Rezension zu: Martin Wight. International Theory.
The three Traditions.
Martin Wight war ein hoch angesehener Dozent der internationalen Beziehungen an der London School of Economics and Political Sience sowie an der University of Sussex und ist der Begründer der Englischen Schule. In dem Buch „International Theory. The three Traditions“ legen seine ehemaligen Studenten die Grundzüge seiner Theorie dar, die er in den Vorlesungen formuliert hat. In den zahlreichen Einführungsessays, die das Buch enthält, erläutern die Verfasser ihre Intentionen, die sie zu dem Schreiben an dem Buch bewegt haben, geben Ihre Erinnerungen an Martin Wight wieder und erklären ihre Vorgehensweise beim Schreiben, die daraus bestand, aus den Erinnerungen an die Vorlesungen sowie aus den zahlreichen Notizen eine getreue und verständnisvolle Nachbildung des Gedankenkonstruktes von Martin Wight wiederzugeben.
M. Wight galt als ein „Perfektionist“, was auch erklärt, warum bis zu seinem Tod im Jahr 1972 fast keine Werke von ihm veröffentlicht wurden. Die Verfasser erachten es dennoch für nötig, dieses Buch an die Öffentlichkeit zu bringen, um, in Erinnerung an ihre eigene Begeisterung und allgemein die Berühmtheit der Vorlesung, den weiteren Generationen der Wissenschaftler diese Gedankengänge nicht vorzuenthalten und sie vielleicht auch zu neuen zu inspirieren.
Das Buch ist ein Versuch, die bereits bestehenden Theorien der internationalen Beziehungen zu klassifizieren sowie die Kontunität dieser aufzuzeigen (vgl. S. 5) und nicht eine neue Theorie aufzustellen. Die unterschiedlichsten Theorien werden in drei große Bereiche eingeteilt, das sind die Realisten, auch Machiavellisten genannt (wichtigste Vertreter: Machiavelli, Hobbes, Hegel, Carr, Morgenthau u.a.), die Rationalisten, auch Grotianer genannt (wichtigste Vertreter: Grotius, Locke, Burke, Roosevelt, Churchill u.a.) und die Revolutionalisten oder auch Kantianer (wichtigste Vertreter: Kant, Rousseau, Marx u.a.). Zwar sind die einzelnen Traditionen unter sich nochmals untergliedert, wie zum Beispiel die Realisten in aggressive und defensive, die Rationalisten in realistische und idealistische und die Revolutionalisten in evolutionäre und revolutionäre (vgl. S. 160) , jedoch kreuzen sich die Untergliederungen sowie auch die großen Theorien allgemein in theoretischen Auffassungen und Vorstellungen einzelner Bereiche, wie es durch zahlreiche historische Geschehnisse belegt wird. Dabei ist es wichtig, zwischen den theoretischen Überlegungen und der tatsächlich ausgeführten Politik zu unterscheiden; nicht die Theorie an sich bestimmt das staatliche Handeln, sondern das staatliche Handeln kann später einer Theorie zugeordnet werden, was den Zusammenfluss der Theorien in der Praxis bewirkt.
Im ersten Abschnitt wird ein allgemeiner Überblick über die drei Traditionen der internationalen Theorien gegeben (vgl. S. 7-25). Die Revolutionalisten sind Kosmopoliten mit missionarischem Charakter, die geschichtlich vor allem in die religiösen Kreuzzüge, die französische Revolution und die zahlreichen totalitäre Regime einzuordnen sind. Der Hang zur Verachtung bestimmter Menschengruppen und zur Exklusivität der Doktrinen hat viele Missstände verursacht (Kommunismus, Nationalsozialismus), aber auch viele beseitigt (Französische Revolution). Die rationale Sichtweise ist der Glaube an das natürliche Recht und die menschliche Rationalität, die die internationale Zusammenarbeit und das Völkerrecht erklären. Der Glaube an die internationale Anarchie und Machtpolitik liegt der realistischen Sichtweise zugrunde; durch den Bezug auf die vorhandenen Tatsachen in der Politik wird der ständige Konflikt zwischen Staaten zum führenden Prinzip der internationalen Beziehungen. Den allgemeinen Grundzügen folgt der Blick auf die menschliche Natur aus den Sichtweisen der einzelnen Theorien (vgl. S. 25-30). Die realistische Prämisse ist Krieg aller gegen alle, dieser liegt eine pessimistische Sichtweise des Menschen zu Grunde, die sich in ständigen Aggressionen und Neid untereinander zeigt. Die Revolutionalisten glauben an den freien und guten Menschen, der aber in geschichtlichen Abläufen ständig „in Ketten“ gehalten wird. Daraus resultiert die Pflicht, die menschliche Rasse von diesen zu befreien. Das Paradox der revolutionistischen Ausführung ist, dass die Menschen, geschichtlich gesehen, trotz der guten Vorhaben ständig in Angst gelebt haben (z.B. das Sowjet-Regime). Der Rationalist verbindet, wie man noch öfters sehen wird, die beiden Extrema und präsentiert uns den vernünftigen Menschen, der kooperiert, um seine Ziele zu erreichen.
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2005, Rezension zu: Martin Wight. International Theory. The three Traditions., Munich, GRIN Publishing GmbH
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