Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS. I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS II
1 EINLEITUNG 1
2 DIE RELIGIONSPHILOSOPHIE LUDWIG FEUERBACHS 2
2.1 STATIONEN IM LEBEN UND DENKEN LUDWIG FEUERBACHS. 2
2.1.1 Der Student 2
2.1.2 Der Philosophiehistoriker 3
2.1.3 Der Hegelkritiker 4
2.1.4 Der Religionskritiker. 4
2.1.5 Der Naturphilosoph 5
2.1.6 Der Utilitarist. 5
2.2 DAS „SENSUALISTISCHE“ PRINZIP. 6
2.2.1 Der Anfang des Philosophierens. 7
2.2.2 Der Weg zur Wahrheit. 7
2.2.3 Das Denken 8
2.2.4 Der Begriff „Sinnlichkeit“ 8
2.2.5 Die Differenz zwischen Denken und Wirklichkeit 9
2.2.6 Zusammenfassung 9
2.3 DAS WESEN DER RELIGION 10
2.3.1 Das Grundprinzip. 10
2.3.2 Religion als Ausdruck der Kluft zwischen dem Subjekt und seinem Wesen 12
2.3.3 Religion als Ausdruck der menschlichen Abhängigkeit von der Natur 13
2.3.4 Religion als Ausdruck des menschlichen Glückseligkeitstriebes. 13
2.4 DIE EXISTENZ GOTTES 14
2.5 DISKUSSION. 14
3 ÜBERLEGUNGEN ZU EINER THEOLOGIE IM ANSCHLUSS AN FEUERBACH. 15
3.1 THEOLOGISCHE GRUNDRICHTUNGEN 16
3.1.1 Glaubenszentrierte Theologie 16
3.1.2 Anthropologisch gewendete Theologie 17
3.1.3 Existentielle Theologie 18
3.2 DIE ARCHETYPENTHEORIE C. G. JUNGS 18
3.2.1 Jungs Denken über die menschliche Psyche 19
3.2.2 Der Weg von der konkreten Erfahrung (Sinnlichkeit) zum Archetyp 21
3.2.3 Diskussion 22
3.3 SKIZZE ZUM RELIGIONSPHILOSOPHISCHEN KONZEPT DREWERMANNS. 23
3.3.1 Die Angst 23
Abbildungsverzeichnis II
3.3.2 Die Entwicklung des Individuums 25
3.3.3 Die Rolle der Religion und von Gott 28
3.3.4 Der Stellenwert Feuerbachs. 30
3.3.5 Diskussion 31
4 ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION. 33
LITERATURVERZEICHNIS 36
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: GRAFISCHE DARSTELLUNG DES „SENSUALISTISCHEN“ PRINZIPS 10
ABBILDUNG 2: GRUNDPRINZIP DES WESENS DER RELIGION UND DER ANTHROPOLOGISCHEN PHILOSOPHIE. 11
ABBILDUNG 3: SCHEMATISCHE DARSTELLUNG VON JUNGS MODELL DER PSYCHE (STEVENS, S. 51) 21
ABBILDUNG 4: SCHEMATISCHE DARSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN FORMEN DER ANGST, DER ZUGEHÖRIGEN
FORSCHUNGSMETHODEN UND DER RELIGIÖSEN ANTWORTEN (DREWERMANN 1993, S 354) 25
Einleitung 1
1 Einleitung
Wenn man die Sterne vom Himmel holt, dann verdunkelt sich der nächtliche Himmel und wo auf Erden Finsternis herrschte, stellt sich Licht und Sichtbarkeit ein. Die Orientierungslosigkeit der Nacht wandelt sich in ein alles durchflutendes Meer von Lichtquellen. Wie sollte einem dann noch irgendetwas entgehen, was auf Erden geschieht?
