rechtlicher Selektion und Bewertung
Inhalt: In dieser Arbeit werden neue Medienträger für den Hörbuchbereich herausgearbeitet und anschließend unter technischen Umsetzungsgesichtspunkten selektiert und beurteilt. Zusätzlich werden ein wirtschaftlicher Vergleich und eine Feststellung der rechtlichen Lage durchgeführt.
Zu Beginn werden Begriffe aus dem Hörbuchbereich eingeführt und ein geschichtlicher Abriss vom Hörspiel bis zum Hörbuch dargestellt, um den Charakter des Mediums und die bisher verbreiteten Hör- und Nutzungsgewohnheiten aufzuzeigen. Dem folgend werden die bisher verwendeten Medienträger im Hörbuchbereich beschrieben und ein Überblick über die bisherigen Komprimierungsverfahren gegeben, auf die sich die neuen Medienträger beziehen. Durch die Interpretation der Ergebnisse der durchgeführten Feldforschung werden die für die neuen Medienträger relevanten Kauf-, Hör- und Nutzungsgewohnheiten der Probanden ausgearbeitet. Im Anschluss der Ausarbeitung der neuen Medienträger werden diese aus der heutigen technischen Sicht und der Informationen aus der Umfrage bezüglich ihrer Umsetzbarkeit selektiert und bewertet. Folgend die Duplikations- und Bereitstellungskosten einem Vergleich mit den alten Medienträgern unterzogen. Abschließend wird die rechtliche Lage bei der Nutzung von neuen Medienträgern untersucht.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Sperrvermerk
Abstract
Eidesstattliche Erklärung
Inhaltsve zeichnis r
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis
Vorwort
1 Gattungen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil und
deren Formen 11
1.1 Begriffsdefinitionen im Hörbuchbereich 11
1.1.1 Akustischer Inhalt mit überwiegendem Wortanteil. 11
1.1.1.1 Hörbuch (engl. audio book) 12
1.1.1.2 Hörspiel. 12
1.1.1.3 Feature 12
1.1.1.4 O-Ton Feature 12
1.1.1.5 Zeitgeschichtliches Feature 13
1.1.1.6 Lesung. 13
1.1.2 Veranstaltungsarten zur Aufführung von akustischen Inhalten mit
überwiegendem Wortanteil. 13
1.1.2.1 Hörkino / Open-Air-Hörkino 14
1.1.2.2 HörBAR 14
1.1.2.3 Live-Hörspiel 14
1.2 Die Entwicklung vom Hörspiel zum Hörbuch. 14
1.2.1 Die Anfänge in den 20er Jahren 15
1.2.2 Hörspiele - „Das Schöne und Wahre im Rundfunk“ 15
1.2.3 Die erste Blütezeit des Hörspiels und seine Probleme 17
1.2.4 Das veränderte Hörverhalten in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg 18
1.2.5 Die zweite Blütezeit des Hörspiels 19
1
Inhaltsverzeichnis
1.2.6 Der neue Medienträger Fernseher veränderte die Interessen des
Publikums 20
1.2.7 Der Rundfunk wird populär und die ersten Hörbücher entstehen 22
1.2.8 Die veränderte Rundfunklandschaft verdrängt das Hörspiel. 22
1.2.9 Eine neue Chance für Hörspiele und Hörbücher. 23
2 Die bereits genutzten Medienträger im Hörbuchbereich. 26
2.1 Radio 27
2.2 Langspielplatte (LP) 30
2.3 Magnetband. 31
2.4 Music Cassette (M)C 32
2.5 Compact Disc (CD) 33
2.6 Digital Audio Tape (DAT) 36
2.7 Digital Versatile Disc (DVD) 36
2.8 Hörbücher über Mobiltelefone 39
2.9 Hörsendungen im Zug 40
2.10 Internet 40
3 Verschiedene Audiokomprimierungsverfahren und deren
Anwendungsm öglichkeiten. 41
3.1 MP2 (MPEG Audio Layer II) 41
3.2 MP3 (MPEG Audio Layer III) 42
3.3 ATRAC3plus 42
3.4 Dolby Digital AC3. 43
3.5 WMA (Windows Media Audio) 43
3.6 Real Audio 44
3.7 Quick Time. 44
4 Marktplatz- und Online-Umfrage zu Hörbüchern 45
4.1 Interpretation der Ergebnisse der Umfrage. 46
4.1.1 Kaufgewohnheiten. 47
4.1.1.1 Bezugsquellen 47
4.1.1.2 Hörbuch-Download. 47
4.1.1.3 Kaufentscheidung 47
4.1.2 Hörgewohnheiten. 48
4.1.2.1 Motivation. 48
4.1.2.2 Hörort 49
4.1.3 Nutzungsgewohnheiten 49
4.1.3.1 Nutzungsdauer 49
4.1.3.2 Nutzungsart. 49
4.1.3.3 Akzeptanz neuer Geräte. 50
4.1.4 Forderungen an die Hörbucheigenschaften 51
4.1.4.1 Nutzungsort. 51
2
Inhaltsverzeichnis
4.1.4.2 Bedienung 52
4.1.4.3 Leistungen 52
4.1.4.4 Bezugsquellen 53
4.1.4.5 Preis 53
5 Mögliche Neue Medienträger für den Hörbuchbereich. 55
5.1 Mini Disc (MD) 55
5.2 Digital Versatile Disc (DVD) 56
5.2.1 Super Audio Compact Disc (SACD) 57
5.2.2 DVD-Audio. 57
5.2.3 DVD-Video als „Compact Disc Digital Audio (CDDA)“ 58
5.3 Mobiltelefone. 60
5.4 Personal Digital Assistant (PDA) 63
5.5 Digital Radio / Digital Audio Broadcast (DAB) 63
5.6 Digitales Fernsehen / Digital Video Broadcasting (DVB) 65
5.7 eBooks 67
5.8 Internet 68
5.8.1 Offline-Nutzung - Download von Hörbüchern 68
5.8.1.1 Download von uneingeschränkten Audiodaten 70
5.8.1.2 Download von eingeschränkten Audiodaten 70
5.8.1.3 Download von CD- / DVD-Images. 71
5.8.2 Online-Nutzung - Streaming von Hörbüchern 71
5.9 MP3 (MPEG Audio Layer III) -Player. 72
5.10 AudiLib, der Neue Medienträger und das Abspielgerät in einem. 72
5.10.1 Audioausgabemöglichkeiten beim AudiLib. 75
5.10.1.1 Klinke 3,5 mm (Stereo) 75
5.10.1.2 Minimal UKW Sender / FM Transmitter. 76
5.10.1.3 Bluetooth 76
5.10.1.4 Wireless Local Area Network (WLAN) 77
5.10.1.5 Interne Mobiltelefondienste 77
6 Selektion und Beurteilung der möglichen Neuen Medienträger. 78
6.1 Technische Realisierungszeit der Neuen Medienträger. 78
6.1.1 Heute umsetzbar 78
6.1.1.1 DVD-Video als CDDA 78
6.1.1.2 Internet-Download (eingeschränkt und uneingeschränkt) 79
6.1.1.3 MP3 Player 80
6.1.1.4 AudiLib 80
6.1.2 In 1 bis 2 Jahren umsetzbar. 81
6.1.2.1 MD / Hi-MD 81
6.1.2.2 DVD-Audio. 81
6.1.2.3 Mobiltelefone. 81
3
Inhaltsverzeichnis
6.1.2.4 Internet-Streaming. 82
6.1.3 In 3 oder mehr Jahren umsetzbar. 82
6.1.3.1 Digital Audio Broadcast (DAB) 82
6.1.3.2 Digital Video Broadcasting (DVB) 82
6.1.4 Für Hörbücher nicht relevant 83
6.1.4.1 Super Audio CD (SACD) 83
6.1.4.2 eBooks 83
6.2 Wirtschaftlicher Vergleich der Neuen Medienträger unter Betrachtung der
genutzten Medienträger 84
6.3 Rechtliche Lage für den Einsatz der relevanten Neuen Medienträger. 87
7 Résume 89
Anhang
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Hörbuch auf SD-Card z.B. für Mobiltelefone.
