Inhaltsverzeichnis
I. Teil 3
1.1 Einleitung 3
1.2 Zum Begriff der "Pfadabhängigkeit" 4
1.2.1 Wirtschafts- und technikgeschichtlicher Kontext 4
1.2.2 David und die "Economics of QWERTY" 4
1.3 Rezeption des Pfadabhängigkeitsbegriffes in der politischen Forschung 6
1.3.1 Pierson, North und Esping- Andersen 6
II. Teil 11
2.1 Pfadabhängigkeit in der Betrachtung der deutschen Sozialpolitik 11
2.1.2 Der deutsche "Sonderweg": historische Eckdaten 11
2.1.3 Die Bismarcksche Sozialgesetzgebung: Prägung eines
unab änderlichen Pfades ? 13
2.1.3.1 Entwicklungstendenzen deutscher Sozialpolitik 13
2.1.3.2 Der lange Pfad deutscher Alterssicherung 14
2.2 Schlußbetrachtung 18
III. Teil 20
3.1 Literatur 20
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I. Teil
1.1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept der "Pfadabhängigkeit" (engl. "path dependency") und zwar in einem spezifischen Kontext: unter Zuhilfenahme und Anwendung der path dependency-Konzeption werden in der wissenschaftlichen Forschung nicht nur genuin ökonomische - dem eigentlichen Herkunftsfeld der Konzeption - Sachverhalte diskutiert. Der Begriff wurde auch von der Politikwissenschaft "adaptiert" und in unterschiedlichen Politikforschungsfeldern angewandt.
Dabei soll die Darstellung des Gebrauches der path dependency-Konzeption für Politik-feldforschung weiter verengt werden: zu betrachten sind Entwicklung und Folgen der Bismarckschen Sozialgesetzgebung für die Handlungsträger der deutschen Sozialpolitik. Der Betrachtungszeitraum erstreckt sich von den Bismarckschen Gründungsjahren bis zur Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland.
Erkenntnisleitendes Motiv ist dabei die Frage nach der tatsächlichen Handlungsfreiheit späterer Politikgenerationen ob des eingeschlagenen Weges, der in den 1880er Jahren eingeschlagen wurde. Anders gesagt: inwiefern prädestinierten die vollzogenen Reformen die Auswahl der Handlungsoption späterer Politik-Akteure.
Inhaltlich ist die vorliegende Arbeit in zwei Abschnitte unterteilt. Zunächst soll der Begriff und das Konzept der "Pfadabhängigkeit" und dessen wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund und Kontext dargestellt werden. In einem weiteren Schritt soll aufgezeigt werden, auf welche Art und Weise der Begriff auch für die Politikwissenschaft nutzbar gemacht wurde und welche Verwendung er hier findet. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich schließlich mit der eingangs erwähnten Thematik, i.e. dem Gebrauch des Begriffes in der Betrachtung der deutschen Sozialpolitik.
Ziel der Arbeit ist es, die grundsätzliche Bedeutung von Pfadabhängigkeit zu illustrieren. Absicht dieses Motivs ist sicherlich, den Hintergrund aktueller Diskussionen um das Gerangel der Reform der Sozialversicherungssysteme verständlich zu machen und auf die "historische Komponente" der aktuellen Diskussion zu verweisen, die für die Behäbigkeit und Reformschwierigkeit des deutschen Sozialversicherungssystems sicherlich von Relevanz ist.
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1.2 Zum Begriff der "Pfadabhängigkeit"
1.2.1 Wirtschafts- und technikgeschichtlicher Kontext
1.2.2 David und die "Economics of QWERTY"
Sucht man den Ursprung des wissenschaftlichen Gebrauchs des hier zu behandelnden Begriffes stößt man schnell auf den mittlerweile als klassisch geltenden "Aufsatz" von Paul A. David (David: 1985). Seine Bekanntheit verdankt der Begriff demnach Davids "Interpretation der Entstehung und des Fortbestehens der im englischen Sprachraum verwendeten QWERTY Schreibmaschinentastatur, genannt nach den Buchstaben in der linken Hälfte der oberen Reihe der Tastatur" (Puffert: 2000, S. 1).
