Inhaltsverzeichnis
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Seite
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen IV
Abk ürzungsverzeichnis. V
1 Einführung. 1
2 Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) 4
2.1 Begriffsklärung. 4
2.2 Abgrenzung von Großunternehmen 5
2.2.1 Quantitative Kriterien. 5
2.2.2 Qualitative Kriterien 8
2.3 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung von KM.U 11
2.4 Besondere Situation der KMU in der betrieblichen Bildung 12
3 E-Learning. 15
3.1 Der Begriff des E-Learning 15
3.2 Verbreitung von E-Learning in deutschen Unternehmen. 17
3.3 Inhalte von E-Learning 21
3.4 Vorteile von E-Learning 24
3.5 Voraussetzungen für funktionierendes E-Learning. 27
3.5.1 Voraussetzungen in der Person des Lerners 27
3.5.2 Voraussetzungen im Umfeld des Lerners 28
3.5.3 Voraussetzungen im Unternehmen 29
4 Ausprägungsformen von E-Learning 32
4.1 Computer Based Training (CBT) 32
4.1.1 Begriffsklärung 33
4.1.2 Einsatzmöglichkeiten von CBT. 34
4.1.3 Bedeutung für kleine und mittlere Unternehmen 35
4.2 Web Based Training (WBT) 36
4.2.1 Begriffsklärung 36
4.2.2 Einsatzmöglichkeiten von WBT 36
4.2.3 Bedeutung für kleine und mittlere Unternehmen 38
II
Inhaltsverzeichnis
4.3 Virtuelle Seminare 39
4.3.1 Begriffsklärung 39
4.3.2 Einsatzmöglichkeiten von Virtuellen Seminaren 40
4.3.3 Bedeutung für kleine und mittlere Unternehmen 41
4.4 Lernplattformen und Lernportale 42
4.4.1 Begriffsklärung 42
4.4.2 Einsatzmöglichkeiten von Lernplattformen und Lernportalen. 43
4.4.3 Bedeutung für kleine und mittlere Unternehmen 44
4.5 Sonderform: Blended Learning. 45
4.5.1 Begriffsklärung 46
4.5.2 Ablauf 48
4.5.3 Vorteile von Präsenzphasen 49
4.5.4 Bedeutung für kleine und mittlere Unternehmen 50
4.6 Zusammenfassender Vergleich der E-Learning-Konzepte 51
5 Ausgestaltungsmöglichkeiten von E-Learning 53
5.1 Eigenständiges E-Learning. 53
5.2 E-Learning in Kooperation mit Externen 56
5.2.1 Zukauf von Programmen. 57
5.2.2 Nutzung der Angebote von Kammern 58
5.2.3 Kooperation mit anderen Unternehmen 61
5.3 Anwendung von E-Learning in der Praxis 63
6 Fazit und Ausblick 68
Literatur - und Quellenverzeichnis 71
III
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Anteil des E-Learning Budgets am Gesamtbudget für Weiterbildung 17
Abb. 2: E-Learning Nutzer nach Betriebsgröße 18
Abb. 3: Einsatz von E-Learning in kleinen und mittleren Unternehmen. 19
Abb. 4: Probleme bei der Einführung von E-Learning 20
Abb. 5: Weiterbildungsthemen im E-Learning Angebot 21
Abb. 6: Einsatzfelder von E-Learning in kleinen und mittleren Unternehmen. 22
Abb. 7: Startseite des Lernstudios im AzubiN twork 64
Abb. 8: Darstellung einer Lerneinheit im Mindmap-Diagramm 65
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Umschreibung der Größenklassen nach § 267 HGB. 6
Tab. 2: Mittelstandsdefinition des IfM Bonn 6
Tab. 3: KMU-Schwellenwerte der EU seit 01.01.2005. 7
Tab. 4: Typische Merkmale von KMU im Vergleich zum Großunternehmen 9
Tab. 5: Anteil mittelständischer Unternehmen an der Gesamtwirtschaft 11
Tab. 6: Teilnahmequoten der Mitarbeiter an Lehrveranstaltungen 13
Tab. 7: Vergleich der E-Learning-Konzepte. 51
Tab 8: Kostenvergleich traditionelles Seminar und zwei E-Learning-Varianten 55
Abkürzungsverzeichnis