Abb. 2: Mobiltelefon als Abspielgeräte.
Abb. 1: DAB Senderabdeckung in Deutschland bis
(Quelle: http://alt. digitv.de/radio/dab 4.shtml, Stand: 07.02.2004)
Abb. 4: DAB Verbreitung in Europa
(Quelle: http://www.worlddab.org, Stand: 24.02.2004)
Abb. 2: DAB Übertragungsschema
(Quelle: http://www.pro-dab.de/framewid.htm, Stand: 07.02.2004)
Abb. 6: DVB Empfangsgerätevarianten.
Abb. 7: Arcor „Video on demand“-Angeobt - Portalseite
(Quelle: http://www.arcor.de/vod/vod 1 0.jsp, Stand: 24.02.2004)
Abb. 8: Arcor „Video on demand“-Angeobt - Downloadseite
(Quelle: http://www.arcor.de/vod/vod 1 2.jsp?rubrik 03 08 vid 13848,
Stand 24.02.2004)
Abb. 9: Baugruppen des AudiLib
Abb. 10: AudiLib „Der Herr der Ringe“ Variante 1 mit Inhaltsverzeichnis
als Klappentext.
Abb. 11: AudiLib „Der Herr der Ringe“ Variante 2 als Universal Hörbuch
Abb. 12: Bluetooth-Kopfhörer für ein Ohr
(Quelle: http://www.bluetooth.com/products, Stand: 24.02.2004)
Abb. 1: Start-Seite der Online-Umfrage für HBN und N-HBN.
Abb. 2: HBN - Frage a1 1: Zur Person.
Abb. 3: HBN - Frage a1 2: Zur Person.
Abb. 4: HBN - Frage a1 3: Zur Person.
Abb. 5: HBN - Frage a2 1: Zu Hörbucheigenschaften
Abb. 6: HBN - Frage a2 2: Zu Hörbucheigenschaften
Abb. 7: HBN - Frage a2 3 1: Zu Hörbucheigenschaften
Abb. 8: HBN - Frage a2 3: Zu Hörbucheigenschaften.
(Nur wenn Frage a2 3 1 „Ja“)
Abb. 9: HBN - Frage a2 4: Zu Hörbucheigenschaften
Abb. 10: HBN - Frage a3 1: Nutzungsgewohnheit.
5
Abbildungsverzeichnis
Abb. 11: HBN - Frage a3 2: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 12: HBN - Frage a3 3: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 15: HBN - Frage a3 4: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 16: HBN - Frage a3 5: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 17: HBN - Frage a3 5 1: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 18: HBN - Frage a3 6: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 19: HBN - Frage a3 7: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 20: HBN - Frage a3 8: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 21: HBN - Frage a3 9: Nutzungsgewohnheit.
Abb. 22: HBN - Frage a4 1: Kaufgewohnheit
Abb. 23: HBN - Frage a4 2: Kaufgewohnheit
Abb. 24: HBN - Frage a4 3: Kaufgewohnheit
Abb. 25: HBN - Frage a4 4: Kaufgewohnheit
Abb. 26: HBN - Frage a4 5: Kaufgewohnheit
Abb. 27: HBN - Frage a6 1: Basisfragen.
Abb. 28: HBN - Frage a6 2: Basisfragen.
Abb. 29: HBN - Frage a6 3: Basisfragen.
Abb. 30: HBN - Frage a6 4: Basisfragen.
Abb. 31: HBN - Schluss-Seite der Online-Umfrage
Abb. 30: N-HBN - Frage a4 2 : Kaufgewohnheit.
Abb. 31: N-HBN - Frage a4 10: Kaufgewohnheit
Abb. 32: Auswertung - Seite 1
Abb. 33: Auswertung - Seite 2
Abb. 34: Auswertung - Seite 3
Abb. 35: Auswertung - Seite 4
Abb. 36: Auswertung - Seite 5
Abb. 37: Auswertung - Seite 6
Abb. 38: Auswertung - Seite 7
Abb. 39: Auswertung - Seite 8
Abb. 40: Auswertung - Seite 9
Abb. 41: Auswertung - Seite 10
Abb. 42: Umfrageauswertung - Querverbindungen - Seite 1.
Abb. 43: Umfrageauswertung - Querverbindungen - Seite 2.
Abb. 44: Umfrageauswertung - Querverbindungen - Seite 3.
6
Tab. 1: Radiogeschichte.............................................................................................. 28
Tab. 2: Überblick über die CD-Formate .................................................................... 34
Tab. 3: Überblick über die DVD-Formate .................................................................. 38
Tab. 4: Überblick über die DVD-Speicherkapazitäten............................................. 39
Tab. 5: Kostenvergleich MC / CD / DVD .................................................................... 85
Tab. 6: Kostenvergleich „pro Euro“........................................................................... 85
7
Der Einfachheit halber wird nur die männliche Form in dieser Arbeit verwendet, obwohl Frauen als auch Männer gemeint sind.
