Bergische Universität Wuppertal
Seminar: Unterhaltung, Massenmedien, Popkultur
SS 2004
Kinder und Hörkassetten
von: Myrna Fuchs
Inhalt
1. Einleitung 1
2. Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis Mitte der 90er Jahre 2
3. Entwicklungslinie zum Medienverhalten von Kindern und Über- sicht ihres Umgangs mit Tonträgern im Jahre 1990 4
4. Bedeutung von Hörkassetten im Alltag von Kindern 6
5. Der Tonträgermarkt für Kinder 9
5.1 Der serielle Tonträgermarkt 9
5.2 Der alternative Tonträgermarkt 11
6. Hörerziehung im Unterricht 13
6.1 Umsetzung 14
6.1.1 Geräuscheraten 14
6.1.2 Geräuschejagen 14
6.1.3 Geräuschememory 15
6.1.4 Geräuschherstellung 15
6.1.5 Geräuschegeschichten 16
6.1.6 Geräusche imitieren 16
6.1.7 Klanggeschichten erzählen 16
6.1.8 Kettengeschichten erzählen 17
6.1.9 Stimmungen erzeugen 17
6.1.10 Geschichten nachspielen 17
6.1.11 Weitererzählen und weiterspielen 18
6.1.12 Collagieren 18
6.1.13 Hörspielproduktion 18
7. Fazit 20
8. Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
In der heutigen Zeit haben Massenmedien einen unentbehrlichen, aber auch allgegenwärtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft erlangt. Gerade in den letzten Jahren konnte man eine rasante und fortlaufende Innovation des Medienmarktes beobachten. In rapider Geschwindigkeit werden Neuerungen präsentiert und auf den Markt gebracht. Wegen der sich ständig fortentwickelnden Technik sind die „alten“ Medien den neuen, durch eine größere Nutzungsmöglichkeit, gewichen.
Innerhalb des Tonträgermarktes, der mit der Schelllackplatte in den 20er Jahren begann, bringen heute CD, MD und Micro-Chip einen weit größeren Absatz als LP und Kassette, die nur noch in kleinen Auflagen in den Geschäften zu finden sind. Die LP und die Kassette sind die Grundtonträger für Kinderhörspiele und Märchen. Da vor allem durch das Medium Kassette Hörspiele erstmals ihren festen Standpunkt im Alltag von Kindern erlangt haben, beschäftige ich mich im Folgenden mit dem Umgang und der Bedeutung von Hörspielkassetten im Alltag von Kindern, vor dem endgültigen Durchbruch der CD als Tonträger in den 90er Jahren des letzen Jahrhunderts.
Dazu gebe ich zunächst einen kurzen Einblick in die Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis 1994. Es folgt die Darstellung der Entwicklungslinie vom Medienverhalten von Kindern von 1979 bis 1990 und eine Übersicht über den Umgang von Kindern mit Tonträgern im Jahre 1990. Darauf erläutere ich, welche Bedeutung Hörkassetten im Alltag von Kindern zu dieser Zeit hatten. Anschließend gehe ich auf das Thema Hörerziehung ein und mache Vorschläge zur Umsetzung im Unterricht für Kinder des 3. und 4. Schuljahres. Den Schlussteil bildet ein kurzes Fazit zum Thema.
2. Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis Mitte der 90er Jahre
Ab Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden vereinzelte Kinderschallplatten hergestellt. Darunter auch Märchen, die allerdings auf 2 ½ Minuten gekürzt werden mussten, da die Platten keine ausreichende Kapazität für lange Märchengeschichten besaßen. „1929 produzierte die Grammophon als erste deutsche Schallplattenfirma Aufnahmen für Kinder...“1. Ende der 50er Jahre setzten sich Langspielplatten als Massenmedium in der Bundesrepublik Deutschland durch. Deren Erfindung brachte die entscheidende technische Vorraussetzung für die Produktion von Hörspielen mit sich. Zunächst war dieses Medium, wegen vergleichsweise hoher Soft- und Hardwarepreise, anspruchsvoll und elitär. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und dem damit verbundenen größeren Käuferinteresse etablierte sich die Langspielplatte sehr zügig. „Vollbeschäftigung, zunehmende Frauenarbeit, insbesondere von Müttern mit kleineren Kindern, trugen dazu bei, daß sich zu dieser Zeit auch ein Kinderschallplattenmarkt herausbildete.“2 Schallplatten galten u.a. als Unterhalter, wenn die Kinder neben den Tätigkeiten der Eltern beschäftigt werden mussten. Zunächst wurden Kinderspielplatten nur von kleinen Produktionsfirmen angeboten. Als sich ein Markt in diesem Bereich abzeichnete, fingen die Deutsche Grammophon Gesellschaft und die Telefunken-Decca im Jahre 1958 an, ebenfalls Kinderschallplatten zu produzieren. Damit wurde das Repertoire, dass sich zunächst nur auf Märchen beschränkte, um Kinderbuchbest- und Longseller, sowie Abenteuerstoffe bekannter Autoren, erweitert. In den 60ern verbreiteten sich Kinderspielplatten immer weiter, so dass billigere Plattenspieler produziert und angeboten werden konnten, was wiederum den Schallplattenumsatz steigerte.
1968 begann der Phillipskonzern mit der Produktion von Tonkassetten und dazugehörigen Kassettenrecordern. Im Gegensatz zur Schallplatte war die Kassette in der Handhabung für Kinder einfacher und die Angleichung der Kassettenpreise auf Langspielplattenniveau führte zum endgültigen Sieg der Kassette auf dem Tonträgermarkt. Der erste Billigproduzent war Miller International, der sein Programm unter dem Label „Europa“ bis heute zum Einheitspreis anbietet. 1970 wurden etwa 1 Million Kinderschallplatten und -tonkassetten verkauft und 1973 sogar Achtmillionen Kindertonträger abgesetzt. 1975 stieg der Umsatz auf 10 Millionen, und 1977 wurden ca. 15 Millionen Tonkonserven für Kinder in der BRD verkauft.
1994 führte Kiosk den Kinder-Kassettenmarkt mit einem Anteil von rund 37 Prozent an. Darauf folgten Karussell und Ariola-Miller. Alle drei Firmen vereinigten insgesamt rund 95 Prozent des Marktes auf sich. Diese Tatsache lässt sich aus der „Top Ten“ -Entwicklung der Kinder- Audioserien von 1992 bis 1994 entnehmen:
[...]
1 Heidtmann, Horst: Medienadaptionen von Volksmärchen. In: Märchen-Kinder-Medien. S. 86.
2 Hengst, Heinz: Auditive Medien: Hörspiel. In: Kinder- und Jugendmedien. S. 217.
Quote paper:
Myrna Fuchs, 2005, Kinder und Hörkassetten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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