II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Der Mikropolitische Ansatz 2
2.1. Der Akteur. 2
2.2. Organisationale Macht (-beziehungen) 4
2.2.1. Machtbeziehungen und -strategien. 4
2.2.2. Machtquellen 7
2.3. Die Spielmetapher (Spiele und Strategien) 9
2.4. Struktur in Organisationen 11
2.4.1. Formal- und Verhaltensstruktur 11
2.4.2. Spielstruktur 12
3. Bezug zur Personalwirtschaftslehre 12
4. Fazit. 15
Literaturverzeichnis IIIII
Personal als strategisch handelnder Akteur (Mikropolitische Ansätze) 1
1. Einleitung
Die Personalwirtschaft ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich sowohl mit den Problemen der menschlichen Arbeit als auch mit den arbeitenden Menschen in Organisationen beschäftigt. Sie versucht im Hinblick auf angestrebte Ziele und Zwecke Gestaltungshilfen zu geben wie z.B. die Theorien aus der Organisations- und Verhaltenswissenschaft.
Der Ansatz der mikropolitischen Handlungs- und Organisationstheorie soll in dieser Arbeit vorgestellt werden.
Die Organisation versucht durch ihre Struktur das Verhalten ihrer Mitglieder so zu beeinflussen, dass es den Organisationszielen entspricht. Sie ist jedoch nicht in der Lage das Verhalten bis ins Detail zu bestimmen, denn das Verhalten ist nicht vorhersehbar. Durch Arbeitsverträge werden z.B. Rahmenbedingungen für Verhalten festgelegt. Daraus ergeben sich Handlungsspielräume, die die Akteure nach ihren Interessen nutzen können. Dieses strategische Verhalten von Organisationsmitgliedern wird in dem mikropolitischen Ansatz behandelt, dabei wird die Sicht des Akteurs eingenommen und dargestellt, warum Personal strategisch handelt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.
Bosetzky verbreitete in Deutschland als erster den Begriff der Mikropolitik. Nach seinen Ausführungen ist Mikropolitik „die Bemühungen, die systemeigenen materiellen und menschlichen Ressourcen zur Erreichung persönlicher Ziele, insbesondere des Aufstiegs im System selbst und in anderen Systemen, zu verwenden sowie zur Sicherung und Verbesserung der eigenen Existenzbedingungen.“ (Bosetzky 1972, 382; zitiert nach Ortmann 1992, 18)
Dabei ist darauf zu achten, dass dieser Ansatz von Bosetzky sich auf die Handlungsebene des Akteurs beschränkt. Der Ansatz, der in dieser Arbeit vorgestellt wird, verbindet die Handlungsebene mit der Systemebene bzw. der (mikro-) politischen Arena 1 .
„Wir möchten also den Begriff Mikropolitik als ein organisationstheoretisches Konzept verstanden wissen, das konsequent von der Perspektive interessensverfolgender Akteure
1 Der Ansatz von Bosetzky wird dem sog. aspektuellen Verständnis zugeordnet, bei dem der Akteur spezifische, isolierbare Handlungsweisen unterstellt werden. Der hier vorgestellt Ansatz von
Küpper/Ortmann wird dem sog. konzeptualen Verständnis zugeordnet und basiert auf den
organisationssoziologischen Ansatz von Crozier/Friedberg und der Strukturationstheorie von Giddens.