Für die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe Hörbuchnutzer und Nicht-Hörbuchnutzer werden die Abkürzungen HBN (Hörbuchnutzer) und N-HBN (Nicht-Hörbuchnutzer) verwendet.
In der Diplomarbeit wird nicht auf alle Hörbuchgattungen und deren Zielgruppen eingegangen. Diese Bereiche werden durch die Interessensbereiche des Hörverlags begrenzt.
Es ist beabsichtigt, den aus dieser Arbeit entstandenen Neuen Medienträger (siehe Kapitel „5.10 AudiLib, der Neue Medienträger und das Abspielgerät in einem“) für den Hörbuchmarkt zum Patent anzumelden. Zum Zeitpunkt der Diplomarbeitsabgabe läuft der Rechercheauftrag zum Patent noch.
Dank an Herrn Werner Scharly für die Mithilfe zur Erstellung des Prototypen „AudiLib“.
10
1.1 Begriffsdefinitionen im Hörbuchbereich
Allgemein herrscht keine Einigung über die verschiedenen Gattungen von Akustikinhalten mit überwiegendem Wortanteil und es existieren keine genauen Begriffsdefinitionen. Deswegen werden zu Beginn dieser Arbeit die später verwendeten Begriffe und Gattungen definiert, um eine Übereinstimmung bei den Begriffen zu erzielen
Diese begriffliche Verwirrung scheint seitens der verschiedenen Nutzergruppen, den Hörern kommerzieller Produkte und den Rundfunkhörern, aus der geschichtlichen Entwicklung des Hörbuches entstanden zu sein. Ursprung der Gattung ist das Hörspiel aus der Anfangszeit des Rundfunks. Aus dieser sind verschiedene Gattungen und Formen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil entstanden; später auch das Hörbuch, durch die technische Möglichkeit, Produktionen auf Medienträger zu speichern und diese zu verwerten. Obwohl die kommerzielle und die Rundfunkwelt in Bezug auf Audioinhalte mit überwiegend Wortanteil eng miteinander verbunden sind, da auch Rundfunkanstalten oft Produktionen als „Hörbücher“ alleine oder in Zusammenarbeit mit Verlagen verwerten, tun sich die Nutzergruppen schwer, sich auf Definitionen zu einigen. So wird z.B. von den Rundfunkhörern ein über den Rundfunk ausgestrahltes Hörspiel, das sie selbst auf einen Medienträger aufnehmen, immer noch als Hörspiel bezeichnet. Dagegen wird das gleiche Produkt von Hörern kommerzieller Produktionen als „Hörbuch“ bezeichnet. Aus den Beobachtungen für diese Arbeit ist der Eindruck entstanden, dass Rundfunkhörer die Bezeichnung „Hörbuch“ als eine Art Verunglimpfung der Inhalte ansehen, das für sie zu einer Abwertung des Stückes führt, daher versucht diese Gruppe den Begriff „Hörbuch“ zu meiden. Auf Seiten des Rundfunks und der Verlage hingegen gibt es solche Probleme bzw. Ungereimtheiten nicht.
1.1.1 Akustischer Inhalt mit überwiegendem Wortanteil
Akustischer Inhalt mit überwiegendem Wortanteil wird verstanden als Überbegriff und eigenständige Bildung-, Kunst- und Unterhaltungsart für alle Gattungen und Formen, deren Inhalte einen Wortanteil von 50% und mehr beinhalten. Hierzu gehören alle „Hörbücher“ und Rundfunksendungen, in denen Hörspiele, Lesungen, Features etc. vermittelt werden. Im Rundfunkbereich sind alltägliche Wortbeiträge, wie z.B. Nachrichten, Informations- und Unterhaltungssendungen, davon abzugrenzen.
11
(Das Hörbuch ist eine Form eines akustischen Inhaltes mit überwiegendem Wortanteil) Zu Hörbüchern zählen alle physikalischen Medienträger (CDs, MCs, neue digitale Speichermedien etc.), die akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil wie Hörspiele, Features, Lesungen etc. beinhalten. Oft werden Hörbücher in Zusammenarbeit zwischen Verlag und Rundfunkanstalt produziert.
1.1.1.2 Hörspiel
(Das Hörspiel ist eine Gattung eines akustischen Inhaltes mit überwiegendem Wortanteil)
Hörspiele sind akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil, bei denen ein oder mehrere Sprecher verschiedene Charaktere und meist fiktive Handlungen auditiv vorspielen. Hörspiele können Inhalt unterschiedlicher Medienträger (Rundfunk und Hörbücher) und Veranstaltungen (Hörspielkino, HörBAR, etc.) sein.
Das deutsche Hörspiel hat seine Wurzeln im Rundfunk. Seit seinem Ursprung 1923/24, mit dem deutschen Rundfunk, hat sich eine große Bandbreite an Gattungen akustischer Inhalte mit überwiegendem Wortanteil entwickelt, vom umgeschriebenen Theaterstück über das reine Hörspiel bis hin zu besonderen Formen wie dem experimentellen Spiel mit Originaltönen und Interviews.
1.1.1.3 Feature
(Das Feature ist eine Gattung eines akustischen Inhaltes mit überwiegendem Wortanteil) Das Feature ist ein akustischer Inhalt mit überwiegendem Wortanteil, der in Abgrenzung zum Hörspiel einen nicht fiktiven, sondern dokumentarischen Inhalt in akustischer Form darbietet. Features können Inhalte unterschiedlicher Medienträger (Rundfunk und Hörbücher) und Veranstaltungen (Hörspielkino, HörBAR, etc.) sein.
1.1.1.4 O-Ton Feature
(Das O-Ton-Feature ist eine Untergattung des Features)
Ein O-Ton-Feature, bestehend aus dem Zusammenschnitt von Originaltönen und Interviews, verzichtet zum großen Teil oder ganz auf einen Off-Text-Sprecher. Diese Kunstform kam vor allem in den 70er Jahren auf, so wurden z.B. aus 65.000 Meter
12
Magnetbandaufnahmen mit Interviews und Gesprächsmitschnitten ein 100-minütiges Kunstwerk geschnitten.
