Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Profilbildung um zu überleben. Ein Beispiel 1
3. Krisenstimmung, Krisenmomente 3
3.1. Kaufzurückhaltung 3
3.2. Verlust der Leselust 5
3.3. Konzentrationserscheinungen 6
3.4. Gegenmaßnahmen 8
3.5. Exkurs: Belletristik 9
4. Wege aus der Krise? 11
5. Bibliographie 13
1. Einleitung
Die vorliegende Seminararbeit versucht, die Rolle der Buchhandlungen als eine Wegstation der Literatur vom Autor zum Leser zu beleuchten. Der räumliche Schwerpunkt liegt dabei auf Berlin, doch ist zu bedenken, dass die Globalisierungstendenzen auch vor der Buchhandelsbranche nicht Halt machen und darum der Blick ausgeweitet werden muss auf die Situation in Gesamtdeutschland und am Weltmarkt.
Da das gewählte Thema sehr komplex ist, ist es unvermeidlich, dass einiges Wichtige nicht zur Sprache kommt. Die Autorin bemüht sich indes um die genaue Herausarbeitung und faktische Fundierung einiger weniger, interessanter und vor allem aktueller Aspekte. Dabei soll bisweilen auch über den imaginären Zaun zum Gebiet der Tonträgerbrache geblickt werden, da auf diesem Markt ähnliche Tendenzen wie in der Buchhandelsbrache zu beobachten sind.
Wichtige Interviewpartner waren Sibylle Krämer von der Buchhandlung „Gutenberg-Galaxis“ in der Grünbergerstraße in Friedrichshain und vor allem Christian Richter, Zuständiger für die wissenschaftliche Abteilung in der Buchhandlung Schleicher in Dahlem-Dorf. Ausgehend von einfachen Fragen zum individuellen Profil der beiden Buchhandlungen wurde im Laufe des Gesprächs eine Einschätzung zum Zustand des deutschen Buchhandels allgemein entwickelt. Dieser Interview-Aufbau soll in meiner Arbeit im wesentlichen beibehalten werden, ergänzt um einiges Datenmaterial und persönliche Einschätzungen.
2. Profilbildung um zu überleben. Ein Beispiel
Die Buchhandlung Schleicher in Dahlem-Dorf versteht sich als eine Sortimentsbuchhandlung, die sowohl Belletristik als auch in großem Umfang wissenschaftliche Bücher führt. Nach dem Wegfall des Traditionskaufhauses Kiepert, wo das wissenschaftliche Sortiment recht umfassend war, mit den Jahren aber immer schmäler wurde, ist sie somit eine der wenigen Buchhandlungen in Berlin, die wissenschaftliche Werke in Zusammenhang mit einer fachkundigen Beratung bieten können. Ihr Käuferkreis setzt sich aus Studenten und Universitätspersonal der nahegelegenen Freien Universität
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zusammen, darüber hinaus bedient sie Einwohner vornehmlich aus dem Berliner Süden. In Zeiten eines „gnadenlosen Verdrängungswettbewerbs“ (Christian Richter) in der Buchhandelslandschaft und eines allmählichen Absterbens traditioneller, alteingesessener Buchläden stellt sich nicht zuletzt für Richter unweigerlich die Frage, wie diesen Entwicklungen unternehmerisch zu kontern ist. Seine Empfehlung: „Zum einen kommt es maßgeblich darauf an, ein eigenes Profil zu entwickeln und zum anderen müssen die Kunden - auch jene, wo die Trennlinie zu ziehen zwischen profanem und schlechtem Geschmack schwer fällt - zu Stammkunden gemacht werden.“ Von wissenschaftlicher Seite ist Richters Position durchweg abgedeckt, wenn Umlauf eine Profilierung bei gleichzeitiger Berücksichtigung des Massengeschmacks vorschlägt:
Einerseits müssen die Kunden vorfinden, was sie erwarten - und dazu gehören natürlich auch die vielgefragten Titel, die im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung stehen. [...] Andererseits haben die Kunden kein Motiv mehr, gerade diese Buchhandlung wieder aufzusuchen, wenn sie dort exakt das geboten bekommen, was sie überall und ebenfalls zum selben Preis antreffen. (2000: 62)
Der Anforderung nach einer individuellen Note kommt die Buchhandlung Schleicher mit der selbst organisierten Veranstaltungsreihe „Dahlemer Autorenforum“ nach, in deren Rahmen zehn bis zwölf mal im Halbjahr namhafte Dichter und Dichterinnen zu Wort kommen. Die Frage, ob Buchhandlungen bei der Förderung von Jungautoren aktuell eine Rolle spielen, etwa indem sie die Autoren in der eigenen Buchhandlung lesen lassen und ihnen somit ein Präsentationsforum bieten, verneint Christian Richter mit Vehemenz. Ihm zu Folge ist der mediale Hype entscheidend, der um ein Buch betrieben wird. An Dieter Bohlens jüngst erschienener Biographie sei dies bestens zu beobachten: Ein von langer Hand geplanter Aufreger, der - von einem Journalisten geschrieben - nun von seinen Journalisten-Kollegen kaufkräftig umworben und zum Kultbuch stilisiert werde. Verkaufsfördernd erweisen sich meinen Interviewpartnern zufolge außerdem die Bestsellerlisten in diversen Frauenmagazinen und in bescheidenem Maße Literaturpreise, allen voran der Literaturnobelpreis, gefolgt vom Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und dem Georg-Büchner-Preis.
