SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf II
Vorwort
Die vorliegende Diplomarbeit mit dem Thema „Supplier Relationship Management -Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf“ entstand im Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Berufsakademie Mannheim im Fach Materialwirtschaft auf Empfehlung des ausbildenden Unternehmens SAP AG in Walldorf. Die Umsetzung fand während des 6. Praxissemesters in der Abteilung SRM Solution Strategy statt. Mein besonderer Dank gilt Herrn Professor Dr. Helmut Wannenwetsch von der Berufsakademie Mannheim und Herrn Tom Wilke von der SAP AG für ihre stets kompetente Beratung und Unterstützung.
Die Arbeit gliedert sich grundlegend in drei Teilbereiche:
c. Wirtschaftlicher Nutzen von SRM-Software
a. Bei der anfänglichen theoretischen Abhandlung werden die aktuelle Situation des Beschaffungsmarkts und Grundlagen von Einkaufssoftware beschrieben. Dabei wird insbesondere auf die SRM-Lösung der SAP AG mySAP SRM eingegangen.
b. Der zweite Teilbereich behandelt die Gestaltung und Auswertung einer Befragung zur aktuellen Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf. Aus diesem Grund war ich auf die Teilnahme von möglichst vielen Messebesuchern bei der e_procure & supply angewiesen, die mit mir geduldig den Fragebogen durchgegangen sind. An dieser Stelle gilt mein Dank an all diese Personen für ihre tatkräftige Unterstützung.
c. Der dritte Teilbereich besteht aus der Beschreibung des wirtschaftlichen Nutzens beim Einsatz von Einkaufssoftware und Beispielen aus der Praxis. Deshalb gilt mein zusätzlicher Dank den Herrn Guido Kaup und Serge Hoffmann vom SRM Solution
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf III
Management, die mir wertvolle Unterlagen über Praxiseinsätze und die Wirtschaftlichkeit von SRM-Software zur Verfügung gestellt und meine Fragen kompetent beantwortet haben.
Weiterer Dank gilt schließlich meiner Verlobten und meinen Familien in Rendsburg und Walldorf.
Deniz Çetin, Juli 2005
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf IV
Inhaltsverzeichnis
Vorwort II
Inhaltsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis. VIII
Tabellenverzeichnis X
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung. 3
1.2 Zielsetzung 8
2 Das Konzept Supplier Relationship Management als ganzheitlicher
Gestaltungsansatz für den Einkauf 10
2.1 Historische Entwicklung des Supplier Relationship Management 11
2.2 Supplier Relationship Management mit mySAP SRM 14
2.2.1 Anwendungen im strategischen Sourcing. 17
2.2.2 Effizienzsteigerung im operativen Procurement 21
2.2.3 Supplier Self-Services zur Optimierung der Lieferantenbeziehungen. 23
2.3 Wirtschaftlicher Nutzen des Supplier Relationship Managements. 26
3 Durchführung der Studie „Aktuelle Bedeutung und Trends von
Softwareeinsatz im Einkauf“ 31
3.1 Planung des Studienprojekts 31
3.2 Auswahl der Befragungsstätte. 32
3.3 Auswahl der Befragungsmethode. 34
3.4 Konzeption des Fragebogens. 35
4 Ergebnisse der Studie 37
4 1 Allgemeine Rahmendaten 37
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf V
4.2 Strategische Bedeutung der Beschaffung im Unternehmen 39
4.3 Unterstützung des Einkaufs durch SR-MSoftware. 43
4.4 Wichtigste von SR-MSoftware unterstützte Prozesse und Herausforderungen
hierbei 47
4.5 Markt- und Innovationsführerschaft bei Softwareanbietern. 51
4.6 Zukünftige Entwicklungen im Einkauf 56
4.7 Schlussbetrachtung und Ausblick. 59
5 Einsatz von mySAP SRM in ausgewählten Unternehmen 61
5.1 mySAP SRM bei Steelcase Inc. 62
5.1.1 Die wichtigsten Herausforderungen bei Steelcase. 62
5.1.2 Entscheidung für SAP 65
5.1.3 Hauptnutzen für das Unternehmen 66
