Inhaltsverzeichnis
Einleitung......................................................................................................................3
Vorgeschichte: Die turbulenten Jahre der Zwischenkriegszeit 3
Hitlers Griff nach Südosten: Der Balkan unter deutscher Dominanz 4
Die Neuordnung des jugoslawischen Raumes 5
Slowenien zwischen Anpassung und Widerstand 6
Der kroatische Ustaša-Staat 7
Serbien unter deutscher Militärverwaltung 10
Die serbisch-montenegrinischen cetnici 11
Die ungarische Okkupation der Baranja und der Backa 12
Der Volksbefreiungskrieg Titos 13
Versuch einer Bilanz 15
Einleitung
Mit dem von Hitler Ende März 1941 als Reaktion auf einen Putsch serbischer Militärs und Oppositionspolitiker gefassten Entschluss, das Königreich Jugoslawien „So rasch als
möglich“ 1 zu zerschlagen, fand der im Dezember 1918 aus dem Königreich Serbien, dem Königreich Montenegro und der Erbmasse der Habsburgermonarchie entstandene Staat nach einem kurzen Krieg gegen Deutschland und seine Verbündeten ein unrühmliches Ende. In der Folge setzte im Frühjahr 1941 ein vierjähriger Krieg und Bürgerkrieg auf dem Gebiet Jugoslawiens ein, dessen Ursachen, Verlauf und Konsequenzen i m folgenden Beitrag in
groben Zügen erörtert und analysiert werden sollen. 2
Vorgeschichte: Die turbulenten Jahre der Zwischenkriegszeit
Bereits die Ausgangslage nach dem Ersten Weltkrieg für die Errichtung eines stabilen und funktionierenden südslawischen Gemeinwesens war alles andere als günstig und vorteilhaft: Kriegsgewinner und Kriegsverlierer sollten in einem Staat vereint werden; staatsrechtliche, nationale, soziale, kulturelle und ökonomische Differenzen und Gegensätze in erster Linie zwischen dem entwickelteren Nordwesten und dem rückständigeren Südosten waren mitunter gross, obwohl nicht unbedingt unüberbrückbar. Das „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ zeichnete sich durch ethnische, sprachliche und konfessionelle Heterogenität aus, die selbst für „balkanische“ Verhältnisse ausserorde ntlich war: Neben den drei Titularnationen gab es in dem von seinen Gründern als „Nationalstaat“ bezeichneten Staatswesen mindestens 14 weitere Minderheiten, von denen die überwiegende Mehrheit einem von sechs Glaubensbekenntnissen angehörte. Die ethnische und konfessionelle Komplexität der jugoslawischen Bevölkerungsstruktur war jedoch nur einer – und dabei mit Sicherheit nicht der gewichtigste – von vielen Faktoren, die für den instabilen Zustand des Landes zwischen 1918 und 1941 verantwortlich waren. Die überstürzte Staatsgründung und die daraus resultierende kaum erfolgte Klärung entscheidender Fragen staats- und verfassungsrechtlicher Natur zwischen Vertretern aus den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie einerseits und serbischen Politikern andererseits sollten sich als bedrückende Hypothek für das künftige Zusammenleben im jungen Staat erweisen. Dieses Versäumnis, zusammen mit mangelnder politischer Erfahrung sowie fehlender Kompromissbereitschaft vieler jugoslawischer Volksvertreter und ihrer Unfähigkeit oder
ihrem Unwillen, soziale und wirtschaftliche Missstände dezidiert zu beseitigen, führten letztlich dazu, dass vor mals latent vorhandene nationale und/oder religiöse Gegensätze und stereotype Feindbilder (vorrangig zwischen Serben und Kroaten, Serben und bosnischen Muslimen oder zwischen Serben und Albanern) in der Zwischenkriegszeit offen zutage traten
und bisweilen in gegenseitiger Abneigung und Verachtung kulminierten. 3 Der von Hitler im April 1941 initiierte Krieg und die sich daran anschliessende Zerstückelung des Landes schufen exakt jene Rahmenbedingungen, unter denen die destruktiven Kräfte ungehindert freigesetzt werden konnten und die aus der Zwischenkriegszeit ererbten Konflikte nun auf der Ebene einer kriegerischen Auseinandersetzung ausgetragen werden sollten.
Hitlers Griff nach Südosten: Der Balkan unter deutscher Dominanz
Abgesehen von der schon im April 1939 erfolgten italienischen Okkupation Albaniens
kam es bis zum Sommer 1940 zu keinen territorialen Veränderungen in Südosteuropa. Erst mit der ultimativen Forderung der Sowjetunion im Juni 1940 an den grossrumänischen Staat, sowohl Bessarabien als auch die Nordbukowina abzutreten, wurde derjenige Prozess ins Rollen gebracht, der etwa ein Jahr später mit der geografischen und politischen Umgestaltung des Balkans seinen vorläufigen Abschluss fand.
