Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Fastnacht und Fastnachtspiele 4-5
3. Hans Sachs´ Fastnachtspiel Der farendt Schuler im Paradeiß 6
3.1 Figureninventar im Fastnachtspiel von Hans Sachs 7
3.2 Die Pewrin 7-8
3.3 Der Pewr 9-10
3.4 Der farendt Schuler 11-12
4. Fazit 13
5. Anhang : Text zu „Der farendt Schuler im Paradeiß“ 14-22
2
1. Einleitung
Die Literatur des ausgehenden Mittelalters und der Frühen Neuzeit ist fast ausschließlich eine Literatur des Stadtbürgertums. Die Bürger, die sich durch Handel und Gewerbefleiß eigene Existenzen aufgebaut hatten, drängten auch in der Literatur nach eigenen Ausdrucksformen. Die Unsicherheit des Lebensgefühls und der gesellschaftlich - sozialen Situation dieser Epoche spiegelt sich in einer Vie lfalt der Literaturgattungen wider. Minnesang und höfische Spruchdichtung fanden im organisierten Meistersang zünftiger Handwerker ihre Nachahmung. Aus den Ritterepen entwickeln sich die Volksbücher, d.h. unterhaltende Prosa.
Schwanksammlungen und Fastnachtsspiele dienten ebenfalls der Unterhaltung. Diese reichhaltige satirische Literatur prangert über die verschiedensten Medien die Missstände der Zeit und die Torheit der Menschen an - geschrieben, gesungen oder als Theaterstück aufgeführt.
In dieser Arbeit werde ich mich ausnahmslos mit der Gattung des Fastnachtspiels befassen. Dazu wird der Begriff der Fastnacht näher erklärt, auf den Ursprung des Begriffes eingegangen und Fastnachtspiele im Allgemeinen näher beleuchtet. Hauptaugenmerk werde ich dabei auf das Fastnachtspiel „Der farendt Schuler im Paradeiß“ von Hans Sachs legen, dessen Figureninventar ich untersuchen, analysieren und beschreiben werde. Dabei werde ich die Frage klären, was die Funktion eben dieses Fastnachtspiels ist. Soll es einfach nur die männliche Überlegenheit gegenüber der Frau zum Ausdruck bringen oder hat es eher eine allgemeingültige erzieherische Funktion?
Ich schreibe diese Arbeit nach der neuen Rechtschreib ung.
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2. Die Fastnacht
Die Fastnacht (Fastelabend) bezeichnet eine Zeit der Ausgelassenheit bis zum Dienstag vor Aschermittwoch - den Beginn der von der Kirche geforderten vorösterlichen Fastenzeit. Für die Kirche war die Fastnacht ein Teil der traditionellen Festordnung und hatte darin ihre didaktische Funktion:
Sinn der Fastnacht war es, den Beteiligten zu verdeutlichen, wie sehr sie der Sündentilgung und der Erlösung bedürftig waren. Indem die Kirche in dieser strikt begrenzten Zeitspanne dem Tanz, dem Suff, der Völlerei, den sexuellen Annäherungen, den öffentlichen Darstellungen der Triebhaftigkeit und den Maskierungen (die das Lasterhafte überdimensional verzerrten) nicht widersprach, hoffte sie, dass sich als Reaktion Widerwille und Bußfertigkeit einstellten. Dass dies wirklich eintrat, darf stark bezweifelt werden. 1 Das Wort Fastnacht kommt in alter Zeit (wie im Volksmund noch heute in der Schweiz, in Schwaben etc.) nur in der Form Fasenacht oder Fasnacht (Faßnacht) vor, was auf das alte Verbum "fasen" (faseln, d. h. Possen treiben, Unfug reden) zurückgeführt wird. Die jetzige Form, mit Anlehnung an fasten, trat zuerst in Norddeutschland auf und hat seit dem 18. Jahrhundert die andere aus der Schriftsprache verdrängt. Wie vom Wortstamm her schon deutlich wird, hängen die Fastnachtspiele eng mit der Fastnacht und den Fastnachtsbräuchen zusammen.
Fastnachtsspiele sind komische Possen, welche im 15. Jahrhundert in Deutschland entstanden und als die ersten Anfänge weltlicher Spiele gelten. Man erklärt ihren Ursprung dadurch am einfachsten, dass um die Zeit der Fastnacht junge Burschen verkleidet aus einem Haus in das andere zogen, um ihre Bekannten zu erheitern und zu unterhalten. Dies führte allmählich zu wirklichen Vorstellungen, die mit einem Dialog, zuletzt sogar mit szenischen Anordnungen verbunden wurden und weltliche und komische Elemente in sich aufnahmen und weiter ausbildeten. Am Anfang wurden die Stücke improvisiert; bis tief ins 15. Jahrhundert hinein traten Fastnachtspieler auch in Wirtsstuben auf. Die „Spielrotte“ 2 , hauptsächlich aus Handwerkern bestehend, drang in das Wirtshaus ein, stellte eine Spielfläche her und zog nach dem Spiel zum nächsten Gasthaus weiter. Während des Spiels bestand unmittelbarer Kontakt zum Publikum, das durch Zwischenrufe, Gelächter und Beifall ins Spielgeschehen eingreifen oder die Spieler anfeuern konnte. Der soziale Charakter dieser Stücke war von großer
1 Vgl. Nusser, Peter (1992): Deutsche Literatur im Mittelalter. -Stuttgart : Krüner Verlag. S. 325.
2 Vgl. Bastian, Hagen (1983): Mummenschanz. Sinneslust und Gefühlsbeherrschung im Fastnachtspiel des 15.
Jahrhunderts, Frankfurt/M., S. 13.