5.2 mySAP SRM bei Pemex Gas 68
5.2.1 Anforderungen an ein SR-MSystem bei Pemex Gas. 69
5.2.2 Implementierung von mySAP SRM. 70
5.2.3 Ergebnisse der Einführung 71
Abstract XII
Literaturverzeichnis XIII
Anhangsverzeichnis XXVI
Anhang XXVII
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf VI
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft B2B Business-to-Business
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik BME e.V. BoB Best-of-Breed BPO Business Process Outsourcing DPS Desktop Purchasing System
CCM CRM EBP Enterprise Buyer Professional E-Business Electronic Business EDI Electronic Data Interchange EDV Elektronische Datenverarbeitung E-Mail Electronic Mail E-Procurement Electronic Procurement ERP Enterprise Resource Planning E-Sourcing Electronic Sourcing EVA Economic Value Added Inc. Incorporated Company IT Informationstechnologie KG Kommanditgesellschaft Kleine
und
mittelgroße Unternehmen KMU MRO Maintenance Repair Operations OCI Open Catalog Interface PEMEX Petróleos Mexicanos PLM Product Lifecycle Management RFQ Request for Quotation ROI Return on Investment
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf VII
Systeme, Anwendungen, Produkte in der SAP Datenverarbeitung
SCM SRM Supplier
Self-Services
SUS WWW World Wide Web
eXtensible
Markup Language XML
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Einflussfaktoren auf das Beschaffungsmanagement.
Abbildung 2: Stellung der Einkaufsabteilung bei der Strategiefestlegung
Abbildung 3: Wertbeitrag des Einkaufs zum Unternehmensergebnis
Abbildung 4: Vom traditionellen Einkauf zum strategischen
Beschaffungsmanagement
Abbildung 5: Bisherige Zusammenarbeit mit Lieferanten.
Abbildung 6: Prinzipien des Supplier Relationship Managements
Abbildung 7: Entwicklungsstufen der elektronisch unterstützten Beschaffung
Abbildung 8: Schnittstelle von mySAP SRM zu anderen Business-Anwendungen
Abbildung 9: Die mySAP SRM 4.0 Lösungsstruktur.
Abbildung 10: Gesamte systemtechnische Unterstützung des Einkäufers
Abbildung 11: Lieferanten-Portfolioanalyse.
Abbildung 12: Kontraktlebenszyklus im SAP-Kontraktmanagement
Abbildung 13: Ablauf einer Self-Service Beschaffung
Abbildung 14: Unterstützte Katalog-Szenarien.
Abbildung 15: Kollaboration mit der gesamten Lieferantenbasis über das
Lieferantenportal
Abbildung 16: Schnittstellen des SAP Lieferantenportals
Abbildung 17: Bedarfsbündelung durch SRM
Abbildung 18: SRM führt zu Shareholder Value.
Abbildung 19: Branchenzugehörigkeit der Studienteilnehmer.
Abbildung 20: Unternehmensgröße gemessen am Umsatz.
Abbildung 21: Definition und Dokumentation von Einkaufszielen und -strategien.
Abbildung 22: Unterschiede zwischen KMU und Großunternehmen bei der
Einkaufsstrategie
Abbildung 23: Wichtigkeit der Definition und Dokumentation strategischer
Einkaufsziele und -strategien
Abbildung 24: Aktueller Status der Einkaufsfunktion in Unternehmen
Abbildung 25: Treiber des SR-MSoftwareeinsatzes in den nächsten 5 Jahren
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf
Abbildung 26: Strategische Ziele und Erfüllung dieser durch SR-MSoftware.
Abbildung 27: GAP-Analyse zwischen strategischen Zielen und Erfüllung dieser
durch SR-MSoftware.
Abbildung 28: Eingesetzte SR-MTools zur Erreichung der Einkaufsziele und -
strategien
Abbildung 29: Aktuelle Herausforderungen für SR-MProzesse und -Software
Abbildung 30: Einschätzung des Marktführers im Bereich E-Procurement-Lösungen
Abbildung 31: Marktführerschaft im Bereich SR-MSoftware
Abbildung 32: Softwareanbieter im Bereich E-Sourcing.
Abbildung 33: Innovationsführer bei der Entwicklung neuer Software für den Einkauf
Abbildung 34: Zukünftige Entwicklungen im Einkauf.
