Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................. 2
1 Einleitung 3
1.1 Abkürzungen 3
2 Dido und Eneas 4
2.1 Wie kommt es zur Beziehung zwischen Dido und Enas? 4
2.1.1 Eneas Auftrag. 4
2.1.2 Dido und frouwe Venûs 5
2.2 Wie verläuft die Beziehung zwischen Dido und Enas? 6
2.2.1 Didos Qualen. 6
2.2.2 Dido und Anna 7
2.2.3 Die Folgen des Jagdausflugs. 7
2.2.4 Wie endet die Beziehung zwischen Dido und Enas? 8
2.2.5 Eneas Weiterreise. 8
2.2.6 Didos Selbstmord 9
2.2.7 Didos Schuld 10
2.2.8 Eneas Schuld. 12
2.3 Zusammenfassung. 13
3 Lavinia und Eneas 14
3.1 Lavinia bei Vergil und Ovid 14
3.2 Lavinia im Roman d Eneas und in Veldekes Eneasroman 14
3.2.1 Wie kommt es zur Beziehung von Lavinia und Eneas? 14
3.2.1.1 Das Minnegespräch zwischen Amata und Lavinia. 14
3.2.1.2 Der Götterwille. 15
3.2.2 Wie verläuft die Beziehung zwischen Lavinia und Eneas? 15
3.2.2.1 Die Minnemonologe der Lavinia 15
3.3 Zusammenfassung. 19
4 Rehte oder unrehte Minne in Veldekes Eneasroman? 21
4.1 Warum eine Wertung? 21
4.2 Dido und Lavinia im Vergleich. 22
4.3 Zusammenfassung. 24
5 Schlussbetrachtung. 26
6 Literaturverzeichnis. 27
2
1 Einleitung
Dido und Lavinia sind zwei Frauen, denen Eneas auf seinem Weg von Troja nach Italien begegnet. Beide Frauen verlieben sich in den Helden Eneas, der eine göttliche Mission, nämlich die Gründung Roms, zu erfüllen hat. Die Beziehung zu Dido endet unglücklich, während Lavinia Eneas heiratet. Ich möchte zunächst sowohl die Beziehung des Eneas zu Dido als auch zu Lavinia genau betrachten. Die grundlegende Fragestellung ist hierbei, welche Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede sich in der Darstellung der beiden Beziehungen in den Eneasdichtungen von Vergil bis zu Veldeke ausmachen lassen. Abschließend werde ich der Frage nachgehen, ob, wie vielfach behauptet wurde, Didos Liebe unreht und die der Lavinia reht ist und aus welchen Gründen dies so sein soll. Anmerkung: Aus Gründen der Vereinfachung habe ich darauf verzichtet, den Namen des literarischen Helden in den drei völlig korrekten Schreibarten zu verwenden („Aeneis“ bei Vergil; „Aeneas“ bei Ovid und „Eneas“ im Roman d’Eneas und bei Veldeke). Da diese Arbeit sich vornehmlich mit dem Eneasroman Heinrich von Veldekes befasst, wird durchgehend die Schreibart„Eneas“ benutzt. Des Weiteren zählen die untersuchten Werke Ovids nicht zu der eigentlichen Eneasdichtung. Sie werden jedoch miteinbezogen, da sich zeigen lässt, dass sie Einfluss auf die mittelalterliche Eneasdichtung hatten.
1.1 Abkürzungen
Bei den Quellenangaben der Zitate im Fußnotentext werden folgende Abkürzungen verwendet:
HvV = Heinrich von Veldeke: Eneasroman. Ovid/Verw. = Ovid: Verwandlungen. Ovid/Her. = Ovid: Heroides. RdE = Le Roman d`Eneas. Vergil = Vergil: Aeneis.
In den übrigen Fußnoten werden gleichfalls nur die Kurztitel angegeben. Die vollständigen bibliographischen Angaben sind dem Literaturverzeichnis zu entnehmen.