Personal als strategisch handelnder Akteur (Mikropolitische Ansätze) 2
ausgeht, um das Organisationsgeschehen als Gesamtheit von Struktur und Handlung verknüpfender Prozesse zu erklären.“ (Küpper, Felsch 2000, 152) Um das strategische Verhalten in Organisationen zu erklären, müssen die Organisationsmitglieder als Akteure verstanden werden. Diese Arbeit beginnt mit der Erläuterung des Begriffs Akteur im mikropolitischen Bezugrahmen. Darauf folgt eine Betrachtung des Machtbegriffes, als zentrale Dimension aller Handlungen und Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Akteuren 2 . Hier werden auch die verschiedenen Formen einer Machtbeziehung und die Strategien der Akteure vorgestellt. Die durch unterschiedliche Interessen und Strategien geleiteten Beziehungen führen zum Begriff der Spiele in Organisationen. Akteure treten innerhalb der Organisation in einer Art von Spiel gegeneinander an und versuchen ihre Machtbereiche zu verteidigen oder auszubauen. Ein weiterer wichtiger Bezugpunkt des mikropolitischen Ansatzes ist die Struktur in Organisationen. Die Dualität von Struktur (Giddens z.B. 1976: theory of structuration) wird von Küpper weiter differenziert in Formal-, Verhaltens- und Spielstruktur, die hier ebenfalls dargestellt werden sollen. Im Anschluss daran soll der Bezug zur Personalwirtschaft an Hand von Beispielen verdeutlicht werden. Als Abschluss der Arbeit folgt eine Zusammenfassung und kritische Betrachtung des Mikropolitischen Ansatzes
2. Der Mikropolitische Ansatz
2.1. Der Akteur
Der mikropolitische Ansatz stammt aus der Verhaltenswissenschaft und beschäftigt sich mit dem Verhalten von Menschen innerhalb von Organisationen. In Organisationen handeln Menschen und Kollektive, die im mikropolitischen Verständnis als Akteure bezeichnet werden. Ihr Verhalten in sozialen Situationen kann auf einen Sinn oder eine bestimmte Orientierung an einem, von ihnen gedeuteten Bezugrahmen zurückgeführt werden (Haunschild 1998, 111). Diese Sichtweise bedeutet nicht zwangsweise eine reine Betrachtung des Akteurs anhand seiner Sinnzuschreibung. Das Handeln selbst steht im Mittelpunkt der Betrachtung.
2 Diese Annahmen gehen zurück auf die von Crozier und Friedberg entwickelte Strategische Organisationsanalyse (1979), die versucht, das Handeln des Akteurs auf seine begrenzte rationale
Informationsbasis zu begründen und erklärbar zu machen.
Personal als strategisch handelnder Akteur (Mikropolitische Ansätze) 3
Die Akteure können in der mikropolitischen Betrachtung wie folgt charakterisiert werden (ebd., 116):
• Akteure sind Nutzenmaximierer und handeln im Sinne der Bedürfnisbefriedigung nach ihren eigenen Interessen.
• Das Handeln der Akteure ist immer kontingent, d.h., das Handeln ist durch den organisationalen Zusammenhang gekennzeichnet, zudem aber auch stets autonom bestimmt. Dabei ist das Handeln niemals frei von äußeren Einflüssen wie z.B. organisationalen Regeln, Strukturen oder gesellschaftlichen Normvorstellungen
• Akteure haben eine subjektiv begrenzte Rationalität. Die subjektive Einschränkung bedeutet, dass die Wahl der Handlungsalternative von den Fähigkeiten des Akteurs abhängt, die Handlungsmöglichkeiten und Situationen wahrzunehmen und zu nutzen (ebd., 114).
• Die Akteure besitzen ein „Alltagsverständnis“ als Wissen über zu erwartende Eigenschaften kompetenter Akteure und verschiedener Situationen.
