Inhaltsverzeichnis:
1. Definition 3
2. Geschichtlicher Hintergrund 3
3. Kreative und berühmte Bipolare 4
4. Definition und diagnostische Kriterien nach ICD 10 DS-MIV 4
4.1. Kriterien einer manische Episode 5
4.2. Kriterien einer Episode der Mayor Depression 6
4.3. Bipolar I und Bipolar II 7
4.4. Rapid Cycling 8
5. Suizidrisiko 8
6. Erfahrungsbericht 8
7. Epidemiologie 9
8. Komorbidität 10
9. Ätiologie 11
10. Behandlung und Verlauf 11
10.1. Diagnostik 11
10.2. medikamentöse Therapie 12
10.3. kognitive Verhaltenstherapie 12
11. Regeln für das Leben mit Lithium 13
12. Literaturverzeichnis 14
bipolare Störungen
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1. Definition:
Die Pschyrembel bezeichnet Manie als Störung der Affektivität mit gehobener, euphorischer (seltener dysphorischer) Stimmung, Antriebssteigerung, Steigerung der Wahrnehmungsin- tensität, Denkstörungen (Ideenflucht, Assoziationsreichtum), Störungen vegetativer Funktio- nen (z. B. Blutdruckanstieg, Tachykardie, Schlafstörungen), Veränderung der Vitalgefühle (z.B. herabgesetztes od. gesteigertes Hungergefühl) u. evtl. Wahn.
2. Geschichtlicher Hintergrund:
Erste Aufzeichnungen über die bipolare Störung wurden bereits in der Antike gemacht. Im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt beschrieb Hippokrates von Kós einen Zustand der Melancholie. Damit ist die heutige „Depression“ gemeint. Hippokrates nahm an, dass die Melancholie durch einen Überschuss an „schwarzer Galle" entstehe. Seiner Ansicht nach werde die „schwarzer Galle" von der organisch erkrankten Milz ins Blut ausgeschieden. Auf diesem Wege überflute den gesamten Körper, dringe früher oder später ins Gehirn des Er- krankten ein und verursache so besagte Melancholie. Auch verwendete Hippokrates erst- mals den Begriff „Mania", um einen Zustand der Ekstase und der Raserei zu beschreiben. Darauf beruht noch heute der Krankheitsbegriff der Manie.
Im 1. Jahrhundert nach Christus wurde von dem griechischen Arzt Aretaeus von Kappado- kien erstmals die Zusammengehörigkeit von Depression und Manie erkannt.
Dämonen und Hexen galten während der Zeit des Mittelalters als Ursache der Erkrankung, und nicht wenige der Menschen, die die Symptome einer manischen Episode aufzeigten, wurden der Hexerei bezichtigt und als „Besessene" verfolgt und umgebracht.
Symptome der Manie wie Stolz, Eitelkeit, Hochmut, Arroganz und Wollust zählten für die Katholische Kirche zu den Todsünden.
Jean-Pierre Falret bezeichnete im Jahr 1851 einen Wechsel von Depressionen, Manien und einem gesunden Intervall als „la folie circulaire", das bedeutet „zirkuläres Irresein“. Die Diagnose des „zirculären Irreseins" wurde im Jahre 1899 von dem deutschen Psychiater Emil Kraepelin auch als „manisch-depressives Irresein" bezeichnet. Er erkannte erstmals Mischzustände, bei denen manische und depressive Symptome gleichzeitig auftreten. Auch für Kraepelin waren Manien und Depressionen Ausdrucksformen ein- und derselben Krank- heit.
Nicht unerwähnt bleiben darf, dass viele prominente deutsche Psychiater zu Helfershelfern des Nazi-Rassenwahns wurden. Voller Überzeugung trieben sie zynisch die „Vernichtung unwerten Lebens" voran. Menschen mit manisch- depressiven Störungen wurden als "erb- krank" eingestuft, zwangssterilisert oder ermordet. Wie auch zehntausende geistig behin- derter und psychisch kranker Menschen, wurden die „cirkulär Irren" im Rahmen der „Aktion T4" in den Vergasungs-Anstalten ermordet, um den "Volkskörper" von kranken, schwächen-
bipolare Störungen
den, unwerten Elementen und Erbgut zu reinigen. Das systematische Töten von psychisch kranken und behinderten Menschen wurde als „Euthanasie" bezeichnet. Man wollte diese Menschen von ihrem Leiden „erlösen“ und ihnen, einen "schönen Tod" angedeihen lassen. Im Jahr 1949 unterschied Karl Kleist erstmals zwischen unipolaren und bipolaren Krankheits- formen aufgrund von erbbiologischen Faktoren.
Jules Angst und Carlo Perris trafen 1966 die noch heute geltende Unterscheidung zwischen bipolaren Erkrankungen und unipolaren Depressionen.
Die Vorsilbe „Bi-" ist lateinischen Ursprungs und steht für „zwei". Unter dem Begriff „Pol" ver- steht man eines von zwei äußersten Enden. Das eine Ende wird hierbei als das extreme Gegenteil des anderen Endes betrachtet.
