Inhalt
Seite
1. Einleitung 1
2. Definitionen und Erklärungen der Grundbegriffe 2
2.1 Soziale Rolle 2
2.2 Rollentheorie 2
2.3 Rollenspiel 4
3. Rollenspiel im Unterricht 7
3.1 Voraussetzungen 7
3.1.1 Gruppenvorbereitung 7
3.1.1.1 Spielvorschlag für das warm-up Erwachsener 8
3.1.1.2 Spielvorschlag für das warm-up im Primarbereich 9
3.2 Rollenspieltypen und -funktionen nach Morry van Ments 12
3.3 Rollenspieltechniken nach Anne Schützenberger 16
3.4 Lernphasen methodische Schritte nach Werner Ingendahl 18
3.5 Vor- und Nachteile des Rollenspiels 23
3.5.1 Vorteile 23
3.5.2 Nachteile 26
4. Fazit 28
5. Literatur 29
II
1. Einleitung
Neben vielen unterschiedlichen Unterrichtsmethoden haben Rollenspiele ihren festen Platz in Lehrplänen für Schulen eingenommen. Seit dem Erscheinen des ersten Buches über Rollenspiele (Fanny und Georg Shaftel 1973 „Rollenspiel als soziales Entscheidungstraining“) in der BRD sind Rollenspiele zu einer Standard- methode im gelenkten Lernprozess geworden. Sie bleiben nicht nur auf den Be- reich des sprachlichen Lernens beschränkt, sondern können fächerübergreifend eingesetzt werden. Im Gegensatz zu konventionellen Unterrichtsmethoden zielt der Einsatz von Rollenspielen im Unterricht neben der Förderung von sozialen und kognitiven Kompetenzen, auch auf die Erkenntnis, Aneignung und Festigung von positiven Verhaltensweisen und somit auf die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung von Rollenspielen im Allgemeinen und im Unterricht der Primarstufe. Dazu werden zunächst die Begriffe „Soziale Rolle“ ,„Rollentheorie“ und „Rollenspiel“ erläutert und der Einsatz, die Wirkung und die Ziele von Rollenspielen aufgeführt. Der darauf folgende Teil der Hausarbeit wird mit den Voraussetzungen zur Durchführung des Rollenspiels ein- geleitet und geht anschließend auf Rollenspieltypen, -techniken (nach Morry van Ments) und -funktionen (nach Anne Schützenberger) ein. Danach wird ein metho- disches Phasenschema (nach Werner Ingendahl) für die Realisierung von Rollen- spielen im Unterricht vorgestellt und Vor- und Nachteile, kommentiert durch eigene Erfahrungsbeiträge, des Rollenspiels aufgeführt. Den Schlussteil bildet das Fazit zum Thema.
1
2. Definitionen und Erklärungen
Zum Verständnis ist eine kurze Erläuterung verschiedener, im Rollenspiel-Diskurs häufig verwendeter, Begriffe unvermeidlich.
2.1 Soziale Rolle
Die soziale Rolle ist ein umfangreicher Begriff, und es existieren in der soziologi- schen Forschung unterschiedliche Definitionen. Zum weiteren Verständnis sollte die Folgende ausreichen:
„Die soziale Rolle ist ein Begriff der Soziologie und umschreibt in einer einfachen Modellierung, vom Akteur her gesehen, welche Spielräume er in einer Position
hat, und, von den anderen Akteuren her gesehen, was er daraus macht.“ 1
Für die Anwendung von Rollenspielen ist das Wissen notwendig, dass die soziale Rolle das soziale Verhalten von Personen charakterisiert. Soziale Rollen definie- ren sich aus der Menge von Erwartungen, die sich in einer gegebenen Gesell- schaft an das Verhalten der Träger von Positionen knüpfen. Dabei wird das dar- aus resultierende sogenannte Rollenhandeln nicht nur von gesellschaftlichen Normen, die von einer Position, von anderen oder vom Positionsinhaber selbst, erwartet werden, beeinflusst, sondern auch von positiven und negativen sozialen Sanktionen, mit denen andere Akteure einen Rollenspieler beeinflussen wollen und können, bestimmt. Zum größten Teil wird das Rollenhandeln von den Erwar- tungen, die an einen Akteur in einer bestimmten sozialen Position gestellt werden, beherrscht.
