Inhaltsverzeichnis
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Vorbemerkung 2
1. Kontext 3
1.1 Biographie Friedrich Schillers 3
1.2 Quellen und Handlung der Räuber 4
2. Die Heldin Amalia 7
2.1 Das Weibliche - Heilige, Engel und Naive 7
2.2 Die Unbeugsame 10
2.3 Die „Erfühlende“ 12
3. Amalia als Mittel zum Zweck 15
3.1 Die Vertreterin des Karl in der Franz-Handlung 15
3.2 Die Schlüsselfigur 17
3.3 Das Opfer 19
Schlussbetrachtung 21
Literaturverzeichnis 22
1
Vorbemerkung
Amalia von Edelreich teilt das Los aller Schillerschen Frauengestalten, sofern sie nicht den Vorteil haben, zugleich Titelfigur eines Dramas zu sein: sie blieb unbeachtet, beargwöhnt, belächelt, man billigte ihr eine teils entbehrliche, teils wichtige Rolle im dramatischen Gefüge zu, ohne daß bisher, soweit ich sehe, eigentlich gesagt worden ist, worin diese bestehe. (Kluge, Gerhard: „Zwischen Seelenmechanik und Gefühlspathos. Umrisse zum Verständnis der Gestalt Amalias in Die Räuber - Analyse der Szene I, 3“. In: Fritz Martini, Walter Müller-Seidel u. Bernhard Zeller (Hg.): Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft, Stuttgart: 1976, S. 185)
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die einzige Frauengestalt in Schillers Erstlingsdrama Die Räuber: Figur und Funktion der Amalia sollen untersucht werden, um die von Kluge aufgeworfene Frage nach ihrer Entbehrlichkeit oder Wichtigkeit - wenn auch sicherlich nicht erschöpfend - beantworten zu können. Hierfür wird zunächst eine kontextuelle Situierung der Amalien-Figur zu unternehmen sein. In einem zweiten Kapitel soll die „Heldin Amalia“ mit ihren herausragenden Eigenschaften im Mittelpunkt stehen. Ein drittes Kapitel wird sich schließlich auf die dramaturgische Bedeutung der Amalia beziehungsweise auf deren Instrumentalisierung als dramaturgisches Mittel konzentrieren. Textgrundlage dieser Arbeit ist die 1781 erschienene, ursprüngliche und erste Ausgabe des Schillerschen Erstlingsdramas Die Räuber. Ein Schauspiel. 1 Andere Varianten können in Anbetracht der Art und des Umfangs dieser Arbeit nur sehr gelegentlich zum Vergleich herangezogen werden.
1 Als Text- und Zitiergrundlage dient die im Carl-Hanser-Verlag erschienene Ausgabe von Fricke, Gerhard u. Göpfert, Herbert G. (Hg.): Friedrich Schiller - Sämtliche Werke. Gedichte / Dramen I, Bd. 1, München: 4. durchges. Aufl. 1965. Darin: Schiller, Friedrich: Die Räuber. Ein Schauspiel, S. 491-618. Zitate aus und Verweise zu dieser Ausgabe werden im Folgenden abgekürzt angegeben: (Hanser : Seitenzahl).
2
1. Kontext
Eine sinnvolle Untersuchung der Amalien-Figur in Schillers Die Räuber verlangt einen kurzen Blick auf die Hintergründe und die Umgebung dieses „dramatischen Roman[s]“ („Unterdrückte Vorrede“, Hanser : 482). Aus einigen Eckdaten zu Autor und Werk sowie einer Handlungszusammenfassung des Dramas soll hier eine Grundlage für die nachfolgende Auseinandersetzung mit der Figur der Amalia entwickelt werden.
