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1 - Unterrichtsskizze
1.1 - Einordnung in den Lehrplan
Die Projektarbeit der Schülerinnen und Schüler 1 der Klasse 10A der Alfred-Teves-Schule Grund- und Hauptschule wird dem Fach Deutsch zugeordnet. Das bedeutet, dass der aktuelle zu berücksichtigende Lehrplan den Rahmenrichtlinien für
10. Klassen an Hauptschulen 2 entspricht. Demnach ist das übergeordnete Ziel des Deutschunterrichts „(...) die Verste-
hens- und Ausdrucksfähigkeit der (...) Schüler und damit ihre sprachliche Handlungsfähigkeit zu erweitern, wobei Mög- lichkeiten der Abstimmung mit Inhalten anderer Fächer genutzt werden sollen.“ Dieser Forderung entsprechend erhalten die Schüler innerhalb dieser Projektidee die Möglichkeit, eigene Unterrichtsversuche zu planen und durchzuführen, sowie vorbereitend selbsttätig Schülerreferate zu gestalten. Für den Bereich des Sprechens und Schreibens ergibt sich durch die selbsttätige Findung von Themenbereichen in schülergewählten Teams bis zur letztlich gemeinsam zu planen- den und durchzuführenden Unterrichtsstunde in der Grundschulklasse die Tatsache, dass sich die Schüler über einen längeren Zeitraum konzentriert und zielgerichtet mit einem selbst gewählten Thema beschäftigen. Des weiteren ent- spricht die verpflichtende Anfertigung einer Projekt arbeit/ Facharbeit den Forderungen nach dem Erstellen einer umfang- reichen Ausarbeitung zu einem Thema. Gleichzeitig wird auch dem Wunsch entsprochen, Schreibanlässe zu fördern, die zum Festigen der formgerechten, übersichtlichen und fehlerfreien Textgestaltung dienen. Für das Gelingen und den Erfolg der Schülerarbeit ist es unerlässlich, im Team zu arbeiten. Das bedeutet, es muss diskutiert und argumentiert werden. Da ein jedes Teammitglied gleichwertig zum erreichen des „Ziels“ beitragen darf, können die Schüler nur zum Ziel kommen, wenn jeder Einzelne für das gemeinsame Ergebnis persönliche Einigungen und Kompromisse erzielt und eigene Bedürfnisse sowohl einbringt, als auch im Dienst des Teams und der Aufgabe zurückstellt. Um fundiert in einem Themenbereich Wissen vermitteln zu können, muss am Anfang der Vorbereitung die Arbeit an selbst gewählten Sachtex- ten stehen, die natürlich entsprechend erschlossen werden müssen. Eine gute Übung stellt hier die Möglichkeit dar, Schüler zu selbst gewählten Themenbereichen anhand von Sachinformationen Referate, d.h. das Referieren von selbst gewählten Sachtexten, gestalten und durchführen zu lassen. Hier sind im Unterricht vermittelte Techniken der Erschlie- ßung von Sachtexten, auch unter Zuhilfenahme von Nachschlagewerken, ein grundlegender Inhaltsbereich. Im Bereich der Reflexion über Sprache finden sich in der vorgestellten Projektarbeit viele Momente, die dieser Zielsetzung ent- sprechen. Die im Unterricht vermittelten Inhalte zum Sprechen, zur Mimik und Gestik, zur Spre chgeschwindigkeit, die ja im Bezug auf eine Wissen vermittelnde Position in der Grundschulklasse wichtig sind, stellen hier mit den anderen ange- sprochenen Inhaltsbereichen das Grundgerüst der unterrichtenden Tätigkeit dar. Insbesondere die Tatsache, dass sich die Hauptschüler aus der gewohnten Alltagssprache heraus an das z.T. gerade erst erwachende Sprachverständnis der Grundschüler einstellen müssen, stellt eine besondere Schwierigkeit, aber auch Herausforderung dar, der unterrichtlich begegnet wird. Die Funkt ion der Sprache wird den Schüler dadurch bewusster.
Um die Lernprozesse in diesem Themenfeld zu initiieren und zu unterstützen, erfolgen zu jeder Unterrichtsstunde ge- meinsam mit den Schülern Reflexionen per Videoanalyse, Diashow und Gruppengesprächen, die es den Schülern ermög- lichen, über eine Selbstanalyse zu wertvollen Erkenntnissen zu gelangen.
Im Rahmen der Erziehung zu Eigenverantwortlichkeit und zur aktiven Teilnahme am zukünftigen beruflichen und öffent- lichen Leben ist es unabdingbar, dass die Schüler bei der Auswahl der Sprech- und Schreibanlässe insbesondere bei komplexeren Unterricht sthemen selbstständig Informationen sammeln, diese strukturieren und sowohl mündlich als auch schriftlich zusammenhängend wie z.B. wie folgend darstellen (ebd., 14).
