Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis: III
Abkürzungsverzeichnis IV
I Einleitung 1
II Grundlagen der Unternehmensbewertung 3
1 Wert und Preis 3
2 Entwicklung betriebswirtschaftlicher Wertkonzeptionen 4
3 Der Zweck der Unternehmensbewertung 7
4 Die Aufgaben der Unternehmensbewertung 9
5 Der Ablauf des Bewertungsprozesses 12
6 Die Anforderungen an die Bewertungsverfahren 15
III Übersicht der Bewertungsverfahren 17
1 Gegenwärtig eingesetzte Verfahren 18
1.1 Empirische Untersuchungen 18
1.2 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften 21
1.3 Erkenntnisse aus der gegenwärtigen Anwendung 22
2 Einzelbewertungsverfahren 23
2.1 Substanzwertverfahren 23
2.1.1 Reproduktionswertverfahren 24
2.1.2 Liquidationswertverfahren 26
2.1.3 Substanzwert im Sinne ersparter Ausgaben 27
2.1.4 Beurteilung der Substanzwertverfahren 28
3 Gesamtbewertungsverfahren 29
3.1 Ertragswertverfahren 29
3.1.1 Konzeption des Ertragswertverfahrens 30
3.1.2 Bestimmung der Ertragsüberschüsse 32
3.1.3 Bestimmung des Kalkulationszinsfuß 35
3.1.4 Beurteilung der Ertragswertverfahren 37
3.2 Discounted-Cashflow Verfahren 38
3.2.1 Entity Ansätze (Bruttorechnung) 39
3.2.1.1 WACC Ansatz 40
3.2.1.2 APV Ansatz 42
3.2.1.3 TCF Ansatz 43
3.2.2 Equity Ansatz (Nettorechnung) 44
3.2.3 Beurteilung der DCF-Verfahren 44
3.3 Realoptionsverfahren 46
3.3.1 Darstellung des Realoptionsverfahrens 47
3.3.2 Beurteilung des Realoptionsverfahrens 48
3.4 Vergleichsverfahren Multiplikatormethode 49
3.4.1 Darstellung der Vergleichswertverfahren 49
3.4.2 Beurteilung der Vergleichswertverfahren 53
4 Mischverfahren 54
4.1 Mittelwertverfahren 55
4.2 Übergewinnverfahren 55
4.3 Stuttgarter Verfahren 56
4.4 Beurteilung der Mischverfahren 57
IV Zusammenfassung 59
Literaturverzeichnis V
II
Abbildungsverzeichnis:
Abbildung 1: Anlässe für Unternehmensbewertungen 8
Abbildung 2: Aufgaben der Unternehmensbewertung 10
Abbildung 3: Phasen der Akquisition 13
Abbildung 4: Vorbereitung der Unternehmensbewertung 14
Abbildung 5: Übersicht der Bewertungsverfahren 17
Abbildung 6: Veränderung des dominierenden Bewertungsverfahrens 19
Abbildung 7: Berechnungsschema des Reproduktionswerts 24
Abbildung 8: Berechnungsschema Liquidationswert 26
Abbildung 9: Übersicht der Gesamtbewertungsverfahren 29
Abbildung 10: Übersicht der gebräuchlichen Ertragsbegriffe 32
Abbildung 11: Berechnungsschema der Einzahlungsüberschüsse 33
Abbildung 12: Kalkulationszinsfußberechnung 36
Abbildung 13: Ausprägungen der DCF-Verfahren 38
Abbildung 14: Berechnungsschema operativer Cashflows 39
Abbildung 15: Zusammensetzung des Unternehmensgesamtwertes 48
Abbildung 16: Wesentliche Vergleichsverfahren 50
Abbildung 17: Multiplikatoren des durchschnittlichen Gewinns nach Branchen 51
Abbildung 18: Zusammenfassung der Verfahrensbeurteilungen 60
III
Abkürzungsverzeichnis:
Bd. Band
BFuP Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
CAPM Capital Asset Pricing Model
DCF Discounted Cash Flow
d. h. das heißt
EBIT Earnings Before Interest and Taxes
EBITDA Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization
IDW Institut der Wirtschaftsprüfer
IPO Initial Public Offering