1.1 Biographie Friedrich Schillers
Johann Christoph Friedrich Schiller wird am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren. 2 Nach dem Besuch der Ludwigsburger Lateinschule wird Schiller 1773 von Herzog Carl Eugen von Württemberg als Zögling an die „Hohe Carls-Schule“, der Stuttgarter Militärakademie, gerufen. Dort studiert er, besonders beeinflusst von dem Lehrer Friedrich Abel, ab 1774 Jura, ab 1776 Medizin. Der Beginn der Arbeit an dem Schauspiel Die Räuber wird auf 1776 oder 1777 datiert (vgl. Stubenrauch, NA 3 : 261). Für die eigentliche Ausgestaltung ist allerdings das Jahr 1780 anzunehmen, in dem Schiller auch seine zweite medizinische Dissertation Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen fertig stellt, aus der einige Grundgedanken ihren Eingang in Die Räuber gefunden haben - beispielhaft erwähnt sei hier nur Franz’ Versuch, des Vaters „Körper vom Geist aus zu verderben“ (II, 1; Hanser : 522). Nach seiner Entlassung aus der Karlsschule ist Schiller ab 1781 als Regimentsarzt in Stuttgart tätig; im Frühling desselben Jahres erscheint das Schauspiel Die Räuber anonym im Selbstverlag, unter Angabe des fingierten Druckortes „Frankfurt und Leipzig“. Eine „zwote verbesserte Auflage“ mit vorangestelltem „In Tirannos“ nebst Bühnenfassung folgen bereits im Jahr darauf (vgl. Hofmann, Michael: Schiller. Epoche -Werk - Wirkung, München: 2003, S. 39). Gemäß der als „Mannheimer Soufflierbuch“ erhaltenen Version wird das Stück in (heimlicher) Anwesenheit Schillers am 13. Januar 1782 am Mannheimer Nationaltheater unter der Leitung von Wolfgang Heribert von Dalberg uraufgeführt - und hat großen Erfolg. Mit einer „für die Mannheimer Bühne verbesserte[n] Auflage“ (NA 3 : 137) des Stücks, Untertitel: „Ein Trauerspiel“, reagiert
2 Ein allgemein gehaltener Überblick zu „Leben und Werk“ Schillers findet sich bei Maurer, S. 219-221; einen ausführlichen und detaillierten Bericht über „Entstehungsgeschichte und Quellen“ der Räuber liefern Herbert Stubenrauchs „Anmerkungen“ in: Blumenthal, Lieselotte u. Wiese, Benno von (Hg.): Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 3: Die Räuber, hrsg. von Herbert Stubenrauch, Weimar: 1953, S. 260-343.
3
Schiller noch im gleichen Jahr auf Dalbergs Inszenierung der Räuber als Ritterdrama. Nach einer unerlaubten zweiten Reise nach Mannheim am 25. Mai wird Schiller vom Herzog mit 14-tägigem Arrest und Schreibverbot bestraft, woraufhin er am 22. September von Stuttgart nach Mannheim flieht.
In den Folgejahren vollendet Schiller Kabale und Liebe sowie Die Verschwörung des Fiesko zu Genua; Entwürfe für eine Fortsetzung der Räuber verfolgt er nicht weiter. Nach einer Lesung aus dem in Arbeit befindlichen Don Karlos wird Schiller am 27. Dezember 1784 von Karl August von Weimar der Titel eines Weimarischen Rats verliehen. 1789 zieht Schiller nach Jena, wo er zum Professor für Geschichte ernannt wurde; seine Antrittsvorlesung am 26. Mai trägt den Titel „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“. Am 13. Januar 1790 wird Schiller von Herzog Karl August, von dem er ein Jahresgehalt von 200 Talern erhält, zum Hofrat ernannt. Am 22. Februar heiratet er seine Verlobte Charlotte von Lengefeld. Von dem dänischen Prinzen Christian von Augustenburg bezieht Schiller ab 1791 über drei Jahre eine jährliche Zuwendung von 1000 Talern. Am 26. August 1792 wird dem Räuber-Dichter als Anerkennung für sein Erstlingsdrama von der französischen Nationalversammlung das Bürgerrecht verliehen. Über Anmut und Würde erscheint 1793, eine Zeit, die auch den Beginn der Freundschaft und Zusammenarbeit mit Goethe markiert. Mit seiner Frau und den drei Kindern übersiedelt Schiller 1799 nach Weimar; bis dahin entstehen unter anderem die Xenien und Wallenstein, danach folgen Maria Stuart, die Jungfrau von Orleans, die Braut von Messina und Wilhelm Tell. 1802 wird Schiller geadelt, 1804 sein letztes Kind geboren. Schillers späte Lebensjahre sind immer wieder von Krankheiten bestimmt - er stirbt am 9. Mai 1805; Demetrius bleibt ein Fragment.
