Einfü hru ngssem inar in d ie neuere d eu tsche Literatu rw issenschaft
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Germ anistik, Italienisch, Klassische Literaturw issenschaft
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Arno Schm id t d ü rfte ohne Zw eifel zu d en um strittensten Au toren d er d eutschen Nachkriegsliteratur gehören. Von d en einen als Genie verehrt 1 u nd als „kühnster Pionier d er neueren d eu tschen Epik“ 2 gefeiert, w ird ihm von seinen Kritikern „grobschlächtige Arroganz [...] u nd Wissensprotz aller Art“ 3 vorgew orfen.
Dies alles beeind ru ckte Arno Schm id t w enig, zum einen las er keine Zeitu ng 4 , zu m and eren m achte er sich nichts au s d er Meinu ng seiner Rezensenten. “(Denn sie mü ssen ja irgend w ie au fgew eckt w erd en, d ie H albm enschen hinter d em Grenzp fahl: d ru m laß Dich getrost „Schläger“ schelten von d en Fu rchtsam en; „Brand stifter“ von d en Feu erw ehrleu ten; „Ein-Brecher“ von d en Schlafend en)“ 5
Doch obwohl seine Werke zu heftigsten Kontroversen führten, war er der breiten Masse meist unbekannt. Als 1970 das zur Mediensensation avancierende Werk =HWWHOV 7UDXP erschien, hörten sehr viele Menschen zum ersten Mal den Namen Arno Schmidt. Und das, obwohl Schmidt, der am 18. 01. 1914 in Hamburg geboren wurde, bis dahin schon seit über zwanzig Jahren Bücher und Zeitungsartikel geschrieben, Rundfunksendungen verfasst und sogar mehrere Literaturpreise erhalten hatte.
Schm id t, d er vor d em Krieg als grap hischer Lagerbu chhalter in Schlesw ig arbeitete, heiratete 1937 Alice Mu raw ski. Es folgte d ie Einberufung zur Wehrm acht u nd schließlich im April 1945 d ie britische Gefangenschaft, au s d er er aber noch End e d esselben Jahres entlassen w u rd e. Er zog m it seiner Frau in d en Mü hlenhof bei Cord ingen, w o er versu chte, sich m it Übersetzu ngen sein Leben als freier Schriftsteller zu finanzieren. Als er 1941 m it /HYLDWKDQ einen N eu anfang w agt, ist seine Wu t ü ber d ie H itlerzeit nicht zu übersehen. Seine Werke sind gep rägt von seinen Kriegserfahru ngen, d em ü berall herrschend en Elend , seinem Leben in d er britischen Gefangenschaft und von einem au ßerord entlichen H ass au f jegliche Form von Obrigkeit.
6$ 66 0LOLWlU +- XQGVRZHLWHU d ie Menschen sind nie lästiger, als w enn sie Sold aten sp ielen. [...] Am End e sind d och imm er d ie Schlim msten Meister, d as heißt: Vorgesetzte, Chefs, Direktoren, Präsid enten, Generale, Minister, Kanzler. Ein anständ iger Mensch schäm t sich, Vorgesetzter zu sein! 6
1 Vgl. Holthusen, H. E., In: „Über Arno Schmidt“ S. 19.
2 Kasack, H., In: „Über Arno Schmidt“ S. 21. 3 N.N., In: „Über Arno Schmidt“ S. 23. 4 Vgl. N.N., In: „Über Arno Schmidt“ S.22.
5 Schmidt, A., „Faun“ S. 103.
6 Schmidt, A., „Faun“ S.15.
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Ebenso sehr w ie Chefs u nd Politiker ist ihm d ie Beeinflussbarkeit u nd Manip ulierbarkeit d er Masse zu w id er: „Wie schrecklich u nw issend u nd d eshalb so leicht zu betrü gen ist d as ’Volk’“ 1 , w eshalb er stets großen Wert d arauf legt, sich von ihr zu d istanzieren. 2
Die folgend en Jahre sind gekennzeichnet von intensiver Arbeit und großen Entbehru ngen. Geld verd ient er m it seinen Werken nur sehr w enig, es ist einfach kein Pu blikum vorhand en.
Ku nst d em Volke?!: d en slogan lasse m an N azis u nd Komm u nisten: u m gekehrt ists: d as Volk (Jed er!) hat sich gefälligst zu r Ku nst hin zu bem ü hen! 3
Für einen elitären Leserkreis sorgt vor allem seine ebenfalls höchst u m strittene Art zu schreiben, d ie sich besond ers in seinem - fü r sein Frü hw erk charakteristischen - d iskontinu ierlichen Erzählen, 4 Neologism en, einer phonetischen Schreibw eise, literarischen sow ie m athem atischnatu rw issenschaftlichen Kom m entaren u nd einem u nglau blichen Assoziationsreichtu m äußert.
Seine Bü cher erscheinen fortan in rascher Folge u nd trotz seines m ehr od er w eniger geringen Bekanntheitsgrad es bringen sie ihm u nter and erem 1951 d en Großen Literatu rp reis d er Akad em ie d er Wissenschaft u nd Literatu r in Mainz u nd 1973 d en Goethe-Preis d er Stad t Frankfu rt ein, bei d essen Verleihu ng er sich von seiner Frau vertreten lässt. Seine von ihr verlesene Festred e, d ie 'DQNDGUHVVH, lässt Schm id t einm al m ehr als d en politischen u nd kultu rellen Au ßenseiter erscheinen, d er er sein w ollte. 5 Seinen Traum von größtm öglicher Au tarkie erfüllte Schm id t sich 1958 m it d em Kau f d es H olzhau ses N r. 37 in Bargfeld , Krs. Celle. In d ieser von ihm so geliebten flachen nörd lichen H eid eland schaft sp ielen au ch viele seiner Bü cher, u.a. $XVGHP/HEHQHLQHV)DXQV, %UDQG·V+DLGHu nd 6FKZDU]H6SLHJHO. %HUJOlQGHU OLHEH LFK QLFKW nicht d en breiigen Dialekt ihrer Bew ohner, nicht d ie zahllos gew ölbte Erd e, Bod enbarock. Meine Land schaft mu ss eben sein, flach, m eilenw eit, verheid et, Wald , Wiese, Nebel, schw eigsam). 6
Am 03. 06. 1979 starb Arno Schm id t nach einem Gehirnschlag in einem Krankenhaus in Celle. 7
1 Schmidt, A., „Faun“ S.31. 2 Vgl. Schmidt, A., „Faun“ S. 32.
3 Schmidt, A., „Brand’s Haide“ S. 43. . 4 Vgl. Eke, N.O., „Zu Schmidts ’Brand’s Haide’“ S. 18 5 Vgl. Vollmer, „Das vertriebene und flüchtende Ich“ S. 89.
6 Schmidt, A., „Faun“ S.20.
7 Zu den Lebensdaten: Vgl.: Ahrend, P., „Der Büchermensch“ S.391 ff.
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Arbeit zitieren:
Dorothea Nolde, 2002, Der Ich-Erzähler und die Frauen in Arno Schmidts Trilogie - Nobodaddy s Kinder -, München, GRIN Verlag GmbH
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