3
2 Dido und Eneas
2.1 Wie kommt es zur Beziehung zwischen Dido und Enas?
2.1.1 Eneas` Auftrag
In Vergils Aeneis ist es von vornherein klar, dass Eneas vom Schicksal, das heißt von den Göttern 1 den Auftrag erhalten hat, Rom zu gründen. 2 Eneas gelangt auch eindeutig durch Götterwillen nach Karthago, indem Juno 3 im Zorn die Trojaner „über das Meer warf“ 4 und sie jahrelang durch Stürme und Unwetter fahren ließ. In Ovids Verwandlungen gibt es lediglich einen Hinweis auf Eneas’ Ankunft in Karthago;5 5 es lässt sich aber in Ovids Heroides finden: „Aber ich zweifle nicht: auch dich verdammen die Götter, jagt ja des siebten Jahrs Winter durch Land dich und Meer. Wellen spülten dich her- [...]“ 6 Dido spricht hier aus, dass Eneas von den Göttern nach Karthago gesandt worden ist. Dass sich bei Ovid keine weiteren Hinweise auf den Götterbefehl an Eneas finden lassen, kann dadurch erklärt werden, dass Ovid die Vergils Aeneis nicht rezitieren wollte. Im Roman d’ Eneas und bei Veldeke erhält Eneas während des Krieges in Troja den göttlichen Befehl, nach Italien zu fahren „dannen dardanûs geboren was.“ 7 Abermals ist es in den mittelalterlichen Werken die Göttin Juno, die die Trojaner nach einem siebenjährigen Seesturm schließlich in Karthago landen lässt. 8 Eneas’ Auftrag, nach Italien zu fahren, ist in allen vier untersuchten Quellen auf die gleiche Weise beschrieben und lediglich mehr oder weniger ausgeschmückt. Die Ankunft des trojanischen Helden in Karthago steht also in jedem Werk unter den gleichen Vorzeichen: Eneas gelangte durch eine Laune der Göttin Juno von seinem eigentlichen Kurs ab, über den er sehr wohl schon informiert war. Die Landung in Karthago war also auch für Eneas
1 Ich verweise hier auf Karl Büchner, der in seinem Aufsatz „Der Schicksalsgedanke
bei Vergil“ den Götterwillen mit dem Schicksal gleichsetzt. (Seite
276) Dies erscheint mir legitim, da der Götterwille zur Zeit Vergils
unumstößlich und somit eins mit dem Schicksal war.
2 Vergil, 1. Buch, Vers 2.
3 Juno, eigentlich die Göttin der Frauen, des Hauses und der Hochzeit (Vgl.
Gerhard Fink: Who is eho in der antiken Mythologie. Seite 155.) ist erzürnt, da
Paris, ein Trojaner, Aphrodite für schöner hielt als sich. Interessant ist hier m.
E., dass ausgerechnet Juno es ist, durch die letztendlich eine Frau, Dido, in den
Selbstmord getrieben wird. Der Frage, ob sich darin letztendlich die Rache der
Juno vollzieht, kann hier aber nicht näher betrachtet werden.
4 Vergil, 1. Buch, Vers 29.
5 Ovid/Verw., 14. Buch, Vers 77.
6 Ovid/Her. VII, Vers 85 ff.
7 HvV, Vers 168 ff. Vgl. RdE, Vers 183 ff.
8 Vgl RdE, Vers 183 ff. und HvV, Vers 156 ff.
4
zweifelsfrei als Umweg zu erkennen und er musste sich darüber bewusst sein, dass sein Aufenthalt so kurz wie möglich zu halten war, um dem göttlichen Befehl nachzukommen.