1.1.1.5 Zeitgeschichtliches Feature
(Das zeitgeschichtliche Feature ist eine Untergattung des Features)
Ein zeitgeschichtliches Feature, bestehend aus dem Zusammenschnitt von Originaltönen und Interviews mit mindestens einem Off-Text-Sprecher, der den Zuhörer durch das Feature führt und den zeitgeschichtlichen Inhalt darbietet.
1.1.1.6 Lesung
(Die Lesung ist eine Gattung eines akustischen Inhaltes mit überwiegendem Wortanteil) Eine Lesung beinhaltet akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil, bei denen Texte durch einen Sprecher vorgelesen werden. In Abgrenzung zum Hörspiel werden verschiedene Charaktere nicht besonders ausgestaltet. Lesungen können Inhalte unterschiedlicher Medienträger (Rundfunk und Hörbücher) und Veranstaltungen (Hörspielkino, HörBAR, etc.) sein.
1.1.2 Veranstaltungsarten zur Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil
Nicht nur über die bekannten Medienträger MC und CD wird versucht, mit akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil ein breites Publikum zu erreichen. Auch über verschiedene Veranstaltungen versucht man, HBN und N-HBN zu erreichen. Diese Veranstaltungen, wie auch die Räumlichkeiten, werden immer unterschiedlicher. Alle Arten und Variationen lassen sich hier nicht aufzählen. Die Art der Darbietung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil wurde in den letzten Jahren von immer mehr Menschen akzeptiert und bei diversen Veranstaltungen aufgesucht. Diese Veranstaltungen stellen bereits einen neuen Weg der Verwertung und Werbung für akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil dar. Inhalte können die unterschiedlichsten Gattungen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil sein und bereits über oder auf Medienträgern (Rundfunk und Hörbücher) gesendet worden bzw. vorhanden sein.
13
(Das Hörkino und Open-Air-Hörkino ist eine Veranstaltungsart zur Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil.)
Die Inhalte werden öffentlich in Kinos oder Open-Air-Kinos aufgeführt, teilweise im Beisein der Autoren, Regisseure oder Sprecher der Inhalte.
1.1.2.2 HörBAR
(Die HörBAR ist eine Veranstaltungsart zur Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil.)
Die Inhalte einer HörBAR werden öffentlich in Theatern, Bars oder ähnlichen Räumlichkeiten aufgeführt, teilweise im Beisein der Autoren, Regisseure oder Sprecher der Inhalte.
1.1.2.3 Live-Hörspiel
(Das Live-Hörspiel ist eine Veranstaltungsart zur Live-Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil.)
Die Inhalte des Live-Hörspiels werden öffentlich an den unterschiedlichsten Veranstaltungsorten live im Beisein der oder durch die Autoren, Regisseure oder Sprecher der Inhalte dargeboten.
1.2 Die Entwicklung vom Hörspiel zum Hörbuch
Der Weg von den Anfängen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil bis zu den heute bekannten Gattungen und Formen erlebte Blütezeiten und Zeiten, in denen die Gattung fast vergessen wurde. Stets war der Weg jedoch eng mit der Entwicklung des Rundfunks verbunden. Die Kenntnis der historischen Entwicklung akustischer Inhalte mit überwiegendem Wortanteil ist wichtig, um zu erkennen aus welchen Gründen und in welcher Form diese Inhalte immer wieder interessant wurden und wie das Hörbuch entstand. Gründe, die auch heute eine Rolle spielen und dem Hörbuch bei seiner Verbreitung helfen können.
14
1.2.1 Die Anfänge in den 20er Jahren
Die Anfänge des Hörspiels liegen im Dunkeln, die ersten Hörspiele existieren schon lange nicht mehr. Aber die Entstehung des deutschen Hörspiels ist eng verbunden mit dem Start des deutschen Rundfunks, der am 29. Oktober 1923 in Berlin den Sendebetrieb aufnahm. Andere Städte wie Frankfurt, Köln, Leipzig, Hamburg, Breslau und München folgten rasch. Der Rundfunk wurde in der Weimarer Republik zu einer Zeit eingeführt, in der nahezu 50 Prozent der Arbeiter arbeitslos waren, ein Brot 5.000 Millionen Mark kostete und Wochen heftiger Hungerdemonstrationen die junge Republik erschütterten.
Die Programmverantwortlichen waren dennoch begeistert und Hans Bredow, der Staatssekretär im Reichspostministerium und Vater des deutschen Rundfunks, sagte:
„Das Radio wurde in einer Zeit der tiefsten wirtschaftlichen und seelischen Not wie ein befreiendes Wunder begrüßt und wird hier als Kulturfaktor betrachtet, dessen Auswirkungen auf das kulturelle, politische und wirtschaftliche Leben nicht hoch genug angeschlagen werden kann … zum ersten Mal seit der Erfindung der Buchdruckkun t ist eine Möglichkeit geschaffen worden, geistige s
Güter gleichzeitig ungezählt zu übermitteln ... und es ist verständlich, dass der nach Nahrung hungernde Teil der Menschheit sich in Masse zu dem Radio drängt.“ 1
1.2.2 Hörspiele - „Das Schöne und Wahre im Rundfunk“
Der damalige Geschäftsführer der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft Kurt Magnus sah im Jahre 1927 die Aufgaben des Rundfunks wie folgt:
„Der Rundfunk ist verpflichtet, alles dasjenige seinen Hörern in rundfunkgeeigneter Form zu bieten, was Deutschlands große Geister geschaffen haben. Der Rundfunk ist weiter verpflichtet, einen Querschnitt durch den gegenwärtigen Stand unserer Kultur zu bringen.“ 2
1 Leonhard, Joachim-Felix: Programmgeschichte des Hörfunks in der Weimarer Republik. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1997, S. 23 2 Magnus, Kurt: Die Rundfunkbewegung im Jahre 1927. Berlin: In: Archiv für Funkrechte, 1928, S. 6
15
Mit dieser Absicht,
schönes, gutes und wahres 3
Programm zu senden und dem Bildungsbedürfnis und der Aufnahmefähigkeit der Zuhörer gerecht zu werden, wurde das Hörspiel im Rundfunk geschaffen. Die eigentliche Geburtsstunde des deutschen Hörspiels war lange umstritten. Inzwischen gilt das am 24. Oktober 1923 ausgestrahlte Stück „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Fleisch als erstes deutsches Hörspiel. Anfangs wurden für die Gattung noch unterschiedliche Begriffe wie Sendungsspiel, Sendespiel, Funkspiel, Funkdrama oder akustischer Film verwendet. Auch waren die ersten Sendespiele nicht originär für den Rundfunk geschrieben. Als Stellvertreter des Theaters, der Oper, des Konzerts, der Vorträge, der Kaffeehausmusik und des lokalen Teils der Presse bediente man sich deren Vorlagen und Werke.