ARIEL Analysing and Reporting on the Implementation of Electronic Learning in Europe ASP Application Service Provider ASTD American Society for Training and Development bbw Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft bfz Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft BiBB Bundesinstitut für Berufsbildung BMWA Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit CAI Computer Assisted Instruction CBE Computer Based Education CBT Computer Based Training CDAX Composite Dax CD-ROM Compact Disc Read Only Memory (Nur-Lese-Speicher auf CD) CGU Computer Gestützter Unterricht CMI Computer Managed Instruction CUL Computerunterstütztes Lernen CUU Computerunterstützer Unterricht DGFP Deutsche Gesellschaft für Personalführung DSL Digital Subscriber Line (Breitbandzugang zum Internet) DVD Digital Versatile Disc (optisches Speichermedium) EDV Elektronische Datenverarbeitung EU Europäische Union EXPLAIN Expertengestütztes Toolset zur entwicklungsbegleitenden Erstellung von Trainingsmethoden im Product Life Cycle in Industrieunternehmen FAQ Frequently Asked Questions (Sammlung häufig gestellter Fragen) GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts HGB Handelsgesetzbuch i. d. F. in der Fassung IfM Institut für Mittelstandsforschung IHK Industrie- und Handelskammer ISDN Integrated Services Digital Network (digitaler Internetzugang) IT Informationstechnologie
V
KMU Kleine und mittlere Unternehmen LMS Learning Management System MA Mitarbeiter MMB Michel Medienforschung und Beratung NRW Nordrhein-Westfalen PC Personal Computer PDF Portable Document Format (Dateiformat) PE Personalentwicklung RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft RUL Rechnerunterstütztes Lernen SFS Sozialforschungsstelle TN Teilnehmer WBT Web Based Training WWW World Wide Web ZWH Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk zzgl. zuzüglich
VI
1 Einführung
Der Druck der wirtschaftlichen Globalisierung zwingt heute jedes Unternehmen dazu, sich flexibel und schnellstmöglich allen Veränderungen anzupassen. Voraussetzung dafür ist, dass alle Mitarbeiter lernbereit sind und Neuem offen gegenüber stehen. Das Lernen wird daher zum zukunftsbestimmenden Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden aufgrund ihrer herausragenden gesamtwirtschaftlichen Bedeutung auch als die Stütze der deutschen Wirtschaft bezeichnet. Gerade für KMU ist eine schnelle Anpassung der Qualifikation ihrer Mitarbeiter an die sich ändernden Anforderungen überlebenswichtig, um sich gegen die Großunternehmen zu behaupten. Nicht eindeutig geklärt ist allerdings, wo die Grenze zwischen einem kleinen, einem mittleren und einem großen Unternehmen gezogen werden kann.
Im folgenden Kapitel dieser Diplomarbeit wird daher zunächst nach einer Definition für kleine und mittlere Unternehmen gesucht. Anhand quantitativen Kriterien wie bspw. der Betriebsgröße und qualitativen Merkmalen wie z. B. die starke Verflechtung zwischen Unternehmen und Unternehmer werden KMU von Großunternehmen abgegrenzt. Anschließend wird die Bedeutung der KMU für die deutsche Wirtschaft herausgestellt. Im Mittelstand sind in der beruflichen Bildung ganz andere Faktoren ausschlaggebend als in Großunternehmen. Die besondere Situation der KMU in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung wird daher kurz dargestellt.
