Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Historischer Kontext der Wendriner Texte und der Bezug 4
Kurt Tucholskys zum Bürgertum
2.1 Überblick der historischen Entstehungsbedingungen 4
2.2 Bezug Kurt Tucholskys und der Wendriner Texte zum 5
B ürgertum
3. Die Figur des Herrn Wendriner und seine literarischen 7
Vorbilder
3.1 Der Bezug der literarischen Figur des Herrn Wendriner zu 7
seinen potentiellen Vorbildern
3.1.1 Der Bezug der literarischen Figur des Herrn Wendriner 7
zu James Joyce Ulysses
3.1.2 Der Bezug der literarischen Figur des Herrn Wendriner 8
zu Heinrich Manns Der Untertan
3.2 Die Erzählsituation und die literarische Figur des 9
Leopold Bloom in James Joyce Ulysses
3.2.1 Die Erzählsituation in James Joyce Ulysses 9
3.2.2 Die literarische Figur des Leopold Bloom in 11
James Joyce Ulysses
3.3 Die Erzählsituation und die literarische Figur des 11
Diederich Heßling in Heinrich Manns Der Untertan
3.3.1 Die Erzählsituation in Heinrich Manns Der Untertan 11
3.3.2 Die literarische Figur des Diederich Heßling in 12
Heinrich Manns Der Untertan
1
3.4 Die literarische Figur des Herrn Wendriner und die Parallelen 13
zu seinen Vorbildern
4. Satire und Dialekt der Wendriner Texte 14
4.1 Die Satire und die satirische Wirkung und Funktion der 14
Wendriner Texte
4.1.1 Die Satire 14
4.1.2 Wirkung und Funktion der Satire 16
4.2 Der Dialekt und die Wirkung und Funktion des Dialekts in den 17
Wendriner Texten
4.2.1 Der Dialekt 17
4.2.2 Wirkung und Funktion des Dialekts 17
5. Zusammenfassung und Fazit 19
6. Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
Das Thema dieser Hausarbeit sind die 16 Texte über Herrn Wendriner von Kurt Tucholsky. Einleitend soll ein Überblick über die historischen Entstehungsbedingungen gegeben werden, dem die Schilderung des Bezugs von Tucholsky zum Bürgertum und der Wendriner Texte zum Bürgertum folgt.
Im dritten Kapitel werde ich die Parallelen potentieller literarischer Vorbilder für die Figur des Herrn Wendriner darstellen. Die Arbeit geht dabei der Frage nach, welche Funktionen die literarischen Vorbilder für die Ausbildung der Figur des Herrn Wendriner haben. Hierbei liegt der Schwerpunkt der Betrachtung bei den Parallelen der formalen und inhaltlichen Funktion. Es soll gezeigt werden, dass diese literarischen Figuren als Muster von Tucholsky genutzt werden, um eine bestimmte Wirkung der Figur zu transportieren. Dabei werde ich mich auf die Figur des Leopold Bloom in James Joyce Ulysses und des Diederich Heßling in Heinrich Manns Der Untertan beschränken.
Das vierte Kapitel versucht eine linguistisch-sprachphilosophische Betrachtung über die Sprache des Herrn Wendriner. Hierbei werden zwei Aspekte der Texte untersucht. Die Satire und die satirische Wirkung der Texte und der Dialekt. Der phonetischen Schreibweise kommen verschiedene Funktionen zu, die exemplarisch an den Wendriner Texten aufgezeigt werden. Das abschließende fünfte Kapitel gibt eine Zusammenfassung und formuliert das Fazit dieser Arbeit. Anmerkung:
Die Texte über Herrn Wendriner sind auch im Zusammenhang Kurt Tucholsky und seiner Auseinandersetzung mit dem assimilierten jüdischen Bürgertum zu lesen. Herr Wendriner ist sowohl deutscher Spießbürger, als auch Jude, sie sind in seiner Person untrennbar miteinander verbunden. Obgleich sich dieser Gesichtspunkt als ein entscheidender in den Texten darstellt, würde eine Auseinandersetzung damit, den Rahmen dieser Arbeit sprengen. So bleiben die Bedeutung und zahlreichen Rezeptionen der Texte unter diesem Blickwinkel unberücksichtigt.
3
2. Historischer Kontext der Wendriner Texte und der Bezug Kurt Tucholskys zum Bürgertum
2.1 Überblick der historischen Entstehungsbedingungen
Kurt Tucholsky ist 1890 in Berlin Moabit geboren, hat 1914 seine juristische Doktorprüfung abgelegt und ist 1928 nach Schweden gezogen. Im August 1933 ist er ausgebürgert worden. Fortan lebte er in Schweden im Exil, wo er sich am 21. Dezember 1935 das Leben nahm.