KPMG Klynveld, Peat, Marwick und Goerdeler - Beratungsgesellschaft
M&A Mergers&Acquisitions
PWC PricewaterhouseCoopers - Beratungsgesellschaft
S. Seite
S 1 Standard 1
u. a. und andere
usw. und so weiter
vgl. vergleiche
WAAC Weighted Average Cost of Capital
WP Wirtschaftsprüfer
z. Bsp. zum Beispiel
- IV -
Symbolverzeichnis:
EK CF t = Cashflow an die Eigenkapitalgeber in der Periode t
FK CF t =
E =
E t =
EK MW =
EK MWu =
FCF t =
u FCF t =
FK MW =
GK MW =
i =
k TCF =
k WACC =
m =
N 0 =
r =
r(EK) u =
r(EK) v =
s =
T =
TCF t = Total Cashflow in Periode t
- V -
I Einleitung
„Da werden große Unternehmen im Handumdrehen gekauft und verkauft, als handelt es sich um Gebrauchtwagen“ 1
Fast wöchentlich berichten die Tageszeitungen von Unternehmenskäufen, die oft mehrere Milliarden Euro ausmachen können, als sei dies das Normalste der Welt. Von besonderem Interesse ist dabei, dass der Börsenwert des übernehmenden Unternehmens regelmäßig nicht steigt, sondern sogar sinkt. Die Börse scheint also nicht mit der Höhe des gezahlten Kaufpreises einverstanden zu sein. Bei der Preisfindung spielt zweifelsfrei der Bewertungsprozess eine wichtige Rolle. Nur wie dieser Bewertungsprozess abläuft und wie dabei vorgegangen wird, berichtet die Tagespresse nicht. Wer sich dann auf der Suche nach Antworten intensiver mit der Thematik der Unternehmensbewertung beschäftigt, muss schnell feststellen, dass es eine schier unüberschaubare Anzahl an Bewertungsverfahren gibt. Dem Betrachter stellen sich sodann mehrere Fragen: Wo liegen die Unterschiede der Verfahren? Eignen sich einige nur für bestimmte Bewertungsvorhaben bzw. spielt der Bewertungszweck eine Rolle? Gibt es das „universell richtige“ Verfahren? In direktem Zusammenhang damit steht dann auch die Frage, welche dieser Verfahren nur auf dem Papier stehen – und Papier ist bekanntermaßen geduldig – und welche Verfahren in der Praxis Relevanz haben.
Diesen Fragen geht die vorliegende Arbeit nach. Dazu werden im nachfolgenden Teil II erst einmal grundlegende Fragen und Probleme der Unternehmensbewertung aufgezeigt und geklärt. Hierbei wird insbesondere auf die Bedeutung des Wertes und der sich daraus ableitenden Wertkonzeptionen eingegangen. Des Weiteren werden die Aufgaben der Unternehmensbewertung dargestellt und daraus ein Anforderungskatalog entwickelt, um die Bewertungsverfahren einheitlich beurteilen und vergleichen zu können. Um einen Einblick in den Verlauf einer Unternehmensbewertung zu verstehen, wird der Ablauf kurz am Beispiel einer Akquisition aufgezeigt.
1 Altbundeskanzler Helmut Schmidt.
- 1 -
Den Hauptteil der Arbeit bildet der Teil III. Hier werden verschiedenen Bewertungsverfahren dargestellt und anhand des ausgearbeiteten Anforderungskatalogs beurteilt. Um die praktische Relevanz der verschiedenen Verfahren beurteilen zu können, wird am Anfang dieses Kapitels anhand von empirischen Untersuchungen der Frage nachgegangen, welche Verfahren die Praxis gegenwärtig einsetzt. Zusätzlich zu den dort aufgezeigten empirischen Untersuchungen, wird der Einsatz von Bewertungsverfahren bei drei großen Unternehmensberatungsgesellschaften beleuchtet.