2.1.2 Dido und frouwe Venûs
Die Liebesgöttin Venus benutzt Ascanius, den Sohn des Eneas, als Übermittler der Liebe. Wer Ascanius zuerst küsst, wird von der Liebe ergriffen. In Vergils Aeneis küsst Ascanius Eneas und Dido, 9 ebenso im Roman d’Eneas. 10 Bei Heinrich von Veldeke küsst Ascanius nur Dido. 11 Dies ist bereits ein Hinweis darauf, dass bei Veldeke die Einseitigkeit der Liebe zwischen Dido und Eneas hervorgehoben werden sollte. In Veldekes Eneasroman küsst Dido Eneas zudem direkt bei seiner Ankunft, ohne dass sie sich sofort in ihn verliebt. 12 Bei Vergil und im Roman d’Eneas wird Eneas als absolut schöner Mann beschrieben; 13 diese Hinweise sind bei Heinrich von Veldeke in abgeschwächter Form zu finden.14 14 Es ist bei Veldeke zuerst nicht Dido, die Eneas als einen „schône man“ 15 beschreibt, sondern der Erzähler. Der Anblick oder der Kuss ist also eindeutig nicht der Auslöser für das Verliebtsein, sondern das Eingreifen der Götter. 16 In Anspielung darauf ließ Ovid Dido in dem Abschiedsbrief an Eneas schreiben „Was hat Ascanius denn und was die Penaten 17 verschuldet?“ 18 Diese Frage muss so verstanden werden, dass Dido zum Ausdruck bringen will, dass weder die Penaten noch Ascanius eine Schuld an ihrem Schicksal trifft. Bei Ovid klagt Dido gewissermaßen Venus und Amor an, die die eigentlichen Verursacher ihres Selbstmordes waren. Lediglich in Veldekes Eneasroman sind nicht nur Venus oder Amor für das Entfachen der Liebe bei Dido verantwortlich, sondern auch Eneas wird als Schuldiger genannt. 19 Diese Stelle deutet einerseits bereits auf eine Entmythologisierung hin, die aber später noch deutlicher wird. Auf der anderen Seite lässt sich durch diese Entmythologisierung aber auch darauf schließen, dass es speziell Veldeke im Gegensatz zu seinen Vorgängern in erster Linie auf die Plötzlichkeit ankam, mit der die Liebe bei einem Menschen entfacht wird. Doch die Unerklärlichkeit, die den Zustand des Verliebtsein ausmacht, „verlangt eben ein Bild vom Wirken einer magischen
9 Vergil, Vers 715 ff.
10 RdE, Vers 807 ff.
11 HvV, Vers 831 f.
12 Vgl. HvV, Vers 734 ff.
13 Vergil, 1. Buch, Vers 588 ff. und RdE, Vers 717 ff.
14 HvV, Vers 796 f.: „her was lobelich genûch, hern mohte niht bezer sîn“.
15 HvV, Vers 695.
16 Im Gegensatz zu Rüdiger Schnell: Causa amoris. Seite 212 ff.
17 Römische Schutzgottheiten, die Eneas in Troja gerettet und nach Italien mitgebracht haben soll. Vgl. Ovid/Verw. 15. Buch, Vers 450 f. und Vers 861 ff.
18 Ovid/Her. VII, Vers 75.
19 HvV, Vers 1442 f.
5
außermenschlichen Kraft.“ 20 Diese magische Kraft meint aber in allen untersuchten Werken vornehmlich den göttlichen Einfluss.
2.2 Wie verläuft die Beziehung zwischen Dido und Enas?
2.2.1 Didos Qualen
„Mit arbeit und ungemach beginnt die Minne.“ 21 Das heißt, die minnende Person erleidet in erster Linie Qualen, wird umgetrieben, kommt nicht zur Ruhe. So ergeht es zunächst auch Dido, die schon bei Vergil und Ovid an der Minnekrankheit litt. 22 Diese Minnekrankheit wird in den mittelalterlichen Eneasromanen viel umfangreicher beschrieben als in den antiken Vorlagen. 23 Die Symptome der Minnekrankheit sind vielfältig: Dido wird heiß und kalt, sie zittert und meint zu verbrennen, sie kann nicht schlafen und hat keinen Hunger. 24 Diese Merkmale gehen in erster Linie auf die Ovidsche Darstellung der Minnekrankheit zurück, die aufgegriffen und weiter ausgearbeitet wurde. 25 Dido empfindet Qualen, weil sie Eneas ihre Liebe noch nicht eingestanden hat und fürchtet, er könnte ihre Liebe nicht erwidern. 26 Außerdem denkt Dido aber auch an ihren verstorbenen Mann, dem sie ewige Treue geschworen hatte, 27 sowie an ihr Ansehen, das sie verlieren könnte. 28 Dido befindet sich in einer scheinbar ausweglosen Lage: Welche Möglichkeit sie auch immer wählen würde, es wäre niemals eine wirklich gute Lösung. Die größten Qualen empfindet Dido jedoch ob ihres Treueschwures, den sie ihrem verstorbenen Mann gegeben hatte. Die Zweifel, die sie in dieser Hinsicht plagen, sind im französischen Roman d’Eneas besonders ausgeprägt; Veldeke hingegen hat Didos Zweifel an ihrem eigenen Handeln wieder zurückgedrängt - zugunsten einer detaillierten Darstellung der Minnekrankheit. Wie dies zu bewerten ist, werde ich in dem Kapitel „Didos Schuld“ erläutern.