3. Kreative und berühmte Bipolare:
Nach einer Untersuchung von Kay Redfield Jamison aus dem Jahre 1993 beträgt die Häu- figkeit bipolarer Erkrankungen bei „kreativen" Persönlichkeiten das 10fache der Häufigkeit bei der Allgemeinbevölkerung. Nach Jamison litten mehr als ein Drittel aller zwischen 1705 und 1805 geborenen englischen und irischen Dichter an bipolaren Erkrankungen, mehr als die Hälfte an Stimmungsstörungen.
Die Liste berühmter Künstler, Wissenschaftler, Entdecker und Politiker, bei denen eine bipo- lare Störung bekannt ist oder vermutet wird, ist lang. Vermutlich schieden Virginia Woolf, Robert Schumann und Vincent van Gogh in Folge dieser Krankheit aus dem Leben. Jamisons Hypothese lässt sich auch auf die Gegenwart übertragen. Vermutlich sind sich manche Kreative ihrer Krankheit nicht bewusst oder sie outen sich nicht. Ein gegenteiliges Beispiel ist der Musiker Gordon Matthew Sumner, bekannt als Sting. Der bezeichnete sich in einem Interview als manisch-depressiv und veröffentlichte einen Song namens „Lithium Sun- set".
4. Definition und diagnostische Kriterien nach ICD-10/ DSM -IV:
Die bipolaren Störungen bilden eine Untergruppe von Erkrankungen aus der Kategorie der affektiven Störungen. Hierbei handelt es sich um seelische Erkrankungen, bei denen die Betroffenen unter willentlich nicht kontrollierbaren und extremen Schwankungen ihrer Stim- mung und ihres Antriebs leiden.
Ein manischer Zustand beginnt meistens unvermittelt schnell. Die Stimmung des Betroffenen steigt über Tage und Wochen kontinuierlich an. Seine Denkprozesse beschleunigen sich kontinuierlich. Er glaubt jetzt klarer, rationaler denken zu können. Seine Sprache wird schneller, sie klingt wie unter Druck.
Auch braucht der Betroffene nicht mehr so viel Schlaf wie zuvor, er fühlt sich selbstsicher und unbesiegbar. Daher sucht er sich jetzt neue Herausforderungen. Häufig steigert er seine
bipolare Störungen
Aktivität im Beruf oder er engagiert sich ehrenamtlich. Seine vermehrte Leistungsbereitschaft kann zunächst zu beachtlichen Erfolgen führen.
Der Erkrankte kann also während einer Manie, mehr noch aber während einer Hypomanie sehr respektable Leistungen vollbringen. Unter einer Hypomanie versteht man eine nicht so stark ausgeprägte Manie. Sie liegt jedoch deutlich über einem normalen Aktivitäts- und/oder Stimmungsausschlag.
Oft konzentriert der Betroffene während einer Manie seine volle Kapazität auf meist ange- nehme Teilaspekte seines Lebens. Andere Aspekte werden von ihm völlig ignoriert oder ver- nachlässigt. Seine gesellige Art und seine Schlagfertigkeit machen ihn zu einer überaus fas - zinierenden Persönlichkeit. So kann es vorkommen, dass der Betroffene seine gesamte Energie auf einen neuen Partner oder auf Sexualität fokussiert. Wichtige Dinge wie z.B. die Haushaltsführung, sein Beruf oder seine Familie vernachlässigt er dabei völlig. Irgendwann im Verlauf der Erkrankung verliert der Betroffene langsam den Bezug zur Reali- tät. Er neigt beispielsweise zunehmend zu riskanten Unternehmungen. Auch kann sich sein Glücksgefühl jetzt schnell in Reizbarkeit, Wut und Aggression verwandeln. Manchmal wech- selt seine Stimmungslage auch unvermittelt zwischen Reizbarkeit und Wut. Bei schweren Manien kann es auch wegen des teils extremen Schlafmangels, zu Wahnideen und Halluzi- nationen kommen.
4.1. Kriterien einer manische Episode:
Um eine manische Episode nach DSM-IV diagnostizieren zu können, muss das Krankheits- bild folgende erfüllen:
1. mindestens einwöchige Periode mit abnorm anhaltend gehobener Stimmung
2. Während der Periode müssen mindestens bei drei (bei reizbarer Stimmung mindestens
vier) der folgenden Symptome bestehen:
2.1. übersteigertes Selbstwertgefühl oder Größenwahn 2.2. vermindertes Schlafbedürfnis 2.3. vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang 2.4. Ideenflucht oder subjektives Gefühl des Gedankenrasens 2.5. erhöhte Ablenkbarkeit 2.6. gesteigerte Betriebsamkeit oder psychomotorische Unruhe 2.7. übermäßige Beschäftigung mit angenehmen Aktivitäten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen.
3. Die Symptome erfüllen nicht die einer gemischten Episode.
4. Die affektive Störung ist schwer genug, um eine deutliche Beeinträchtigung der
beruflichen Leistungsfähigkeit oder der üblichen sozialen Aktivitäten oder Beziehung zu verursachen oder eine Hospitalisierung notwendig zu machen.
bipolare Störungen
Arbeit zitieren:
Heinz Roelfs, 2005, Bipolare Störungen, München, GRIN Verlag GmbH
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