Nachdem die einzelnen Verfahren dargestellt und beurteilt wurden, fasst der Teil IV die Ergebnisse zusammen und stellt sie in einer Grafik gegenüber.
- 2 -
II Grundlagen der Unternehmensbewertung
Dieses Kapitel widmet sich den grundlegenden Fragen und Problemstellungen der Unternehmensbewertung. Er schafft die Basis für das Verständnis der Bewertungsverfahren, auf dem bei der Verfahrensdarstellung in Teil III aufgebaut werden kann. Dazu bedarf es zuerst eine Abgrenzung der Begriffe Wert und Preis. Daraufhin werden drei Werttheorien dargestellt, deren Merkmale sich später in den Bewertungsverfahren widerspiegeln. Anhand der dominierenden Werttheorie werden dann Aufgaben und Funktionen vorgestellt, welche durch die Unternehmensbewertung zu erfüllen sind. Als Grundlage für die Beurteilung der Verfahren werden im Anschluss daran Anforderungen aufgestellt.
1 Wert und Preis
Der Gegenstand der Lehre der Unternehmensbewertung ist die Bestimmung des Wertes eines Unternehmens. So einfach sich dies anhört, bedarf es einer näheren Betrachtung:
„Price is what you pay. Value is what you get.“ 2
Der Wert eines Gutes drückt dessen Nutzen aus, den es in der Lage ist für ein Wirtschaftssubjekt zu spenden. D.h. der Wert beruht auf der Fähigkeit Bedürfnisse befriedigen zu können. Der Nutzen wiederum kann von Situation zu Situation, sowie von Wirtschaftssubjekt zu Wirtschaftssubjekt unterschiedlich hoch ausfallen. 3 Beispielsweise besitzt ein Liter Wasser an einer Quelle die gleiche Fähigkeit zur Bedürfnisbefriedigung wie in einer Wüste; doch wird man ihm in der Wüste einen höheren Wert beimessen. Formal ausgedrückt: Es hat für Person A am Ort B im Zeitpunkt C den Wert X. 4 Es handelt sich also um eine „Subjekt-Objekt-
2 WarrenBuffet.
3 Vgl. HÖLSCHER, [Unternehmensbewertung, 1998], S. 37 – 39.
4 Vgl. CHMIELEWICZ, [Forschungskonzeptionen, 1994], S. 44.
- 3 -
Beziehung“ 5 bei der es keinen objektiv-richtigen, sondern nur einen objektivmöglichen bzw. subjektiv-vertretbaren Wert geben kann. 6
Vom Wert zu unterscheiden ist der Preis. Der Preis ist ein in Geld ausgedrückter Tauschbetrag, welcher sich in Verhandlungen oder auf Märkten bildet. Bei Unternehmen liegt häufig eine besondere Situation vor, da es meistens nur einen Verkäufer und einen bzw. wenige Käufer gibt. Der Preis bildet sich bei dieser Konstellation also nicht auf dem Markt, sondern durch individuelle Verhandlungen. 7
Der Unternehmenswert im Sinne der Unternehmensbewertung ergibt sich aus einem Wertermittlungsprozess, während sich ein Unternehmenspreis im Rahmen einer Verhandlung ergibt. 8 Inwieweit eine unterschiedliche Auslegung des Begriffs „Wert“ Auswirkungen auf die Unternehmensbewertung haben kann, zeigt sich bei der Betrachtung der verschiedenen Wertkonzeptionen.
2 Entwicklung betriebswirtschaftlicher Wertkonzeptionen
Wie eine Unternehmensbewertung zu vollziehen ist, hängt maßgeblich von der zugrunde liegenden Wertkonzeption ab. Betriebswirtschaftslehre und betriebliche Praxis haben verschiedene Wertkonzeptionen entwickelt. Wegen der Bedeutung der Wertkonzeptionen für die Ausgestaltung und Anwendung der Bewertungsverfahren, widmet sich dieses Kapitel der Darstellung der objektiven, subjektiven und funktionalen Werttheorie.