Vielleicht lässt sich das Vorhaben Ludwig Feuerbachs mit diesen Worten bildhaft umreißen. Er trat an, um den Götterhimmel zu zerstören und um das Wesen des Menschen zu erhellen. Nicht länger sollte der Götterhimmel mit all seinen Implikationen dafür sorgen, dass der Mensch zu kurz kommt. Feuerbach war ein Kind seiner Zeit, das im Gefolge vieler anderer für die Befreiung des Menschen von gesellschaftlicher und religiöser Unterdrückung kämpfte. Seine Anhänger wussten dies entsprechend anzuerkennen. So richtete der Heidelberger Arbeiter-Bildungsverein folgende Worte der Dankbarkeit an Feuerbach: “Wir sind keine Gelehrte und wissen daher den wissenschaftlichen Wert Ihrer Vorlesung nicht zu würdigen; soviel aber fühlen und erkennen wir, daß der Trug der Pfaffen und des Glaubens, gegen den Sie ankämpfen, die letzte Grundlage des jetzigen Systems der Unterdrückung und der Nichtswürdigkeit ist, unter welcher wir leiden; und daß Ihre Lehre daher, die an die Stelle des Glaubens die Liebe, an die Stelle der Religion die Bildung, an die Stelle der Pfaffen die Lehrer setzt, einzig die sichere Grundlage derjenigen Zukunft sein kann, die wir anstreben […]“ (zitiert nach KÜNG 2001, S. 247). Feuerbach beteiligte sich als Philosoph an den liberalen Bewegungen seiner Zeit. Wie sah diese von ihm vorgeschlagene liberale Philosophie aus? Warum empfand er es als unerlässlich, eine atheistische Position zu beziehen? Woraus bestand für ihn das Unvernünftige der Religion? Mit diesen Fragen befasst sich der erste Teil dieser Arbeit. Dabei werden kritische Anfragen an religionsphilosophische Konzepte, die seine atheistische Position nicht teilen, laut. Die vorliegende Arbeit wäre aus meiner Sicht unbefriedigend, wenn sie nicht den Versuch unternähme, diesen Fragen zu begegnen. Im zweiten Teil der Arbeit wird darum danach gefragt, ob Theologie im Anschluss an Feuerbach überhaupt noch sinnvoll möglich ist. Dabei sollen die Errungenschaften Feuerbachs nicht widerlegt, sondern integriert werden. Die Philosophie Feuerbachs darf nicht übergangen werden. Diese Ausarbeitung basiert - ganz im Sinne des oben angeführten Zitates - auf der Überzeugung, dass die Beiträge des Religionskritikers wertvoll für ein Verständnis des Menschen und deshalb auch richtungsweisend für die heutige Theologie und Religionsphilosophie sind. Obwohl dieses Vorhaben weit über den im Rahmen des Seminars zur Religionsphilosophie gehaltenen Vortrag hinausführt, erachte ich dieses Vorgehen als sinnvoll. Zum einen verdeutlicht es, dass die Religionskritik Feuerbachs äußerst fruchtbar und anregend
Die Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs 2
für theologisches und religionsphilosophisches Denken sein kann und zum anderen zeigt es, dass man den von Feuerbach eingeschlagenen Weg weiter gehen kann, ohne dabei eine atheistische Position beziehen zu müssen. Vielleicht führt ja der von ihm eingeschlagene Weg - wenn man ihn konsequent weiter denkt - zur Religion und zu Gott? Vielleicht führt ja eine bis zum letzten durchgehaltene Zerstörung des Götterhimmels nicht zu einer Erhellung, sondern zu einer Verdunkelung des menschlichen Wesens? Eine vernünftige Klärung dieser Fragen ist in Kürze nicht zu leisten. Deshalb muss diesen Fragen ähnlich viel Platz wie den Ausführungen zu Feuerbach eingeräumt werden. Nicht in Vergessenheit geraten sollte dabei der Sachverhalt, dass die im dritten Kapitel diskutierte Religionsphilosophie ohne Feuerbach nahezu undenkbar wäre. Ein innerer Zusammenhang wird an vielen Stellen greifbar. Doch zunächst zu Feuerbach und seiner Religionsphilosophie.
