Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3-4
2. Anglizismen 5
2.1 Geschichte der englischen Sprache 6-7
2.2 Englischer Spracheinfluss vom Mittelalter bis 1945 7-9
2.3 Englischer Spracheinfluss von 1945 bis heute 9-10
2.4 Integration von Anglizismen 10-12
3. Anglizismen in modernen Werbe - und Medientexten 13-15
3.1 Chat - Kommunikation 15-17
4. Beispiele von Anglizismenbildung und -verwendung im täglichen Sprachgebrauch 18
4.1 Analyse von Einzelentlehnungen 18-19
4.2 Beispiele für Problemfälle 19-20
4.3 Pluralbildungen 21
4.4 Redewendungen 22-23
5. Fazit 24-25
6. Literaturverzeichnis 26
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1. Einleitung
Ursprünglich hatten alle Menschen die gleiche Sprache und waren ein Volk. Als sie auf die Idee kamen, einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reicht, um sich damit einen Namen zu machen, griff Gott ein, denn er sah, dass den Menschen nun nichts mehr unmöglich war. Er verwirrte die Sprache und zerstörte damit jede Verständigungsmöglichkeit. Das eine Volk zerfiel wie seine Sprache und der Turm blieb eine Ruine. Derart pluralisiert, verbreiteten sich die Völker und Sprachen über die Erde. Die elf Apostel saßen in Jerusalem zusammen, als plötzlich ein Brausen vom Himmel das Haus erfüllte und Feuerzungen erschienen, die sich auf sie verteilten. Der Heilige Geist, der sie dieserweise erfüllte, hieß sie nun, in fremden Sprachen zu sprechen. Und so kam es, dass alle Menschen in der Vielvölkerstadt zu ihrem größten Erstaunen die Apostel, die doch nur einfache Galiläer waren, in ihrer je eigenen Muttersprache (idia dialekto) reden hörten.
Das sind die beiden kommunikativen Urszenen, die uns die Bibel vor Augen führt : der Turmbau zu Babel ( Genesis 11, 1-9) und das Pfingstwunder ( Apostelgeschichte 2, 1 - 13). Heute scheint die Wirklichkeit die theologische Vorstellung eingeholt zu haben - und zwar beide Urszenen zugleich.
Über die Gesamtzahl der heute auf der Erde gesprochenen Sprachen herrscht keine Einigkeit. Die meisten Nachschlagewerke nennen eine Zahl zwischen 4000 und 5000, doch andere Schätzungen schwanken zwischen 3000 und 10 000. Ein Grund für diese schwankenden Zahlen besteht darin, dass in unerforschten Gebieten der Erde selbst heute noch neue Völker und damit neue Sprachen entdeckt werden.
Sprachenvielfalt ist also nichts Neues. Sie besteht seit Jahrtausenden und jedes Volk unternahm gezielte Bemühungen seine Sprache von fremdsprachlichen Einflüssen freizuhalten. Diese puristischen Bestrebungen sollten dem Sprachzerfall bzw. der “Muttersprachzertrümmerung“ Einhalt gebieten und
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zielten in erster Linie darauf ab, Ausdrücke fremder Herkunft durch spracheigene Ausdrücke zu ersetzen.
Doch trotz intensiver Bemühungen war diese Aufgabe nicht zu erfüllen. Schon immer mischten sich fremdartige Ausdrücke in das Vokabular einer Sprache, die von ihren Sprechern genutzt wurden ohne dass sie vorher übersetzt wurden.
Und auch die deutsche Sprache konnte sich vor der Invasion fremder (insbesondere englischer) Vokabeln und Redewendungen nicht ewig schützen.
Und exakt dieses Thema behandelt diese Arbeit. Ich werde der Frage nachgehen, ob Anglizismen und Amerikanismen eine Bereicherung oder doch eher eine Bedrohung der deutschen Sprache sind. Haben sie eine Daseinsberechtigung in unserer Sprache ? Tragen sie zur Sprachschändung und damit zum Verfall des Deutschen bei ? Oder sind sie eine Bereicherung unseres Wortschatzes und automatische Nebenerscheinung der Globalisierung?
Um diese Fragen zu beantworten, werde ich erläutern was genau Anglizismen sind , und wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelten und auf andere Sprachen Einfluss nahmen. Außerdem werde ich Beispiele, u. a. auch aus modernen Werbe - und Medientexten, näher untersuchen, die unvermeidbar für den modernen Menschen geworden sind und in denen sich - oft unbemerkt - Anglizismen verstecken.
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2. Anglizismen
Die Bezeichnung (sprachliche) `Entlehnung´ beschreibt nicht nur einzelne aus einer anderen Sprache übernommene Wörter, sondern umfasst alle Erscheinungen einer Sprache, die auf den Kontakt mit einer anderen Sprache zurückzuführen sind. Als Oberbegriff für die durch das Englische bedingten Veränderungen im Deutschen gebraucht man den Terminus “Anglizismus“. Fischer definiert :
Nach dieser Definition wird `Anglizismus´ nicht auf die Spracheinflüsse des britischen Englisch beschränkt, was ich im Rahmen dieser Arbeit für sehr sinnvoll halte. Der Terminus bleibt somit für das Gesamtenglische frei, er umfasst alle Entlehnungen aus den verschiedenen Sprachzweigen. Als wichtigste nationalsprachliche Varianten sind das Amerikanische, das Australisch- Neuseeländische, das Britische und das Kanadische zu nennen, wobei Großbritannien und vor allem die USA als Einflussbereiche dominieren.
In Sekundärliteratur und vielen anderen Nachschlagewerken werden verwirrende Begriffe eingeführt um Entlehnungen genauestens zu klassifizieren und zu registrieren. Man muss sich u.a. mit Termini wie “Angloamerikanismus“, “Amerikanismus“ und “Britizismus“ befassen.
