II
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 1
1. Begriffdefinitionen 3
1.1 Feuilleton 3
1.2 Pointe 4
2. Die Pointe im Feuilleton 6
2.1. Der pointierte Schreibstil 6
2.2 Die Schlusspointe im Feuilleton 8
2.3 Unterschiede zur Pointierung in anderen 10
Textsorten
2.4 Befreiung von der Zwangsjacke - der 11
pointenlose Schluss
3. Analyse der Pointierung in der ZEIT-Kolumne 13
„Das Letzte“
4. Fazit 16
5. Literatur 17
Anhang
- 1 - „Jedervon uns muß angestoßen werden, damit der oder jener Groschen fällt. In jedem von uns steckt ein Groschen, der nur dann zu Fall zu bringen ist, wenn wir angestoßen werden. Also stoßen wir einander an, manchmal grob, manchmal behutsam, wie es gerade notwendig ist, um den Fall des Groschens auszulösen.“ JOHANNES R. BECHER
0. Einleitung
„Lieber mach’ ich mir einen Feind, als daß ich auf eine Pointe verzichte“, sagte einst der irische Lyriker und Dramatiker Oscar Wilde. Für viele belletristische und subjektiv journalistische Texte sind Pointen das Salz in der Suppe. Mit ihnen steht und fällt oftmals die Relevanz für den Leser, die Spannung und nicht zuletzt auch die Aussagekraft des gesamten Textes. In der wissenschaftlichen Literatur jedoch muss man schon sehr gründlich suchen, um Analysen und Definitionen zum Phänomen „Pointe“ zu finden. Ihre bis heute erst ansatzweise begonnene wissenschaftliche Aufarbeitung wird ihrem hohen Stellenwert in der literarischen und journalistischen Realität nicht gerecht. Auch Wenzel konstatiert ein „Theoriedefizit der Erzählsschlußanalayse“ (Wenzel 1989, 10).
Nicht viel weiter unten in der Hitliste der am meisten vernachlässigten medienwissenschaftlichen Themen folgt die journalistische Darstellungsform Feuilleton. Die heute als oft Standardliteratur herangezogenen Werke stammen fast ausschließlich aus den Sechziger und Siebziger Jahren, einer Zeit, in der diese Textgattung zugegeben auch einen entsprechend höheren Stellenwert hatte. Aktuelle Abhandlungen zum Feuilleton lassen sich in den Buchhandlungen und Bibliotheken ähnlich schwer finden, wie zur Pointe. So bleibt das Feuilleton in dem Standardwerk „Einführung in den praktischen Journalismus“ von Walther von La Roche gänzlich unerwähnt. An anderen Stellen in der Literatur taucht es zumindest als Stichwort auf, einige Werke widmen ihm vielleicht gar ein Kapitel - doch die wissenschaftlichen Standard-Definitionen und Analysen sind zum größten Teil älter als vierzig Jahre. So stellt Kauffmann fest: „Die Feuilletonfor-
- 2 - schungist niemals zum dem geplanten Großunternehmen geworden, das e-benso systematisch wie interdisziplinär hätten arbeiten sollen und müssen. […] Lehrer wie Emil Dovivat, Wilmont Haacke […] sind ohne Nachfolger geblieben“ (Kauffmann 2000, 11). Dieser Umstand muss andererseits aber auch als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Aussagen vergangener Jahre bis heute Gül-tigkeit beanspr uchen dürfen.
Was nun aber geschieht, wenn man die Themen „Pointe“ und „Feuilleton“ in einem Hausarbeitsthema kombiniert, liegt leider auf der Hand: Wenige und alte wissenschaftliche Quellen lassen die Beschäftigung mit der „Pointierung im Feuilleton“ zu einem gewagten Experiment mit ungewissem Ausgang werden; eine Tatsache, aus der dieses Experiment aber auch seinen Reiz bezieht.
Die entscheidende Differenzierung ist bisher jedoch noch gar nicht beachtet wurden: Diese Hausarbeit soll in erster Linie den Unterschied zwischen einer „Pointe“ und „Pointierung“, bzw. einem „pointierten Schreibstil“ herausarbeiten und aufzeigen, dass das kleine Wörtchen „Pointe“ vielgestaltiger ist, als es gemeinhin beschrieben wird. Die Darstellungsform Feuilleton bietet sich für dieses Thema besonders an, da gerade sie ein besonderes Verhältnis zur Pointe hat, wie wir im Verlaufe der Arbeit sehen werden.
Zum Vorgehen im Einzelnen: Zunächst sollen die soeben eingeführten Begriffe in einem ersten Abschnitt genauer definiert werden, um das Handwerkszeug für die weiteren Ausführungen vorzubereiten. Anschließend soll das Auftreten und die Funktion von Pointen beim Feuilleton analysiert werden, wobei ausdrücklich nicht nur die Schlusspointe im Fokus der Betrachtung steht. Der feuilletonistische Schreibstil soll dabei mit einem noch genauer zu definierenden „pointierten Stil“ in Verbindung gebracht werden. Im Anschluss an die theoretische Bearbeitung des Themas, möchte ich anhand einiger Beispiele der Zeit-Kolumne „Das Letzte“ die Ausführungen praktisch unterfüttern. Am Ende sollen schließlich in einem Fazit die Ergebnisse der Arbeit kurz zusammengefasst werden.