Wir leben heute in einer Informationsgesellschaft, in der sich das Wissen der Menschheit etwa alle drei Jahre verdoppelt. Dieser Umstand führt dazu, dass das einmal in Schule, Ausbildung oder Hochschule erworbene Wissen für die Bewältigung der zukünftigen Aufgaben bei weitem nicht mehr ausreicht. Die Mitarbeiter müssen sich neues Wissen buchstäblich in der Sekunde aneignen, in der sie es benötigen, um mit einer solchen Wissensexplosion Schritt zu halten. Das geforderte lebenslange Lernen ist somit längst zur Realität geworden.
1
Um dem Anspruch einer solchen just-in-time-Weiterbildung gerecht zu werden, scheint E-Learning eine einfache, schnelle, multimediale und unterhaltende Wissensvermittlung zu versprechen. Das Lernen mit elektronischen Medien soll jederzeit und an jedem beliebigen Ort durchführbar sein. Erfolgversprechend ist auch die Nutzung des Internets im Rahmen der Weiterbildung, da die hier eingestellten Informationen allen Menschen zugänglich und schnell aktualisierbar sind. Trotzdem hat sich E-Learning in der Weiterbildung bisher nicht flächendeckend durchsetzen können.
Im dritten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird E-Learning diskutiert. Zunächst wird der Begriff näher erläutert und anschließend die heutige Stellung in deutschen Unternehmen dargestellt. In KMU ist E-Learning noch lange nicht so stark vertreten wie in Großunternehmen. Auch sind nicht alle Lerninhalte gleichermaßen für die Vermittlung durch elektronisch gestützte Weiterbildung geeignet. Die Vorteile eines orts- und zeitunabhängigen, selbstgesteuerten Lernens sind für den Mitarbeiter und den Betrieb bei der Durchführung von E-Learning nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem sind für erfolgreiches E-Learning vielfältige Voraussetzungen sowohl in der Person des Lernenden als auch in dessen (Arbeits-) Umgebung nötig. Im Unternehmen müssen ebenfalls Rahmenbedingungen für das Lernen mit elektronischen Medien geschaffen werden. Sind diese Voraussetzungen nicht oder nur teilweise erfüllt, können Schwierigkeiten auftreten. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen entscheiden diese Kriterien über den Erfolg, aber auch über den Misserfolg elektronischer Weiterbildung.
Die Wissensvermittlung bei elektronisch gestützter Weiterbildung kann in verschiedenen Formen stattfinden, die im vierten Abschnitt vorgestellt werden. Es ist möglich, E-Learning ausschließlich über ein Lernprogramm auf CD-ROM oder DVD als sogenanntes Computer Based Training durchzuführen. Der Trend geht jedoch immer mehr in Richtung netzgestützte Weiterbildung, auch Web Based Training genannt. Virtuelle Seminare hingegen verzichten auf den Vorteil der Zeitunabhängigkeit, den E-Learning sonst bietet. Hier findet das Lernen zu einem bestimmten vorgegebenen Zeitpunkt statt. Lernplattformen und Lernportale sind eine Variante des E-Learning mit vielen unterschiedlichen, an einem Ort gebündelten elektronischen Weiterbildungsmaßnahmen. Die vorgestellten Ausprägungsformen von E-Learning sind in unterschiedlicher Weise für den Einsatz in KMU geeignet.
2
Ein Nachteil von E-Learning ist der fehlende persönliche Kontakt zwischen den Teilnehmern untereinander und zwischen Teilnehmer und Dozent. Abhilfe kann durch Präsenzveranstaltungen, bei denen sowohl der Lehrer als auch die Lerner gleichzeitig körperlich anwesend sind, als Ergänzung zum Selbststudium am Computer geschaffen werden. Die Mischung dieser beiden Lernformen wird mit dem Begriff „Blended Learning“ beschrieben.