2.2 Rollentheorie
Die Rollentheorie nach Wilfried Noetzel 2 besagt, dass jeder Mensch innerhalb ei- ner Gesellschaft soziale Rollen übernimmt bzw. „spielt“, die den Erwartungen und Normen dieser Gesellschaft entsprechen. Die Erwartungen z.B.
1 http://www.lexikon-definition.de/Rollenspiel.html
2 Vgl. Noetzel, Wilfried: Spielen als soziales Lernfeld. In: Ingendahl, Werner: Szenische Spiele im
Deutschunterricht. S. 43.
2
• an die Rolle des Arztes ist, seine Fähigkeit zu heilen
• an die Rolle des Lehrers ist, zu lehren und Vorbild für die Schüler zu sein
• an die Rolle der Mutter ist, fürsorglich und liebevoll im Umgang mit ihrem Kind zu sein.
Ein Mensch kann gleichzeitig verschiedene Rollen einnehmen. So ist ein Arzt ggfs. auch Familienvater, Ehemann und Mitglied eines Golfclubs, wodurch er, je nachdem in welchem gesellschaftlichen Kreis er sich befindet, verschiedene Rol- len in seinem Leben übernimmt, unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen und somit seine Verhaltensweisen anpassen muss.
Noetzel unterscheidet drei verschiedene Arten von Rollen:
• Statusrollen
• Positionsrollen und
• Situationsrollen
Statusrollen sind die Rollen, die „...jedem Menschen durch seine Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Schicht, zu einem Geschlecht, einer Rasse usw. „zuge-
schrieben“ werden, die er also nicht wählen kann.“ 3 Dazu gehören beispielsweise „die Frau“ oder „der Italiener“.
Positionsrollen sind, im Gegensatz zu Statusrollen, erworbene Rollen. Sie unter- scheiden verschiedene soziale Stellungen innerhalb einer Gesellschaft. Als Bei- spiele sei auf „den Chef“, „den Arbeitnehmer“ oder „den Schüler“ verwiesen. Zu den Positionsrollen gehören vor allem Berufsrollen. Diese Rollen sind abhängig von dem Einfluss, der an die Berufspositionen geknüpft ist. Hier spielt die Macht oder auch Ohnmacht innerhalb eines Berufsfeldes eine wichtige Rolle. Das Be- sondere am Verhalten von z.B. Menschen in niedrigen Berufsrollen ist, dass sie dazu neigen, die von anderen festgesetzten Normen zu erfüllen, da sie durch eine bestimmte berufliche Abhängigkeit dazu gezwungen werden.
3 Noetzel, Wilfried: Spielen als soziales Lernfeld. In: Ingendahl, Werner: Szenische Spiele im
Deutschunterricht. S. 46.
3
Situationsrollen werden, nach E. Goffmann 4 , auch als Interaktionsrollen bezeich- net, da sie im direkten zwischenmenschlichen Kontakt „gespielt“ werden. Jeder Mensch stellt sich innerhalb einer Gesellschaft besonders vorteilhaft dar und ver- steckt negative Eigenschaften um integriert zu werden. Dieses Verhalten ändert er, je nachdem in welcher Gesellschaft oder welcher Situation er sich gerade be- findet.
2.3 Rollenspiel
Für das Rollenspiel gibt es verschiedene Definitionsangebote. Eine auf die prakti- schen Belange des Unterrichts abgestimmte Definition liefert Horst Schiffler:
„Das Rollenspiel sieht man als ein Verfahren an, durch das soziale Fähigkeiten und Einsichten gewonnen werden können, die in der Realität in praktisches Han-
deln umgesetzt werden.“ 5
Beim Rollenspiel handelt es sich um ein Verfahren, bei dem sich durch stellvertre- tendes Handeln in Als-ob-Situationen Lernprozesse ereignen (sollen), die in der Realität angewendet werden können. Das Rollenspiel als absichtsvoll eingesetz- tes Spiel kann in symbolischer Form das Verhalten und die Beziehungen von Menschen modellhaft darstellen.
