Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
I Vor der Adoption 3
1 Adoptiveltern fremdländischer Kinder 3
1.1 Kinderwunsch und Kinderlosigkeit 4
1.2 Gründe für eine Auslandsadoption 5
2 Abgebende Eltern in den Herkunftsländern und Freigabegründe 6
3 Das Haager Übereinkommen und die Adoptionsvermittlung 7
3.1 Adoptionsverfahren 7
3.2 Privatadoption und Kinderhandel 8
II Nach der Adoption 9
4 Eingewöhnungsphase 9
4.1 Medizinische Aspekte 9
4.2 Eingewöhnungsschwierigkeiten 10
5 Interesse an der Herkunft 11
6 Gescheiterte Adoptionen 13
Fazit 14
Literaturverzeichnis 15
1
Einleitung
Die Auslandsadoption ist in den letzten Jahren zu einem aktuellen und wichtigen Thema geworden. Während die Zahl der Inlandsadoptionen drastisch zurückgeht, ist die Zahl der
Auslandsadoptionen in Deutschland, Holland und in den skandinavischen Ländern 1 in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Der wesentliche Grund für diese Entwicklung liegt darin, dass in den Industriestaaten mit dem zunehmenden Wohlstand die Geburtenrate sinkt. Immer weniger Kinder werden zur Adoption freigegeben, immer mehr Paare bleiben ungewollt kinderlos. Diese Situation bewegt die Adoptivbewerber aus Deutschland und anderen Industriestaaten dazu, ein Kind aus den Entwicklungs- und Schwellenländern zu adoptieren, in denen aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage die Zahl der verlassenen, elternlosen Kinder ständig wächst.
Für viele ungewollt kinderlose Ehepaare ist die Auslandsadoption angesichts der geringen Chance auf ein Adoptivkind aus Deutschland die einzige Möglichkeit eine Familie zu gründen.
Angesicht der sich abzeichnenden Entwicklung, die zeigt, dass in der Zukunft haupsächlich Auslandsadoptionen stattfinden werden, ist es kaum verwunderlich, dass dieses Thema in der Forschung an Interesse gewonnen hat.
Die vorliegende Arbeit soll die verschiedenen Situationen der an der Auslandsadoption Beteiligten schildern und einen Überblick über den Verlauf der Auslandsadoption geben. Zahlreiche Studien, die in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten durchgeführt wurden, beschäftigen sich hauptsächlich mit der Situation der Adoptivkinder und Adoptiveltern. Sie geben Auskunft über Gesundheitszustand und Eingewöhnungsschwierigkeiten der Adoptivkinder und über Adoptionsmotive der Adoptivbewerber. Es gibt aber sehr wenig Studien, die sich mit der Situation der abgebenden Mütter bzw. Eltern auseinandersetzen. Die vorliegende Arbeit stützt sich vorwiegend auf die Ergebnisse von Studien, die im Zusammenhang mit Auslandsadoption durchgeführt wurden.
Die Arbeit ist in zwei große Teile gegliedert. Im ersten Teil wird die Situation vor der Adoption, im zweiten die Situation danach dargestellt.
1 Siehe Hoksbergen, Renè A. C.: Auslandsadoptionen: deutsche, niederländische und andere
Forschungsergebnisse, in: Hoksbergen, R./ Textor, M. (Hgg): Adoption. Grundlagen, Vermittlung,
Nachbetreuung, Beratung, Lambertus 1993, S. 67.
2
Zunächst wird die Situation der Adoptiveltern fremdländischer Kinder, „...die in der Regel
das Verfahren der Auslandsadoption in Gang setzen“ 2 , und der abgebenden Eltern in den Herkunftsländern, beschrieben. Als weiteres werden die Rechtslage und das Adoptionsverfahren vorgestellt.
Im zweiten Teil wird die Situation der Adoptivkinder nach der Aufnahme in die Adoptivfamilie, die gesundheitlichen Probleme der Kinder, ihre Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung und die Bedeutung des Interesses an ihrer Herkunft, dargestellt. Außerdem werden in diesem Teil gescheiterte Adoptionen betrachtet. Abschließend wird ein Fazit gezogen.