1 Im Sinne einer besseren Lesbarkeit der Texte wird im weiteren Verlauf auf eine schriftsprachliche Trennung von Schülerinnen und
Schülern verzichtet. Es sind jedoch weiterhin beide Geschlechter gemeint, wenn von Schülern gesprochen wird.
2 Niedersächsisches Kultusministerium (1991): Rahmenrichtlinien für 10. Klassen an Hauptschulen, Schroedel Schulbuchverlag, Hanno-
ver.
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Abbildung 1: Ausgewählte Darstellung von Inhalten der Rahmenrichtlinien für das Fach Deutsch in einer 10. Hauptschulklasse im Bezug auf die Unterrichtsinhalte des Projektes „Schüler unterrichten Schüler“. (Foto: Schüler P.R. bei der Erklärung eines Spiels in einer Sportstunde)
1.2 - Durchführung/ Planung
Das Projekt wurde in der Klasse 10A der Alfred-Teves-Schule, Grund- und Hauptschule durchgeführt. Alle 21 Schüler der Klasse waren begeistert von der Idee anderen Schülern etwas zu vermitteln. Grundlegend war die Idee, dass sich die Hauptschüler in Teams zusammenfinden und dann mit einer Grundschulklasse Kontakt aufnehmen, um anschließend eine oder mehrere Unterrichtsversuche selbst vorzubereiten. Es folgte nach einer intensiven Arbeits- und Vorbereitungs- phase die Kontaktaufnahme mit der Grundschulklasse/Grundschullehrkraft. Eine Information der Grundschullehrkräfte über die Projektidee erfolgte meinerseits im Vorfeld, so dass diese, sofern sie der Idee aufgeschlossen waren, vorberei- tet waren. Im weiteren Verlauf äußerten die Schüler den Wunsch in der Grundschulklasse Unterricht zu hospitieren, die Klassen „anzuschauen“ und sich bzgl. der Lerngruppe (Schülerzahl, Tischanordnung, Material im Klassenraum, auffällige Schüler, Unterrichtssprache und anderes) Notizen zu machen und sich vorzustellen. An diese Phase schloss sich eine Arbeitsphase an, in der die Hauptschüler Material sichteten, Ideen suchten, Unterricht planten, Aufgaben verteilten, die selbst erstellte Projektbibliothek nutzten und erweiterten, sowie im schuleigenen Computerraum Materialien erstellten und die Projektmappe vorbereiteten. Die Lehrkräfte, die Schulsozialarbeiterin und 2 Studentinnen der TU Braunschweig standen meinen Schülern dabei beratend zur Seite. Um einen besseren Eindruck über den zeitlichen und inhaltlichen Ablauf der Projektarbeit zu gewinnen, wird unten Tabelle 1 aufgeführt, die alle wesentlichen Bestandteile beinhaltet. Tabelle 1: Schematische Darstellung des zeitlichen und inhaltlichen Projektablaufs. Einzelne Themenbereiche überschneiden sich dabei zeitlich (z.B. Erarbeitung der Projektmappen)
3 Lernbiologische Grundlagen, Grundlagen der Informationsaufnahme/ -gestaltung (Materialien, Medien), Artikulation, Mimik (Hilfreiche Literatur findet sich am Ende dieser Seiten).
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1.3 - Ziele der Projektarbeit
Schüler, aber auch Lehrer, leben und lernen an einer Grund- und Hauptschule in einem Raum, der geprägt ist vom Auf- einandertreffen vieler Kulturen, vieler Menschentypen, vieler Lerntypen, aber letztlich auch in einem Raum, der in der Öffentlichkeit wenig Ansehen genießt. Übergeordnete Ziele sind hier die positive Beeinflussung der Schüler – Lehrer, Schüler – Schüler und auch der Hauptschüler – Grundschülerinteraktion. Ein positiver Einfuß auf das gesamte Schulklima soll durch die schulformübergreifende Projektarbeit erzielt werden. Zur Aneignung und Multiplikation von Fachwissen bedarf es einer Reihe von fachspezifischen Methoden. Dazu gehört z.B. die Analyse von Sachtexten, das „Didaktische Reduzieren“ der Inhalte oder das adressatengerechte Gestalten von Medien. Die Schüler bekommen während dieser Projektarbeit in andere Lernsituationen übertragbare Grundlagen vermittelt, die dann praktisch angewendet werden können. Insbesondere der Bezug zur späteren Berufswelt 5 ist hier ein wichtiges Kriterium. Zum anderen werden die Hauptschüler aus der Rolle des rezeptierenden Schülers heraustreten und unterrichtlich aktiv. ? ? Die Schüler beteiligen sich aktiv an der Unterrichtsplanung und –durchführung ? ? Sie arbeiten in Teams um sich Wissen anzueignen ? ? Sie nutzen ihr selbst erarbeitetes Wissen (in Kombination mit den im Unterricht vermittelten Inhalten –vgl. T a- belle 1-) um Unterricht und Unterrichtsmedien zu gestalten ? ? Sie nehmen ihr „Handlungsprodukt“ –Eine vorbereitete Unterrichtsstunde- gemeinsam mit einer anderen Schul- klasse in Gebrauch.