In der Anfangszeit spielte man vor allem Stücke mit wenigen Personen in der Form von Lesungen mit verteilten Rollen, später gab es dann die ersten Versuche, größere Werke der klassischen Literatur umzusetzen. Im November 1924 wurde in Hamburg die Inszenierung von Johann Wolfgang von Goethes „Faust II“ als literarisches Rundfunkereignis gefeiert. Wenig später ermöglichte der Autor Arnolt Bronnen mit seiner Bearbeitung von Friedrich Schillers „Wallensteins Lager“ (3. Januar 1925) die erste Aufführung eines literarischen Hörspieles im deutschen Rundfunk. Die Schauspieler spielten in Kostüm und Maske, um die Suggestivkraft zu erhöhen. Die Wirkung auf die Hörer war wohl beträchtlich, wie Arnolt Bronnen vermerkte:
„Das spürte ich schon bei meinem Mechaniker, bei dem ich mir damals, zu Beginn meiner Auto-Leidenschaft, des Öfteren einen kleinen Wagen zu entleihen pflegt, und wo ich alsgleich in eine kunsttheoretische Debatte verwickelt wurde. Ich war erstaunt, wie richtig dieser nach dem Sprach-Gebrauch als ungebildet zu bezeichnende Mann, für den Wallenstein und seine Generäle doch wenig mehr als bloße Namen waren, die menschlichen Taten, aus den menschlichen Anlagen entspringend, einschätzte.“ 4
3 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 14
Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK 4
Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 15
16
1.2.3 Die erste Blütezeit des Hörspiels und seine Probleme
Der Reiz des neuen Mediums war groß:
„Am 01. Juli 1924 gab e be eits 100.000 Rundfunkteilnehmer, deren Zahl im s r
2. Halbjahr 1924 bis auf eine Million anwuchs.“ 5
Bis 1926 wurden bereits 600 Werke von 280 Dramatikern gesendet. Das Theater, an dessen Werken man sich immer noch stark bediente, sah in dem neuen Medium Hörfunk nun eine gefährliche Konkurrenz. Aber die Zahl der Hörfunk-Mitarbeiter war in diesen ersten Jahren gering. Eigenständige Hörspielabteilungen gab es bis Anfang der 30er Jahre nicht. Obwohl seit 1925 etwas über zwei Prozent des Gesamtprogramms aus Hörspielen bestand, blieben die berühmten Autoren noch immer reserviert. Nicht nur die geringen Honorare hielten die Autoren vom Funk ab, das technische Medium wurde auch von vielen für etwas Vulgäres, für Unterhaltung und Belehrung in plumper Art gehalten.
Die Rundfunkintendanten erkannten schnell diese Probleme, und obwohl sie schon befürchteten, dass es dem Rundfunk so ergehen würde wie dem Film, der völlig zur Industrie und zu deren Angestellten abgesunken war, wurde erreicht, dass der Rundfunk Ende der 20er Jahre auch kulturell anerkannt wurde. Vor allem durch die auf drei Millionen angewachsene Hörerzahl und den daraus vergrößerten Etats der Sendegesellschaften auf 36 Millionen Mark - eine zur damaligen Zeit im kulturellen Bereich unvorstellbar große Summe - wurde der Rundfunk zu einer Macht.
Anfang der 30er Jahre gab es einen enormen quantitativen Zuwachs. 1930 zählte man 854 dramatische Sendespiele, bis 1932 war das Radioangebot bereits auf 1.400 Hörspiele, Hörfolgen und Hörspielgattungen für Erwachsene angestiegen und wurden in der Regel in zur besten Sendezeit nach 20 Uhr abends ausgestrahlt. Durch die gestiegenen Etats der Sendegesellschaften konnte man nun auch Autoren wie Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Günter Eich, Erich Kästner, Hermann Kesser, Eduard Reinacher und Hermann Kasack für das neue Medium gewinnen.
Die Arbeit war sehr anstrengend, da die meisten Sendungen noch nicht aufgezeichnet und daher live produziert wurden. Hierzu berichtet Erich Kästner 1929,
c „Ich hatte anderthalb Stunden Gelegenheit zu beoba hten, mit welcher Präzision die Inspizienten und ihre Handlanger zu arbeiten verstehen. Und ich r sah auch, welche Mühe und welche Aufmerksamkeit diese Präzision erfo dert. Kein Wort darf gesprochen oder auch nur geflüstert werden. Zwanzig r r Menschen, übe zwei Räume und einen Flur, der die Säle ve bindet, verteilt, und jeder hält ein Textbuch in der Hand, in dem der Regisseur mit Blau- und Rotstift inszeniert hat, und jeder wartete auf bestimmte Winke, winkt weiter, winkt wieder, führt Winkbefehle aus! … Er selber, der Regisseur sitzt inzwischen in
5 Würffel, Stephan B.: Das deutsche Hörspiel. Stuttgart: Metzler, 1978, S. 11
17
seiner Isolierzelle, hört per Radio, was außerhalb seiner Zelle geschieht, gibt durch ein Fenster Wink-Kommandos, jagt seine Sendboten zu den Inspizienten, sie möchten den Regen das nächste Mal besser machen, und zu der Schauspielerin X, sie möge lauter sprechen oder eindringlicher weinen. Und zwischendurch verschlingt er ein Wurstbrötchen, weil er den ganzen Tag s hon c
gesprochen und einstudiert und gewinkt hat.“ 6
Die Periode vor dem 2. Weltkrieg wird als die erste Blütezeit des Hörspiels in Deutschland bezeichnet, in der auch vom Hörspiel gesagt wurde, dass es die Krönung des Funks sei. Das meistgespielte Hörspiel in der Weimarer Republik stammte von Ernst Johannsens, es spielt in einer unterirdischen Telefonvermittlungszentrale an der Front. Dieses Stück, „Brigadevermittlung“, wurde mehr als 50-mal in elf Ländern gesendet.
