1. Einleitung 3
2. Die Katharsis - These 4
3. divergente Ansätze
und entkräftende Studien 5
4. Fazit 7
5. Literaturverzeichnis 8
2
1. Einleitung
In der folgenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Einfluss von Gewalt 1 in Medien auf die Gewaltbereitschaft vor allem bei Jugendlichen 2 . Die unzähligen Überlegungen und Thesen, die hierzu aufgestellt wurden, zeigen, dass dieses Phänomen bis heute nicht geklärt ist und dass es vermutlich immer unterschiedliche Meinungen dazu geben wird, inwiefern die zunehmende Gewalt in Film und Fernsehen ein Argument für die steigende Aggressivität und Gewalttätigkeit 3 ist. Ich persönlich stimme keiner These ohne Einschränkung zu, bin aber überzeugt, dass ein Zusammenhang besteht, der nicht verleugnet werden kann und er bestimmt nicht darin liegt, dass Gewaltdarstellung Gewalt verhindert (s.u.). Nicht ohne Grund hat sich die Anzahl von registrierten Körperverletzungen seit 1970 mehr als verdoppelt 4 . Ich habe selbst in meiner Kindheit infolge einer Überdosis an Bud Spencer und Terence Hill Filmen getestet, wie wirksam die Faust in der Magengegend des Gegners ist. Doch bei mir blieb es bei diesen kurzen Entgleisungen, was andere Jugendliche leider nicht von sich behaupten können.
Im ersten Teil werde ich eine These vorstellen, die meines Erachtens in sich unstimmig, überholt und zudem schon durch diverse Experimente widerlegt ist. Somit möchte ich im zweiten Teil überzeugende Gegenargumente gegen diesen Ansatz bringen und versuchen, tatsächliche Ursachen für die steigende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen zu finden.
1 Ich werde nicht näher auf die verschiedenen Definitionen von Gewalt eingehen, sondern sehe hier Gewalt im Sinne einer direkten, beabsichtigten (körperlichen) Schädigung eines Menschen. Ebenso missachte ich bewusst die produktive Kraft von Aggression (lat. aggredi - herangehen, angreifen).
2 In der Literatur ist zumeist von Kindern und Jugendlichen die Rede. Doch denke ich, dass diese Altersgruppe nicht allein von den Einflüssen der Medien betroffen ist. Dennoch werde ich mich im folgenden auf diese Generation beziehen.
3 Strafverfolgungsstatistik seit 1970 http://www.destatis.de/download/d/veroe/fach_voe/strafzeitreihen03.pdf
4 ebd.
3
2. Die Katharsis-These
Der Begriff Katharsis bedeutet die „psychische Reinigung durch affektive Erschütterung“ 5 und basiert auf Aristoteles und der antiken Tragödie.
Laut der Katharsis-Hypothese, besonders vertreten von Freud und Feshbach und Singer in den 60er und 70er Jahren, baut das Ansehen und geistige Miterleben von Gewalt angestaute Aggressionen ab und macht tatsächliche Gewaltausübung überflüssig 6 . Im Laufe der Jahre existierten die verschiedensten Ansätze, die Katharsis-Hypothese zu bestätigen. Die erste Idee bestand darin, dass jede Art von Phantasiegewalt reinigende Wirkung habe, was jedoch empirisch widerlegt wurde. Es folgte die Annahme, dass ein kathartischer Effekt nur dann folge, wenn ein emotionaler Erregungszustand vorliege und die letzte Behauptung besagte, dass die Reinigung davon abhänge, in welchem Ausmaß das Opfer unter der Gewalt leide 7 . Es wurden diverse Experimente durchgeführt, um die Vermutungen zu bestätigen, doch wiesen die Umstände und Interpretationen der Untersuchungen deutliche Defizite auf 8 . Sie reichten zumindest nicht für durchschlagende Erfolge aus, da die meisten Befunde eher auf aggressionshemmende Faktoren (Aggressionsangst, Schuldgefühle) zurückzuführen waren, die eher der Inhibitionsthese 9 entsprächen 10 . Beliebt ist die Katharsis-The se allerdings bei Werbe-, Serien- und Filmproduzenten. Da sie von renommierten Autoren wie Freud und Lorenz bestätigt wird, können sich die Verantwortlichen von gewaltsamen Medieninhalten hinter dieser Theorie verstecken und ihre Produkte damit rechtfertigen 11 .
Und obwohl die Katharsis-These nicht empirisch belegt werden konnte, erlebt sie immer wieder eine Renaissance, auch von Verfechtern entgegengesetzter Thesen 12 .
5 „Katarsis“ aus Wikipedia
6 vgl. Kunczik (1998), S. 67
7 ebd., S. 67
8 ebd., S. 69 f.
9 Gewaltdarstellungen können zu aggressiven Verhalten führen, werden aber aus Angst vor Sanktionen nicht umgesetzt (vgl. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/AggressionMedien.shtml )
10 vgl. Kunczik (1998), S. 70
11 vgl. Kunczik (1998), S. 70 ff
12 ebd., S. 67
4
Arbeit zitieren:
Nicole Ullerich, 2005, Medienwirkungstheorien im Diskurs - Fördert Gewalt in audio-visuellen Medien aggressives Verhalten?, München, GRIN Verlag GmbH
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