unter den sieben Kaiserwählern. Das Herzogtum Bayern hingegen mit seinem vergleichsweise großen und geschlossenen Territorium verfügte über keine Stimme bei der Kaiserwahl, stellte sich jedoch als katholische Vormacht neben den Habsburgern dar. 5 Das Haus Habsburg hatte seit dem fünfzehnten Jahrhundert alle Kaiser des Reiches gestellt, das sich von der Nord- und Ostseeküste bis nach Oberitalien, von den Niederlanden und Savoyen bis nach Brandenburg, Böhmen und Mähren erstreckte. Sein Herrschaftsanspruch ging jedoch weit über die Grenzen der Reichsverfassung hinaus und zielte auf ein Weltreich ab. Habsburg herrschte in Spanien und Portugal und damit auch in den überseeischen Kolonien, in Teilen Italiens, in Burgund und in den spanischen Niederlanden. Innerhalb der Reichsgrenzen gehörten große Teile Österreichs (Vorder- und Innerösterreich mit Krain und Steiermark) sowie das Königreich Böhmen zum habsburgischen Machtbereich. 6 Dass dieser
3 Laschinger, Amberg und die Obere Pfalz, S. 54.
4 Bilhöfer, Biografische Skizze, S. 19.
5 Wolf, Peter, Pfalzgraf Friedrich in der Welt nach 1600, CD-ROM-Katalog „Der Winterkönig, Augsburg 2003,
S. 2.
6 a.a.O.
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enorme Anspruch auch Konflikte provozierte, zeigte sich in der Abspaltung der nördlichen Niederlande, die zum Unabhängigkeitskrieg führte. Weitere Bedrohungen entstanden durch das expansive Verhalten des Osmanischen Reiches auf dem Balkan und in Ungarn. Konflikte schwelten auch zwischen Habsburg und Frankreich im Anspruch auf die Vormachtstellung in Europa.
2.1. Religiöse Spannungen
Besonders folgenschwer aber wirkten sich die konfessionellen Streitigkeiten auf die Politik aus, denn Katholiken, Lutheraner und Kalvinisten standen sich erbittert gegenüber. Zunächst einige erklärende Worte zum Kalvinismus. Es handelt es sich dabei um die Lehre des französischen Theologen und Juristen Jean Calvin, der die Lehre Luthers nochmals reformierte. 7 Ein wichtiger Unterschied ist die Ablehnung der Lehre von der Realpräsenz Christi beim Abendmahl, das in der Folge auch weitaus schlichter gestaltet wurde als bei den Lutheranern. Auch die radikale Auslegung des Bilderverbots unterschied sich von der liberaleren Haltung Luthers, so dass es zu zahlreichen Bilderstürmen kam. Die Bet- und Predigthäuser der K alvinisten zeichneten sich durch demonstrative Lehre und Schmucklosigkeit aus. 8
Auch glaubte man an die Vorherbestimmung des Menschen zu Verdammnis oder Erlösung, was sich beim Einzelnen am Erfolg in der Welt zeigte. Wie bei den Lutheranern aber stellte die Bibel die höchste Autorität in Glaubensfragen dar. Der Kalvinismus zeichnete sich zusätzlich durch größte Sittenstrenge aus, die beispielsweise auch Vergnügungen wie d as Kartenspiel untersagte.
Die Pfälzer Kurfürsten standen mit dieser konfessionellen Prägung nicht nur in einem ständigen Spannungsverhältnis zum katholischen Kaiserhaus, sondern auch zu den lutherischen Fürsten. Der K alvinismus war nicht als gleichberechtigtes Bekenntnis im Augsburger Religionsfrieden von 1555 aufgenommen worden. Die Konfessionen traten jedoch zunehmend in Konkurrenz zueinander, so dass sich bereits bestehende Spannungen verschärften. Die seit dem sechzehnten Jahrhundert brodelnden Konflikte der Konfessionalisierung erreichten Anfang des siebzehnten Jahrhunderts einen traurigen Höhepunkt. Dem österreichischen Kaiserhaus stand das ebenfalls katholische Spanien zur
7 Lippold, Stefan, Der Kalvinismus, in: Ausstellungskatalog „Der Winterkönig Friedrich V. Der letzte Kurfürst
aus der Oberen Pfalz“ Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2003, Stadtmuseum Amberg, S. 278 f.
8 Hartmann, Konfessionelle Kulturen, S. 46 ff.
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Seite. Der Papst übte seinen Einfluss einerseits durch die Reichskirche, andererseits aber auch durch die weltlichen katholischen Reichsfürsten wie Maximilian I. aus. 9 Durch diese katholische Dominanz fühlten sich zahlreiche protestantische Fürsten in die Enge gedrängt. Ständige Streitigkeiten, die sich vor allem um Reformationsrecht und Säkularisation drehten, beschleunigten den harten Konfrontationskurs zwischen den Konfessionen. Dieser mündete in den Boykott des Reichskammergerichts im Jahre 1600 und die Blockierung des Reichstages 1608. Damit waren jene Institutionen ausgeschaltet, die bisher durch Schlichtung oder Anhörung der gegensätzlichen Meinungen eine sofortige militärische Auseinandersetzung verhindert hatten. Das Reich als Friedens- und Rechtssystem war nun ausgeschaltet. 10
Die Kontrahenten schlossen sich zu zwei militärischen Bündnissen zusammen: Unter der Führung Friedrichs IV. von der Pfalz, dem Vater des Winterkönigs, formierte sich 1608 die protestantische Union aus acht Fürstentümern und 17 Städten. (Kurpfalz, Pfalz-Neuburg, Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach, Württemberg und Baden-Durlach, Strassburg, Nürnberg, Ulm) Absprachen mit Frankreich, Savoyen und Schweden sowie Bündnisse mit England und den niederländischen Generalstaaten sollten vor allem dazu dienen, die mangelnde Finanzkraft des Bündnisses zu mildern. 11
Im Ge genzug schlossen sich 1609 in München die katholischen Stände zur sogenannten „Liga“ zusammen, die von Maximilian angeführt wurde. Ihr traten innerhalb weniger Monate fast alle katholischen Stände Süddeutschlands und die drei rheinischen Kurfürsten bei. Sowohl unter organisatorischen als auch unter finanziellen Aspekten erwies sich dieses Bündnis als wesentlich stabiler.
So stellte sich die Situation dar, wie sie sich in Europa am Anfang des siebzehnten Jahrhunderts während Friedrichs Kindheit und Jugendzei t entwickelt hatte, war also alles andere als friedlich und überschaubar. Friedrich V. wurde in eine Zeit hineingeboren, die von Widersprüchen und Konfrontationen gezeichnet war. Bereits lange schwelende Konflikte standen kurz vor ihrem Ausbruch, eine Schlichtung war nach dem Ausfall der rechtlichen Instanzen nicht mehr möglich. Vor diesem Hintergrund stellte sich seine Kindheit und Jugend keineswegs so düster dar, wie man es vielleicht erwarten würde. Aufgrund seiner vornehmen Herkunft wurde ihm eine aufwändige Erziehung zuteil:
9 Wolf, Peter, Die politische Situation in Europa um 1610, CD-ROM-Katalog „Der Winterkönig, Augsburg
2003, S. 7.
10 a.a.O.
11 Wolf, Peter, CD-ROM-Katalog „Der Winterkönig, Augsburg 2003, Kap. 1.15, S.1-3.
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Dr. phil. Birgit Wagner, 2003, Der Winterkönig - Friedrich V., der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz, München, GRIN Verlag GmbH
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