Ablauf der Geschäftsprozessmodellierung im Vergleich von ARIS und PACE hinsichtlich deren Unterstützung
Inhaltsverzeichnis
1 David gegen Goliath 1
1.1 Geschäftsprozesse 2
1.1.1 Geschäftsprozessmodellierung 2
1.1.2 Modellierungssprachen 3
1.1.3 Objektorientierte Modellierung 3
1.2 Workflow-Management 4
2 ARIS 4
2.1 Modellierungsprinzipien in ARIS 5
2.1.1 Grundsätze ordnungsmäßiger Modellierung 5
2.1.2 Modellierungsebenen 6
2.2 Sichtenmodell 6
2.2.1 Funktionssicht 7
2.2.2 Organisationssicht 7
2.2.3 Datensicht 7
2.2.4 Leistungssicht 8
2.2.5 Steuerungssicht 8
2.3 Phasenmodell 8
2.4 Das ARIS-Toolset 9
2.5 EPK 10
3 PACE 12
3.1 Petri-Netze 12
3.1.1 Klassische Petri-Netze 13
3.1.2 Modifiziertes Petri-Netz in PACE 14
3.2 MSL Smalltalk 80 15
3.3 Dynamische Simulation 15
3.4 Beispiel zur Modellierung in PACE 16
4 Gegenüberstellung der beiden Ansätze 21
4.1 Umfang und Möglichkeiten 22
4.2 Simulationsfähigkeit 23
Quellenverzeichnis 24
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1 David gegen Goliath
Der Wettkampf zwischen David und Goliath ist eine der bekanntesten Geschichten der Menschheit. Schon bei dem biblischen Original unterlagen viele dem Vorurteil, dass Größe und Stärke auch gleichzeitig zu einem Vorteil gegenüber dem kleineren und vermeintlich schwächeren Kontrahenten verhelfen. Der Schein kann jedoch manchmal trügen. In dieser Arbeit werden zwei Unternehmen und deren Softwarelösungen zur Geschäftsprozessmodellierung gegenüber gestellt, bei denen man abermals auf eine Abwandlung dieses historischen Konflikts stößt. Auf der einen Seite steht der Marktführer, die Prof. Scheer AG und ihr ARIS-Toolset. Vom heutigen Aufsichtsratchef Professor A.-W. Scheer in Saarbrücken wurde sie gegründet und ist mit ca. 2400 Mitarbeitern zu einem überaus ansehnlichen Unternehmen herangereift und wird im TEC-DAX an der deutschen Börse gehandelt. Im Jahr 2004 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von über 280 Millionen Euro, zählt derzeit in Deutschland zu den TOP 10 IT-Dienstleistungsunternehmen und betreibt auch im Ausland zahlreiche Tochtergesellschaften [o.V.05a]. Das ARIS-Konzept wird an Universitäten und Fachhochschulen gelehrt und gehört zum Standardrepertoire eines guten Wirtschaftsinformatikers. Als Kernaufgabe sieht die IDS Scheer AG die Optimierung und die Gestaltung von Geschäftsprozessen sowie den Vertrieb des damit in direkter Verbindung stehenden Softwarewerkzeugs, dem ARIS-Toolset, welches in über 90% aller DAX-Unternehmen und auch in zahlreichen anderen Großbetrieben eingesetzt wird [BULL01, S. 140–149]. Auf der anderen Seite steht PACE, ein Produkt der IBE Simulation Engineering GmbH, unter der Leitung von Dr. Bernd Eichenauer. Dabei handelt es sich um ein wesentlich kleineres Unternehmen, deren Softwarelösung nicht so weit verbreitet ist wie das ARIS-Toolset, auch wenn sie in einigen größeren Firmen und renommierten Hochschulen weltweit zum Einsatz kommt. Aber muss dies auch gleichzeitig heißen, dass PACE dem größeren Konkurrenzprodukt unterlegen ist? Mit dieser Frage wird sich diese Arbeit beschäftigen. Bevor jedoch auf die Softwaretools im Detail eingegangen wird, werden einige allgemeine Betrachtungsgegenstände untersucht und definiert.
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1.1 Geschäftsprozesse
Ein Prozess ist eine Aneinanderreihung von Vorgängen, welche einen Input in einen Output transformieren. Dies kann auch über mehrere Stufen geschehen. Ein wichtiger Aspekt bei der Betrachtung von Prozessen ist der Wiederholungsgrad. Wird ein Prozess nur einmal durchlaufen, so spricht man häufig auch von einem Projekt. Betrachtet man Prozesse nun unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten, so handelt es sich um Geschäftsprozesse. Diese zeichnen sich ferner dadurch aus, dass sie auch zur Wertschöpfung des Unternehmens beitragen [SCHM02, S. 1-11]. Man kann den Begriff jedoch auch in Anlehnung an das Business Process Reengineering betrachten. In diesem Fall sind Geschäftsprozesse als Kernprozesse anzusehen, die das Leistungsspektrum eines Unternehmens darstellen und für den Kunden einen Wert generieren [HAMM95, S. 47-53]. Egal welche der angebotenen Definitionen zur Erklärung des Begriffes Geschäftsprozess herangezogen wird, es handelt sich dabei stets um wichtige innerbetriebliche oder unternehmensübergreifende Abläufe, deren Betrachtung und Analyse von großer Bedeutung sein können.
