Menschengruppen und zur Exklusivität der Doktrinen hat viele Missstände verursacht (Kommunismus, Nationalsozialismus), aber auch viele beseitigt (Französische Revolution). Die rationale Sichtweise ist der Glaube an das natürliche Recht und die menschliche Rationalität, die die internationale Zusammenarbeit und das Völkerrecht erklären. Der Glaube an die internationale Anarchie und Machtpolitik liegt der realistischen Sichtweise zugrunde; durch den Bezug auf die vorhandenen Tatsachen in der Politik wird der ständige Konflikt zwischen Staaten zum führenden Prinzip der internationalen Beziehungen.
Den allgemeinen Grundzügen folgt der Blick auf die menschliche Natur aus den Sichtweisen der einzelnen Theorien (vgl. S. 25-30). Die realistische Prämisse ist Krieg aller gegen alle, dieser liegt eine pessimistische Sichtweise des Menschen zu Grunde, die sich in ständigen Aggressionen und Neid untereinander zeigt. Die Revolutionalisten glauben an den freien und guten Menschen, der aber in geschichtlichen Abläufen ständig „in Ketten“ gehalten wird. Daraus resultiert die Pflicht, die menschliche Rasse von diesen zu befreien. Das Paradox der revolutionistischen Ausführung ist, dass die Menschen, geschichtlich gesehen, trotz der guten Vorhaben ständig in Angst gelebt haben (z.B. das Sowjet-Regime). Der Rationalist verbindet, wie man noch öfters sehen wird, die beiden Extrema und präsentiert uns den vernünftigen Menschen, der kooperiert, um seine Ziele zu erreichen.
Der dritte Abschnitt handelt von der internationalen Gesellschaft (vgl. S. 30-49). Da das internationale System aus unterschiedlich verfassten, nationalen Souveränen besteht, gibt es für den Machiavellisten keine internationale Gesellschaft. Der Staat vertritt seine eigenen Interessen nach außen und kooperiert nicht mit anderen. Dadurch haben internationale Institutionen und des Völkerrecht keine große Wirkung auf das staatliche Verhalten, und wenn überhaupt etwas das internationale System beherrscht, dann sind es die großen Mächte mit ihrem Machtmonopol. Die internationale Gesellschaft für die Rationalisten besteht aus allen Menschen (d.h. Die Staaten und ihre Bürger). Diese wird durch das von Natur aus bestehende Recht legalisiert und bestätigt. Da dieses Recht aber institutionelle Schwächen hat, bildet es die Grundlage für das positive, internationale Recht, das die staatliche Souveränität sichert und nur gegenseitige Machtbeschränkung und Kontrolle gewährt. Die revolutionistische Lehre der internationalen Gesellschaft beruht auf dem Glauben an die civitas maxima (Gemeinschaft) und lässt sich auf drei Wegen verwirklichen. Die mildere Form ist die Einheitlichkeit der staatlichen Regierungsformen, wie Kant sie formuliert hat, die die Kommunikation zwischen diesen erleichtert. Der zweite Weg ist der Imperialismus, in dem sich eine große Macht über die anderen stellt und diese regiert (z.B. Stalin in Ost-Europa). Die revolutionistischste und utopistischste Art ist der Cosmopolitismus, der auf den Menschen und Humanität aufbaut und Regierungen und Diplomatie vollkommen außer Acht lässt (eine Menschheitsfamilie in Anarchie).
Im vierten Abschnitt geht M.Wight auf die Frage ein, wie weit die internationale Gesellschaft reicht. Diese Überlegung entstand aus der Tatsache, dass die Theorien sich meistens auf die
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westliche Welt beziehen und andere Kulturen (Asiatische, Afrikanische und Muslimische) außer Acht lassen. Hier wird nun die Frage diskutiert, wie man mit den „Barbaren“ umgeht (vgl. S. 49-99). Der Realist gesteht den nicht-zivilisierten, „barbarischen“ Völkern keine Rechte ein und legitimiert damit freien Umgang mit diesen durch die zivilisierten, westlichen Länder. Demnach haben „Barbaren“ kein Recht auf Leben, Land und Rohstoffe und können „versklavt“, ausgebeutet und „ausgerottet“ werden. Diese harten Prämissen entstanden zu der Zeit, als die Menschen noch in Klassen eingeteilt waren und hatten deshalb nicht stark für Aufregung gesorgt. In der neueren Geschichte angewendet, legalisierten diese den Kolonialismus und kamen durch Hitlers Umgang mit den Juden in ihrer extremsten Form zum Vorschein. Hieran sieht man auch wie sich die Theorien überschneiden ( z.B. Hitler als Revolutionalist, der sich realistischer Prämissen bediente). Die Grotianer gestehen allen Menschen der Welt Rechte ein, dieses impliziert, dass die „barbarischen“ Völker sowie die Völker der noch unentdeckten Gebiete das Recht auf Leben, Land und Ressourcen haben und dass jeder Mensch auf jedem Fleck der Welt Menschenrechte genießt (d.h. auch Reisende werden überall als Menschen behandelt). Da die Regierungen der nicht-westlichen Staaten aber sehr instabil und somit unsicher für die modernen Staaten sind, wird den westlichen Mächten gewährt, in Ausnahmesituationen in diese einzugreifen, um die Stabilität zu sichern (z.B. Protektorate), was aber nicht die Ausbeutung dieser legitimiert. Mit dem Konzept der großen Menschengemeinschaft gestehen die Revolutionalisten den „Außenseitern“ alle Rechte ein. Dieses Konzept setzt allerdings Gleichheit aller Menschen voraus, was für die rückständigen Völker Assimilation bedeutet, egal ob sie diese wünschen oder nicht (Assimilation an die Landeskultur, wie Frankreich und seine Kolonien, oder Assimilation an eine Leitidee wie in der Sowjetunion und den besetzten Ländern).
Die nationale Stärke und die Erklärung, wie Staaten handeln, wird im fünften Abschnitt behandelt(vgl.S.99-111). Die Rationalisten gestehen zwar der nationalen Stärke, also der Macht, eine wichtige Stellung zu, jedoch legitimiert sich diese nicht von selbst und muss in Schranken gehalten werden. Macht unterliegt dem natürlichen (moralischen) und legalem Recht. Dass Verhalten auch sanktioniert werden kann, obwohl es nach dem geltenden Recht nicht strafbar ist, (z.B. die Nürnberger Prozesse), zeigt die wichtige Bedeutung des natürlichen Rechtes. Die Machiavellisten sehen die Macht (politische Macht) als den wichtigsten Existenzfaktor der Menschheit, des Staates, der Moral und des Gesetzes, dadurch legitimiert diese sich von allein, und ihr sind keine Grenzen gesetzt. Die Revolutionalisten haben bei der Interpretation der Macht sowohl realistische als auch rationalistische Ansätze. Macht muss durch Ideale und Moral (für Revolutionalisten sind es meistens Doktrinen) legalisiert werden (rationaler Ansatz), aber die Durchsetzung dieser Ideale bedarf uneingeschränkter Macht (realistischer Ansatz). Das bedeutet so viel wie: wenn man ein festes Ziel hat, das die Menschheit verändert, hat man uneingeschränkte Macht,dieses zu verfolgen.
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2005, Rezension zu: Martin Wight. International Theory. The three Traditions., München, GRIN Verlag GmbH
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