Im fünften Kapitel werden mögliche Wege und Ausgestaltungsformen für KMU gezeigt, E-Learning im Unternehmen einzuführen. Zum einen ist es möglich, selbst eine eigenständige E-Learning-Anwendung zu entwickeln. Zum anderen gibt es heute einen großen Markt an externen Anbietern. Der Zukauf von Programmen zu unterschiedlichsten Themen stellt dabei eine Alternative dar. Kammern und Verbände bieten ebenfalls ein breit gefächertes Angebot an Online-Kursen, die teilweise mit Präsenzphasen gekoppelt sind. Eine dritte Variante ist die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen im Bereich der Personalentwicklung. Die dadurch entstehenden Synergieeffekte führen nicht zuletzt zu einer Kosteneinsparung. Für manches KMU lohnt sich daher die Überlegung, in einem Verbund mit anderen Unternehmen zu kooperieren.
Abschließend wird ein mittelständisches Unternehmen vorgestellt, das E-Learning im Bereich der kaufmännischen Ausbildung erfolgreich einsetzt. Die Auszubildenden dieser Firma nutzen bereits seit drei Jahren das AzubiN@twork der Industrie- und Handelskammer Ulm. Eine Ausweitung der E-Learning-Nutzung ist aufgrund der erfolgreichen Anwendung noch geplant.
3
2 Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Im ersten Kapitel wird geklärt, was unter dem Begriff Kleine und mittlere Unternehmen zu verstehen ist. Zur besseren Erläuterung werden kleine und mittlere Unternehmen von Großunternehmen abgegrenzt. Die Unterscheidung der Betriebsgröße lässt sich jedoch nicht allein an quantitativen Kriterien festmachen. Vielmehr müssen zu einer korrekten und vollständigen Abgrenzung auch qualitative Kriterien herangezogen werden. Trotzdem werden KMU in den meisten Fällen anhand leicht messbarer Daten wie der Betriebsgröße definiert. Die große Bedeutung der KMU für die Gesamtwirtschaft in Deutschland wird im dritten Teil dieses Kapitels herausgestellt. Der letzte Abschnitt skizziert kurz die besondere Situation der betrieblichen Bildung in mittelständischen Unternehmen.
2.1 Begriffsklärung
Betriebe werden oftmals anhand ihrer Größe in Klein-, Mittel- und Großbetriebe unterschieden. 1 Die Größe eines Betriebes wird dabei näher bestimmt als „Ausmaß seiner effektiven oder potentiellen wirtschaftlichen Tätigkeit.“ 2 Dabei werden Merkmale wie Zahl der Mitarbeiter, Umsatz oder Gewinn pro Jahr oder ähnliches berücksichtigt. Jedoch bleibt der Aussagegehalt ohne Angabe eines Maßstabs gering, da es sich bei dieser Gruppierung um relative Größen handelt. 3
Für den Begriff Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können in der Literatur zahlreiche Auslegungen gefunden werden. Auch bestehen teilweise Überschneidungen zwischen den Begriffen Klein- und Mittelbetrieb, Familienbetrieb, mittelständischer Betrieb und Gewerbebetrieb. 4 Ebenso ist mit dem Begriff KMU eine Vielzahl von gänzlich unterschiedlichen Unternehmen aus allen Branchen gemeint. Sie können unter dem Sammelbegriff Mittelstand 5 zusammengefasst werden, der als German Mittelstand auch in der englischen Sprache verwendet wird. 6
1 Vgl. Pfohl, H.-Chr. (1997), S. 3f.
2 Pfohl, H.-Chr. (1997), S. 3.
3 Vgl. Mugler, J. (1998), S. 18 f.
4 Vgl. Mugler, J. (1998), S. 21.
5 Anm.: in dieser Arbeit werden die Begriffe kleine und mittlere Unternehmen, Mittelstand, Klein- und
Mittelbetrieb synonym verwendet.
6 Vgl. Kocian, C. (1999), S. 11.
4
2.2 Abgrenzung von Großunternehmen
Ein Betrieb kann erst dann eindeutig einer Klasse zugeordnet werden, wenn zuvor die Unterscheidungskriterien nach oben zu den Großunternehmen zweifelsfrei festgelegt wurden. 1 Jedes Unternehmen ist daher nur in Relation zu anderen Unternehmen einer bestimmten Größe zuzuordnen.