Abbildung 35: Nutzenkategorien von SRM
Abbildung 36: Wirtschaftlicher Nutzen von mySAP SRM bei Steelcase
Abbildung 37: Wertschöpfung bei Pemex durch mySAP SRM.
Abbildung 38: Einsparungen durch den Einsatz von mySAP SRM bei Pemex im
Überblick
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf X
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Beschreibung der Tools des SRM 13
Tabelle 2: Strategische Effekte von Procurement-Software 28
Tabelle 3: Phasen eines Studienprojekts 31
Tabelle 4: Aufgabenbereich und Stellung der Messebesucher im Betrieb 33
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 1
1 Einleitung
Die Entwicklungen der wirtschaftlichen Situation in den letzten Jahren, die durch Globalisierung, Konzentration auf Kernkompetenzen, weiterhin steigenden Kostendruck und dem richtigen Markteintrittszeitpunkt gekennzeichnet sind, stellen Unternehmen vor immer komplexer werdende und vielschichtige 1 Herausforderungen. Nicht zuletzt die Dynamik und Komplexität in sich stetig 2 ändernden Kundenerwartungen tragen zum vehementen Wettbewerbsdruck bei.
Gerade im Einkauf, der in traditioneller Sicht lediglich ein Erfüllungsgehilfe anderer Abteilungen war, aus interner Unternehmenssicht „hohe Ineffizienzen“ aufzeigte und teilweise keine intensiven Beziehungen zu Lieferanten unterhielt, kommt der Optimierung der Beschaffungsprozesse, auch aufgrund der zunehmenden
1 Vgl. Hildebrandt, H., 1999, Geleit sowie Eyholzer, K., Hunziker, D., 2001, Seite 74.
2 Vgl. Kuhn, A./Hellingratz, B., 2002, Vorwort.
3 In Anlehnung an: Economist Intelligence Unit, 2005, Seite 2 sowie SAP AG, 2004, mySAP Supplier Relationship Management. Managing Spend for Profitability, Seiten 4f.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 2
Reduzierung der Fertigungstiefe und des steigenden Outsourcing, eine besondere 4 Bedeutung zu (siehe Abbildung 1 auf Seite 1).
In den letzten Jahren wurden sich Unternehmensleitungen immer mehr der besonderen Stellung der Einkaufsabteilung bewusst. Laut einer Studie von der Intelligence Unit des Economist wird die Bedeutung in den nächsten 10 Jahren 5 weiter wachsen (siehe folgende Abbildung 2).
4 Vgl. Eyholzer, K./Kuhlmann, W./Münger, T., 2002, Seite 66 sowie Hildebrandt, H., 1999, Geleit.
5 Vgl. Economist Intelligence Unit, 2005, Seite 19.
6 Ebenda.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 3
1.1 Problemstellung
Der Unternehmensgewinn lässt sich auf zwei Arten steigern: a) den Umsatz erhöhen oder b) die Kosten senken. Das Management von Unternehmen hat erkannt, dass heute mit gleichem Aufwand auf der lange vernachlässigten Beschaffungsseite mehr Wirkung für Ertrag und Wettbewerbsfähigkeit erzielt werden kann als auf der Absatzseite. Beim derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfeld stellt es jedoch eine gehörige Herausforderung dar, den Umsatz zu steigern. Die Kosten zu senken ist meist deutlich einfacher. Es stellt sich die Frage, wie ein Unternehmen es schafft seine Kosten zu senken. Die Optimierung des Beschaffungsprozesses stellt hier 7 einen wichtigen Ansatzpunkt dar.
Eine interne Studie von SAP, die zeigt, dass eine zehnprozentige Umsatzsteigerung den gleichen Effekt hat wie eine Senkung der Materialkosten um 4 Prozent,
7 Vgl. SAP AG, 2004, mySAP Supplier Relationship Management. Managing Spend for Profitability, Seite 4.
8 Vgl. Kaup, G., 2005, Folie 6.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 4
verdeutlicht sehr stark die Bedeutung der Beschaffung für den Unternehmenserfolg. Weiterhin besagt die Studie, dass Initiativen in der strategischen Beschaffung am schnellsten einen Return on Investment erzielen (siehe Abbildung 3 auf Seite 3). Die Beschaffung muss demzufolge vom Kostendrücker zum Kostengestalter avancieren, 9 um Wettbewerbsvorteile zu schaffen.