• Akteure haben bestimmte Handlungskompetenzen wie z.B. die Fähigkeit, das eigene Handeln zu steuern und routinemäßig zu kontrollieren. Dazu gehören auch kommunikative Kompetenz, Kooperation und Konkurrenzfähigkeit. In Organisationen handeln Akteure nach ihren Präferenzen und Bedürfnissen und sind dabei auch in der Lage zu verstehen, warum sie so handeln. Das Handeln eines Akteurs ist immer die Wahl zwischen mindestens zwei Handlungsalternativen 3 , die ihnen gleichzeitig einen Freiraum für Handlungen in der Organisation einräumt (Crozier, Friedberg 1979, 28). Dabei ist die Auswahl der Handlung abhängig von den Fähigkeiten, die Handlungsmöglichkeiten oder Gelegenheiten wahrzunehmen und zu nutzen (subjektiv begrenzte Rationalität). Die Handlungsfreiräume und das interessengeleitete Handeln sind die Basis für individuelles strategisches Verhalten. Ein solches strategisches Verhalten entsteht aus der gemeinsamen Bewältigung von Aufgaben im Hinblick auf einen Wettbewerb um knappe Ressourcen - die im Besitz eines anderen Akteurs sind (Felsch 1996, 21 f.). Es besteht ein Interesse an der Aufnahme und Fortführung solcher Beziehungen, die als Machtbeziehungen bezeichnet werden können, wenn das Interesse an den Ressourcen dazu führt, das ein Akteur sein
3 Der Akteur muss sich zumindest zwischen den Alternativen Handlung ausführen und Handlung nicht ausführen entscheiden können.
Personal als strategisch handelnder Akteur (Mikropolitische Ansätze) 4
Verhalten verändert, bzw. der Besitzer der Ressourcen gezielte Verhaltensweisen bei anderen Akteuren hervorrufen kann. Auf den Machtbegriff und die Machtbeziehungen wird im nächsten Abschnitt genauer eingegangen.
2.2. Organisationale Macht (-beziehungen)
Grundlegend für das moderne Verständnis des Machtbegriffs ist die Definition von Max Weber: „...jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Max Weber 1972, 38).
Macht ist im mikropolitischen Verständnis keine Eigenschaft eines Akteurs, sondern vielmehr ein Phänomen zwischenmenschlicher Beziehungen (Friedberg 1992, 41). Küpper und Felsch (2000, 21) „Macht als theoretisches und soziales Konstrukt soll diejenige Dimension sozialer Beziehungen kennzeichnen, die - als gemeinsames Deutungsmuster der beteiligten Akteure - derartige interessenorientierte und gegenseitig aufeinander bezogene Verhaltenseigenschaften konstituiert.“ Macht beinhaltet demnach die Möglichkeit, auf andere Individuen und Gruppen einzuwirken, also andere zu erwünschten Verhaltensweisen bringen zu können. Ein Akteur muss, um seine Interessen zu verwirklichen, Macht erlangen, zumindest solange diese Interessenverwirklichung nicht von ihm alleine abhängt. Dabei geht es auch um die Kontrolle von sogenannten Ungewissheitszonen. Die Möglichkeit stets auch anders Handeln zu können, beruhend auf der oben erwähnten Kontingenz des Handelns, lässt bei den anderen Akteuren eine Ungewissheitszone entstehen. Crozier und Friedberg (1993, 43) definieren Macht als Kontrolle relevanter Ungewissheitszonen. Dabei müssen diese Ungewissheitszonen nach ihrem Verständnis „relevant“ sein, dass heißt, sowohl in bezug auf das Problem als auch hinsichtlich der Interessen der Akteure
2.2.1. Machtbeziehungen und -strategien
Macht ist wie oben beschrieben eine Beziehung zwischen mindestens zwei Akteuren. Dabei wird Macht zu einer instrumentellen Beziehung, indem sie ein konkretes Ziel verfolgt. Zum anderen ist Macht aber auch eine nicht transitive Beziehung. Das bedeutet, wenn ein Akteur A „Macht“ über B hat, welcher Einfluss auf einen dritten C hat, hat A nicht zwingend auch Einfluss auf die Handlungen des C (Crozier, Friedberg 1993, 40; Friedberg 1992, 41). Macht hat dabei den Charakter einer Austausch- und
Arbeit zitieren:
Kay Rebmann, 2004, Personal als strategisch handelnde Akteure, München, GRIN Verlag GmbH
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