Ludwig Erhard sprach bereits 1955 in einer Rede auf der Arbeitstagung der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e. V. von der notwendigen dualen Sichtweise bei der Definition des deutschen Mittelstandes:
„Wenn wir Mittelstand nur vom Materiellen her begreifen, wenn man Mittelstand sozusagen nur an der Steuertabelle ablesen kann ..., dann ist dem Mittelstandsbegriff meiner Ansicht nach eine sehr gefährliche Deutung gegeben. Der Mittelstand kann materiell in seiner Bedeutung nicht voll ausgewogen werden, sondern er ist ... viel stärker ausgeprägt durch eine Gesinnung und eine Haltung im
gesellschaftswirtschaftlichen und politischen Prozess.“ 2
Das alleinige Heranziehen von quantitativen Faktoren wie beispielsweise Zahl der Mitarbeiter, Umsatzerlöse pro Jahr oder die Bilanzsumme ist daher für eine Einteilung in Unternehmensklassen nicht ausreichend. Wie Ludwig Erhard bereits bemerkte, müssen zur korrekten Abgrenzung kleiner und mittlerer Unternehmen auch qualitative Merkmale berücksichtigt werden.
2.2.1 Quantitative Kriterien
Als ein erster Anhaltspunkt zur Aufteilung von Kapitalgesellschaften in unterschiedliche Größenklassen kann das Handelsgesetzbuch (HGB) verwendet werden. Laut § 267 HGB 3 werden die drei Kriterien Bilanzsumme, Umsatzerlöse und Anzahl der Arbeitnehmer zur Bestimmung der Unternehmensgröße herangezogen, wobei jeweils zwei der drei nachstehenden Merkmale vorliegen müssen:
1 Vgl. Pfohl, H.-Chr. (1997) S. 3.
2 Erhard, L. (1956), S. 54.
3 Anm.: § 267 HGB i. d. F. des Gesetzes vom 10.12.2001.
5
Grundsätzlich ist der Begriff kleine und mittlere Unternehmen nicht an eine bestimmte Rechtsform gebunden. KMU können sowohl Kapital- als auch Personengesellschaften sein. 1
In Deutschland ist die von der Rechtsform unabhängige Definition des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) weit verbreitet. Hier werden mit der Zahl der Beschäftigten und dem Jahresumsatz nur zwei Merkmale zur Unterscheidung der Unternehmensgröße herangezogen. Nach den seit der Einführung des Euro (01.01.2002) vom IfM verwendeten Schwellenwerten werden alle Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von weniger als 50 Millionen Euro den kleinen und mittleren Unternehmen zugerechnet: 2
Quelle: Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, http://www.ifm-bonn.org,
zuletzt abgerufen am 16.11.2005.
1 Vgl. Henke, M. (2003), S. 15.
2 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, http://www.ifm-bonn.org, zuletzt abgerufen am 16.11.2005.
6
Strengere Maßstäbe setzt die Kommission der Europäischen Union (EU) an, die eine Empfehlung zur Definition kleiner und mittlerer Unternehmen herausgibt. Seit 01.01.2005 gelten neue Einstufungsregeln, die die Empfehlung der Europäischen Kommission von 1996 ersetzen. Dabei werden die Unternehmen je nach Zahl der Beschäftigten und Bilanzsumme oder Umsatz pro Jahr in Kleinst-, Klein-, Mittel- oder Großunternehmen eingeteilt: 1
Quelle: Eigene Darstellung nach Kommission der Europäischen Union, S. 39.