Auf herzlich unprätentiöse Art und Weise eröffnet David seinen Lesern die ihn leitende Ausgangsfrage: "why does the topmost row of letters on your personal computer keyboard spell out QWERTYUIOP, rather than something else ? We know that nothing in the engineering of computer terminals requires the awkward keyboard layout known today as "QWERTY" and we all are old enough to remember that QWERTY somehow has been handed down to us from the Age of Typewriters" (David: 1985, S. 332). Mit einem Blick in die Technikhistorie seines Landes zeigt David auf, auf welche Art und Weise sich gerade die QWERTY-Anordnung etablieren konnte: sie zeigte den höchsten Grad an Resistenz gegenüber einem mechanischen Grundproblem bei der Konstruktion der Anschlagsbolzen, die sich bei der ursprünglichen - alphabetischen - Anordnung während des Schreibprozesses beim Anschlag verhakten. Obschon in der Folgezeit die Mechanik der Schreibmaschinen verbessert, effizientere Tastaturen, die ein schnelles Schreiben ermöglichten (z.b. die sog. DSK-Tastatur, "Dvorak Simplified Keyboard") entwickelt und der Wettbewerb gesteigert wurden, konnte sich die QWERTY- Tastatur durchsetzen und zum de-facto-Standard werden. Neben den zufälligen historischen Ereignissen, die zu seiner Entstehung führten, sei dieser Vorsprung, so David, vor allem auch positiven Rückkoppelungseffekten zu verdanken (Puffert: 2000, S. 2), bsp. dem Faktum, dass Büroleiter präfentiell Schreibmaschinen erwarben, von denen sie sicher sein konnten, dass ihre Tastatur von den meisten Schreibkräften souverän genutzt werden konnten, gleichsam neu auszubildende Bürokräfte den Standard erlernten, der in den meisten Büros genutzt wurde (David: 1985, S. 335). In einer Theorie der "QWERTY-nomics" skizziert David drei Faktoren, die als gemeinsam auftretende Bedingungen Allokationsverfahren pfadabhängig machen können. Er nennt
4
"technical interrelatedness, economics of scale and quasi- irreversibility of investment" (ibd., S. 334).
Der technische Zusammenhang von Systemkomponenten lässt sich mit der Komplementarität zwischen Maschinenschreiben und Tastaturen veranschaulichen, das als Beispiel bereits angeführt wurde. Als steigender Skalenertrag kann der höhere Wert einer bestimmten Tastatur aufgrund höherem Marktanteil genannt werden und die Quasi-Irreversibilität der Investitionen meint das Aufkommen ungemein hoher und daher abschreckend wirkender Kosten, die, bezogen auf das Bsp. von QWERTY, mit dem Wechsel auf eine andere Tastatur angefallen wären.
An dieser Stelle sei ein Vorgriff auf die an späterer Stelle zu behandelnde Rezeption des Pfadabhängigkeitsbegriffes durch die Politikwissenschaft vollzogen, indem die Frage aufgeworfen wird, inwiefern sich die von David skizzierten, Pfadabhängigkeit produzierenden Bedingungen auf den Bereich der Politikfeldforschung übertragen lassen. Das Davids Konzeptualisierung der path dependency nicht ohne kritischen Widerhall geblieben ist, sei abschließend lediglich angemerkt, da einer expliziten Ausführung dieser fachwissenschaftsinternen Diskussion an dieser Stelle nicht nachgegangen werden kann. Verwiesen sei aber auf den Beitrag von Puffert, der die Thematik in nuce und Prägnanz ausführt (Puffert: 2000, S. 3), ebenso wie das Aufzeigen weiterer historischer Fälle von Pfadabhängigkeit, die verdeutlichen, auf welch vielseitige Weise dieses Konzept Anwendung findet. Neben dem eingangs ausgeführten Produktbeispiel der QWERTY- Tastatur, sind dies u.a. der Bereich der Kernenergie, die Analyse von Eisenbahnspurweiten oder auch die Betrachtung von Pfadabhängigkeit in der Wirtschaftsgeographie oder internationalem Handel (ibd., S. 6).
