Einleitung: Mr. Duffy - Zwischen Täter und Opfer................................................................... 2 1. Erzählsituation und Symbolik ................................................................................................ 3 2. Plot-Struktur ........................................................................................................................... 4 2.1. Inhalt ................................................................................................................................ 5 2.2. Figuren............................................................................................................................. 5 3. Kritik ....................................................................................................................................... 6 Fazit: gelähmtes Scheitern des Mr. Duffys ................................................................................ 7 Literaturverzeichnis .................................................................................................................... 8
Einleitung: Mr. Duffy - Zwischen Täter und Opfer
„A Painful Case“, die vierte der Kurzgeschichten aus James Joyces Dubliners, die sich mit der Phase der Reife im menschlichen Leben befassen, wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Manche Kritiker schließen sich James Joyce selbst an, der die Geschichte als eine der beiden schwächsten aus Dubliners einschätzt. Wiederum andere sehen in ihr ein wohlkonstruiertes, in sich stimmiges Kunstwerk (Schneider: 98).
In meiner Arbeit möchte ich die einzelnen Mittel, mit denen Joyce das Bild des tragischen Lebens des Mr. Duffy zeichnet, aufzeigen und die Struktur des Plots, die Erzählsituation, und die Symbolik erläutern.
„A Painful Case“ ist die Geschichte des Scheiterns des Mr. James Duffy an seinen eigenen, scheinbar unüberbrückbaren Hemmungen und deren Auswirkung auf das Leben seiner Bekannten Mrs. Sinico, die an seiner Kälte und krankhaften, pedantischen Distanz scheitern muss. Diese Leere und Sterilität, und deren fatale Auswirkunge n sind Gegenstand dieser Kurzgeschichte.
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1. Erzählsituation und Symbolik
Betrachtet man die Erzählsituation in „A Painful Case“ kann man eindeutig feststellen, dass diese sich im Verlauf der Geschichte verändert. Während die Beschreibung von James Duffys Haus, Einrichtung und Physiognomie noch durch einen auktorialen Erzähler geschieht 1 , kann man die Endpassage der Geschichte nach dem Schock über das gerade Gelesene einer personalen Erzählsituation zuordnen. Hier dominiert die Innenperspektive und Duffys Sinneseindrücke und Bewusstseinsvorgänge werden zentral und vermitteln den Eindruck von einem direkten Einblick ohne den vermittelnden Erzähler (Vgl. Nünning: 116ff). Die Veränderung ist also eine Wandlung von außen nach innen: ausgehend von einem auktorialen Erzähler bis hin zur personalen Erzählsituation mit Fokus auf die Reflektorfigur Mr. Duffy. Natürlich sind diese Übergänge fließend und nicht genau abgrenzbar, und personale Elemente sind auch in der Erzählsituation vom Beginn erkennbar. Er ist ein unpersönlicher, neutraler Erzähler und enthält sich jeglicher Kommentare und Wertungen. Aber selbst in der personalen Erzählsituation vom Ende der Geschichte gibt es Elemente, die auf einen Erzähler schließen lassen (Schneider: 103).
Es können auch gleitende Übergänge zwischen direkter, indirekter und erlebter Rede festgestellt werden, eine klar abgegrenzte erlebte Rede findet sich wieder im Schlussteil , in dem Duffy alleine ist mit sich und seinen Erinnerungen, Ängsten und Erkenntnissen (Schneider: 106). Diese erlebte Rede bewirkt hier keine Identifikation mit der Figur, sonder eher eine Entlarvung dieser.
Aus der Tatsache heraus, dass „A Painful Case“ eine Kurzgeschichte ist, ergibt sich, dass die Handlung sich nur auf einen Gegenstand oder Episode konzentriert und weder lange Exposition noch einen Schluss aufweist, der den Leser über die weitere Entwicklung Duffys aufklärt (Vgl. Nünning: 104). Er bleibt im Unklaren, ob die Hauptfigur aus der späten Erkenntnis gelernt hat, oder ob er in seiner alten Lethargie verharrt, unfähig eine Veränderung herbei zu führen.