„Der Deutsche Rundfunk schrieb 1931 von einem Welterfolg, wie er bei Werken der Film- und Bühnenkunst vorkommt, den es aber bei einen Hörspiel noch nicht gegeben habe.“ 7
Literarische Hörspiele, dramatische Reportagen, Zeithörspiele, gesellschaftskritische Hörspiele und Kriegs- und Nachkriegsspiele prägten in der Weimarer Republik die Rundfunksendungen. Trotz allem war in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg das Hörspiel bei bekannten Autoren immer noch sehr umstritten und nicht bei allen anerkannt. Manche Autoren sagten auch, dass sie sich an den Rundfunk verkauften, weil er ihre Existenz sichere. Hörspiele wurden um 1932 zunehmend aufgezeichnet und konnten dadurch auch wiederholt werden.
1.2.4 Das veränderte Hörverhalten in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg
Die Hörspiele entwickelten sich in den einzelnen Regionen unterschiedlich. Während in Frankfurt das Hörspiel als soziologisches Experiment und Lehrstück galt, versuchte man in Breslau Hörspiele in Auftragsarbeiten zu erstellen, bei denen vor allem die Zusammenarbeit zwischen Autoren und Komponisten wichtig war. In Leipzig setze man auf junge Autoren, und in Bayern pflegte man das Volksstück.
1933 lag der Gesamtprogrammanteil der Hörspiele immer noch bei zwei Prozent, aber bis 1938 fiel er auf unter ein Prozent und verschwand in den Kriegsjahren fast ganz, obwohl mancher Rundfunkbericht einem Hörspiel sehr ähnlich war. Auch das Hörerverhalten
6 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 17 7 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 27
18
änderte sich. Man kam nicht mehr in feierlicher Stimmung in kleinen Gemeinschaften zusammen, um Hörspiele zu hören, sondern hörte Rundfunksendungen einzeln oder allenfalls im Kreise der Familie mehr oder minder aufmerksam zu, meist mit Nebenbeschäftigung, Nebenunterhaltung, Nebengeräuschen oder in Bahnhofs- und anderen Wartesälen, in Mannschaftsstuben, in Wirtshäusern und Kantinen, in Schreibzimmern und Krankenhäusern. Zusammengefasst, an Orten oder bei Gelegenheiten, bei denen Hörspiele als unliebsame Unterbrechung von der als angenehm empfundenen musikalischen Dauerberieselung empfunden wurden.
Ab 1938 begann das Hörspiel fast ganz zu verschwinden, da die Hörspielmitarbeiter zum Film oder zu anderen Medien abwanderten oder zum Militär eingezogen wurden. In der darauf folgenden Zeit entstand im Einheitsprogramm des „Großdeutschen Rundfunks“ ein beinahe hörspielfreies Programm. Ganz verschwunden war das Hörspiel allerdings nicht, es blieb rudimentär als (Propaganda-) Kurzhörspiel erhalten, und Ende 1944 wurde in München die Sendung „Bühne im Rundfunk“ eingerichtet. Sie sollte „Deutschlands hoch entwickelte Bühnenkunst lebendig halten“, darunter Werke von Goethe, Lessing, Kleist.
1.2.5 Die zweite Blütezeit des Hörspiels
Die zweite Blütezeit erlebte das Hörspiel nach dem Ende des 2. Weltkrieges, als Theater und Kinos geschlossen, Zeitungen und Bücher knapp waren und der Hörfunk nahezu das einzige und damit konkurrenzlose kulturelle Medium darstellte.
“Hörspiele waren Theater und Film-Ersatz und den deutschen Hörern sollten die bedeutendsten Werke der klassischen sowie die neue Bühnenliteratur des In-und Auslandes als Funkliteratur nahe gebrach werden“ t 8
Ende 1945 gingen der NWDR und etwas später der SWF mit Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ und Jean Cocteaus „Die menschliche Stimme“ als erste Hörspiele auf Sendung.
Die Grenzen zwischen Hörspielen, Lesungen und Features waren fließend, doch
r „das Interesse und das Orientierungsbedürfnis der Hö er waren groß, der Nachholbedarf enorm, und so saßen bis 1959 30 bis 40 Prozent der Hörer vor dem Radio, um Hörspiele zu hören und nachhaltige Hörerlebnisse zu haben.“ 9
8 Lersch, Edgar: Rundfunk in Stuttgart 1934 - 1949. Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk 1990, S. 160 9 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 47
19
Die ersten populären Hörspiele dieser Zeit verarbeiteten den Krieg, den Zusammenbruch Deutschlands und die Gefangenschaft. Das erste dieser erfolgreichen Hörspiele „Draußen vor der Tür“, von Wolfgang Borchert, war ursprünglich für das Theater gedacht. Das Echo war sensationell. Die Hörer waren
„empört, gepeinigt, erschrocken, befreit, zornig, erschüttert abwehrend und dankbar“ 10 ,
berichteten Zeitgenossen. Wie am Ende der Weimarer Republik waren die Hörspiele wieder ein Spiegelbild der Gesellschaft und trugen zu der Verarbeitung gesellschaftlicher Probleme bei.
In dieser Zeit wurde das Hörspiel erstmals ein besonderer und bald etablierter Teil der literarischen Kultur. Mehr als 1.000 Hörspiele, darunter ca. 120 Uraufführungen, wurden jährlich von den Hörspielredaktionen realisiert. Die Einschaltquote lag bei rund 50 Prozent, was ca. 12 Millionen Menschen entsprach.
„In den Fünfzigerjahren wurde nicht selten der wöchentliche Hörspieltermin wie ein Theaterbesuch eingeplant und vom übrigen Alltag abgeschirmt. Für die Familie besaß die Hörspielsendung eine bedeutende kommunikationsfördernde Funktion. Als mit den Sechzigerjahren das Fernsehen diese Rolle übernahm, verdrängte es den Hörfunk von seinem Rang. Das Radio ve suchte sich in seinen r
Präsentationsformen den ve änderten Bedingungen anzupassen. Das Hörspiel r
jedoch sollte in besonderer Weise unter dem sich verändernden Hörverhalten leiden und für den Hörer an Attraktivität verlieren.“ 11
1.2.6 Der neue Medienträger Fernseher veränderte die Interessen des Publikums
Bereits 1951 wurde ein Honorar zwischen DM 1.000,00 bis DM 2.000,00 an die Autoren bezahlt. Die Attraktivität nahm bis 1962 mit Honoraren von DM 2.000,00 bis zu DM 4.500,00 zuzüglich Zuschläge für Wiederholungen oder Übernahmen anderer Sender noch zu. Daher war zwar in den 50er Jahren nahezu jeder bedeutendere deutschsprachige Schriftsteller irgendwann einmal als Hörspiel-Autor tätig, wie z.B. Günter Eich, Ilse Aichinger, Alfred Andersch, Heinrich Böll, Max Frisch, Wolfgang Hildesheimer, Marie Luise Kaschnitz, Ingeborg Bachmann,
10 Wellershoff, Dieter: Die Arbeit des Lebens, Autobiographischer Bericht. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1985 11 Ohde, Horst: Das Literatische Hörspiel - Wortkunst im Massenmedium. München: In: Fischer, Ludwig: Literatur in der Bundesrepublik bis 1967, 1986, S. 470
20
Friedrich Dürrenmatt und Günter Grass. Zum Teil wurden entstandene Produktionen zuerst als Hörspiel und dann als Roman („Stiller“ von Max Frisch), als Theaterstück („Herr Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch) oder als Film (diverse Stücke von Alfred Andersch) herausgebracht. Dennoch konnte sich der Rundfunk und mit ihm das Hörspiel nicht gegen das neue Medium Fernsehen wehren.