An KMU-Förderprogrammen der Europäischen Union können aufgrund der neuen Empfehlungen nur noch die Unternehmen teilnehmen, die tatsächlich die Eigenschaften für KMU nach dieser EU-Definition erfüllen. Ein zusätzliches Kriterium für die Aufnahme in die europäischen KMU-Förderprogramme ist die Unabhängigkeit eines Unternehmens, d. h. es darf in der Regel nicht zu mehr als 25 Prozent im Besitz eines oder mehrerer anderer Unternehmen sein. 2
Diese Empfehlung der Europäischen Kommission ist als Definition mittlerweile auch in Deutschland verbreitet, zumindest was die Zahl der Beschäftigten betrifft. 3 Sie dürfte auch in anderen EU-Mitgliedsländern zum Standard für die Abgrenzung von KMU und für Statistiken werden. 4
1 Vgl. Kommission der Europäischen Union (2003), S. 39.
2 Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (2002), S. 5.
3 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, http://www.ifm-bonn.org, zuletzt abgerufen am 16.11.2005.
4 Vgl. Mugler, J. (1998), S. 31.
7
2.2.2 Qualitative Kriterien
Die in dem Begriff KMU verwendeten Adjektive klein und mittel sind in erster Linie Bezeichnungen, die quantitative Aussagen über die Unternehmensgröße machen. Trotzdem werden oft auch qualitative Merkmale für Betriebsgrößengliederungen herangezogen. Von herausragende Bedeutung ist dabei die enge Verbindung von Betrieb und Eigentümer. Eine Verflechtung zwischen Unternehmen und Unternehmer zeigt sich typischerweise „in der Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko, d. h. der Einheit von wirtschaftlicher Existenz des Unternehmens und seiner Leitung, und in der verantwortlichen Mitwirkung der Leitung an allen unternehmenspolitisch relevanten Entscheidungen.“ 1
Eine auch qualitative Merkmale berücksichtigende mehrdimensionale Sichtweise ist für eine umfassende Abgrenzung kleiner und mittlerer Unternehmen vorteilhafter, da sie einen besseren Einblick in das Wesen der Betriebe bietet. 2 Untersucht werden beispielsweise Merkmale wie das Vorhandensein eines Eigentümer-Unternehmers, Besitzverhältnisse (Betrieb im Familienbesitz oder gestreuter Besitz), Führungsstil (z. B. autoritär, patriarchalisch, kooperativ oder demokratisch) und Organisationsstrukturtyp (Einliniensystem, Mehrliniensystem, Stabliniensystem, Matrixorganisation). 3
Eine solche Vorgehensweise hat jedoch auch einen Nachteil: die exakte Zuordnung eines Unternehmens in eine Größenklasse ist oft nicht möglich, weil ein einzelnes für einen Kleinbetrieb typisches Kriterium auch bei einem Großunternehmen vorliegen kann. Umgekehrt weisen manche Großunternehmen Merkmale auf, die eigentlich für einen Klein- oder Mittelbetrieb charakteristisch sind. 4
Pfohl listet eine Vielzahl von teils empirisch nachgewiesenen, teils als überzeugend angenommenen Merkmalen zur Charakterisierung der Betriebsgrößen auf. 5 Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auswahl der betriebsgrößenabhängigen Unterschiede des typischen Klein- und Mittelbetriebes in einer Gegenüberstellung zum typischen Großbetrieb.
1 Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn (2002), S. 3.
2 Vgl. Mugler, J. (1998), S. 19.
3 Vgl. Pfohl, H.-Chr. (1997), S. 5.
4 Vgl. Mugler, J. (1998), S. 19.
5 Vgl. Pfohl, H.-Chr. (1997), S. 19 ff.
8
Diese umfangreiche Aufzählung von KMU-spezifischen Abgrenzungskriterien verliert jedoch an Allgemeingültigkeit, je mehr Merkmale sie enthält. 1
In gleicher Weise sind die im folgenden genannten Eigenschaften zwar tendenziell für Klein- und Mittelbetriebe charakteristisch, jedoch gibt es auch Ausnahmen: 2
1) Der Betrieb wird durch die Persönlichkeit des Unternehmers geprägt, der oft sowohl Leiter als auch Eigentümer des Betriebes ist.