Andere Untersuchungen haben weiterhin festgestellt, dass 76% der Kosten, welche eine Bestellung auslösen, rein administrativen Routinearbeiten zuzuordnen sind. Diese Kostenart, die durch zeitintensive Tätigkeiten geprägt ist, kann signifikant 10 reduziert werden. Aus diesem Grund tritt bei der Optimierung der
Beschaffungsprozesse die Betrachtung der ganzheitlichen Wertschöpfungskette in 11 den Vordergrund, der Einkauf wird somit zur strategischen Funktion. Indem
operative und administrative Tätigkeiten so weit als möglich automatisiert bzw. eliminiert, an Lieferanten oder andere Hierarchiestufen übergeben werden, können sich die Einkaufsabteilungen mehr auf ihre strategischen Kernaufgaben mit höherer Wertschöpfung wie zum Beispiel Verbesserung der Lieferantenbeziehungen, Lieferantenbewertungen, Kontraktmanagement, globale Analysen und
Prozessverbesserungen konzentrieren. Abbildung 4 auf Seite 5 zeigt den Wandel 12 vom traditionellen Einkauf zum strategischen Beschaffungsmanagement.
Unterstützt und ermöglicht wird dieser
Wandel durch die Entwicklung der
elektronischen Kommunikationstechnologie, vor allem
durch das Internet, das die gesamte
Geschäftswelt im Laufe des 20.Jahrhunderts bedeutend verändert hat. Im Internet können im E-Business-Zeitalter Unternehmen unternehmensübergreifend nach in
9 Vgl. Wilke, T., 14.06.2005, Expertengespräch.
10 Vgl. Nekolar, A.-P., 2003, Seite 3.
11 Vgl. Eyholzer, K./Hunziker, D., 2001, Seite 74.
12 Vgl. Eyholzer, K./Kuhlmann, W./Münger, T., 2002, Seite 66.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 5
Frage kommenden Anbietern suchen, sich über das vorhandene Produktspektrum informieren und konkrete Angebote für Bestellungen einholen. Auf diese Weise 13 können die Optimierungs- und Einsparpotenziale im Einkauf erschlossen werden.
Einkaufsabteilungen stellt sich folgendermaßen
dar: Auf der einen Seite betrachten zahlreiche Unternehmen die Beschaffung heute schon als
wichtige Funktion und setzen bereits elektronische Beschaffungslösungen im Einkauf
13 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, 2005, Seite 5.
14 Vgl. Eyholzer, K., 2002, Seite 67.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 6
ein, um von den Potenzialen dieser Software zu profitieren. Eine Erhebung des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) ergab, dass 15 83% der Unternehmen reine E-Procurement-Lösungen für den Einkauf einsetzen.
Auf der anderen Seite gibt es immer noch
Lösungen
Ausschreibungen und Auktionen (E- Sourcing),
Rationalisierungspotenzial noch nicht erkannt wurden. 52% Prozent der befragten 16 Unternehmen haben noch keine Erfahrungen mit derartigen Systemen.
Auch das Thema Lieferantenmanagement weist noch erhebliches
Verbesserungspotenzial auf. Immer mehr Unternehmen realisieren, dass der Preis nur einer von vielen wichtigen Kriterien ist. Die Rolle des Lieferanten, der früher im Rahmen von Preisverhandlungen als Gegner betrachtet wurde, muss sich zu der eines Wertschöpfungspartners hin entwickeln, der langfristig in die 17 Beschaffungsprozesse integriert werden soll.
Hinzukommt, dass die meisten Unternehmen sich nur auf ihre großen Hauptlieferanten konzentrieren. Der Datentransfer mit den Hauptlieferanten erfolgt 18 z.B. via EDI, welcher sehr kostenintensiv ist und nicht auf eine Großzahl von 19 Lieferanten skalierbar ist. Lieferanten von so genannten indirekten Produkten oder
MRO-(Maintenance Repair Operations-) Produkten, also Produkten, die nicht direkt ins Endprodukt eingehen, werden deshalb noch oft außen vor gelassen.