Tucholskys historischer Hintergrund war somit die Zeit des Niedergangs des Wilhelminischen Kaiserreichs, die Zeit des ersten Weltkriegs, an dem Tucholsky selbst teilgenommen hat. Die Weimarer Republik, mit allen Hoffnungen auf Demokratie und zuletzt die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Tucholsky war Publizist, Lyriker, politischer Journalist und Schriftsteller. Er bediente sich verschiedener Genres, er schrieb Essays, Gedichte, Satiren, Romane und war literarisch auch für das Kabarett tätig. Der zahlenmäßig größte Anteil seiner Texte ist in der >Weltbühne<, dessen Herausgeber Siegfried Jakobson, auch sein Mentor war, erschienen. Die Weltbühne, die von 1905 bis 1918 Schaubühne hieß, war ein Wochenblatt, dass eine Auflage von ca. 20.000 bis 25.000 Exemplaren hatte. Tucholsky war nach dem Tod von Jakobson für kurze Zeit Herausgeber der Weltbühne, sie ist im März 1933 verboten worden. Die Texte Tucholskys sind unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht worden. Diese sind mit unterschiedlichen literarischen Rollen verbunden. Als Peter Panter schrieb er Betrachtungen über das Theater, Bücher und das Varieté, als Teobald Tiger gereimte Leitartikel, bissige politische Gedichte und Chansons, unter dem Pseudonym des Kaspar Hauser war er Schriftsteller und Lebensphilosoph und als Ignaz Wrobel verfasst er scharfe Zeitkommentare. Die Ambivalenz von Bedeutungsinhalt und Pseudonym wird deutlich, wenn man das Pseudonym des Hugo Grotius betrachtet. Dieser war Begründer des internationalen Völkerrechts, Jurist und Staatsmann und Tucholsky verfasste unter diesem Pseudonym eine Artikelserie über die zeitgenössische Justiz. Der
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Vollständigkeit halber sollen hier auch die weniger bekannten Pseudonyme genannt werden, es sind: Theobald Körner, Paulus Bünzly und Old Shatterhand. Alle 16 Wendriner Texte sind in der Zeit von 1922 bis 1930 in der Weltbühne unter dem Pseudonym des Kasper Hauser veröffentlicht worden. Allein in den Jahren 1925 und 1926 hat Tucholsky 11 der Texte geschrieben. Der letzte Text Herr Wendriner steht unter der Diktatur ist 1930 erschienen, als Tucholsky sich bereits im Exil befand.
2.2 Bezug Kurt Tucholskys und der Wendriner Texte zum Bürgertum Kurt Tucholsky ist in einer jüdischen großbürgerlichen Familie aufgewachsen und kann auf Grund seines Lebensstils als Vertreter des Bürgertums gelten. Die satirische Darstellung des Kleinbürgers in den Wendriner Texten gilt so nicht der Lebenssituation, sondern der geistigen Haltung des Herrn Wendriner. Für Tucholsky ist der „Bürger“ eine Einordnung, die nicht an einen bestimmten Stand gebunden ist, sondern sich durch Charaktereigenschaften konstituiert. Eine Klassifizierung, die über eine Zuordnung zu einer bestimmten Schicht weit hinausgeht.
Eine dieser Charaktereigenschaften des Kleinbürgers ist die verharmlosende Erinnerung an den Kaiser, zum Beispiel in Herr Wendriner telefoniert: „Unterm Kaiser sind doch gewiß manche Sachen vorgekommen - aber so was hab ich
noch nicht erlebt! Unerhört!“ 1 oder auch in dem Text Herr Wendriner nimmt ein Bad: „Der Wilhelm war gar nicht so schlecht, wie se ihn jetzt machen.“ 2 Weitere Eigenschaften des Herrn Wendriner, die ihn als Spießbürger entlarven sind sein Opportunismus, zum Beispiel in Herr Wendriner beerdigt einen: „Nu drehn Sie sich doch bloß mal um! Eine Geschmacklosigkeit, so zur Beerdigung zu
kommen. Das ist doch keine Premiere. Da ham Se recht - eigentlich is es ja doch eine...“ 3 , seine Fähigkeit in jedem Zusammenhang von Geld zu reden, sogar in dem Text Herr Wendriner beerdigt einen. Es gibt keinen Text, in dem es Herrn Wendriner
1 Tucholsky, Kurt: Gesammelte Werke. Band X. Hrsg. von: Mary Tucholsky und Fritz J.
Raddatz. Reinbek bei Hamburg 1975. Band 3. S. 217
2 Tucholsky, Kurt: Gesammelte Werke. Band 4. S. 156
3 Ebd. S. 204
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Arbeit zitieren:
Monika Skolud, 2004, Kurt Tucholskys Wendriner Texte - Literarische Vorbilder sowie Wirkung und Funktion der Satire und des Dialekts, München, GRIN Verlag GmbH
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