Im August 1940 verlor Rumänien durch den „Zweiten Wiener Schiedsspruch“
Nordsiebenbürgen an das revisionistische Ungarn und im „Vertrag von Craiova“ vom September des gle ichen Jahres ging die Süddobrudscha an Bulgarien verloren. Um weitere Gebietsverluste zu verhindern, trat Rumänien im November 1940 unter General Ion Antonescu, gleichzeitig mit Ungarn und der Slowakei, dem schon im September zwischen Deutschland, Italien und Japan geschlossenen Dreimächtepakt bei. Bereits wenige Wochen vor dem Beitritt marschierten deutsche Instruktionstruppen in Rumänien ein, was sowohl bei Mussolini als auch bei Stalin zunehmende Besorgnis über den wachsenden Einfluss Hitlers in Südosteuropa hervorrief. Aus Wut und Verzweiflung über die eigenmächtige Vorgehensweise Hitlers und um den italienischen Machtbereich an der Adria auszudehnen, entschloss sich Mussolini im Herbst 1940 zu jener verhängnisvollen Aggression gegen Griechenland, die kurze Zeit später mit der italienischen Niederlage endete und weitere deutsche Interventionen in Südosteuropa nach sich zog. Im Dezember 1940 erliess Hitler gleich zwei wichtige Direktiven: Unter dem Decknamen „Operation Marita“ liefen die Vorbereitungen für die Invasion nach Griechenland und mit dem Nom de Guerre „Unternehmen Barbarossa“ wurde
bekanntlich der in Planung befindliche Krieg gegen die Sowjetunion bezeichnet. Nachdem Bulgarien seine Zustimmung zum Durchmarsch deutscher Truppen für den Griechenlandfeldzug schon im Januar gegeben hatte und im März gemeinsam mit Jugoslawien dem Dreimächtepakt beigetreten war, griff Deutschland im April 1941 Griechenland und Jugoslawien an. In beiden Ländern rief die deutsche (bzw. die italienische, bulgarische und ungarische) Besatzungspolitik mehr oder minder starken Widerstand von untereinander rivalisierenden Gruppierungen (Kommunisten, Nationalisten, Monarchisten) hervor. Ein blutiger und mit grausamer Härte geführter Bürgerkrieg war die Folge, der in Jugoslawien am 15. Mai 1945, in Griechenland erst im Herbst 1949 zu Ende ging und in beiden Ländern tiefe, teilweise bis zum heutigen Tag nicht verheilte Wunden hinterliess.
Von den südosteuropäischen Ländern waren somit im Frühjahr 1941 Albanien, Rest-
Jugoslawien und Griechenland von Truppen der Achsenmächte und ihren Verbündeten okkupiert, bzw. Teile ihres Staatsgebietes annektiert, während Bulgarien, Rumänien und der „Unabhängige Staat Kroatien“ (NDH = Nezavisna država Hrvatska) als Marionetten des Deutschen Reiches fungierten.
Die „Neuordnung“ des jugoslawischen Raumes
Es bedurfte keiner übermässigen militärischen Anstrengung seitens Deutschland, den
jugoslawischen Staat zur Aufgabe zu zwingen: Nach nur elf Kriegstagen musste Belgrad am
17. April 1941 die bedingungslose Kapitulation hinnehmen. D er j ugoslawische
Vielvölkerstaat wurde zerschlagen und - im Wesentlichen nach den Vorstellungen Hitlers - auf den Wiener Verhandlungen vom 20. bis zum 22. April 1941 unter Deutschland und seinen Verbündeten aufgeteilt: Deutschland besetzte ohne vorherige Rücksprache mit Rom den grösseren Teil Sloweniens, zwar ohne die Hauptstadt Ljubljana, dafür aber okkupierten deutsche Truppen d ie Untersteiermark, das ehemalige Kärntner Miesstal, die Gemeinde Seeland und Oberkrain; vier Katastralgemeinden in der Nordwestecke des Übermurgebiets
wurden von Deutschland annektiert. 4 Italien annektierte fast den ganzen Rest Sloweniens (Provincia di Lubiana), grosse Teile Dalmatiens sowie die meisten der dalmatinischen Inseln. Montenegro (ohne die Bucht von Kotor) sollte als „unabhängiger“ Staat unter italienischem Protektorat wieder auferstehen und das ebenfalls von Italien regierte Albanien hielt sich am grössten Teil des Kosovo, dem westlichen Mazedonien und einem mehrheitlich von Albanern bewohnten Streifen zwischen Montenegro und Albanien schadlos. Bulgarien nahm sich den
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Dr. phil. Michael Portmann, 2002, Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg 1941-1945, Munich, GRIN Publishing GmbH
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