Die einfachste Form des Rollenspiels ist es, jemanden zu bitten sich vorzustellen, entweder er selbst oder ein anderer in einer bestimmten Situation zu sein. Dabei soll er so agieren, wie die Person es seinem Gefühl nach tun würde. Ziel ist es, dass der Akteur selbst oder / und der Rest der Spielgruppe etwas über die Person und / oder die Situation erlernt. Jeder Spieler handelt als Teil des sozialen Umfel- des aller und sorgt somit für einen Rahmen, innerhalb dessen alle Beteiligten ihr Verhaltensrepertoire erkunden oder das zwischenmenschliche Verhalten der
Gruppe studieren können. 6 Der Vorgang der Rollenübernahme verläuft natürlich und konstant für jeden, der in eine Gesellschaft bzw. ein Rollensystem hineinwächst. Vornehmlich Kinder wer-
4 Vgl. Noetzel, Wilfried: Spielen als soziales Lernfeld. In: Ingendahl, Werner: Szenische Spiele im
Deutschunterricht. S. 46.
5 Schiffler, Horst: Spielformen als Lernhilfe. S. 128.
6 Vgl. van Ments, Morry: Rollenspiel: effektiv. S. 14.
4
den stufenweise in ein immer komplexeres Rollensystem eingepasst, wodurch sie sich neue Verhaltensweisen aneignen und in ihre Persönlichkeit integrieren müs- sen. Je weiter das Kind in das System der Gesellschaft tritt, um so mehr
• neue Verhaltensweisen muss es erlangen
• Erwartungen werden an das Kind gestellt
• Rollen muss es übernehmen.
Dieser jahrelange Entwicklungsprozess in der Verhaltensstruktur der Persönlich- keit führt bei Kindern oft zu Konflikten und Schwierigkeiten. Das Persönlichkeits- system muss stets neu ausbalanciert werden, was auch als alters-spezifische Kri- se beschreibbar ist. „Mit der Vielzahl der Rollen wachsen die sozialen Anforderun- gen, wächst die Gefährdung. Ausweitung des Rollenrepertoires ist gleichzusetzen mit einer Ausweitung der sozialen Beziehung und damit einer Ausweitung der
Konfliktgefahren.“ 7 Wird das Kind mit der Definition seines jeweiligen neuen Status allein gelassen und erhält keine Unterstützung in der Ausübung, Anwendung und Reflexion, entwickelt sich zwangsläufig ein abweichendes Verhalten.
Hier kann das Rollenspiel eingreifen, um zu einer befreienden Selbstdefinition zu verhelfen. Die in der sozialen Entwicklung entstanden Krisen können im Spiel sichtbar gemacht werden, da sich das Kind durch Gespräche, Diskussion und Spiel von der emotional belastenden Problematik distanzieren kann. Rollenspiele dienen dazu, sich in einer Rolle auszuprobieren, kennen zu lernen, zu beobachten und sich entsprechend zu verhalten. Hinzu tritt die Akzeptanz anderer Menschen in ihren Rollen. Das Kind kann herausfinden, welche Funktionen bestimmte Rollen haben, wie man sich in diesen Rollen fühlt und wie sie in Verbindung zu anderen Rollen stehen. Weiter geben Rollenspiele die Möglichkeit, die eigenen Grenzen auszutesten, negative Verhaltensmuster zu verändern, Empathie zu entwickeln und Ängste zu überwinden. „Empathie, kommunikative Kompetenz, Rollendistanz und Ambiguitätstoleranz sind zweifellos Fähigkeiten, die als soziale Lernziele for-
muliert im Rollenspiel angeeignet werden können und sollen.“ 8 .