20 Ludwig Wolff: Die mythologischen Motive in der Liebesdarstellung des höfischen
Romans. Seite 54.
21 Werner Schröder: Dido und Lavine. Seite 168.
22 Vergil, 4. Buch, Vers 66 ff. und Ovid/Her. VII, Vers 24 f.
23 Vgl. RdE, Vers 1201 ff. und HvV, Vers 1385 ff.
24 Vgl. HvV, Verse 1342-1361 und 1385-1387. Vgl. auch RdE, Verse 1228-1264.
25 Vgl. Ovid: Amores, 1. Buch, 2,1-3,5 und Ars amatoria, 1. Buch, Vers 728 ff.
26 Vgl. RdE, Vers 1394.
27 Vgl. Vergil, 4. Buch, Vers 15 ff.; RdE, Vers 1304 ff. und HvV, Vers 1486 ff.
28 Vgl. HvV, Vers 1304 f.
6
2.2.2 Dido und Anna
Dido wird sowohl in Vergils Aeneis als auch im Roman d’Eneas und in Veldekes Eneasroman von ihrer Schwester Anna enorm beeinflusst. Anna rät Dido gradezu zum Bruch des Treueversprechens, wovon Dido zunächst alles andere als überzeugt ist. Anna ist der Auffassung, dass es keinen Sinn mehr hat, wenn Dido ihrem toten Mann die Treue hält: Wenn sie in Eneas verliebt sei, so solle sie sich zu dieser Liebe bekennen. Bei Vergil begründet sich das auf die großartige Herrschaft, die aus dieser Verbindung erwachsen würde, 29 im Roman d’Eneas und bei Veldeke sagt Anna hingegen, dass es für Dido nicht gut sei, wenn sie bis zu ihrem Tod keinen Mann mehr lieben würde. Der Schwur hätte keine Bedeutung mehr und für Didos Leben sei es wichtig, sich zu ihrer jetzigen Liebe zu bekennen. 30 Erst nach dieser Unterredung ist Dido entschlossen, Eneas ihre Liebe zu gestehen. Sie ist zwar nach wie vor bedacht, ihre êre zu wahren, doch ohne Annas Zuspruch hätte Dido vielleicht nicht gewagt, ihre Liebe zu offenbaren; mit Sicherheit nicht so schnell. Es lässt sich deutlich erkennen, dass in den mittelalterlichen Werken im Gegensatz zu der antiken Vorlage hier Dido als Frau und nicht als Herrscherin im Vordergrund steht. Dem Verfasser des Roman d’Eneas und Heinrich von Veldeke ging es nicht in erster Linie darum, Didos Zweifel als Königin in den Mittelpunkt zu rücken, sondern ihre Qualen als liebende Frau.
2.2.3 Die Folgen des Jagdausflugs
Dido ist keinesfalls die eindeutige Verführerin des Eneas, eben so wenig kann die Vereinigung von Eneas und Dido aber als „Vergewaltigung“ 31 betrachtet werden; es fehlen gänzlich die Hinweise im Text, dass Dido sich energisch wehrt, ihr die Handlung zuwider ist, oder dass Eneas Gewalt anwendet. Auf Didos Zweifel und ihre Schuld werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch genau eingehen. Didos Verhalten nach dem Jagdausflug ist nur bei Veldeke differenziert dargestellt. Sowohl bei Vergil als auch in der französischen Vorlage erhebt sich sogleich nach dem Zusammentreffen von Dido und Eneas Fama über Karthago, um die Menschen von Didos Schande zu berichten. 32 Bei Veldeke versucht Dido, ihre Schmach, derer sie sich durchaus bewusst ist, dadurch zu vertuschen, dass sie Eneas offiziell
29 Vergil, 4. Buch, 47 f.
30 Vgl. RdE, Vers 1327 ff. und HvV, Vers 1494 ff.
31 Christian Gellinek: Liebe und Dichtung um Zwölfhundert im „Land ohne
Grenzen“. Seite 201.
