Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Überblick über das Rheingebiet 2
3. Geologische / geomorphologische Entwicklung des O 4
berrheingrabens
4. Die Oberrheinlandschaft vor den 7
Korrektionsmaßnahmen
4.1 Furkationszone 7
4.2 Mäanderzone 8
4.3 Auenlandschaft 10
4.4 Frühe Flussbaumaßnahmen 11
5. Die Oberrheinkorrektur von J. G. Tulla 11
5.1 Politischer und organisatorischer Hintergrund 11
5.2 Ziele der Oberrheinkorrektion 12
5.3 Durchführung der Korrektionsarbeiten 13
5.4 Tiefenerosion als Folge 15
6. Die weiteren Ausbaumaßnahmen 16
6.1 Niederwasserregulierung und Schiffbarmachung 16
6.2 Kanalisierung zur Schifffahrtsverbesserung und zur 18
Energiegewinnung
6.2.1 Rheinseitenkanal 18
6.2.2 Schlingenlösung und Vollkanalisierung 20
6.2.3 Fazit: Ausbaumaßnahmen 21
7. Die Problematik der Sohlenerosion 22
8. Die Hochwasserproblematik 24
9. Das Integrierte Rheinprogramm (IRP) 27
9.1 Trockenaueprojekt Südlicher Oberrhein 31
10. Fazit 32
Literatur 33
Abb. 1 (auf der Titelseite): Oberrheinlandschaft um 1810 : Blick vom Isteiner Klotz rheinauf
wärts Richtung Basel (Gemälde von Peter BIRMANN)
(Quelle: KHR 1993 : 15 )
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1. 1 Einleitung
„In der Regel sollten in kultivierten Ländern, die Bäche, Flüsse und
Ströme, - Kanäle - seyn, und die Leitung der Gewässer in der Ge-
walt der Bewohner stehen.“ (TULLA 1822, zit. nach LÖBERT 1997: 38). Dieses Zitat stammt vom Oberingenieur Johann Gottfried TULLA aus dem Jahre 1822. Aus der gleichen Zeit (1820) stammt das Gemälde von Peter BIRMANN, das den Isteiner Klotz und die Oberrheinlandschaft rheinaufwärts in Richtung Basel darstellt (Abb. 1, Titelseite). Es wird also deutlich, dass der Anspruch, den der oberste Wasserbauer Badens erhebt, mit der damaligen Realität nicht übereinstimmt. Anstatt eines Kanales sieht man eine Wildstromlandschaft, die heute idyllisch erscheinen mag; bei genauerer Kenntnis des historischen Kontextes aber (Hochwasserkatastrophen, Seuchen- und Stechmückenplagen, Grenzstreitigkeiten...) wird die Forderung nach begradigten Gewässern, die dem Menschen dienen sollen anstatt ihn zu gefährden, verständlich. In dieser Arbeit sollen die nach den Plänen Tullas vollzogene Oberrheinkorrektur, aber auch die darauffolgenden, bis in die jüngste Vergangenheit reichenden Ausbaumaßnahmen thematisiert werden und geomorphologische, hydrologische und ökologische Folgen sowie Maßnahmen zu deren Bewältigung angesprochen werden.
2. Überblick über das Rheingebiet
Zum Rhein gehört ein Einzugsgebiet von 185.000 km²; er hat eine Lauflänge von 1250 km und kann somit als bedeutendster Strom des westlichen Mitteleuropas bezeichnet werden. Seine mittlere Höhe beträgt 483 m ü. NN, seine mittlere Neigung 9 ‰ (KHR 1993: 13). Sein Lauf wird von seiner Quelle in den Alpen bis zu seiner Mündung in die Nordsee unterteilt in (vgl. Abb. 2):
Alpenrhein (von der Quelle bis zur Einmündung in den Bodensee, Hochgebirgsbereich)
Hochrhein (vom Bodensee bis nach Basel, entlang der deutschschweizerischen Grenze)
Oberrhein (von Basel bis nach Mainz, entlang der Grenze von Baden-Württemberg bzw. Hessen zu Frankreich bzw. Rheinland-Pfalz, Bereich der Oberrheinischen Tiefebene)
Mittelrhein (von Mainz bis nach Bonn, Durchbruch des Rheins durch das Rheinische Schiefergebirge)
Niederrhein (ab Bonn, Bereich der Niederrheinischen Bucht)
Der niederländische Tieflandbereich mit seinen Flussverzweigungen (Lek / Waal) wird als Bovenrhijn bezeichnet.
Im folgenden wird auf die Ausbaumaßnahmen am Oberrhein eingegangen, die ab dem 19. Jahrhundert in größerem Umfang einsetzten.
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3. Geologische / geomorphologische Entwicklung des Oberrheingrabens
Bei dem ca. 300 km langen und bis zu 35 km breiten Oberrheingraben handelt es sich um einen tertiären Graben mit randlichen Schollentreppen (Staffelbruch) (TIETZE et al. 1990: 128). Er liegt heute zwischen 80 m (bei Mainz) und 250 m (bei Basel) über dem Meeresspiegel.
