Inhalt
1. Einleitung 1
2. Katalogeintrag 1
3. Gemäldebeschreibung
3.1 Vorikonographische Beschreibung 2
3.2 Ikonographische Beschreibung 3
3.3 Angewandte Technik und Erhaltungszustand 5
4. „Kaiser Maximilian I. hält Albrecht Dürer die Leiter“ - Über die Beziehung des Künstlers zum
Kaiser 5
5. Deutung, Einordnung und Besonderheiten 7
6. Fazit 11
7. Literaturverzeichnis 12
II
1. Einleitung
Diese Seminararbeit behandelt das Gemälde „Bildnis Kaiser Maximilians I.“ 1 von Albrecht Dürer (1519). Mit in die genaue Untersuchung und Beschreibung des Werkes einbezogen werden eine Kohlezeichnung, ein Holzschnitt und das derzeit in Wien hängende Gemälde, die alle den Kaiser in gleicher Pose zeigen und als Vorstudien bzw. Nachbereitungen gesehen werden können. Neben der Klärung der Zusammenhänge dieser vier Werke Albrecht Dürers wird auf die geschäftliche und teils auch sehr anerkennende Beziehung von Kaiser Maximilian I. und Albrecht Dürer eingegangen. Die Einordnung des zu behandelnden Gemäldes in das Gesamtwerk Dürers und die Veränderung der Werkbedeutung von Dürers Schaffenszeit bis zur gegenwärtigen Kunstgeschichte, bilden den Hauptteil der Seminararbeit.
2. Katalogeintrag
„Bildnis Kaiser Maximilians I.“, 1519.
86,2 x 67,2 cm. Tüchleinmalerei.
Provenienz: Zunächst in Dürers Besitz, ab 1573 in der Sammlung Willibald Imhoffs. 1588 von Kaiser Rudolf II. in Prag erstanden. 1650 bei Hans Imhoff dem Älteren. Seit ca. 1860 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, aus der Erbschaft des Johannes S. C. J. Freiherr von Haller von Hallerstein bezogen. Unsigniert.
Das Gemälde zeigt den mit einer voluminösen Schaube und einem Hut bekleideten Kaiser Maximilian I., der mit seiner leicht nach rechts geneigten Körperhaltung dem Betrachter den Blick abwendet. Der Kaiser hält den Granatapfel als persönliches Symbol in beiden Händen und trägt die Kollane des Ordens vom „Goldenen Vlies“ 2 um die Schultern. Vom links in Kopfhöhe liegenden Wappen begleitet, ist ein Pergamentstreifen mit einer ihn ehrenden Schrift auch biographischen Inhalts am oberen Bildrand aufgeklebt. Das Hervorheben der Charakterzüge des Kaisers, die vor allem im Gesicht deutlich werden, gibt dem Gemälde eine besondere Note. Im Gegensatz dazu hat die Verwendung einer in diesem Zusammenhang ungewöhnlichen Bildtradition Kritik und Missfallen im frühen 16. Jahrhundert ausgelöst.
1 Alle hier aufgeführten Gemälde sind chronologisch geordnet im Anhang zu finden.
2 Siehe Bildanhang
1
Die hier angewandte Technik (Tüchleinmalerei) lässt auf dünnem Baumwollgewebe die deckenden Wasserfarben von beiden Seiten sichtbar werden. Das Gemälde zeigt an Hut, Mantel und linker Hand ausgebesserte Risse auf - es wurde bereits dubliert und erhielt neben kleineren Ausbesserungen einen neuen Keilrahmen. Die Verwendung der Tüchleinmalerei, die geringe Materialkosten und leichte Transportierbarkeit zum Vorteil hatte und verschiedene andere Indizien (wie z.B. der Pergamentstreifen und eine gewisse „Unvollendung“, die im Vergleich zum Vorschein tritt) sprechen dafür, dass dieses Werk nur eine Art Vorstudie zum endgültigen Gemälde (Kunsthistorisches Museum Wien) war bzw. dafür gedacht war, es dem Auftraggeber zukommen zu lassen, so dass sich dieser eventuelle Änderungen und Wünsche offen halten konnte.
Abgesehen vom heutigen, kunstgeschichtlichen Wert hatte dieses Gemälde, noch zu mal es nicht selbst vom Kaiser in Auftrag gegeben wurde und im Vergleich zu anderen Arbeiten für den Kaiser (z.B. Die Ehrenpforte) keinen besonderen Stellenwert im Gesamtwerk Dürers zu dessen Lebzeiten.