2) Der Unternehmer verfügt über ein persönlich geprägtes Netzwerk an Kontakten mit Kunden, Lieferanten und der für ihn relevanten Öffentlichkeit. 3) Der Betrieb erstellt Leistungen individuell nach den Wünschen der Kunden, besitzt jedoch nur ein schmales Sortiment und ist gering diversifiziert. 4) Die Unternehmenskultur ist geprägt durch den zwischen der Unternehmensleitung und den Mitarbeitern bestehenden engen und informellen Kontakt. 5) Die Aufbau- und Ablauforganisation ist gering formalisiert. 6) KMU sind in der Lage, unmittelbar auf neue Anforderungen und auf Veränderungen in der Unternehmensumwelt zu reagieren. 7) Der Betrieb wird nicht von größeren Unternehmen, z. B. im Rahmen eines Konzerns, beherrscht.
8) Klein- und Mittelbetriebe zeichnen sich durch einen geringen Marktanteil in großen Märkten oder durch eine starke Stellung in Nischenmärkten aus. 9) Der Betrieb konzentriert sich auf nationale Märkte.
Weithin zutreffend ist die KMU-typische Eigenschaft des inhabergeführten Unternehmens. Das Institut für Mittelstandsforschung schätzt den Anteil der Mittelständler, die gleichzeitig Inhaber - und damit Träger des vollen unternehmerischen Risikos - und Geschäftsführer des Unternehmens sind, auf 94,8 Prozent. 3
1 Vgl. Fueglistaller, U. (2004), S. 23.
2 Vgl. Mugler, J. (1998), S. 20 und Fueglistaller, U. (2004), S. 24.
3 Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (2002), S. 35.
10
2.3 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung von KMU
Kleine und mittlere Unternehmen werden oft als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet. Die folgenden Zahlen verdeutlichen, dass fast jedes Unternehmen zu den KMU gezählt werden kann. Wenn die Grenze bei 50 Millionen Euro Jahresumsatz gezogen wird, gehören genau 99,7 Prozent aller Unternehmen in Deutschland zu den KMU (vgl. Tab. 5). Zudem sind 70,2 Prozent der Erwerbstätigen in einem Klein- oder Mittelbetrieb beschäftigt. Mit 82 Prozent aller in Deutschland bestehenden Ausbildungsverhältnissen liegen KMU eindeutig vor den Großunternehmen. 1
Tab. 5: Anteil mittelständischer Unternehmen an der Gesamtwirtschaft
Quelle: Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, http://www.ifm-bonn.org
zuletzt abgerufen am 16.11.2005.
Diese Zahlen verdeutlichen auch die wirtschaftspolitische Bedeutung von kleinen und mittleren Unternehmen. So wird bspw. die Marktmacht auf viele Anbieter verteilt. Das fördert den Leistungswettbewerb und führt zu dem Druck, durch Innovationen am Markt zu bestehen. Da kleine Marktsegmente aufgrund des vergleichsweise schwachen Absatzes von Großunternehmen meist vernachlässigt werden, garantieren KMU die Versorgung von Marktnischen. Weiterhin wird durch KMU eine Risikostreuung erreicht. Durch die Verteilung struktureller und konjunktureller Risiken auf zahlreiche relativ unabhängige Betriebe gelingt es, regionale und konjunkturelle Schwankungen auszugleichen. Nicht zuletzt fördert die hohe Ausbildungsquote von kleinen und mittleren Unternehmen die Qualifikation der Bevölkerung. KMU spielen demnach eine wesentliche Rolle bei der Sicherung des Bildungsstands. 2
1
Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, http://www.ifm-bonn.org, zuletzt abgerufen am 16.11.2005.
2 Vgl. Wossidlo, P. (1993), S. 2895 f.
11
Arbeit zitieren:
Alexandra Kölbl, 2005, E-Learning in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), München, GRIN Verlag GmbH
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