I Vor der Adoption
1 Adoptiveltern fremdländischer Kinder
Das Durchschnittsalter der Adoptiveltern bei der Aufnahme des ersten fremdländischen
Adoptivkindes beträgt 30 bis 35 Jahre. 3 Das optimale Alter für beide Adoptiveltern liegt bei etwa 35 Jahren. Ehepaare sind in diesem Alter jung genug um sich den durch die Aufnahme des fremdländischen Kindes geänderten Lebensumständen anzupassen und
haben zugleich relativ viel Lebenserfahrung. 4 Eine große Rolle spielt der soziale Status der Eltern fremdländischer Adoptivkinder, die
überwiegend der oberen Mittelschicht und Oberschicht angehören. 5 Aus dem hohen sozioökonomischen Status ergeben sich für die Kinder Vor- und Nachteile. „ Einerseits wird man erwarten können, daß die Sozialisationsbedingungen der (oberen) Mittelschicht dem Adoptivkind besonders günstige Entwicklungsmöglichkeiten bieten, denn die materiellen und sozialen Bedingungen (Wohnung, Wohnumgebung, Ausbildungsmöglichkeiten usw.) sind in der Regel günstig. Andererseits muß befürchtet werden, daß Adoptiveltern aus der Mittelschicht häufig eine überhöhte Anspruchshaltung gegenüber der sozialen,
2 Lange, Gesine: Auslandsadoption. Wissenswertes zu einem aktuellen Thema, Idstein 2003, S.10.
3 Vgl. Hoksbergen, Renè A. C.: Auslandsadoptionen: deutsche, niederländische und andere Forschungsergebnisse, in: Hoksbergen, R./ Textor, M. (Hgg): Adoption. Grundlagen, Vermittlung,
Nachbetreuung, Beratung, Lambertus 1993, S. 73.
4 Ebd.
5 Vgl. Lange, Gesine: Auslandsadoption. Wissenswertes zu einem aktuellen Thema, S.81.
3
intellektuellen, und emotionalen Entwicklung ihrer Kinder zeigen (Schreiner 1984: 121).“ 6
In der Vergangenheit überwogen bei Auslandsadoptionen humanitäre und soziale
Adoptionsmotive. 7 Viele Adoptionsbewerber fremdländischer Kinder nannten als Motiv den Wunsch, einem „armen“ Kind ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch während vor
20 Jahren meist humanitäre Gründe für eine Auslandsadoption an erster Stelle standen, hat
sich dies ganz besonders in den letzten Jahren gewandelt. Der Anteil kinderloser Ehepaare bei Auslandsadoptionen nimmt (offensichtlich aufgrund der Tatsache, dass in Deutschland immer weniger Kinder zur Adoption freigegeben werden) zu.
Als zentrales Motiv für die Adoption eines (sowohl einheimischen als auch fremdländischen) Kindes gilt also die Kinderlosigkeit.
1.1 Kinderwunsch und Kinderlosigkeit
In Deutschland bleibt etwa jede siebte Partnerschaft mit Kinderwunsch kinderlos. „In Zahlen ausgedrückt bedeutet das , dass etwa 1,5 bis 2 Millionen Paare bundesweit unter
ihrer Kinderlosigkeit leiden.“ 8 Die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit sind vielfältig und können sowohl beim Mann als auch bei der Frau liegen. Diese Erkenntnis setzte sich erst im Laufe unseres Jahrhunderts durch, denn lange Zeit galt nur die Frau als Verursacherin der
Unfruchtbarkeit. 9 Als erstes sind die organischen Gründe (z.B. angeborene Ursachen) zu nennen, die den größten Anteil haben. Trotz der fortgeschrittenen Medizin in diesem Bereich können nur in seltenen Fällen die Ursachen für die Unfruchtbarkeit behoben
werden. 10 An zweiter Stelle sind die psychischen Faktoren bei der Unfruchtbarkeit zu nennen. Das sind zum Beispiel seelische, berufliche oder wirtschaftliche Probleme. Die durch psychische Faktoren verursachte Unfruchtbarkeit kann in meisten Fällen durch
Gesprächstherapie geheilt werden. 11 Häufig kann aber aufgrund der Interaktion zwischen
6 Zitiert nach Hoksbergen, Renè A. C.: Auslandsadoptionen: deutsche, niederländische und andere Forschungsergebnisse, in: Adoption. Grundlagen, Vermittlung, Nachbetreuung, Beratung, S. 73.
7 Vgl. Kühl, Wolfgang: Adoptionserfolg bei Adoptivkindern fremdländischer Herkunft, Peter Lang 1990, S. 155.
8 Lange, Gesine: Auslandsadoption. Wissenswertes zu einem aktuellen Thema, Idstein 2003, S.17. 9 Vgl. ebd., S.13.
10 Vgl. ebd., S.17.
11 Vgl. ebd.
4
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Natalie Schlee, 2005, Auslandsadoption, Munich, GRIN Publishing GmbH
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