Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Erster Band: Die Indianer Ostbrasiliens
1. Erster Kontakt mit einer indigenen Kultur Nahe der Fazenda Guidowald
2. Physiognomiebeschreibung am Beispiel der Puris
3. Beschreibung des Temperamentes der Indianer im ersten Band
III. Dritter Band: Die Amazonasindianer
1. Kritik an den Zuständen in Para
2. Besuch bei den Muras im Inneren der Provinzen Para und Rio Negro
IV. Schluß
2
I. EINLEITUNG
Brasilianische Reise 1817-1820; S.76
Die Auswertungen der Forschungsreise der beiden bayerischen Naturforscher Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Phillip von Martius nach Brasilien gehört zu den Reiseberichten des frühen 19. Jahrhunderts, die durch ihre systematische Detailgenauigkeit und der Schönheit ihrer Sprache und Landschaftsbeschreibungen bis auf den heutigen Tag besonders lesenswert sind. Von 1817 bis 1820 durchquerten sie Brasilien von Süden nach Norden und veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse anschließend in einem dreibändigen Werk mit dem Namen „Reisen in Brasilien in den Jahren 1817 bis 1820“ und einem Tafelband. Das von ihnen zusammengetragene Wissen ist bis heute eine der wichtigsten Informationsquellen über Brasilien geblieben und wird oft mit den Leistungen von Humboldt verglichen. Neben Erkenntnissen aus ihren Fachbereichen, Spix in der Zoologie und Martius in der Botanik, sammelten sie auch Informationen aus den Bereichen der Geologie, Geographie, Ethnographie und den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in diesem großen Land. Durch die Erfassung all dieser Fachgebiete konnten sie ein ganzheitliches und lebendiges Naturbild von Brasi-
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lien geben und folgten damit Alexander von Humboldt, dem großen Vorbild für Forschungsreisen in ihrer Zeit. 1
Der erste Band ihres Reiseberichtes sowie die beiden ersten Kapitel des zweiten Bandes wurde von beiden Forschern zusammen verfasst. Im Jahre 1826 starb Spix, so dass Martius das Werk unter Mithilfe der Unterlagen seines Reisegefährten alleine vollenden musste. Leider ist Spix durch seinen frühen Tod die Beachtung versagt geblieben, die ihm eigentlich auch als den verantwortlichen Leiter und Planer der Expedition zustand. 2
Am 10. April 1817 brachen Spix und Martius im Gefolge der Erzherzogin Leopoldina von Österreich mit den Fregatten Augusta und Austria von Triest auf. Die Überfahrt war stürmisch und sie kamen erst am 15. Juli im Hafen von Rio an. Ihre Einfahrt nach Rio de Janeiro beschreiben sie begeistert wie den Zugang zum Paradies und die faszinierende Vielfalt der tropischen Natur und der neuen Eindrücke stürzte sie in Verwirrung, da sie in ihrer Begeisterung nicht wussten was sie zuerst erfassen sollten. 3
Bei ihrer Ankunft erschreckte sie das Gedränge der vielen farbigen Menschen: „Die niedrige rohe Natur dieser halbnackten, zudringlichen Menschen verletzt das Gefühl des Europäers, der sich so eben aus dem Vaterlande feiner Sitte und gefälliger Formen hierher versetzt sieht.“ 4
Dieses Zitat zeigt deutlich die Gefühle der beiden jungen Forscher, als sie nach der Enge des Schiffes in der lebhaften, damaligen Hauptstadt Brasiliens ankamen. Es war wohl das erste Mal, dass sie mit einer größeren Menge farbiger Menschen in Kontakt kamen und die Fremdheit ihres Aussehens und Verhaltens muss auf ihre Sinne wie ein Schock gewirkt haben. Es waren Menschen die nicht in ihre vertraute Welt gehörten und auch nicht darin einzuordnen waren, was zutiefst beunruhigend für die beiden Forscher gewesen sein muss. Diesen Kulturschock konnten sie nie ganz verwinden und die negativen Attribute die sie später den Indianern gaben und ihre Einordnung als Untermenschen, ist u. a. auch als eine Aufarbeitung dieser Bedrohung auf ihre Wahrnehmung zu sehen. Die damalige Vorstellung der Europäer von dem „[...] armen Primitiven [...], der dem zivilisier-
1 BrasilianischeReise 1817-1820; Hsg. Jörg Helbig; 1994; S. 31
2 Brasilianische Reise 1817-1820; Hsg. Jörg Helbig; 1994; S. 53
3 Brasilianische Reise 1817-1820; Hsg. Jörg Helbig; 1994; S. 31
4 Spix und Martius; 1966/67; S. 91
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ten Europäer als Vorstufe seiner eigenen Entwicklung erscheint“, 5 konnten Spix und Martius nie ganz aufgeben. Auch die Meinungen der kolonialen Oberschicht, mit der sie in regem Kontakt standen, beeinflussten sie in ihrem Kulturchauvinismus. Diese Seminararbeit soll nun wiedergeben, welches Bild Spix und Martius von den Indianern gehabt haben. Sie soll keine Minderung ihrer Leistungen sein, sondern vielmehr eine Hilfestellung für eine kritische Auswertung ihrer ethnographischen Forschungen darstellen. Dabei werde ich mich auf ihre Beschreibungen der Indianer Ostbrasiliens aus dem ersten Band und den Amozonasindianern aus dem dritten Band beschränken.