„Bereits Anfang der 60er Jahre ließ das Interesse am Hörspiel nach. Die öffentlich-rechtlichen ARD Radios verloren ihre Alleinherrschaft im Äther. Das neue ARD Medium Fernsehen übernahm die publizistische Bedeutung des Hörfunks, drängte außerordentlich rasch gerade in die abendlichen und kulturdominierten Radiozeiten - und machte aus Hörern Zuschauer und aus Hörspiel-Autoren nun auch Drehbuch-Autoren.“ 12
Das Radioprogramm wandelte sich, es folgte die Pop- und Jugendwelle, man führte die stündlichen Nachrichten ein und verbannte die Hörspiele aus dem Abendprogramm. Das Radio und das Hörspiel hatten noch keine ausreichende künstlerische Tradition, um dem Medium Fernsehen die Stirn bieten zu können. So wurde das Radio wie schon einmal zum Nebenbei-Medium, und Unterbrechungen wie das Hörspiel störten nur die musikalische Berieselung.
Durch die Konkurrenz des Fernsehens verlor das Hörspiel nach 1965 sein Massenpublikum. Während im Hörspielprogramm traditionelle, literarische und unterhaltende Hörspiele weiterhin die Mehrheit bildeten, entstand in dessen Schatten das „Neue Hörspiel“ Es beschäftigte sich mit den spezifischen ästhetischen Möglichkeiten des Mediums, was in vielen Fällen zu abstrakten Klangexperimenten und künstlerischen Sprachreflexionen führte. Die meist jungen Autoren fanden in der experimentellen Kunst der 20er Jahre ihre Vorbilder. Doch diese Gattung fand nur zögernd Anerkennung und so hatte diese Kunstform nur eine kurze Blütezeit. Es gab aber auch erstaunliche Projekte, wie O-Ton-Projekte, bei denen z.B. Ferdinand Kriwet aus 65.000 Metern Magnetband ein 100-minütiges Werk aus Interviews und Gesprächsmitschnitten zusammensetzte. Dies wurde nur durch die neue Technik des tragbaren Tonbandgerätes möglich. Natürlich war das „Neue Hörspiel“ nur ein vergleichsweise geringer Teil eines umfassenden Programms. Unterhaltungshörspiele, Wiederholungen klassischer Stücke, Krimis, Dialektspiele oder literarische Neuproduktionen bildeten weiterhin den Kern.
12 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 65
21
1.2.7 Der Rundfunk wird populär und die ersten Hörbücher entstehen
In den 70er Jahren verschwand das Hörspiel aus den populären Ersten Programmen der Sender und fand in den hörerarmen und für Minderheiten bestimmten Zweiten und Dritten Programmen seinen Platz. Obwohl die Hörspiele auch in dieser Zeit rund 2 Prozent des Gesamtprogramms ausmachten, erreichten sie auf Grund der geringeren Hörerschaft nur noch eine Minorität.
Es stand wieder einmal nicht gut um das Hörspiel. Doch machte die technische Neuerung, wie die Stereofonie, die Ausgabe von Büchern zum Hörspiel und die gelegentliche Ausgabe von Schallplatten oder Kassetten das Hörspiel bei seinen Anhängern wieder interessanter. Der Schallplatten- und Kassettenversand brachte die Hörspiele erstmals materiell aus dem Radioprogramm, und nun standen die Inhalte dem Hörer zeitunabhängig zur Verfügung - dies sollte nun ein immer wichtigeres Thema werden und den akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil eine ganz neue Welt, die der Kommerzialisierung, öffnen. In öffentlichen Bibliotheken fanden die Hörbücher allerdings noch lange keinen Platz.
In den 80er Jahren sendeten die neun Landesrundfunkanstallen sowie RIAS Berlin und der Deutschlandfunk jährlich ca. 1.500 Hörspiele. Das Angebot reichte vom Thriller über die Familienserie, vom Dialektstück bis zum experimentellen Hörstück. Doch hatten die Hörspiele nur noch einen Anteil von 0,8% in der Programmstatistik (Werbung 1,6%) der Rundfunkanstalten.
1.2.8 Die veränderte Rundfunklandschaft verdrängt das Hörspiel
Die Einführung des dualen Rundfunks 1985/86 veränderte die Radio- und Hörspielszene radikal und erzwang äußerst schmerzhafte Neuorientierungen.
„Das dem Schönen, Wahren oder Experimentellen verschriebene Hörspiel war plötzlich dem Markt ausgese zt und reagierte verstört.“ t 13
Auf einmal galt die Faustregel, je stärker das Hörspiel vom „Normalen“ abwich, desto exotischer wurde der Sendeplatz. Aber generell wurden die Sendezeiten für Hörspiele immer später in die Nacht verlagert.
13 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 91
22
Die Diskussion um Einschaltquoten und Einsparungen nahm stets zu, und immer, wenn es um diese Punkte ging, geriet das Hörspiel unter Druck. 1990 hatten die Hörspiele nur noch einen Anteil von 0,6% im ARD-Rundfunk-Programm.