1.1.1 Geschäftsprozessmodellierung Die Modellierung von Geschäftsprozessen hat seinen Ursprung in den späten achtziger Jahren, als durch die zunehmende Öffnung der Märkte und der damit verbundenen Globalisierung eine Änderung der Organisationsstrukturen innerhalb vieler Unternehmen unerlässlich wurde [DAVE01, S. 1]. Hierdurch wurde es, im Zuge des Business Process Reengineering, immer wichtiger die etablierten Geschäftsprozesse zu verstehen und sie zu diesem Zweck im Vorfeld der geplanten Reorganisation zu modellieren, um letztendlich die wichtigsten Aspekte und Verbesserungspotentiale durch Soll-Geschäftsprozessmodelle herauszufiltern. Darüber hinaus veränderte sich die Funktion der Geschäftsprozessmodellierung von diesem Zeitpunkt an gravierend. Ursprünglich stellte diese ausschließlich eine Verbindung zwischen der Betriebswirtschaftslehre und der Informationstechnik dar, wobei man die Bedeutung dieser Schnittstelle nicht verkennen darf. Nun verwendet man die Geschäftsprozessmodellierung allerdings auch für rein betriebs-wirtschaftliche Aufgabenfelder, wie Prozesskostenrechnung oder Qualitätsmanagement [SCHE98a, S. 1]. Daneben ermöglicht die Geschäftsprozessmodellierung eine frühzeitige Aufdeckung von Schwachstellen und redundanten Abläufen. Dazu müssen dem Anwender sämtliche Vorgänge des Prozessmanagements graphisch und verbal verständlich gemacht werden. Da Hauptseminar Wirtschaftsinformatik
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man mit der natürlichen Sprache schnell auf das Problem einer gewissen Unschärfe stößt und rein mathematische Formeln zwar sehr eindeutig definieren, aber nicht immer ausreichen, um jegliche Problemstellungen zu modellieren, setzten sich semi-formale graphische Darstellungsformen durch. Um diese abzubilden benötigt man Beschreibungssprachen.
1.1.2 Modellierungssprachen Bei der Entwicklung der Modellierungssprachen ergaben sich eine Menge verschiedener Ansätze. Dazu gehören unter anderem Flussdiagramme in Form von Struktogrammen oder Datenflussplänen, Netzpläne, das Vorgangskettendiagramm, die auf mathematischen Modellen basierenden Petri-Netze, die ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) sowie objektorientierte Modellierungsmethoden [SCHE05]. Auf Petri-Netze und die ereignisgesteuerte Prozesskette wird im Verlauf dieser Arbeit noch näher eingegangen werden. Das Herzstück dieser beiden Ansätze bilden gerichtete Graphen, welche sich dadurch auszeichnen, dass sie immer aus einer bestimmten Menge von Knoten und Pfeilen bestehen, die im Gegensatz zu nicht gerichteten Graphen auch die Richtung der Einflussnahme anzeigen. Die Pfeile verbinden die Knoten miteinander und bilden somit Pfade. Mittels der Knoten und Pfeile werden Trans-formationen und ihre Synchronisation dargestellt. Hierbei gibt es allerdings keine klare Zuweisung. Bei der knotenorientierten Darstellung werden Knoten dazu benutzt Transformationen zu symbolisieren und die Pfeile repräsentieren Synchronisationen. Im Falle der pfeilorientierten Repräsentation ist dies genau umgekehrt. Eine generelle Aussage darüber, welcher Ansatz der sinnvollere ist, lässt sich nicht treffen, sondern muss von Fall zu Fall individuell überprüft werden [SCHN02 S. 22].
1.1.3 Objektorientierte Modellierung Mittlerweile hat sich ein allgemeiner Trend zur objektorientierten Modellierung abgezeichnet und es wird versucht die prozessorientierte Modellierung dadurch teilweise zu ersetzen. In diesem Zusammenhang ist besonders die Unified Modeling Language (UML) zu erwähnen. Der vollkommene Ersatz der prozessorientierten Modellierung ist jedoch nicht immer sinnvoll, was sich vor allem bei der Erstellung eines relativ einfach gehaltenen Modells erkennen lässt. Während die prozess-orientierte Sichtweise selbst für Nicht-Fachpersonal verständlich ist, besonders aufgrund der
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Fähigkeit zur Simulation, stößt man bei der UML-Variante, durch die abstrahierte Zerlegung kompletter Prozesse in einzelne Objekte, häufig auf Verständnisprobleme. Aus diesem Grund wird die prozessorientierte Modellierung wohl nicht so schnell vollkommen zu ersetzen sein [EICH00a]. Es gibt jedoch Ansätze die prozessorientierte und die objektorientierte Modellierung zu verknüpfen, indem sich die jeweiligen Geschäftsprozesse nach den Anforderungen der Objektorientierung richten und dadurch die Modelle ineinander übergehen lassen. Ein Ansatz dazu ist beispielsweise die objektorientierte Variante der ereignisgesteuerten Prozesskette (oEPK). Auf das Prinzip der EPK wird später noch eingegangen werden.
