Sizilien in der Spätantike - Von den Vandalen bis zur arabischen Eroberung
Einleitung.............................................................. .
Die Vandalen und Goten auf Sizilien............................................2
Sizilien unter byzantinischer Herrschaft..... ................................3
Das Ende des antiken Siziliens............................. .......................7
Literatur................................................. .........................................9
Die Rechtschreibung folgt den im Duden anerkannten, in der deutschen Schweiz gültigen Regeln, ebenso die Zitierweise.
Die Schreibweise der Namen und die Regierungsdaten sind einheitlich aus Matz 1
In der folgenden Arbeit geht es darum, die Geschichte Siziliens vom Reich der Vandalen bis zur Eroberung der Insel durch die Araber darzustellen. Von der frühmittelalterlichen Völkerwanderung nicht unberührt, aber beinahe unbeeinflusst, konnte sich in Sizilien die (ost)römische Tradition seit Justinians Rückeroberung bis zur Machtübernahme der Araber fortsetzen.
Allgemein begann mit Justinian die Wiedergewinnung von Gebieten, die zuvor an verschiedene Germanenvölker v erlorengegangen waren. So wurde im Zuge dieser Aktion auch das von den Vandalen und Ostgoten besetzte Sizilien durch den oströmischen Feldherrn Belisar zurückgewonnen. Sizilien gehörte fortan als wichtiger Vorposten im Westen zum byzantinischen Reich und war kurze Zeit sogar Sitz des Kaisers. Seit 651/652 fielen immer wieder die Araber plündernd in Sizilien ein, ohne
Sizilien in der Spätantike - Von den Vandalen bis zur arabischen Eroberung
vorerst dauerhaft Fuss zu fassen. Dies geschah erst 827 und sollte über 50 Jahre Krieg bedeuten. Die byzantinische Epoche endete schliesslich auf Sizilien mit dem Fall von Syrakus im Jahre 878.
Bei der Suche nach Literatur musste ich feststellen, dass eine moderne Darstellung fehlt, welche diese Periode ausführlich behandeln würde. Die Standardwerke zur Geschichte von Byzanz erwähnen Sizilien nur beiläufig, deshalb stützt sich meine Arbeit vor allem auf Finley 2 , sowie auf zwei Aufsätze von Kislinger 3 .
Die Vandalen und Goten auf Sizilien
Auf Einladung des Comes Bonifatius setzten die Vandalen 429 unter Geiserich (reg. 428 – 477) nach Afrika über. Sie unternahmen ab 440 Raubzüge nach Sizilien und gefährdeten damit das einzig verbliebene Getreidereservoir des alten Rom. Durch den Friedensschluss von 435 wurde ihre Ansiedlung gesichert, doch erst 442 kam es zum Frieden mit Rom und den Vandalen, ausgedrückt im Vertrag Valentians III. (reg. 425 – 455) mit Geiserich 4 . Die Vandalen konsolidierten ihr junges Reich und etablierten sich in der Folge als dritte Macht im Mittelmeer; die Einnahme und systematische Plünderung Roms im Juni 455 war eine Demons tration ihrer Stärke und zudem finanziell profitabel. West- und Ostrom wollten sich aber nicht sogleich mit der neuen Macht abfinden und errangen 456 auf Sizilien und Sardinien kurzfristig militärische Erfolge. Nach der Vernichtung der Flotte des weströmischen Kaisers Maiorianus im Jahre 460 waren die beiden Teilreiche gezwungen, ausschliesslich diplomatische Mittel zum Erreichen ihrer Ziele einzusetzen. Wie wichtig Sizilien vor allem für Ostrom war, beweist die nächste Offensive gegen die Vandalen 467/468 unter Kaiser Leon I.. Doch auch dieser byzantinische Angriff scheiterte. Schliesslich garantierte ein Friede 474 Geiserich den Besitz von Sardinien, Korsika, Sizilien und den afrikanischen Provinzen. Die innenpolitisch angespannte Situation hielt Byzanz vorläufig davon ab, weiterhin im Westen aktiv zu sein. Die vandalische Präsenz reduzierte sich auf Sizilien und anderen Inseln jedoch auf einzelne strategisch wichtige Stützpunkte. Für eine Besiedlung reichte die vandalische Bevölkerung nicht
2
Finley, Das antike Sizilien: Von der Vorgeschichte bis zur arabischen Eroberung (München 1979).
3
Kislinger, Sizilien im 5. und frühen 6. Jahrhundert (Wien 1994)
und
Ewald Kislinger, Kupfermünzen aus Sizilien (Wien 1995).
4 Den Vertrag betrachtete Geiserich nach dem Tode Aëtius und Valentians III. als gelöst, ein Indiz dafür, dass Geiserich die Abmachungen von 442 nur als Vorstufe zu seinem letzten Ziel ansah: eine grosszügige Aufteilung des weströmischen Imperiums mit Attila. Miltner, RE VII A.1 S. 322.