„Dabei hatte sich die Zahl der Hörspiele im Dualen System gar nicht reduziert: weiterhin wurden jährlich an die tausend Hörspiele gesendet, Jahr für Jahr kamen etwa 150, zählt man die Kürzestproduktionen mit, gar 700 Neuproduktionen dazu, und auch die Selbstkosten pro Sendeminute waren den öffentlich-rechtlichen Anstalten einiges wert. Die ARD investierte in ihr Hörspiel immer noch mehr als in den Sport; obwohl die P ogrammko ten von r s
577 DM (1987), 549 DM (1992), 447 (1994) auf 480 DM (1996) pro Sendeminute reduziert wurden, blieb der Hörspiel das mit Abstand teuerste Radiogenre (1987 kostete die Durchschnittsminute 102 DM, 1996 85 DM). 62 Millionen DM gab die ARD 1992 für ihre Hörspielproduktion aus, 44 Millionen für den Sport, 77 Millionen für die Unterhaltung. Und doch: Wir senden in Frankfurt pro Jahr circa 220 Hörspiele. Diese 220 Sendungen kommen mit Etatmitteln zus ande, t
die nicht höher sind als die Produktionskosten eines einzigen Fernsehfilms.“ 14
1.2.9 Eine neue Chance für Hörspiele und Hörbücher
Und trotz allem wagte man sich immer mehr an Superlative. So wurde 1995 das bis dato recht unbekannte Buch „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder, ein 600-seitiges Werk, als Hörspiel umgesetzt.
„Als S 2 Kultur die fünfzehn Folgen von Sofies Welt später am Stück in einer Radionacht ausstrahlte, standen die Telefone nicht still. Mehr als fünfhundert Anrufe und einige hunderte Faxe offenbarten ein enormes Interesse an dem f zeitenübergreifenden Philosophiespiel. Und unter den Anru en waren nicht nur s ausge prochene Hörspielfans. Auch ein Fernfahrer meldete sich, der überlegte, ob er auf einer Raststätte anhalten und dort das Hörspiel weiter hören sollte, weil er das Sendegebiet verlassen muss“ 15
Dieses akustische Werk verhalf nicht nur dem Buch sondern auch einer neuen Bühne für akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil, der Vermarktung von Hörbüchern durch Verlage, zum Erfolg. Anfänglich waren Hörbücher nur auf den Medienträgern LP und MC erhältlich, ab Ende der 90er auch auf CD. „Sofies Welt“ ist bis heute noch beim Hörverlag lieferbar.
14 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 94 15 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 100
23
Das Hörspiel suchte immer mehr den Weg heraus aus dem Radio und
„so, wie früher einmal Theaterstücke für das Hörspiel adaptiert wurden, gilt es heute, Hörspiele zu schreiben, die aus dem Medium heraus in die Welt ihren Platz finden, vielleicht auch auf Bühnen funktionieren können - und e gilt, s
Wege zu finden, die in der P oduktion so aufwendigen Kunstgebilde Hörspiel r
auch anders als nur in dem flüchtigen Medium der Ätherwellen und in den unzugänglichen Archiven der Rundfunkanstalten zu bewahren.“ 16
Bereits im Mai 1999 schrieb „WDR print“, das Hörspiel boomt und die Hörspielszene sei in Bewegung.
Es gibt in den verschiedenen Hörfunkredaktionen intensive Versuche, durch neue Hörspielkonzepte dem Bedeutungsverlust zu begegnen. Fritz Pleitgen, WDR-Intendant und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, rief 2001 sogar eine „Offensive fürs Kulturradio“ aus, was vor allem der WDR durch weitere Neupositionierungen von Hörspielen verwirklichte. In den Buchhandlungen und Bücherkaufhäusern lässt sich erkennen, dass heute so viele Hörbücher (MC und CD) verkauft werden wie nie zuvor. In den letzten 10 Jahren wurde eine Vielzahl von Hörbuch-Verlagen gegründet, und das Hörspiel ist auf Hörbüchern, zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Der Bayrische Rundfunk bietet mehr als 100 CD Titel und der Hörverlag, Marktführer in diesem Segment, fast 700 Titel an. 22 Millionen Euro setzte 2001 etwa der Hörverlag um: Thomas Manns „Buddenbrooks“ verkaufte sich in einem Jahr 25.000-mal und „Der Herr der Ringe“ (J.R.R Tolkien) über 100.000-mal.
„Im Jahr 2005 wird der Umsatz an Audiobooks auf 150 Millionen DM allein in Deutschland geschätzt. In den USA steigt die Buchauflage von Taschenbüchern um 20 Prozent, wenn sie auf dem Tonträger Audiobook vorliegt.“ 17
„Für das Jahr 2003 haben die Verlage inzwischen 7.000 neue erscheinende Hörbücher angekündigt.“ 18
Inzwischen sind aber auch wieder Hörspiele zum Kulturfaktor avanciert, doch nicht nur im Radio. Anders als in den 50er Jahren schreiben Autoren akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil nicht mehr ausschließlich und exklusiv für den
16 Ammer, Andreas: Dankeswort Kriegsblindenpreis 1996. Zit. Nach Klaus Schöning: Schriftsteller und Hörspiel, S. 161 17 Lindenmayer, Christoph: Besseres verlegen, weniger veröffentlichen! Den Verlagen mangelt es an zukunftsträchtigen Konzepten. Bonn: In: Dokumentation: Formate für Bücher. Information, Kritik und Promotion in Fernseh- und Hörfunksendungen. Fachtagung für Fernseh- und Hörfunkredakteure, Autoren und die Medienfachpresse. Hrsg. Von der Bundeszentrale für politische Bildung, 2000, S.14 18 Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 8
24
Arbeit zitieren:
Marc Fuss, 2004, Neue Medienträger für Hörbücher in Anbetracht wirtschaftlicher, technischer und rechtlicher Selektion und Bewertung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Marc Fuss's Text Neue Medienträger für Hörbücher in Anbetracht wirtschaftlicher, technischer und rechtlicher Selektion und Bewertung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Marc Fuss hat den Text Neue Medienträger für Hörbücher in Anbetracht wirtschaftlicher, technischer und rechtlicher Selektion und Bewertung veröffentlicht
Marc Fuss hat einen neuen Text hochgeladen
Wirtschaftliche Entwicklung und Innovationsfinanzierung in China seit ...
Eine systemisch-konstruktivist...
Minhui Ou
Technische Regeln im Umwelt- und Technikrecht
21. Trierer Kolloquium zum Umw...
Reinhard Hendler, Peter Marburger, Michael Reinhardt, Meinhard Schröder
Prozeßmanagement im Technischen Vertrieb
Neue Konzepte und erprobte Bei...
Michael Kleinaltenkamp, Michael Ehret
0 Kommentare