3. Gemäldebeschreibung
3.1 Vorikonographische Beschreibung
Auf dem hochformatigen, rechteckigen Gemälde mit kobaltblauem Hintergrund, ist der leicht nach rechts geneigte Oberkörper eines reich gekleideten, älteren Mannes zu sehen, der den Blick dem Betrachter abwendet und einen Punkt links außerhalb des Gemäldes fixiert. Die Figur nimmt in der Höhe ungefähr drei Viertel des Werkes ein. Oberhalb der Person, die einen weit ausladenden, schwarzen Hut trägt, an dessen Krempe ein Medaillon eingearbeitet ist, ist über die gesamte Breite des Gemäldes ein Pergamentstreifen angebracht, auf dem in Deutsch: „Der Allergrosmechtig ist vnüberwindlichist Kayser Maximilian der in vernunft schicklichkeit Weisheit vnd manheit / bey seinen zeiten menigklich vbertroffen Auch merckliche grosse sachen und getatten geübt hat. Ist geborn den XIX tag / Des monats marcy im MCCCLVIIII Jar hat gelebt LVIIII Jar - IX monat vnnd XXV tag. Vnnd ist mit tod ver / schiden zu Weiß seiner Mayestat erblannd Den XII. Tag des monats January in dem MCCCCCXIX Jar / Der Allemechtig geruche Der Seele sein gotliche Barmhertzigkeit genedigklichen mitzuteylen.“ 3 geschrieben steht. Die Anfangsbuchstaben sind kunstvoll kalligraphisiert. Die Ränder des Pergamentstreifens sind nochmals übermalt.
3 Albrecht Dürer in der Albertina Wien. Hsg. v. Klaus Albrecht Schröder und Maria Luise Sternath. Wien 2003, S. 470. (Freie Übersetzung: „Der Allmächtige, unüberwindliche Kaiser Maximilian, der in Vernunft, Schicklichkeit, Weisheit und Mannheit in seinen Zeiten unübertroffen ist und auch große Sachen und Taten ausgeübt hat - ist geboren am 19. Tag des Monats Mai im Jahre 1459. Er hat 59 Jahre, 9 Monate und 25 Tage gelebt und ist mit Tod verschieden (zu weiß seiner Majestät erblannd) am 12. Tag des Monats Januar im Jahr 1519 (Der Allmächtig geruche Der Seele sein gotliche) Barmherzigkeit genedigklichen mitzuteylen.).“)
2
Links in Kopfhöhe, neben dem mittig platzierten Herren, ist ein Wappen mit einem doppelköpfigen Adler zu sehen. Dieses ist von einer Krone überhöht und von der gleichen goldenen und aufwendig gearbeiteten Kette umrahmt, die auch an der Brust der Figur wieder zu finden ist. Jedoch werden die Enden der Kette, die der Mann um die Schultern gelegt hat, von einer Art löwenkopfähnlichem Fabelwesen gehalten, das wiederum ein mit den vier Gliedmaßen herunterhängendes Tier augenscheinlich im Maul hält; an der Kette am Wappen ist dies nicht wieder zu finden. In beiden, vor dem Bauch zusammengeführten Händen hält die Person einen Granatapfel. Die linke, geöffnete Hand, von der nur Daumen, Zeige- und Mittelfinger zu sehen sind, stützt den Granatapfel von unten und hält somit sein Gewicht, wobei die rechte Hand, von der der Daumen nicht abgebildet ist, die Seite der Frucht lediglich mit den Fingerkuppen berührt. Somit sind die rechten Finger in einer ruhenden Position angewinkelt; die Handfläche ist hinter dem Granatapfel verborgen. Die genaue Bestimmung der Frucht lässt sich durch eine kleine, offene und rautenförmige Stelle machen. Die Hände wirken im Gegensatz zum Gesicht jung und filigran:
Die kinnlangen, braunen, teils grauen Haare, die auch Strähnchenweise unter dem Hut an der Stirn zu sehen sind, umspielen das durch die große Hakennase auffällige Gesicht. Die feinen Augenbrauen tendieren mit einem fast arroganten Ausdruck nach oben, was jedoch durch die schweren Lider, die die dunklen Augen halb schließen, gemildert wird. Vor allem an Augen, Mund und Hals ist das Gesicht faltig. Das etwas fleischige Kinn bildet ein Pendant zum eher lächelnden Mund.
Die Figur trägt ein tiefblaues Untergewand und eine kostbare, voluminöse, rote Schaube, die sich in tiefen, groben und schweren Falten der Bewegung der Arme anpasst. Es scheint, als würde die Person noch eine Bekleidung unter dem Untergewand tragen, von der allerdings nur am Hals kleine Ansätze zu sehen sind.
Der Lichteinfall im Gemälde kommt von rechts und ist deutlich an der rechten Schulter, Brust und Hals zu sehen.
3.2 Ikonographische Beschreibung
Die Meinungen über den hier portraitierten, 1508 zum Kaiser des deutsch-römischen Reiches ausgerufenen Maximilian I., gehen weit auseinander. Für manche Geschichtsschreiber treten „körperliche Gewandtheit und Stärke (…), Beliebtheit beim breiten Volk [und] (…) außerordentlicher Mut“ 4 als Eigenschaften in den Vordergrund, andere stellen den Kaiser als „unverläßlichen Phantasten (…),
4 Rudolf Buchner: Maximilian I. Kaiser an der Zeitenwende. Zürich/Frankfurt 1970, S.46.
3
Arbeit zitieren:
Anna-Lena Henkel, 2006, Zu Albrecht Dürers Gemälde "Bildnis Kaiser Maximilian I", München, GRIN Verlag GmbH
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