2 Die Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs
Wem heute der Name Ludwig Feuerbach zu Ohren kommt, der denkt meist an seine vehemente Kritik am Christentum und an Religion überhaupt. Leicht geht dadurch verloren, dass er sich im Laufe seines Schaffens verschiedensten philosophischen Fragestellungen gewidmet hat. Hier interessiert jedoch vor allem das, was Feuerbach über die Religion geäußert hat. Dies lässt sich nicht von seinem philosophischen Gesamtkonzept trennen. Es ist also zunächst nach den Grundlinien Feuerbachscher Philosophie zu fragen, um dann in einem weiteren Schritt ganz gezielt auf die für seine Religionsphilosophie relevanten Punkte eingehen zu können. Im Anschluss daran kann dann das eigentliche Thema, nämlich seine Religionsphilosophie, fundiert entfaltet werden.
2.1 Stationen im Leben und Denken Ludwig Feuerbachs
Informationen zum Leben des fränkischen Philosophen klingen im Folgenden nur bedingt an. Der Fokus liegt ganz wesentlich auf den inhaltlichen Aspekten.
2.1.1 Der Student
Als Ludwig Feuerbach im Sommer des Jahres 1804 in Landshut das Licht der Welt erblickt, steht Napoleon Bonaparte an der Schwelle seiner politischen Glanzzeit. Erst 11 Jahre später erfährt die Karriere Napoleons in Waterloo ihr definitives Ende und Europa im Rahmen des Wiener Kongresses eine grundlegende, reaktionäre Neuordnung. Die Ideen und Ideale der Französischen Revolution sollen dadurch unschädlich gemacht und die einstmaligen politischen Eliten wieder dauerhaft in ihren vorrevolutionären Rang gehoben werden. In dieser heterogenen Mischung aus freiheitlichem und reaktionärem Gedankengut wächst der junge Feuerbach in
Die Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs 3
Ansbach heran, bis dass er im Jahre 1823 in Heidelberg das Studium der Theologie aufnimmt. Dieses setzt er ein Jahr später in Berlin fort. Schnell wird ihm klar, dass die Theologie seiner nach Einheit, Entschiedenheit und Unbedingtheit verlangenden Seele zutiefst zuwider ist. In ihr sieht er lediglich einen Mischmasch von Freiheit und Abhängigkeit, Vernunft und Glauben gegeben (vgl. WEISCHEDEL 2001, S. 238). Ein Jahr später wechselt er deshalb - bereits unter dem Einfluss Hegels stehend - zur Philosophie. Daran und am Misstrauen der preußischen Geheimpolizei seiner Person gegenüber lässt sich unschwer erkennen, welcher politischen und geistigen Strömung sich Feuerbach gleich zu Beginn seiner Studentenzeit zurechnen lässt: der liberal gesinnten.
2.1.2 Der Philosophiehistoriker
Im Jahre 1825 schließt der angehende Philosophiedozent sein Studium an der Erlanger Universität ab und gleich im Anschluss daran verfasst er sowohl seine Doktorarbeit als auch seine Habilitationsschrift. Am Anfang seiner Publikationstätigkeit steht ein Werk zur Philosophiegeschichte, das ganz im Zeichen hegelschen Denkens steht. Darin arbeitet er die neuere Philosophie von Bacon bis Spinoza auf. Überhaupt wendet sich der inzwischen durch religionsfeindliche Gedanken bei der Obrigkeit in Missgunst geratene Privatgelehrte in dieser Schaffensphase verstärkt der Geschichte der Philosophie zu. Dabei treibt ihn wohl weniger der Wunsch an, seine akademische Karriere doch noch zu retten. „Feuerbach erkennt in der Philosophiegeschichte vielmehr ein Potential geschichtlich realisierter Theorien, auf deren Basis der eigene Standpunkt systematisch begründet werden kann“ (WECKWERTH 2002, S. 34). Das Fundament seines Denkens macht zu dieser Zeit - zumindest vordergründig - ganz die Geistphilosophie seines Lehrers Hegel aus. So stellt er denn auch in seiner Philosophiegeschichte Hegel an die Spitze der behandelten Denker, und zwar deshalb, weil es nur ihm gelingt, Subjektivität und Objektivität überzeugend zusammenzudenken. Feuerbach favorisiert Zeit seines Lebens philosophische Denkkonzepte, die weder ganz einem einseitigen Rationalismus (ausgehend von Descartes) noch einem blinden Naturalismus (ausgehend von Bacon) verfallen (vgl. WECKWERTH 2002, S 35-42). Seinem Denken zueigen ist, dass bei ihm beide Positionen in einem Punkt zusammenlaufen, d.h. Subjekt und Objekt letztlich in ein und demselben Prinzip gründen. Es wird deutlich, wie nahe Feuerbach diesbezüglich bei seinem Berliner Lehrer steht und zugleich, dass er sich von der Transzendentalphilosophie Kants, aber auch vom rein äußerlichen Materialismus Hobbes’ distanziert (vgl. ebd., S. 35 - 42). Der Pantheismus um Bruno, Böhme und Spinoza stellt für ihn den ersten vernünftigen Versuch dar, die beiden Realitätspole, nämlich die Welt drinnen und die Welt draußen, gedanklich angemessen zusammenzubringen. Diese Linie kulminiert in der Geistphilosophie Hegels in vollendeter Weise, so sinngemäß der junge Feuerbach (vgl. ebd., S. 42).