Das halte ich jedoch nur für sinnvoll, wenn man genaue Klassifikationen und Untersuchungen vornehmen will.
Um Missverständnisse auszuschließen, verwende ich daher in dieser Arbeit den Terminus “Anglizismus“ für alle englischen Begriffe.
1 Fischer, Urs (1980) : Der Einfluss des Englischen auf den deutschen Wortschatz im Bereich von Essen und Trinken, Frankfurt a. M. ( Europ. Hochschulschriften : Deutsche Sprache und Literatur; Bd. 372, S. 28)
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2.1 Geschichte der englischen Sprache
Bei der Entwicklung der englischen Sprache unterscheidet man zwischen drei Entwicklungsperioden: das Altenglische ( bis etwa 1100), das Mittelenglische ( bis etwa 1500) und das Neuenglische. Die frühesten Sprachzeugnisse der britischen Inseln stammen von den dort etwa ab 800 v. Chr. lebenden indoeuropäischen Volksstämmen, den Kelten. Nur wenige keltische Wörter, darunter überwiegend Eigennamen, sind Teil des heutigen Englisch (z. B. Plaid, Whisky; Cardigan ( kelt. car = Burg), London (kelt. don, hun = Hügel, Festung)). Erhalten blieb das Keltische in Irland, im schottischen Hochland, auf der Insel Man und in Wales. Auch die fast 400 Jahre andauernde römische Herrschaft (von 55 v. Chr. bis 410 n. Chr.) hinterließ nur wenige Wörter wie z. B. pound (lat. pondus). 449 n. Chr. setzte die Besiedlung durch Angeln, Sachsen und Jüten ein. Auf der von diesen westgermanischen Stämmen gesprochenen Sprache basiert das heutige Englisch. Mit der Christianisierung gegen Ende des 6. Jahrhunderts gelangten in größerer Zahl lateinische Wörter ins Altenglische (z. B. creed (lat. credo, wine (lat. vinum)).
Von 1017 bis 1035 bildete England eine staatliche Einheit mit den nordischen Ländern, die wiederum Wörter aus dem Nordgermanischen einbrachten. Dazu gehören viele auf sk- anlautende Wörter wie skin und sky sowie viele Pronomen wie she, they und them.
Mit der Eroberung Englands durch die Normannen 1066 wurde das Normannisch - Französische fast 300 Jahre lang zur Amtssprache in allen öffentlichen Einrichtungen. Das hatte zur Folge, dass eine Mischsprache entstand und der Wortschatz des Mittelenglischen durch zahlreiche Ausdrücke, beispielsweise auf den Gebieten Rechtswesen ( bill, judge, justice, prison) und Verwaltung ( city, government, parliament, state) erweitert.
Mit der Wiederentdeckung der Antike im ausgehenden Mittelalter kamen viele lateinisch - griechische Wörter ins Englische ( z. B. administration, character, individual). Sie wurden lautlich meiste völlig assimiliert. Durch die Kolonien und vielfältige Handelsbeziehungen fand das Englische weite Verbreitung, so dass weiterhin Entlehnungen aus den verschiedensten Sprachen ins Englische gelangten. Als Beispiele sind das Arabische ( admiral, sofa), australische Sprachen (boomerang, tatttoo), das Chinesische
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(jungle, curry, bungalow), das Italienische ( piano, traffic, umbrella), das Niederländische ( skipper, yacht) und das Persische ( shawl, chess) zu nennen. 2
Im Wortschatz des Englischen gibt es also einen sehr hohen Anteil von nichteinheimischen Morphemen. Obwohl die fremden Formen in der Regel phonologisch stark assimiliert wurden, blieb ihre ursprüngliche Schreibung oft erhalten. Dies verkompliziert die englische Orthographie, bringt aber Vorteile für den Gebrauch des Englischen als Weltsprache, da die Identität von Morphemen aufgrund der Ähnlichkeiten zu anderen Sprachen das Verständnis in der schriftlichen Kommunikation erleichtert.
Schaut man sich die Geschichte der englischen Sprache an so ist es offensichtlich, dass die heutige Weltsprache Englisch wahrhaftig eine Weltsprache ist, da eine Vielzahl von sprachlichen Einflüssen aus Ländern kommt, die über die ganze Welt verteilt sind. Ein bisschen der eigenen Sprache findet man daher im Englischen wieder und mir stellt sich die Frage, ob die Evolution, die die englische Sprache im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht hat, nun durch ihren Einfluss auf das Deutsche zu einer Revolution unserer Sprache führt.
Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich mit der Geschichte des englischen Einflusses beschäftigen. Das folgende Kapitel wird dies tun.
2.2 Englischer Spracheinfluss vom Mittelalter bis 1945
Der Einfluss fremder Sprachen auf das Deutsche hat in unterschiedlichem Umfang und von verschiedenen Seiten ununterbrochen stattgefunden. Zum Großteil stammen die Elemente fremdsprachlicher Herkunft im modernen Wortschatz aus dem Lateinischen und Griechischen. Sie wurden schon vor langer Zeit entlehnt, sind aber nach wie vor sehr produktiv in der Wortbildung. Daneben überwiegen Ausdrücke französischen Ursprungs, die aber seit Ende des 19. Jahrhunderts nach und nach zugunsten von englischen Entlehnungen zurücktreten.
2 Langner, Heidemarie C.( 1995): Die Schreibung englischer Entlehnungen im Deutschen. Frankfurt a. M.:Peter Lang GmbH. S. 87.
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Arbeit zitieren:
M.A. Nicole Gast, 2002, Anglizismen - Bereicherung oder Schändung der deutschen Sprache?, München, GRIN Verlag GmbH
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