1.2 Quellen und Handlung der Räuber
Übereinstimmend nennt die entsprechende Forschungsliteratur Christian Friedrich Daniel Schubarts Erzählung „Zur Geschichte des menschlichen Herzens“, erschienen 1775 in der Januarausgabe des Schwäbischen Magazins, als eine wesentliche, gar impulsgebende Quelle des schillerschen Erstlingsdramas. 3 Schubart berichtet von einem Edelmann mit
3 Vollständig abgedruckt ist Schubarts „Geschichte des menschlichen Herzens“ in: Grawe, Christian (Hg.): Erläuterungen und Dokumente. Friedrich Schiller - „Die Räuber“, Stuttgart: 1984 [RUB 8134], S. 111-116. Kommentare bezüglich ihres Einflusses auf die Räuber finden sich u. a. bei Liewerscheidt, Dieter: Die Dramen des jungen Schiller. Einführende Untersuchung, München: 1982, S. 23 f., bei Storz, Gerhard: „Zum Verständnis des Werkes“. In: Walter Hess (Hg.): Die Räuber - Vorreden, Selbstbesprechung, Textvarianten, Dokumente, Hamburg: 1965, S. 209 f., sowie in den Anmerkungen der NA 3 (v. a. 271 ff.).
4
zwei Söhnen ungleichen Charakters - dem nach dem Vatererbe trachtenden „heuchlerischen Bösewicht“ (Storz 1965 : 209) Wilhelm und dem aufgrund einer Briefintrige desselben „betrügerisch verstoßenen“ (ebd.) Freigeist Carl. Als Knecht unerkannt in die Heimat zurückgekehrt, kann letzterer schließlich seinen Vater vor Wilhelms gedungenen Mördern retten, sein rechtmäßiges Erbe antreten und, solchermaßen befugt, seinem Bruder vergeben. Die dieser stofflichen Grundlage beigefügte Räuberthematik wird sich zum Teil aus zeitgeschichtlich-aktuellen Berichten über Fälle wie den des Sonnenwirts Friedrich Schwan (vgl. u. a. Grawe : 122), aber auch aus Goethes Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (1773) gespeist haben. Cervantes’ „ehrwürdigen Räuber Roque aus dem Don Quixote“ (Hanser : 161) enthüllt Schiller in seiner 1782 im Wirtembergischen Repertorium abgedruckten Selbstrezension 4 als direktes literarisches Vorbild der Figur Karl Moors. Neben dem Brudermord, einem weiteren, wahrscheinlich (nicht nur) durch Klingers Die Zwillinge und Leisewitz’ Julius von Tarent (beide 1776) inspirierten „Modethema“ des Sturm und Drang, fanden auch biblische Motive - das des „verlorenen Sohnes“ sogar zeitweilig als Titel der Mannheimer Bühnenfassung (vgl. Stubenrauch, NA 3 : 113 ff.) - Eingang in die Räuber. Aufgrund von Sprache und Komposition der Räuber lässt sich sowohl eine Nähe zur Barockoper (vgl. Liewerscheidt : 23 ff), als auch eine schillersche Rezeption von Shakespeare, Plutarch und Klopstock einerseits und Rousseau (vgl. Liewerscheidt : 16 f.) andererseits feststellen. „Der rebellische Impuls des Dramas speist sich aus verschiedenen Quellen: aus dem Geiste der Kraftgenies des Sturm und Drang, aus einer verinnerlichten Empfindsamkeit und auch aus einem zugespitzten Rationalismus der Aufklärung.“ (Hofmann : 40) Das Schauspiel Die Räuber nun ist in fünf Akte eingeteilt, wovon der erste und der zweite in jeweils drei Szenen untergliedert sind, der dritte in zwei, der vierte in fünf und der fünfte schließlich in zwei Szenen. Den Ort der Handlung, „die insgesamt relativ gegenwartsnah in die Zeit des siebenjährigen Krieges placiert ist“ (Liewerscheidt : 20), gibt Schiller vage mit „Teutschland“ an, „die Zeit ohngefähr zwei Jahre“ (Hanser : 492). Das vorangestellte Personenregister umfasst fünfzehn namentlich genannte Figuren: den Grafen von Moor, seine Söhne Karl und Franz, Amalia von Edelreich, acht einzeln aufgeführte „Libertiner, nachher Banditen“ (ebd.), darunter Spiegelberg, Schweizer und Konsinsky, weiterhin Hermann, den „Bastard von einem Edelmann“, den Hausknecht Daniel sowie Pastor Moser; außerdem sind ein Pater, die Räuberbande und Nebenpersonen verzeichnet.
4 Schillers Selbstzeugnisse zu den Räubern finden sich sowohl in der Hanser-Ausgabe (vgl. Literaturverzeichnis dieser Arbeit) als auch bei Grawe, S. 155-172.
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Quote paper:
Silvia Bannenberg, 2004, Figur und Funktion der Amalia in Friedrich Schillers 'Die Räuber', Munich, GRIN Publishing GmbH
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