- 3 - 1. Begriffdefinitionen
1.1 Feuilleton
Das Wort Feuilleton stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt „Blättchen“. Der Begriff bezeichnet einerseits ein „Ressort, in einer Zeitung, das die kulturellen Nachrichten, Analysen und Kritiken des kulturellen Lebens sowie Rezensionen und literarische Unterhaltung wie Roman und Kurzgeschichte bringt (Reumann 2000, 113). Andererseits ist das Feuilleton aber auch eine journalistische Darstellungsform und auf diese sollen sich die folgenden Ausführungen konzentrieren.
Der Autor Wilhelm Lichtenberg meinte einmal: „Feuilleton ist das, worin man in sechs Zeitungsspalten sagt, was man mit einem einzigen Satz für sich behalten sollte“ (Rückemann 2005). Diese Umschreibung ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu sehen, trifft aber seine Eigenart gar nicht so schlecht. Das oft auch als „Kleine Form“ bezeichnete Feuilleton lässt sich nicht exakt von anderen journalistischen Formen wie Glosse, Reportage oder Essay abgrenzen, ein Umstand der als eines der entscheidenden Charakteristika angesehen werden kann. So definiert Kauffmann es allein über seine Undefinierbarkeit (vgl. Kauffmann 2000, 11f.).
Eine gängige Umschreibung des Feuilletons ist „Plauderei“, was als Definition jedoch nicht ausreicht. Das Spektrum des Feuilletons ist sehr vielfältig. In diesem werden sowohl aktuelle Themen aufgegriffen und persönlich betrachtet als auch zeitlose Themen ohne aktuellen Aufhänger umgesetzt. Dazu gehören unter anderem alltägliche Erfahrungen oder philosophische Lebensfragen. Auch unterschiedliche Stimmungen können dabei transportiert werden: Heiterkeit, Nachdenklichkeit, Ärger, Liebe usw. . Reumann definiert das Feuilleton als Dar-stellungsform, die „in betont persönlicher Weise die Kleinigkeiten, ja Nebensächlichkeiten des Lebens [schildert] und versucht, ihnen eine menschlich be- wegende, erbauliche Seite abzugewinnen, die das Alltägliche interessant
- 4 - macht“(Reumann 2000, 114). Die Schwierigkeiten mit der Abgrenzung zu ande-ren Textgattungen zeigen sich besonders in dem Ausdruck „feuilletonistischer Stil“, welcher sich keineswegs nur auf die hier behandelte Darstellungsform be-schränkt. Die Verwendung rhetorischer Figuren wie Antithese, Klimax, Parallelis-mus konstruiert einen bildhaften, verschwommenen Stil, der durch seine sprac h-liche Brillanz vom Sachlichen abzulenken vermag (vgl. Reumann 2000, 114). Den für ein Feuilleton typischen Stil gilt es im Abschnitt 2.1 weitergehend zu ana-lysieren.
Die treffendste Definition des Feuilletons findet sich bei Wilmont Haacke. Sie stammt aus dem Jahre 1951, einer Zeit, in der das Feuilleton noch stärker im Fokus wissenschaftlicher Betrachtung lag:
„Ein Feuilleton ist ein Stück sauberer, gehobener und ansprechender Prosa, in welchem ein dichterisches Erlebnis mit literarischen Mitteln bei Innehaltung journalistischer Kürze unter Hinzufügung einer philosophischen Unterbauung oder Auslesung zu moralischer Perspektive, gehalten in einer betont persönlichen Schilderung, welche jedoch die Nachempfindlichkeit für die Allgemeinheit nicht schwächt, sondern hebt, so dargestellt wird, dass sich Alltägliches mit Ewigem dann harmonisch und erfreuend verbindet“ (Haacke 1951, 305).
1.2 Pointe
Das Wort Pointe wird in Deutschland erst seit dem 18.Jahrhundert verwendet. Es stammt aus dem Französischen (pointe), was wörtlich in etwa „Spitze, Schräge“ bedeutet und wiederum auf das vulgärlateinische Wort „puncta“ für „Stich“ zurückgeht. Im Duden finden wir unter dem Stichwort „Pointe“ die Erklärung: „springender Punkt; überraschendes Ende eines Witzes, einer Erzählung“ (Duden 1996, 575). Zur Definition des Begriffes reicht diese Umschreibung nicht einmal ansatzweise aus, abgesehen davon, dass die Metapher „springender Punkt“ sogar als unzutreffend angesehen werden muss. Während nämlich der
Arbeit zitieren:
Henry Berndt, 2005, Pointierung im Feuilleton - eine theoretische und praktische Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik: Pointierung im Feuilleton - eine theoretische und praktische Analyse ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Henry Berndt hat den Text Pointierung im Feuilleton - eine theoretische und praktische Analyse veröffentlicht
Henry Berndt hat einen neuen Text hochgeladen
Kritische Weißseinsforschung i...
Grada Kilomba, Peggy Piesche, Susan Arndt, Maureen Maisha Eggers
Cours d'analyse de l'École Royale Polytechnique. I partie. Analyse alg...
Augustin-Louis Cauchy
Herausgegeben von Gisela Cleme...
Tim Trantenroth, Gisela Clement, Michael Schneider
Rational Choice: Theoretische Analysen und empirische Resultate
Festschrift für Karl-Dieter Op...
Andreas Diekmann, Klaus Eichner, Peter Schmidt, Thomas Voss
Agency-theoretische Analyse der Private-Equity Beteiligung
Gestaltungsmöglichkeiten zur M...
Nina Hirsch
0 Kommentare