Die objektive Werttheorie ist die historisch gesehen Älteste der drei genannten Konzeptionen. Sie dominierte die Unternehmensbewertung bis in die 1950er Jahre hinein. 9 Die Grundüberlegung hierbei ist, den Wert unabhängig von den Interes-
5 Vgl.PEEMÖLLER, [Werttheorien, 2005], S. 3.
6 Vgl. HÖLSCHER, [Unternehmensbewertung, 1998], S. 37 – 38.
7 Volkswirtschaftlich gesehen bildet sich der Preis bei Unternehmen häufig wie bei unvollständiger Konkurrenz bzw. bilateralen Monopolen. Vgl. SCHULTZE, [Methoden, 2003], S 17. 8 Vgl. BÖMELBURG, [Vorbereitung, 2005], S. 93.
9 Vgl. DRUKARCZYK, [Unternehmensbewertung, 2003], S. 130.; PEEMÖLLER, [Werttheorien, 2005], S. 5.
- 4 -
senlagen der Käufer oder Verkäufer zu bilden, d. h. „losgelöst von Personen“ 10 . Dazu wird der Wert eines Unternehmens mit dem Marktpreis gleichgesetzt. Da es sich bei Unternehmen um „einmalige, in höchstem Maße heterogene Güter“ 11 handelt, für die aufgrund einer nicht hinreichend großen Anzahl von Anbietern und Nachfragern regelmäßig kein Marktpreis existiert, werden diese nicht als Ganzes, sondern mit Blick auf ihre Teile bewertet. Hierdurch wird von allen Beteiligten ein stets gleich hoher Unternehmenswert zu einem bestimmten Betrachtungszeitpunkt ermittelt, welcher den im Objekt selbst liegenden Wert darstellt. 12 Diese Betrachtungsweise führt zu einer starken „Betonung der gegenwarts- und vergangenheitsbezogenen Verhältnisse“ 13 und zu einer starken Betrachtung des Substanzwertes.
Keine Beachtung finden in der objektiven Werttheorie die Tatsachen, dass ein wirklich objektiver Wert nicht zu bestimmen ist, da er immer von den Interessen der Käufer und Verkäufer abhängt.
Diese Erkenntnis fließt in die subjektive Werttheorie ein. Der Grundgedanke dieser Konzeption ist, dass der Wert eines Gesamtunternehmens nicht durch den im Unternehmen selbst liegenden Wert bestimmt wird. Das Ziel der subjektiven Wert-theorie liegt deshalb in der Bestimmung von Entscheidungswerten, denn ein potentieller Käufer bzw. Verkäufer entscheidet unter rationalen Bedingungen nach dem im zukünftig zukommenden bzw. ihm entgehenden Nutzen. 14 Der unter dieser Betrachtung berechnete Unternehmenswert stellt somit eine Größe dar, die vom Käufer nicht überschritten bzw. vom Verkäufer unterschritten werden darf, wenn er als rational handelnder Mensch angesehen werden will. Diese Betrachtungsweise führt nun dazu, dass es grundsätzlich so viele Unternehmenswerte gibt, wie Parteien an der Bewertung beteiligt sind. 15 Die subjektive Werttheorie
10 PEEMÖLLER, [Werttheorien, 2005], S. 5.
11 JAENSCH, [Wert, 1966], S. 3. in HAYN, [junger Unternehmen, 2003], S. 35.
12 Dieser wird in der Literatur auch als normalisierter Wert bezeichnet. Vgl. HAYN, [junger Unternehmen, 2003], S. 36.
13 Vgl. PEEMÖLLER, [Werttheorien, 2005], S. 5.
14 Vgl. BEER, [Bewertungsdienstleistungen, 2004], S. 109.
15 Vgl. HAYN, [junger Unternehmen, 2003], S. 37.
- 5 -
versucht also den Wert eines Unternehmens unter besonderer Berücksichtigung der Ziele, Möglichkeiten und Vorstellungen eines ganz bestimmten Investors zu bestimmen. Es findet somit eine Betrachtung zukunftsbezogener Ertragswerte statt.