Die Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs 4
2.1.3 Der Hegelkritiker
Diese Überzeugung überdauert gerade einen Zeitraum von sechs Jahren. Ihr definitives Ende findet sie in (s)einer umfassenden Kritik an der spekulativen Philosophie Hegels. „Feuerbach durchschaut den actus purus der Philosophie des Absoluten als ein Stück rationalisierter Theologie“ (SCHMIDT 1976, S. 198). Hegel fasst das Denken als einen „sich selbst erzeugenden Denkprozess“ auf und geht folglich von einem abgeschlossenen Vernunftbegriff aus (WECKWERTH 2002, S 54). Mit anderen Worten: Das hegelsche Denken ist nach Feuerbach weitestgehend von Anschauung und Sinnlichkeit abgeschnitten und sieht im Subjekt (Mensch) und Objekt (Welt) lediglich den zu sich selbst kommenden aktiven Geist. Die menschliche Existenz wird sämtlicher passiver Momente beraubt und verliert entschieden an „existentieller“ Härte. Das vom abstrakten Weltgeist ausgehende Denken verdeckt für Feuerbach das wahre Wesen des Menschen. Die damit einhergehende Logifizierung der Wirklichkeit abstrahiert in unzulässiger Weise vom konkret Erlebten. Für den jetzigen Hegelkritiker hingegen rückt der Menschengeist und die menschliche Natur in den Vordergrund. Oft liest man über Feuerbach, dass er maßgeblich daran beteiligt war, die Philosophie Hegels vom Kopf auf die Beine zu stellen. An diesem Punkt erfährt diese Behauptung eine überzeugende Bestätigung. Sein ist für den einstigen Hegelianer nicht mehr nur gedachtes, spekulatives Sein, sondern es bewegt sich zwischen den Polen von menschlichem Geist und Materie (Natur). Beide Pole sieht er als konstitutiv für das Sein des Menschen an. Den Schlusspunkt seiner Kritik bildet eben diese Umkehrung des hegelschen Geistkonzepts. Das Denken ist für ihn jetzt nur noch als aus dem Sein Abgeleitetes vorstellbar. An die Spitze seiner Philosophie tritt ein genetischer Ansatz, der den Versuch unternimmt, verschiedenste Denkrichtungen vom Wesen des Menschen her zu verstehen. Das Wesen des Menschen ist der neue Angelpunkt seines Denkens.