Im mittleren Eozän begann infolge von Zerrungsbewegungen der Erdkruste in Nord-Süd-Richtung die Absenkung des Oberrheingrabens; die maximale Höhe der vertikalen Verwerfung zwischen dem Graben und den seitlichen Grabenschultern betrug bis zu 5000 m. Im Oligozän wurde der Graben von einem schmalen Lagunenmeer bedeckt, was zur Ablagerung einer bis zu 3000 m mächtigen Sedimentschicht (Molasse) führte. In der Folgezeit wurden weitere, weniger mächtige Schichten (Pliozän, Pleistozän) sedimentiert, wodurch die frühere Differenz zwischen Grabenschultern und Senke auf nur noch ca. 1000 m gemindert werden konnte (vgl. Abb. 3) (JEHN 2001: 6, SRU 1976: 9, TÜMMERS 1994: 138).
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Zur Flussgeschichte des Rheins muss erwähnt werden, dass sich bis zum Pliozän die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau bzw. Aare am Kaiserstuhl befand. Erst durch Reliefänderungen in der Spätphase der alpiden Tektonik konnte der Rhein das Einzugsgebiet der Aare gewinnen. Noch im Pleistozän allerdings war der Rhein durch eiszeitliche Moränenriegel vom heutigen Alpenrhein, der zur Donau hin entwässerte, abgeschieden (Abb. 4) (HANTKE 1993: 125; BENSING 1966: 87).
der inter- bzw. postglazialen Erosion die Bildung des Flussterrassensystems ein, wie wir es heute auch am Oberrhein vorfinden können. Im Pleistozän lagerten sich bis zu 300 m mächtige Schottermassen über dem tertiären Schutt ab (Abb. 5). Sie entstanden mit der kaltzeitlichen Frostverwitterung und wurden durch Solifluktion abgeführt, überstiegen jedoch das Geschiebetransportvermögen der Flüsse und wurden somit im Oberrheintal sedimentiert. In den Interglazialen bzw. im Holozän nahm der Rhein aufgrund der verstärkten Hangbefestigung weniger Geschiebe durch Erosion auf, wodurch der Fluss über erodierende Energie verfügte, die eiszeitlichen Lockersedimente ausräumen konnte und das typische Sy-
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stem der Flussterrassen (die nichtausgeräumten Reste der eiszeitlichen Schotter) entstehen ließ (Abb. 6) (KERN 1993: 25). Der Rhein grub sich bis zu 10 m in die Niederterrasse ein, wodurch besonders im oberen Teil des Oberrheins ein stark ausgeprägtes Hochgestade entstand (HANTKE 1993: 125; MÄCKEL & SEIDEL 2003: 92). Ausschlaggebend für die terrassenbildenden Kräfte ist somit die Geschiebebilanz (die wiederum von Parametern wie der Abflussmenge, der Geschiebeführung und -zusammensetzung, der Erosionsresistenz des Sohlenmaterials, dem Gefälle, lokalen Erosionsbasen etc. abhängt): Es wird stets ein Ausgleichsgefälle angestrebt, also ein Gefälle, das ausreicht, um die Geschiebemassen abzutransportieren. Ein Geschiebeüberschuss hat Akkumulation und somit eine Versteilung des Längsprofils zur Folge; bei Geschiebedefizit dagegen erfolgt Erosion und Abflachung (KERN 1993: 32, 138).
Im Holozän setzte schließlich durch die lehmigen Ablagerungen auch die Auebildung ein, so dass ein Rheinprofil mit einer 2 bis 4 km breiten Flussaue und einer bis zu 20 km breiten Niederterrasse entstand (KHR 1993: 70, 72).
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4. Die Oberrheinlandschaft vor den Korrektionsmaßnahmen
Wie an den unterschiedlichen
Parametern zu sehen ist, ändert sich die Ausprägung des Rheinlaufes nicht nur in zeitlicher Hinsicht (mit Veränderung von Abfluss- und Geschiebeverhältnissen in Kalt-und Warmzeiten), sondern auch in räumlicher Hinsicht (mit dem Gefälleunterschied). Auch im Bereich des Oberrheins bestehen starke Differenzen im Gefälle zwischen Ober- und Unterlauf, auch wenn der Oberrheingraben zunächst als homogenes Gebilde (Tiefebene) erscheinen mag. Gemäß den unterschiedlichen gefälleabhängigen Formen wird der Oberrhein in die Furkationszone, die Mäanderzone und die Zone mit gestrecktem Lauf unterteilt (Abb. 7) (KHR 1993: 70; LÖBERT 1997: 39):
4.1. Furkationszone
Im oberen Bereich liegt das durchschnittliche Gefälle bei 0,9 bis 1 ‰. Hier kam es bis zur Laufbegradigung zu einer starken Dynamik von Erosion und Akkumulation, was sich in Aufschotterung v. a. gröberen Materials (Kies-, Sandbänke) und dessen Verlagerung, also einem ausgeprägten Ge-
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Björn Schreier, 2004, Die Oberrheinkorrektur Tullas und die Folgen des Oberrheinausbaus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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