15 Vgl. ECIN (Internet), 2005, Artikel „Macht es elektronisch“.
16 Vgl. BME, 2005, Seiten 1 und 5.
17 Vgl. Eyholzer, K./Kuhlmann, W./Münger, T., 2002, Seite 67.
18 Unter EDI versteht man den Transfer strukturierter Daten durch vereinbarte Nachrichtenstandards von Computer zu Computer unter Nutzung elektronischer Mittel. [Kluck, D., 2002, Seite 235.]
19 Vgl. Eisel, A., 2005, Lieferantenanbindung mit mySAP SRM, Folie 5.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 7
Geschäftsbeziehungen sind aus diesem Grund wenig automatisiert, fehleranfällig 20 und arbeitsintensiv. Die folgende Abbildung 5 veranschaulicht diesen Sachverhalt.
Einen weiteren Problembereich stellen inkonsistente und mehrfach vorhandene Stammdaten dar, die das reibungslose Zusammenspiel in einem zunehmend globalen Firmengeflecht erschweren. Für eine zentrale Einkaufsabteilung ist es schwierig, Informationen über Lieferanten und gekaufte Artikel zusammenzufassen, um das so gesammelte Wissen gezielt für Einkaufsverhandlungen mit Lieferanten zu 22 nutzen.
Um die Kosten im Einkauf gering zu halten und das Ziel der Gewinnmaximierung zu erreichen, entstand das Supplier Relationship Management (SRM) als eine natürliche Weiterentwicklung des E-Procurement-Gedankens. SRM beschreibt die Potenziale, die sich aus diesen Entwicklungen für die Versorgung des Unternehmens mit Waren und Dienstleistungen ergeben und stellt dazu verschiedene unterstützende Methoden und Instrumente zur Verfügung, die es ermöglichen auch mit der Masse der Lieferanten zusammenzuarbeiten. Das SRM-Konzept unterstützt
20 Vgl. Dolmetsch, R., 2000, Seite 19.
21 Eisel, A., 2005, Lieferantenanbindung mit mySAP SRM, Folie 5.
22 Lindner, M. (Internet), 2005.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 8
und optimiert kritische Prozesse der Wertschöpfungskette - vom Management der 23 Zulieferer über die Entwicklung bis hin zur elektronischen Beschaffung.
Fazit
Der Bereich der Beschaffung bietet viele Ansätze zur Senkung der Kosten, um die Rentabilität des Unternehmens zu steigern. Dafür müssen Beschaffungsprozesse möglichst automatisiert und vereinfacht und die Zusammenarbeit mit den Lieferanten verbessert werden. So bleibt den Einkäufern mehr Zeit für strategische Aufgaben. Zudem muss das Problem der inkonsistenten und mehrfach vorhandenen Stammdaten durch systematisches Stammdatenmanagement angegangen werden. Ein ganzheitliches Supplier Relationship Management kann hier effizient unterstützen und einen Wertschöpfungsbeitrag leisten.
1.2 Zielsetzung
Als Grundlage für das Verständnis für die Zielsetzung dieser Arbeit, sollten die Einleitung und Problemstellung am Anfang dieser Diplomarbeit dienen, die die aktuelle Situation und Entwicklungen auf den Beschaffungsmärkten skizzieren. Dieses betriebswirtschaftliche Umfeld führt zu Veränderungen in den Unternehmen und begründet die Notwendigkeit von SRM-Lösungen. Ziel dieser Diplomarbeit ist es daher, zunächst einen Überblick über die Möglichkeiten und Ziele von SRM-Software sowie einen kurzen Einblick in die historische Entwicklung dieser Lösung zu geben. Weiterhin soll die vorliegende Arbeit einen detaillierten Überblick über das Funktionsangebot der Software-Lösung mySAP Supplier Relationship Management, als Bestandteil der mySAP Business Suite, geben. In den letzten Jahren wurden die Funktionalitäten des mySAP SRM kontinuierlich an die neuen Herausforderungen der Wirtschaft und an Anforderungen der Kunden angepasst und weiterentwickelt. Hierfür wurden einige Geschäftsprozesse ausgewählt, die detailliert beschrieben werden.