Sizilien in der Spätantike - Von den Vandalen bis zur arabischen Eroberung
aus
5
. Sizilien wurde schliesslich 476 an Odoaker (reg. 476 – 493) gegen Tribut ausgeliefert, 491 völlig an den Ostgotenkönig Theoderich d. Grossen (reg. 493 – 526) abgetreten. Dies ist zweifellos ein Hinweis darauf, dass die Vandalen ihre bedeutende Stellung im Zentrum des Mittelmeeres nur unter dem Gründerherrscher Geiserich hatten halten können. Ein Bereich Siziliens, vermutlich Marsala im Westen der Insel, verblieb zur Absicherung unter direkter Kontrolle der Vandalen
6
. Wie schon bei den Vandalen kam es auch unter Theoderich nicht zu einer grösseren gotischen Neubesiedlung. Die alte Herrschaftsstruktur wurde im Prinzip belassen.
Sizilien unter byzantinischer Herrschaft
Das byzantinische Zeitalter begann in Sizilien mit der Ankunft Belisars, einem Feldherr, der 533 i m Auftrag von Justinian I. (reg. 518/527 – 565) nach Westen segelte, um den Vandalen Nordafrika wieder abzunehmen. Er wurde zu Beginn von den Ostgotenherrschern in Rom unterstützt, da diese von dem Vorhaben Justinians, das Römische Reich und eine einheitliche Kirche wiederherzustellen, nichts ahnen konnten. Im Jahre 535 zog Belisar ohne nennenswerten Widerstand in Palermo und Syrakus ein, die Insel fiel damit ans byzantinische Reich 7 . Die relativ einfache Einnahme wird verständlich, wenn man bedenkt, dass d ie Zivilbevölkerung des Römischen Imperiums nie gewohnt war, selbst zu den Waffen zu greifen und ohnehin schon stark von der griechischen Kultur beeinflusst war. Hinzu kommt, dass Sizilien kaum gotische Besatzung und fast keine gotischen Siedler hatte. Ob die Sizilianer den Herrschaftswechsel begrüssten ist zweifelhaft. Die Ostgoten hatten zuvor die Steuern gesenkt und die Sondersteuern abgeschafft. Mit der Rückeroberung wurde die fiskalische Schraube wieder angezogen 8 . Der Magistrat haftete für das Steueraufkommen persönlich, und wenn ein Ratsherr einmal weglief, weil er seine Mitbürger nicht ausnehmen wollte, wurde er mit Gewalt auf seinen Amtssitz zurückbefördert. Es gilt jedoch als sicher, dass die Besitzverhältnisse und
5
„Vielmehr mag umgekehrt spekuliert werden, ob nicht das limitierte Bevölkerungspotential die beschränkte Realexpansion des Vandalenstaates mitverursachte.“
Kislinger, Sizilien im 5. und frühen
6. Jahrhundert, 42.
6 Kislinger, Sizilien im 5. und frühen 6. Jahrhundert, 42.
7 Belisar hatte den Auftrag, die Landung auf Sizilien unter irgendeinem Vorwand durchzuführen und nur dann fortzusetzen, wenn kein Widerstand geleistet würde. Dazu eignete sich Catania am besten, da die unbefestigte Stadt wenig Risiko in sich barg und zugleich einen Testfall für die Stimmung der Bevölkerung abgab. Gotischen Widerstand scheint es indes nur in Palermo gegeben zu haben. 8 Rill, Sizilien im Mittelalter, 15.
Quote paper:
Dr. phil. Michael Portmann, 1999, Sizilien in der Spätantike, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Tiersymbolik im "Parzival" Wolframs von Eschenbach
Das Beispiel der Elster
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 26 Pages
Das Duell in der Frühen Neuzeit
History Europe - Other Countries - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Termpaper, 24 Pages
Das nichtstattgefundene Duell und seine Folgen in der Erzählung von F....
Termpaper, 16 Pages
Das Selbstmordattentat - Genese, religiöse Motivation und Publizität.
Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 29 Pages
Das Motiv der Ehre in Schnitzlers "Leutnant Gustl" und Suder...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 15 Pages
Der deutsche Thronstreit 1198 - 1208
Ein Wechselspiel von Zufällen ...
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Juden als Randgruppen im Mittelalter
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Termpaper, 24 Pages
Unterrichtsentwurf: „Pässe bitte!“ – Konfrontation mit den Funktionen ...
Lesson Plan, 57 Pages
Parzival - Wolframs strukturelles Gesamtkonzept: Buch XV u. XVI
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Parzivals Weg von der Mutter zur Gralsburg
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Bürgerkriege und die nicht direkt beteiligte Bevölkerung
Lasten und Zerstörungen aus de...
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Das Reich der Nizari-Ismailiten (Assassinen) unter Hasan-i Sabbah
In wie weit nutze Hasan-i Sabb...
Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Das Schicksal der Neaira und der Phano im Kontext der attischen Polis
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 27 Pages
Michael Portmann has published the text Sizilien in der Spätantike
Michael Portmann has uploaded a new text
0 comments