1.2 Workflow-Management
Begriffe, denen man im Zusammenhang mit Geschäftsprozessen sehr häufig begegnet, sind der Workflow oder auch das Workflow-Management. Eine Abgrenzung des teilweise in der Literatur als Synonym für Geschäftsprozess benutzten Begriffs Workflow ist deshalb sehr wichtig. Unzählige Autoren haben versucht die Begriffe voneinander abzugrenzen und in diesem Zusammenhang ihre eigenen Definitionen erarbeitet. Galler fasst dies in [GALL97, S. 8] zusammen, und interpretiert den Begriff Workflow als „informationstechnisch-operative Betrachtung der Ablauforganisation“ und den Geschäftsprozess als „organisatorisch-strategische Betrachtung der Ablauforganisation“. Hierin erkennt man einerseits zwar Unterschiede, andererseits aber auch einen gewissen Zusammenhang der beiden Begriffe. Die Workflow-Modellierung nimmt im Idealzustand Geschäftsprozessmodelle als Basis, falls diese Möglichkeit in zeitlicher und finanzieller Hinsicht besteht. Ferner ist das Workflow-Management noch stärker als die Geschäftsprozessmodellierung an der Konzeption von Anwendungssystemen bzw. der Entwicklung von Informationssystemen orientiert, wobei auch diese ursprünglich einmal dem gleichen Zweck diente.
2 ARIS
Das ARIS-Konzept und die entsprechende Softwarelösung, das ARIS-Toolset, wurde ursprünglich vor allem zur Reduktion des Arbeitsaufwandes und der Kosten, die bei der Konzeption und Einführung neuer Standardsoftware entstehen, entwickelt. Während klassische betriebswirtschaftliche Systeme vor allem punktuell auf Funktionsoptimierung abzielen, beispielsweise eine präzise Lageroptimierung, werden im
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ARIS-Modell alle Geschäftbereiche beleuchtet, die mit dem betrachteten Problem in Verbindung stehen. Dies kann die ganzheitliche Betrachtung eines Produktionsprozesses, vom Auftragseingang bis zur Auslieferung und Bezahlung, bedeuten [VAHR96, S. 272]. Ziel ist es, die Interaktion und Kommunikation der verschiedenen Geschäftsbereiche zu verbessern, wie sich schon an der Ausformulierung der Bezeichnung ARIS, Architektur integrierter Informationssysteme, erkennen lässt. Einen Schwerpunkt setzt das ARIS-Konzept auf die Entwicklung von Anwendungssystemen, was in dieser Arbeit zwar nicht als zentraler Gegenstand angesehen werden soll, jedoch spielt die Prozessmodellierung als Grundlage zur Entwicklung von Anwendungssystemen eine unersetzliche Rolle. Deshalb ist die Vorstellung des ARIS-Konzepts mit seinen wichtigsten Komponenten unerlässlich, um die Ausrichtung der Unterstützung von Geschäftsprozessmodellierung in ARIS und die damit verbundene Entwicklung der ereignisgesteuerten Prozesskette zu verstehen.
2.1 Modellierungsprinzipien in ARIS
Um von Anwendern und Betrachtern der Modelle gleichermaßen interpretiert zu werden, bedient sich ARIS bestimmten Modellierungsprinzipien. Dazu gehören in erster Linie die Grundsätze ordnungsmäßiger Modellierung sowie eine Vereinheitlichung der Begriffe im Bereich der Modellierungsebenen.
2.1.1 Grundsätze ordnungsmäßiger Modellierung Abgeleitet vom Begriff „Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung“, der aus der Rechnungslegung bekannt ist, hat sich auch im Bereich der Prozessmodellierung mit den „Grundsätzen ordnungsmäßiger Modellierung“ (GoM) ein ähnliches Richtlinienpaket etabliert. Die Ziele sind grundsätzlich die gleichen wie im Bereich der Buchhaltung, welche in erster Linie eine gewährleistete Qualitätssicherung erfassen. Auch im ARIS-Konzept finden die GoM Berücksichtigung [SCHE98a, S. 119 - 120]. Tabelle 1 gibt eine kurze Übersicht der Grundsätze, die in ARIS garantiert werden. Tab. 1: Übersicht der angewendeten GOM im ARIS-Konzept
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Jochen Meyer, 2006, Ablauf der Geschäftprozessmodellierung im Vergleich von ARIS und PACE hinsichtlich deren Unterstützung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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