Empathie ist ein Schlüsselbegriff für Rollenspiele. Sie ist generell unerlässlich für das Zusammenleben mit Menschen und meint das eigene Verhalten auf die mög-
7 Ernst, Anselm: Das Rollenspiel im Unterricht. S. 33.
8 Ebd. S. 33.
5
liche Reaktion der Mitmenschen abzustimmen bzw. die erwartbaren Reaktionen in die eigene Handlungsweise einzubeziehen. Ins Deutsche übersetzt bedeutet Em-
pathie „Einfühlungsvermögen“ in das, was Mitmenschen erwarten 9 . Rollendistanz bedeutet, einen Abstand zu dem erwarteten Verhalten und den da- hinter stehenden Normen zu gewinnen. Dies geschieht dadurch, dass man per- sönliche Interpretation riskiert und Spielräume ausnutzt, auch wenn man anderer- seits den gesellschaftlichen Normen entspricht, um die Anerkennung der Umwelt zu erhalten.
Ambiguitätstoleranz ist die Fähigkeit durch das Selbstverständnis anderer die Be- grenzung der eigenen Identität zu ertragen. Wie die Empathie ist die Ambigui- tätstoleranz notwendig für das Leben in gesellschaftlichen Gruppen, da ohne die- se Fähigkeit die Möglichkeit der Einflussnahme auf andere Personen nicht gege- ben ist, welche wiederum die Voraussetzung für eine Veränderung darstellt. Am- biguitätstoleranz meint, solange wie möglich in einer Gruppe zu bleiben, in der man sich nicht gleich durchsetzen kann oder nicht akzeptiert wird, um die Um-
stände doch noch zu seinen Gunsten ändern zu können. 10
Im Rollenspiel können, durch Simulation von realen Lebenssituationen, soziale Handlungskompetenzen erweitert werden, indem kritische Situationen in der ge- spielten Realität bereits aufgeworfen werden.
9 Vgl. Noetzel, Wilfried: Spielen als soziales Lernfeld. In: Ingendahl, Werner: Szenische Spiele im
Deutschunterricht. S. 46.
10 Vgl Ebd. S. 46.
6
Quote paper:
Myrna Fuchs, 2005, Rollenspiele im Unterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Rollenspiel, Planspiel und szenisches Spiel im Unterricht
Intermediate Examination Paper, 38 Pages
Arbeitsteilige Erarbeitung, Anwendung und Reflexion ausgewählter Metho...
Business economics - Trade and Distribution
Lesson Plan, 25 Pages
Zu der Bedeutung von Storytelling als Methode und Inhalt eines grundsc...
English - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Examination Thesis, 67 Pages
Über Vicky Baums "Menschen im Hotel" (1929)
Ein Kolportageroman mit Authen...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 17 Pages
Entwurf eines Feedbackbogens Schüler - Lehrer - Schule
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Zur sozialen, wirtschaftlichen und politischen Rolle der Frau in der d...
Termpaper, 16 Pages
Rollenspiel - Theoretische Begründung und ein praktisches Beispiel
Politics - Didactics, Political Education
Termpaper, 19 Pages
Propaganda via Auslandsrundfunk - Die Radioreden „Deutsche Hörer“ von ...
Communications - Media History
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
'Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken'
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Post Merger Integration - Eine empirische Untersuchung über die Erfolg...
Business economics - Industrial Management
Scholarly Research Paper, 141 Pages
"Einführung Europa", Klasse 4, Heimat- und Sachkunde
Regional History and Geography (Basic Primary School Pedagogy)
Lesson Plan, 31 Pages
Selbstwirksamkeitserwartung, Besorgtheit und Schulleistung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Die Rolle der Religion im Werk von Martin Scorsese - Exemplarisch anal...
Termpaper, 21 Pages
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies: Rollenspiele im Unterricht is now available as a printed book
Myrna Kuhles geb. Fuchs has published the text Rollenspiele im Unterricht
Myrna Kuhles geb. Fuchs has uploaded a new text
Fernstudieneinheit 28. Das Fer...
Christa Dauvillier, Dorothea Lévy-Hillerich
Ein Quellenbuch für D&D Eberro...
James Wyatt, Keith Baker, Luke Johnson, Daniel Schumacher
Die besten Spiele für den Deutschunterricht. 2. bis 4. Schuljahr
Die besten Spiele für die Grun...
0 comments