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3. Krisenstimmung, Krisenmomente
Für die Buchhandlung Schleicher bilden Studenten der Freien Universität eine wesentliche Klientel ihrer Kundschaft. Bestrebungen, wie sie gegenwärtig kolportiert werden, dass die Zahl der Studenten an der Freien Universität von derzeit 40.000 auf 23.000 hinuntergefahren werden soll, sind für sie in der Tat existenzbedrohend. Dabei ist das nur ein Übel unter vielen.
Die Buchbranche generell krankt und befindet sich Richter zufolge in einer wirklichen Existenzkrise, die auch von Börsenverband des Deutschen Buchhandels nicht weggeredet werden könne. Zum einen machten sich nach amerikanischem Vorbild nun auch in der heimischen Branche die Folgen der Globalisierung bemerkbar, zum anderen herrsche eine gewaltige Überproduktion an Buchtiteln: 90.000 Neuerscheinungen pro Jahr allein in Deutschland. 1 Als Reaktion des Buchhandels darauf müssen die sogenannten „Modernen Antiquariate“ betrachtet werden, die mittlerweile allerorten anzutreffen sind; und zwar genau dann, wenn dem Buchhändler ein Ausverkauf seiner Ware billiger kommt als die Lagerhaltung.
3.1. Kaufzurückhaltung
„Die Nachfrage nach Büchern in Deutschland stagniert; der Umsatz deutscher Buchhandlungen hatte im vergangenen Jahr die geringste Wachstumsrate seit Jahren“, meldet Deutschland Radio im Oktober 2002. 2 Die angespannte wirtschaftliche Lage, die hohe Arbeitslosigkeit und schwache Konjunktur machen sich verstärkt im Kaufverhalten der Leute bemerkbar. So bemerkt Sibylle Krämer von der „Gutenberg-Galaxis“, dass weniger „Kaufkundschaft“ in ihrem Bezirk unterwegs ist. Unter „Kaufkundschaft“ versteht sie jene Kunden, die tatsächlich Geld im Laden lassen und sich nicht nur „etwas umsehen“ möchten. Zunehmend würden weniger und billigere Bücher gekauft; der Trend gehe hin zu Taschenbüchern. Die Vorliebe für Taschenbücher könne allerdings mit der lokalen Kundenstruktur zusammenhängen, die sich in Friedrichshain zu einem großen Teil aus wenig vermögenden Studenten zusammensetze, und müsse nicht zwingend als Akt des Sparens interpretiert werden. Ingesamt merke sie jedenfalls eine Verschiebung der
1 „Produziert wird eine alljährlich immer noch zunehmende Fülle von Buchtiteln (bezogen auf Deutschland) von weniger als 1000 Titeln (1700), 4000 (1800), 7735 (1858), 10.561 (1875), 19.574 (1895), 25.298 (1910), 31.595 (1925) bis zu 71.515 (1996). 1996 waren es 53.793 in Erstauflage (der Rest von 17722 in Neuauflage). Das sind fast 9 % der Weltbuchproduktion (rund 800.000 Titel jährlich), die sich derzeit alle 14 Jahre verdoppelt.“ (vgl. Faulstich 1998: 134)
2 URL: http://www.dradio.de/cgi-bin/es/neu-wortspiel/405.html [Stand: 23.12.2002].
Arbeit zitieren:
Kristina Werndl, 2003, Zur Buchhandelslandschaft in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Situation in Berlin, München, GRIN Verlag GmbH
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