2.1.4 Der Religionskritiker
Im Jahre 1841 verfasst Feuerbach ein Werk, das eine vernichtende Kritik an jedweder Metaphysik und Religion übt: Das Wesen des Christentums. Sein Ansinnen, mit jeglicher Art spekulativer Philosophie zu brechen, konnte konsequenterweise gar nicht vor der (christlichen) Religion Halt machen. Er widmet sich darum der Religionsphilosophie und glaubt, alle Gegenstände des Glaubens durch die Beschaffenheit des menschlichen Wesens erklären zu können. Das religiöse Gefühl ist für ihn das Resultat der Schranken zwischen dem individuellen Menschen und dem Wesen des Menschen (der menschlichen Gattung). Diese Kluft schließt der Mensch mittels der Religion. In der Sehnsucht nach Gott sieht Feuerbach die Sehnsucht nach dem schrankenlosen Mensch- bzw. Gattungsein, die sich im konkreten „Du“ (Mitmensch) stillen lässt. Die Hingabe bzw. Liebe stellt für ihn das Zentrum der Religion und da Gott für ihn lediglich als Platzhalter des menschlichen Wesens fungiert, in letzter Konsequenz das Zentrum
Die Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs 5
des menschlichen Wesens dar. Diese frühe Religionsphilosophie wird später nochmals gezielt aufzugreifen sein. Hier genügt zunächst, dass sich Feuerbach im Anschluss an seine Kritik des Christentums den Vorwurf einer einseitigen Subjektphilosophie gefallen lassen muss, weshalb er anschließend verstärkt über die Natur, d.h das objektiv Gegebene, nachdenkt und eine anthropologische Philosophie begründet, die sich intensiv mit der Sinnlichkeit des Menschen und deren Bezugsgegenstand (die Natur) auseinandersetzt.
2.1.5 Der Naturphilosoph
Die Sinnlichkeit wird zum Schlüsselbegriff der anthropologischen Philosophie Feuerbachs (vgl. SCHMIDT 1976, S. 188 - 198 und WECKWERTH 2002, S. 87 ff). Ins Blickfeld seiner Ontologie und seiner Auffassung der menschlichen Erkenntnis geraten immer deutlicher Anschauung und sinnliche Wahrnehmung. Dies schlägt sich auch auf sein Denken über Religion nieder. Während er die Geburt des Religiösen früher im Spannungsfeld von Individuum und menschlicher Gattung ansiedelte, denkt er Religion jetzt verstärkt im Kontext der Natur. Der Begriff Natur beschreibt für ihn „allgemein den Bezirk einer außermenschlichen Wirklichkeit“ (WECKWERTH 2002, S. 102). Dieser Physiswelt steht der Mensch aber nicht im Sinne eines Dualismus gegenüber, vielmehr ist er durch das Band des menschlichen Leibes, der natürlichen Ursprungs ist, mit ihr verbunden. Die Natur erhält den Status eines transobjektiven Seins und gilt ihm fortan als Ausgangspunkt seines Philosophierens. Alle Phänomene gründen in letzter Konsequenz in der Natur und mittels genetischen Denkens lässt sich dies anhand der (Welt-)Geschichte zeigen. Die Religion resultiert aus der Abhängigkeit des Menschen von der Natur, die sich in den alltäglichen Erfahrungen von Endlich- und Nichtigkeit widerspiegelt (vgl. ebd., S. 106). Die von Schleiermacher als unableitbare und schlechthinnig bezeichnete Abhängigkeit von Gott (vgl. SCHLEIERMACHER 1799, S. 27 - 89, hier: S. 40) wird bei ihm in eine Abhängigkeit von der Natur umgedeutet. Naturreligionen sind noch ganz in der Natur verhaftet und in diesem Entwicklungsstadium ein Bildungs- und Erziehungselement für Individuum und Gesellschaft. Den Übergang von Natur- zur Geistreligion denkt er sprunghaft, nicht evolutionär (vgl. ebd., S. 110). Zu diesem Zeitpunkt tut sich Feuerbach längst als Befürworter und Mitgestalter, wenn auch nur - zumindest politisch - in geringem Ausmaß, der 48er-Revolution hervor. Als er den Grundstein seiner Naturphilosophie im Rahmen seiner Vorlesungen und Ausarbeitungen zum Wesen der Religion legt, steht die Revolution schon längst vor der Tür bzw. bereits im Zentrum politischen Handelns und Denkens.
2.1.6 Der Utilitarist
Mit fortschreitendem Alter rückt beim Frontkämpfer des Linkshegelianismus der Glückseligkeitstrieb des Menschen als wesentlicher Zug der menschlichen Gattung und als
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Stephan Abele, 2005, Die Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs und Überlegungen zu einer Theologie im Anschluss an Feuerbach, München, GRIN Verlag GmbH
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