Nachdem die Herkunft des Begriffes der Pfadabhängigkeit aufgezeigt wurde, soll es im folgenden Kapitel darum gehen aufzuzeigen, inwiefern und welcherart die Rezeption des path dependency-Konzeptes in der politischen Forschung Widerhall gefunden hat. Die Veranschaulichung erfolgt unter Bezugnahme dreier Konzeptionen und ihrer jeweiligen Schwerpunktsetzung, namentlich zu nennen sind Paul Pierson, Douglass C. North und GØsta Esping-Andersen.
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1.3 Rezeption des Pfadabhängigkeitsbegriffes in der politischen Forschung
Eine Abkehr von der Anwendung der path dependency-Konzeption auf rein ökonomische Allokationsverfahren hin zu einer einfachen Übertragung auf die Betrachtung politischer Prozesse kann nicht 1:1 vollzogen werden, obwohl es nicht an Pfadabhängigkeitsdefinitionen mangelt, die in ihrer Unbestimmtheit eine solche erlauben würden (vgl. Pierson: 2000, S. 252). Es ist vielmehr das Bestehen einer gewissen Kontextgebundenheit von Einzelfaktoren (z.b. Faktor Zeit oder Ertrag), die dieses Unterfangen zumindest wissenschaftlich fragwürdig erscheinen lassen. In der Forschung wurden daher Versuche unternommen, Operationsparameter zu definieren, die eine fundierte Anwendung des Pfadabhängigkeitstheorems auf die Betrachtung politischer Prozesse gewährleisten können. Einen aktuellen Forschungsstand repräsentiert dabei die increasing returns-Konzeption von Pierson, auf die im folgenden eingegangen wird, ebenso wie auf die Betrachtung der Wandlungsfähigkeit von Institutionen, die Douglass C. North vorgenommen hat. Abschließend und in nuce soll darüber hinaus die Verwendung des Pfadabhängigkeitsbegriffes bei Esping-Andersen und seiner Betrachtung der "three worlds of welfare capitalism" dargestellt werden.
1.3.1 Pierson, North und Esping- Andersen
Beginnen möchte ich mit einer von Pierson referierten, theorisierenden Akkumulation von Merkmalen der Pfadabhängigkeit, die sich zu einer groben Veranschaulichung anbietet, zugleich aber auch verdeutlicht, dass es einer präzisierenden Definiton bedarf: "the notion of path dependence is generally used to support a few key claims: Specific patterns of timing and sequence matter; starting from similar conditions, a wide range of social outcomes may be possible; large consequences may result from relatively "small" or contingent events; particular courses of action, once introduced, can be virtually impossible to reverse; and consequently, political development is often punc tuated by critical moments of junctures that shape the basic contours of social life" (Pierson: 2000, S. 251). Die eingangs erwähnten Operationsparameter werden von Pierson mit der Fokussierung auf increasing returns als Ursache für Pfadabhängigkeit hergestellt. Um diese Sichtweise verständlich zu machen, soll kurz seine Konzeptualisierung der Dynamik von steigenden Erträgen aufgezeigt werden. Sie weist zwei Kernelemente auf, die für Pierson von zentraler Bedeutung für das Entstehen von Pfadabhängigkeit sind. Im Hinblick auf ihre Beachtung
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Arbeit zitieren:
Stefan Laszlo, 2003, Zum Begriff der Pfadabhängigkeit und seiner Rezeption in der Betrachtung der deutschen Sozialpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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