23 Vgl. Barking, U./König, P., 2002, Seite 23.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 9
Ein Kapitel über den wirtschaftlichen Nutzen für die beteiligten Unternehmen soll zeigen, welchen Beitrag SRM für die Wertschöpfung eines Unternehmens leisten kann. Aus der Problemstellung in Kapitel 1.1 ist zu erkennen, dass einige Potenziale von SRM-Lösungen noch nicht erkannt worden sind. Eine Studie im Rahmen dieser Arbeit soll die aktuelle Bedeutung der Funktion Einkauf und des Softwareeinsatzes im Einkauf, die gegenwärtigen Erwartungen sowie zukünftige Herausforderungen aufdecken und analysieren. Im Kapitel 3 werden die Planung, Konzeption und Umsetzung der Studie dargestellt. Die Schlussbetrachtung und der Ausblick werden in Kapitel 4.7 behandelt: Die Studie stellt mit der Untersuchung der aktuellen Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf den Kern der Diplomarbeit dar. Eine kritische Würdigung an dieser Stelle ist daher am besten geeignet. Zum Abschluss soll anhand von zwei detaillierten Praxiseinsätzen von mySAP SRM die aktuelle Bedeutung, Motivation und Nutzen von SRM-Lösungen verdeutlicht werden.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 10
2 Das Konzept Supplier Relationship Management als
ganzheitlicher Gestaltungsansatz für den Einkauf
Während E-Procurement - von der Käuferseite getrieben - eine Verbesserung und Verschlankung der operativen Beschaffungsprozessen in den Mittelpunkt rückte, beinhaltet Supplier Relationship Management das ganzheitliche Management der Beschaffungsprozesse und der Lieferantenbeziehungen, um so die Einkaufsseite eines Unternehmens zu optimieren. Damit will man einerseits Einsparungspotenziale
- vor allem bei international weitgehend selbständig operierenden Konzernenausschöpfen, indem bspw. Einkaufsdaten (Lieferantenstruktur, Risikofaktoren, 24 Konditionen, Qualität) zusammengeführt werden.
Anderseits sollen kollaborative Elemente und Technologien die gemeinsame Entwicklung, den strategischen Einkauf und die operative Bestellabwicklung im gesamten Logistikprozess hauptsächlich durch Automatisierung verbessern, so dass
24 Vgl. von Dahlen, R., 2003, Seiten 347f. sowie Wilke, T., 2003, Seite 2.
25 König, P., 2002, Folie 9.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 11
sich etwa die Zeitspanne bis zur Markteinführung verkürzt. Eine wichtige Rolle 26 spielen dabei Verknüpfungen mit dem Data Warehouse (z.B. zur Bewertung von 27 Lieferantenleistungen) sowie zum Supply Chain Management. Obige Abbildung 6
auf Seite 10 soll zudem veranschaulichen, dass neben der Informationen über Lieferanten und der notwendigen kollaborativen Technologien auch die Integration 28 von anderen Softwarekomponenten wichtig ist.
2.1 Historische Entwicklung des Supplier Relationship Management
Die bisherige historische Entwicklung der elektronisch unterstützten Beschaffung fand in drei, teilweise parallelen Schritten statt wie die folgende Abbildung 7 auf Seite 12 veranschaulicht. Zuerst wurden Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP-Systeme) entwickelt, die z.B. mittels EDI Daten mit Lieferanten austauschen. Im Rahmen des Internetzeitalters entstanden E-Procurement-Lösungen, mit denen die 29 Bedarfsträger selbst ihre Bestellung über das Internet tätigen können. Die häufigste
Form von E-Procurement sind Desktop-Purchasing-Systeme (DPS). Bei einem DPS handelt es sich um ein ganzheitlich ausgerichtetes elektronisches bzw. EDVtechnisch unterstütztes System, das die direkte Bestellung am Arbeitsplatz unterstützt. Ziel ist, dass jeder Mitarbeiter über ein derartiges Desktop-Purchasing-System Zugriff auf die zur Beschaffung notwendigen Informationen (Qualität, Beschaffenheit, Preis, Konditionen etc.) hat, um selbstständig die Beschaffung für seinen individuellen Bedarf durchführen zu können. Dabei enthalten die elektronischen Kataloge, aus denen die Bestellauswahl getroffen wird, nur Produkte
26 Unter einem Data Warehouse werden zumeist alle Aktivitäten subsumiert, die es zur Aufgabe haben Unternehmensdaten zu sammeln und sie in geordneter Form abzuspeichern. [Wannenwetsch,
H., 2004, Seite 174]
27 Supply Chain Management ist ein organisatorischer und informationstechnischer Ansatz, mit dem Logistikketten von der Rohstoffgewinnung über die verschiedenen Fertigungs- und
Veredelungsstufen, über Handel und Distribution bis hin zum Endkunden koordiniert und optimiert
werden. [Vgl. Schulte, G., 2001, Seite 17]