Im Bereich der Feinlernziele gibt es aufgrund der sehr vielschichtigen unterrichtlichen Inhalts- und Erfahrungsbereiche eine solche Fülle an erreichbaren und erreichten Zielen (vgl. Kapitel 1.1), dass die Auflistung den Rahmen der Darstel- lung sprengen würde. Eine Auswahl soll jedoch nicht fehlen:
Affektive und psychomotorische Lernziele
Die Schüler verbessern ihre Lern- und Sozialkompetenz, indem sie:
? ? Sich in Teams über gemeinsames Arbeiten verständigen ? ? Die Ideen einzelner Gruppenmitglieder demokratisch gegeneinander abwägen ? ? Sich auf einen oder mehrere Handlungswege einigen ? ? Den Lernprozess weitgehend selbst organisieren
- Die Schüler lernen anhand eines selbst gestalteten Arbeitsplans ökonomisches Arbeiten
- Die Schüler bringen ihre Alltagserfahrungen mit ein den Unterricht ein und wenden diese in einzelnen Unterrichtspha- sen an, um aktiv am Unterrichtsgeschehen teilzunehmen
- Die Schüler entwickeln Aufgabenstellungen für andere Schüler und erproben diese, sie üben sich im Gestalten von Lernmedien
Kognitive Lernziele
- Die Schüler erfahren Methoden zur sinnerfassenden Bearbeitung von Sachtexten
- Die Schüler entwickeln Strategien zur Förderung von Lernpro zessen
- Die Schüler schließen logisch von erworbenem Wissen auf die Gestaltung von Unterricht/Unterrichtsmaterial
- Die Schüler erproben von Sprachformen im mündlichen Vortrag Sie nutzen das Erarbeitete, um Lernsituationen für jüngere Schüler zu gestalten und müssen dabei im Team (auch mit Lehrkräften) arbeiten. Sie erfahren Feedbackprozesse durch intensive Nachbearbeitung der gehaltenen Stunden per Videoanalyse und Fragebögen. Das Handlungsprodukt in Form einer selbst gestalteten Unterrichtsstunde, die gemeinsam mit einer Schulklasse erprobt wird, ermöglicht den Schülern den Gebrauchs- und Sinnwert ihrer Arbeit zu erfassen.
4 Schülerreferate wurden in den Fächern Biologie, Erdkunde, Geschichte, Politik in Zweierteams gehalten.
5 Typische Berufswünsche der Schüler dieser Klasse: Besuch von weiterführenden Schulen mit dem Ziel einen qualitativ besseren Ab-
schluss zu erreichen, Ausbildung in Sozialberufen, Ausbildung im Metallhandwerk, Ausbildung im KFZ-Handwerk. Häufig mit Ambitionen
auch leitende Funktionen zu übernehmen.
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1.4 - Bewertung der Schülerarbeit/ Lernzielkontrollen
Die Bewertung bzw. die Notengebung erfolgte für die Schüler im Fach Deutsch. Folgende Aufgaben waren für die Schü- ler bewertungsrelevant:
Tabelle 2: Darstellung der bewertungsrelevanten Kriterien
Bezüglich der Lernkontrollen/ der Leistungsbewertung finden sich neben Klassenarbeiten bzw. Klassenauf-
sätzen Protokolle und umfangreichere Ausarbeitungen sowie die mündlichen Unterrichtsbeiträge, die mit in
die Zensurengebung einfließen können (Rahmenrichtlinien 1991, 21).
1.5 - Kritische Bewertung der Projektarbeit
Trotz der Tatsache, dass eine abschließende Betrachtung dieser Projektarbeit aus meiner Sicht (nach Aus-
wertung der Schüler- und Lehrerrückmeldungen) sehr positiv ausfällt, gibt es einige Dinge, die bei einer
zukünftigen Fortführung der Projektidee zu berücksichtigen sind.
6 So musste beispielsweise die Gruppe „Experimente mit Seife und Papier“ einen Schülerversuch abbrechen, weil dieser nicht klappte
und baute dafür einen vorbereiteten Zaubertrick ein. Die Teammitglieder begründeten den Wechsel entsprechend (in der Reflexion) und
hatten dadurch eindrucksvoll bewiesen, auf unvorhersehbare Situationen angemessen reagieren zu können. Seite
Arbeit zitieren:
Diplomsportlehrer Marcus Lüpke, 2004, Projektorientierter Unterricht an der Hauptschule: Schüler unterrichten Schüler - Eine Hauptschulklasse als Lehrer in der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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Gruß M. Lüpke
am Thursday, March 16, 2006-
Marcus Lüpke
Aktuelle Adresse: www.marcus-luepke.de
Ich freue mich über einen Besuch!
am Tuesday, June 15, 2010-