Im letzten Kapitel möchte ich dann noch beschreiben, wie die Forscher zu ihrem Bild über die Indianer kamen und von welchen philosophischen Vorstellungen Spix und Martius geprägt wurden.
Karte mit Reiseweg
Brasilianische Reise 1817-1820; S.30
5 Mythen der neuen Welt; Hsg. Karl Heinz Kohl; 1982; S. 19
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II. Erster Band: Die Indianer Ostbrasiliens
1. Erster Kontakt mit einer indigenen Kultur Nahe der Fazenda Guidowald.
In der Nähe von Villa Rica, dem heutigen Ouro Preto in der Provinz Minas Gerais, trafen Spix und Martius zum ersten Mal auf Autochthonen Brasiliens, Coroados, die in der Nähe der Fazenda Guidowald lebten. Diese standen unter der Aufsicht der Gutsbesitzer und um sie sesshaft zu machen wurden sie von den Kolonisatoren in Ansiedlungen, sogenannten Aldeas, zusammengefasst und mit Nahrungsmitteln und Ackerbauwerkzeugen versorgt.
In Begleitung von zwei Soldaten machten sich die beiden Forscher zu den Aldeas der Coroados auf, konnten aber zuerst deren Vertrauen nicht gewinnen, weil sie fürchteten von den Besuchern zum Militärdienst gepresst zu werden. 6 Nachdem sich die Indianer von den harmlosen Absichten der Forscher überzeugt hatten, konnten Spix und Martius sie mit Hilfe von Geschenken überreden zu einem Trinkfest auf das Gut zu kommen. Die flüchtigen Begegnungen waren leider von gegenseitigem Misstrauen und Zurückhaltung geprägt und die Forscher selbst schienen auf eine wirkliche Annäherung nicht besonders erpicht, wie folgendes Erlebnis mit einer Schlange aufzeigt:
„Die Indianer fürchteten sie [(die Schlange)] als giftig, und flohen entsetzt vor dem Natur-forscher, der sie am Kopfe gepackt hatte, und damit spielend sie ihnen entgegentrug. Nichts hätte diesen Natursöhnen eine grössere Ehrfurcht vor uns einflössen können; sie betrachteten uns von nun an mit derselben Scheu, welche sie vor den Pajès (ihren Zauberern, Priestern und Aerzten) hegen, ein Gefühl, das wir bei ihnen nicht ungerne unterhielten.“ 7
An diesem Beispiel kann man den Charakter ihrer ersten Begegnung mit der fremden Kultur klar erkennen. Durch ihr arrogantes Verhalten schüchterten sie ihr Gegenüber ein und konnten so ihre eigene Unsicherheit verbergen. Immer wieder müssen sich Spix und Martius die Überlegenheit ihrer Kultur bestätigen, weil sie nicht bereit waren die Andersartigkeit der Indianer als eine mögliche Da-seinsform außerhalb der europäischen Kultur zu akzeptieren. Über eine ober-
6 Spixund Martius; 1966/67; S. 362
7 Spix und Martius; 1966/67; S. 372
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Arbeit zitieren:
Corinna Lang, 1999, Die Darstellung der Indianer Brasiliens von Johann Baptist Spix und Carl Friedrich Phillip von Martius, München, GRIN Verlag GmbH
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