Die Bewertungen des Einzelnen sind von Anderen aufgrund der Subjektivität jedoch kaum nachvollziehbar und erschweren so einen fairen Interessenausgleich zwischen Käufer und Verkäufer. 16 Präskriptive Aussagen und Entscheidungsunterstützungen sind mithilfe der subjektiven Wertkonzeption nicht möglich. Aufgrund der Nichtnachvollziehbarkeit der individuellen Wertvorstellungen anderer Personen lässt die subjektive Wertkonzeption theoretisch auch keine Einschaltung von Beratern zu. 17
Diesen Kritikpunkt greift die funktionale Werttheorie auf und versucht die Gegensätze der objektiven und subjektiven Werttheorie zu überwinden. Dazu findet eine Differenzierung nicht nur nach den Bewertungssubjekten, sondern auch nach dem Bewertungszweck statt. 18 Bei dieser zweckorientierten Betrachtung 19 hat der zu ermittelnde Wert keinen allgemeingültigen Charakter, sondern ist vielmehr mit dem der Bewertung zugrunde liegendem Zweck eng verbunden. So kann ein Unternehmen nicht nur für jede Person einen anderen Wert haben, sondern sogar bei ein und derselben Person je nach zugrunde liegender Fragestellung. 20 Die funktionale Werttheorie erhebt im Gegensatz zur objektiven und subjektiven Werttheorie nicht mehr den Anspruch, „mit einem einzigen Bewertungskonzept beliebig strukturierte Bewertungsprobleme lösen zu können“ 21 . Vielmehr unterscheidet sie unterschiedliche Funktionen, die sich aus dem jeweiligen konkreten Bewertungsanlass ableiten.
16 Vgl. PEEMÖLLER, [Werttheorien, 2005], S. 7.
17 Vgl. BECK, [Unternehmensbewertung, 1996], S. 78.
18 Vgl. BEER, [Bewertungsdienstleistungen, 2004], S. 109.
19 Vgl. HAYN, [junger Unternehmen, 2003], S. 38.
20 Vgl. MATSCHKE, [Konzeptionen, 1995], S. 973.
21 BRETZKE, [Methodenstreit, 1976], S. 543.
- 6 -
3 Der Zweck der Unternehmensbewertung
Es gibt eine Vielzahl von Anlässen, welche den Anstoß zu einer Unternehmensbewertung liefern können. Diese Anlässe können unterschiedlichster Art sein und beeinflussen den Bewertungszweck, da nach der funktionalen Wertkonzeption der Wert eines Unternehmens niemals losgelöst von dem Zweck der Bewertung ermittelt werden kann. 22
Eine Unternehmensbewertung ist regelmäßig erforderlich, wenn es zu einer geplanten oder erzwungenen Veränderung der Eigentümerstruktur kommt. 23 Ebenso erfordern zuweilen steuerliche Zwecke, für die Aufstellung von Sanierungs- oder Insolvenzplänen als auch Kreditwürdigkeitsprüfungen eine Unternehmensbewertung. 24 Verstärkte Bedeutung gewinnt die Unternehmensbewertung als Bewertungsinstrument im Sinne einer stärkeren „Orientierung unternehmerischer Entscheidungen am Nutzen der Anteilseigner“ 25 – Stichwort „Shareholder Value“.
In der Literatur finden sich verschiedene Kategorisierungen der Anlässe. So unterscheiden einige nach dominierenden und nicht dominierenden Verhandlungssituationen 26 und andere dagegen zwischen entscheidungsabhängigen undunabhängigen Situationen 27 , je nachdem, ob sie durch den Willen des Eigentümers beeinflussbar sind oder nicht.