Das Thema der Lähmung ist zentrales Thema in Dubliners als Ganzes sowie in „A Painful Case“. Dublin ist in James Joyces Augen eine gelähmte Stadt mit gelähmten Bewohnern, sie schien ihm ideale Szenerie für eine solchen Zyklus. Lähmung wird in der vorliegenden Kurzgeschichte Traum, Vision und Verlangen gegenübergestellt (Power: 117). Duffy ist
1 Der Grund hierfür, ist die Möglichkeit die Exposition schneller und knapper vermitteln zu können
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gefangen in seiner pedantischen Abgekehrtheit von der Gesellschaft und die Begegnung mit Emily Sinico gibt ihm eine kurze Hoffnung, eine Chance, die er unfähig ist wahrzunehmen. Viele Figuren- und Raumdarstellungen in „A Painful Case“ sind verknappt, angedeutet und bleiben offen zur Interpretation durch den Rezipienten. Das Thema Lähmung lässt einen großen Spielraum metaphorisch interpretiert zu werden. Diese Themenwahl erzeugt einen offenen Text und die Auffassungen über die Bedeutungen der Geschichte gehen weit auseinander. Diese Durchlässigkeit wird verstärkt durch die häufige Mehrdeutigkeit der Worte bzw. Wortgruppen, die auf viele unterschiedliche Weisen interpretiert werden können und sich auch im Laufe der Zeit verändert haben.
Symbolik zieht sich durch die gesamte Zeit- und Raumdarstellung: Beginnend mit der akribischen Beschreibung der Wohnungseinrichtung und Duffys Gesichtszügen, die nicht nur der Vermittlung einer Kulisse dient, sondern vielmehr Charakterisierung, Symbol für Duffys psychische Struktur ist. Auch die Stadt, von der er so zurückgezogen lebt, ist Symbol für das Leben an sich, von dem er sich isoliert.
Die verlassene Schnapsbrennerei und sein kärglich möbliertes Zimmer (Joyce: 103ff) repräsentieren die Einsamkeit, die sich in Duffy schon lange ausgebreitet hat (Tucker: 89f). Tucker sieht auch das Essen, das Duffy im Verlauf der Geschichte zu sich nimmt als ein weiteres Symbol für sein Innehalten, nicht Vorwärtskönnen, seine Lähmung: Jedes erwähnte Essen ist in irgendeiner Weise mit Haltbarkeit/Innehalten zu assoziieren, z. B. Lager Bier, Pfeilwurz Biskuit, Corned Beef (Tucker: 91).
Sähe man die Lähmung in Dublin als bloße Darstellung eines Zustandes, wäre die Geschichte eine naturalistische, wäre sie aber bloße Negativdarstellung aus der man die moralische Botschaft ziehen muss, wäre die Geschichte degradiert zu bloßer moralischer Allegorie (Power: 118f). Die eigentliche Bedeutung ist wohl in der Mitte zu suchen, einerseits stellt Joyce einen Zustand, die Isolation in einer Stadt wie Dublin dar, andererseits verfremdet und konstruiert er die Figuren im Sinne einer vielleicht sogar autobiographischen Darstellung der Pein und Erstarrung in der Unfähigkeit Zwischenmenschlichkeit zuzulassen (Beck: 219).
2. Plot-Struktur
Die Kurzgeschichte lässt sich in vier Erzählphasen untergliedern: Die Beschreibung von Duffys trostlosem Leben, die Beziehung, die vier Jahre nach der Beendigung der Beziehung (in einem Satz zusammen gefasst) und die erneute Begegnung mit Mrs. Sinico durch den Zeitungsartikel. Es korrespondieren jeweils der erste Abschnitt mit dem dritten und der zweite
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Arbeit zitieren:
Julia Merkel, 2003, Erzählsituation, Plot-Struktur und Symbolik in 'A Painful Case' aus James Joyces Dubliners, München, GRIN Verlag GmbH
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