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Wichtigkeit: In Fastnachtspielen wird gerade das ü bertrieben dargestellt, was bei anderen Hass und Neid erregte, um es durch Lächerlichmachen wenigstens etwas abzureagieren. Aber die Menschen wurden dabei nicht nur lächerlich, sondern geradezu verächtlich gemacht, und zwar vom bequemen Standpunkt des Kleinbürgers aus, dem alles Höhere fernliegt. Gerade das Hässliche, also das Hassenswerte, wird auffallend scharf gesehen und entsprechend kraß herausgestellt. Laster und Gebrechen, die Sphäre des Geschlechtlichen und das Obszöne und Unsittliche waren besonders beliebt. Das Grobe und Derbe, Flüche und gemeine Redensarten gehören zum Repertoire dieser Spiele, bei denen die Frauen meist eher schlecht als recht wegkommen. 3
Fastnachtspiele waren aber keineswegs „kunstlos“, nur weil sie während des Fastnachttreibens aufgeführt wurden. Immer wieder ist auf ihren Sprachwitz und Pointenreichtum hingewiesen worden, und auch ihre Strukturen haben viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. 4
Hans Sachs erhob das Fastnachtsspiel zu künstlerischer Gestalt, man findet darin einen derben Witz und neben manchen Sittensprüchen auch nicht selten geradezu Unflätigkeiten. Witzige Sprachspiele und Doppelsinnigkeiten weisen jedoch nicht nur auf die komischen Pointen und Übertreibungen der Fastnachtspiele hin, sondern gehen sehr oft auch zu Lasten der Frauen und anderer sozial Schwacher in der Gesellschaft der Städter. In vielen Fastnachtspielen - vor allem bei Hans Folz - begegnen einem frauenfeindliche Bilder : Die Frau erscheit als von Natur aus verdorben und entspricht ganz dem Typus des „übel wîp“. Sie lockt Liebhaber an, um sie anschließend auszurauben, prügelt ihren Ehemann und macht ihn zum Narren im Haus. Oft zeichnet sie sich aber einfach nur als naiv, gutmütig und dumm ab, was sehr gut ins patriarchalische Gesellschaftsbild dieser Zeit passt. Fastnachtspiele scheinen daher auch als die Verschriftlichung männlicher Wünsche zu gelten, in denen sie ihre Vormachtstellung gegenüber der Frau immer wieder beweisen. Ob das Fastnachtspiel „Der farendt Schuler im Paradeiß“ von Hans Sachs auch ein solch frauenverachtendes Werk ist oder doch eher eine moralisch - didaktische Funktion übernimmt, werde ich auf den folgenden Seiten diskutieren.
3 Prang, Helmut (1968): Geschichte des Lustspiels. - Stuttgart: Kröner Verlag. S.47/48.
4 Vgl. Catholy, Eckehard ( 1966) : Fastnachtspiel. - Stuttgart : Poeschel Verlag. S. 7.
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3. Hans Sachs´ Fastnachtspiel Der farendt Schuler im Paradeiß
Dieses Fastnachtspiel ist ein Handlungsspiel in dem mehrere Charaktere bzw. Typen (auf dieses Problem der Differenzierung werde ich später genauer eingehen) miteinander einen humorvoll - unterhaltenden Dialog aufführen.
Die meisten Fastnachtspiele von Hans Sachs beschränken sich auf einen Umfang von ca. 300 - 400 Versen und drei bis höchstens sechs Spielern. Auch Der farendt Schuler im Paradeiß macht da keine Ausnahme. Das Spiel umfasst 323 Zeilen und kommt mit drei Spielern aus. Es konzentriert sich auf einen einfachen, linearen Ablauf eng begrenzter Ereignisse 5 , die vornehmlich aus dem Alltagsleben stammen und die sich ohne besonderen szenischen Aufwand darstellen lassen. Die Aktionen der Figuren sind sorgfältig geplant, inhaltlich nachvollziehbar und straff auf einen dramatischen Höhepunkt hin ausgerichtet. Dieses Fastnachtspiel gehört zu jenen Stücken, in denen kleinere Begebenheiten aus dem alltäglichen Leben behandelt werden. Dabei steht formell die Ausgestaltung der jeweils vorgegebenen Situation im Vordergrund. Spiele dieser Art sind daher eher handlungsarm und leben vor allem vom Dialog und von schwankhaften Pointen.
Thematisch greift Sachs in vergleichbaren Stücken dieser Art vor allem auf banale, alltägliche Ereignisse des Lebens, vor allem in der Ehe zurück. Laster wie Untreue, Eifersucht, Herrschsucht und Geiz werden als existent aufgezeigt und der Lächerlichkeit preisgegeben. 6 Bevor ich auf die Figuren des o.g. Fastnachtspieles näher eingehe, um ihre Aktionen und Vorgehensweisen zu erklären, ist es notwendig, sich den Text vo r Augen zu halten, um den Inhalt vollständig erfassen zu können.
6 Könneker, Barbara (1994): Hans Sachs. In: Deutsche Autoren 4, Gütersloh/ München. S. 381.
6 Vgl. Könnecker, S.381/382.
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Arbeit zitieren:
M.A. Nicole Gast, 2003, Dichtung des 15. und 16. Jahrhunderts: Der farendt Schuler im Paradeiß von Hans Sachs, München, GRIN Verlag GmbH
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