Bei der dominierenden Verhandlungssituation besitzt einer der Verhandlungspartner nicht die Möglichkeit zu einem Verhandlungsabbruch, da die dominierende Partei die Durchsetzung ihres Willens erzwingen kann. Diese Situation ist nur unter bestimmten Bedingungen gegeben und die unterliegende Partei hat in der Regel das Recht, die Bedingungen durch ein Gericht überprüfen zu lassen. Beispiel für eine solche Situation ist die Verdrängung von Minderheitsaktionären oder der
22 Vgl. DRUKARCZYK, [Unternehmensbewertung, 2003], S. 128
23 Weiterführende Informationen zu rechtlich begründeten Anlässen in: PILTZ, [Rechtsprechung, 2005], S. 779 – 781.
24 Vgl. DRUKARCZYK, Unternehmensbewertung, 2003, S. 122 25 SIEBEN, [Unternehmensbewertung, 1993], Sp. 4322.
26 Vgl. SCHMIDT, [Unternehmensbewertung, 2002], S. 52; DRUKARCZYK, [Unternehmensbewertung, 2003], S. 123 27 Vgl. SCHULTZE, [Methoden, 2003], S. 6
- 7 -
Ausschluss eines „lästigen“ Gesellschafters. Die nicht dominierende Verhandlungssituation ist dagegen dadurch gekennzeichnet, dass beide Parteien die Ver-handlungen abbrechen können und deshalb ein Konsens gefunden werden muss 28 , wie zum Beispiel beim Eintritt eines zusätzlichen Gesellschafters. 29
Bei der Unterscheidung zwischen entscheidungsabhängigen und –unabhängigen Anlässen wird zusätzlich danach unterschieden, ob ein Eigentümerwechsel stattfinden soll oder nicht. Die folgende Tabelle verdeutlicht diese Art der Unterscheidung bei den Bewertungsanlässen:
Abbildung 1: Anlässe für Unternehmensbewertungen 30
28 Wird kein Konsens gefunden, findet keine Veränderung statt.
29 Vgl. DRUKARCZYK, [Unternehmensbewertung, 2003], S. 122 – 123.
30 Vgl. SCHULTZE, [Methoden, 2003], S. 6
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Aus den dargestellten Bewertungsanlässen lassen sich zusammenfassend folgende Bewertungszwecke ableiten: 31 x Ermittlung von Entscheidungswerten für potenzielle Käufer bzw. Verkäufer x Ermittlung von Schiedswerten zur Interessenvermittlung x Ermittlung von normorientierten Werten aufgrund rechtlicher Normen x Ermittlung von Argumentationswerten für Verkaufsverhandlungen x Ermittlung von potenziellen Marktpreisen x Ermittlung von Bilanzwerten, z. Bsp. für Goodwillprüfungen nach IAS
Genauso wie der Anlass Einfluss auf die Bewertung nimmt, unterscheidet sich die Art und Weise einer Unternehmensbewertung auch aufgrund unterschiedlicher Anschauungen der Durchführenden. Unternehmensberater setzen zum Teil andere Schwerpunkte und verfolgen andere Interessen als ein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer. Hieraus resultiert die Vorliebe einzelner Branchen für bestimmte Bewertungsverfahren. Inwieweit diese empirisch belegt sind und inwiefern dort Annäherungen zu beobachten sind, wird später in Teil III genauer betrachtet.
4 Die Aufgaben der Unternehmensbewertung
Aufbauend auf der besonderen Berücksichtigung des Bewertungszwecks bei der funktionalen Werttheorie, lassen sich verschiedene Haupt- und Nebenfunktionen der Unternehmensbewertung ableiten, die auch als Aufgabenstellung des Bewerters interpretiert werden können. Hierbei lassen sich zwei verschiedene Funktionslehren unterscheiden. Zum einen die so genannte Kölner Funktionslehre, sowie die Funktionslehre des Instituts der Wirtschaftsprüfer. 32
31 Vgl. MANDL/RABEL, [Überblick, 2005], S. 63.
32 Einen detaillierten Vergleich zwischen den beiden Funktionslehren findet man in: HAYN, [junger Unternehmen, 2003], S. 38 – 75.
- 9 -
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Marcel Häusler, 2005, Unternehmensbewertung - Eine kritische Übersicht gegenwärtig eingesetzter Verfahren, Munich, GRIN Publishing GmbH
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