28 Vgl. von Dahlen, R., 2003, Seiten 347f. sowie Wilke, T., 2003, Seite 2.
29 Barking, U./König, P., 2002, Seiten 23f.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 12
mit Lieferanten, mit denen Kontrakte verhandelt wurden. DPS unterstützen eine einfach zu bedienende Web-Browseroberfläche und damit die unregelmäßige Nutzung durch selten bestellende Mitarbeiter. Im Unterschied zu klassischen Beschaffungssystemen ist keine zentrale Person mehr erforderlich, die die Bedarfe 30 der Mitarbeiter sammelt und dann eine Bestellung aufgibt.
Als eine Erweiterung des E-Procurement-Gedankens kann in der dritten Stufe der elektronisch unterstützen Beschaffung das Supplier Relationship Management betrachtet werden, das neben der Optimierung der operativen Beschaffungsprozesse 32 vor allem strategische Einkaufsentscheidungen umfasst. An dieser Stelle soll
bereits eine tabellarische Übersicht angeführt werden, die kurz die neuen Tools beschreibt, die reine E-Procurement-Lösungen hin zu SRM-Software entwickelt haben. Die Tabelle 1 auf der folgenden Seite 13 soll im Hinblick auf Kapitel 4.3 einen erläuternden Charakter haben, da dort nach der Bedeutung dieser einzelnen Tools gefragt ist.
30 Vgl. Dolmetsch, R., 2000, Seiten 152ff.
31 In Anlehnung an: Schneider, D./Schnetkamp, G., 2000, Seite 20 sowie Barking, U./König, P., 2002, Seiten 23f.
32 Vgl. Wannenwetsch, H., 2004, Seite 190.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 13
33 In Anlehnung an: Eyholzer, K./Kuhlmann, W./Münger, T., 2002, Seiten 71f. sowie SAP AG, CD: mySAP Supplier Relationship Management. SAP, der Partner für Ihre Einkaufsstrategie, 2005, Kapitel
Lieferantenanbindung und Category Management.
SRM - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf 14
2.2 Supplier Relationship Management mit mySAP SRM
Das folgende Kapitel beschreibt, wie das Softwareunternehmen SAP AG seine SRM-
Strategie in der Softwarelösung namens mySAP Supplier Relationship Management umsetzt. Anschließend werden in den Unterkapiteln, ausgewählte Prozesse in den einzelnen Bereichen dieser Lösung detailliert dargestellt und beschrieben.
mySAP SRM gehört zur mySAP Business Suite, das ein Paket von Software- Lösungen ist, mit denen Unternehmen jeder Größe ihre wichtigsten
Geschäftsprozesse abdecken können. Zu den Vorteilen der einzelnen Lösungen zählen unter anderem, dass sie vollständig miteinander integriert sind, branchentypische Funktionen enthalten und Zusammenarbeit über 34 Unternehmensgrenzen hinweg ermöglichen.
Zu diesem Gesamtpaket gehören mySAP Supply Chain Management, das Instrumente zur Planung, Ausführung, Koordination und Kollaboration in komplexen
34 Vgl. SAP AG, 2005, Designed for your industry. Scaled to your business. Ready for your future., Seite 12.
35 König, P., 2005, Supplier Relationship Management - Überblick. Einsparungen und
Wertsteigerungen durch ganzheitliches Beschaffungsmanagement, Folie 6.
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Deniz Cetin, 2005, Supplier Relationship Management - Die aktuelle Bedeutung und Trends von Softwareeinsatz im Einkauf, München, GRIN Verlag GmbH
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