32 Vgl. Vergil, 4. Buch, Vers 173 ff. und RdE, Vers 1439 ff. Bei Vergil verbreitet
Fama außerdem das Gerücht, Dido wolle Eneas heiraten. Vgl. Vergil, 4. Buch,
Vers 191 f.
7
heiratet und ihm auch die Herrschaft über Karthago überläßt. 33 Dido hat die sexuelle Vereinigung mit Eneas nach ihren Minnequalen als Erfüllung betrachtet 34 und die Zweifel, die sie zuvor gehegt hatte, durch die Hochzeit auszuräumen versucht. Die Veränderungen, die Veldeke im Hinblick auf die Vorlagen vorgenommen hat, zeigen, dass er darum bemüht war, Didos Handeln einleuchtend, nachvollziehbar und menschlich zu gestalten. Enas` Verhalten gegenüber Dido. In Vergils Aeneis und dem Roman d’Eneas wird Eneas bei seiner Ankunft in Karthago zwar auch von Ascanius geküsst, dieser Kuss vermag ihn aber nicht in Liebe zu Dido zu versetzen. In Veldekes Eneasroman wird Eneas gar nicht erst von Ascanius geküsst, wodurch sein Verhalten wesentlich verständlicher wird. Eneas hat sich eben nicht in Dido verliebt. Dennoch hat er in allen untersuchten Werken einerlei Bedenken, mit Dido zu schlafen. Es gibt bei Veldeke auch Hinweise, die die Vermutung nahelegen, die Vereinigung sei gottgewollt. Eneas „legete sie dar nider, alsez Venûs geriet“ 35 offenbart, dass es der Wille der Götter zu sein scheint, dass Dido und Eneas miteinander schlafen. Doch Eneas ist nicht von der Liebe ergriffen, die Dido für ihn empfindet - vielmehr muss es sich an dieser Stelle um eine Verschleierung des sexuellen Verlangens handeln, das Eneas empfindet. Nach dem Jagdausflug tritt Eneas bei Vergil, im Roman d’Eneas und bei Veldeke erst wieder in Erscheinung, als ihn die Nachricht der Götter erreicht, er solle weiterreisen. 36 Eneas teilt Dido also zu keinem Zeitpunkt mit, dass er eigentlich einen Götterbefehl zu befolgen hat - er läßt Dido in ihrem Glauben, daß Eneas bei ihr bleibt. So entsteht bis hierhin das Bild einer „lovesick Dido and the cool unemotional Aeneas.“ 37
2.2.4 Wie endet die Beziehung zwischen Dido und Enas?
2.2.5 Eneas` Weiterreise
Sowohl in der Vorlage von Vergil als auch in Veldekes Eneasroman versucht Eneas, heimlich aus Karthago abzureisen, da „her forhte, ob siz vernâme, daz si ez wenden wolde.“ 38 Im Roman d’Eneas kommt es gar dazu, dass Eneas Dido belügt, da er zunächst heimlich abreisen will, dann aber von ihr entdeckt wird und sein Vorhaben zu vertuschen versucht: „Ainz m’en irai tot a venüe.“ 39 In Ovids Heroida lässt sich ein knapper Hinweis darauf finden, dass Dido
33 Vgl. HvV, Vers 1909 ff. und Vers 1953 ff. Vergil, 4. Buch, Vers 191 f.
34 Vgl. HvV, Vers 1877 ff.
35 HvV, Vers 1850 f.
36 Vgl. Vergil, 4. Buch, Vers 223 ff.; RdE, Vers 1615 ff.; HvV, Vers1958 ff.
37 Jessie Crosland: „Eneas“ and the „Aeneid“. Seite 284.
38 HvV, Vers 1988 f.
39 RdE, Vers 1681.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Krüger, 2002, Eneasdichtung bei Veldeke und Vergil, München, GRIN Verlag GmbH
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