hängt, sind doch alle den gleichen Rechten und Pflichten unterworfen. Der Prozess der Arbeitsteilung, der gesellschaftliche Differenzierung bewirkt, wird von Durkheim als Integrationsfördernd angesehen, weil dieser soziale Interdependenzen anwachsen lässt und somit Solidarität und moralische Ordnung schafft. Durch Arbeitsteilung wird der Mensch nicht mehr direkt in die Gesellschaft integriert, sondern die Integration erfolgt durch die unterschiedlichen sozialen Gruppen, von denen das Individuum gleichzeitig mehreren angehört, wie zum Beispiel die Familie, Arbeit und soziales Leben. Die jeweiligen Gruppen haben eigene Regeln, denen der Mensch sich anpassen muss, somit ist er noch mehr den „gesellschaftlichen Zwängen“ unterlegen, denn er muss sich an mehrere Sachen gleichzeitig Anpassen. Aus diesen einzelnen Gruppen ergeben sich für Durkheim zwei große Regelwerke, die untereinander nochmals untergliedert sind und denen der Mensch unterliegt. Die universale Moral bildet zwei abgrenzenden Pole und zeigt die Integration in die gesamte Gesellschaft. Auf der einen Seite die Rechte und Pflichte gegenüber sich selbst, auf der anderen Seite die Rechte und Pflichten gegenüber der Menschheit. Zwischen den zwei großen Polen sind die partikularen Moralsystheme verteilt, die für die einzelnen, sozialen Gruppen/Milieus stehen. Diese sind in häusliche-, berufliche- und staatsbürgerliche Moral eingeteilt. Die wichtigste Instanz, die Solidarität und Abhängigkeit zwischen allen vermischen lässt und die das Individuum am meisten Integriert, ist der Beruf. Beim Arbeiten entwickelt und fördert der Mensch seine Individualität und Persönlichkeit am meisten, weil er die meiste Zeit mit dem Arbeiten verbringt und integriert sich gleichzeitig am besten in die Gesellschaft, weil er an ihrer Entwicklung aktiv teilnimmt und sich seine Rolle in dieser sichert. Dem Vorwurf, dass die Arbeitsteilung das Individuum eher zur Maschine macht und dass routinisierte Handlungen keine Erweiterung der Horizontes bewirken, stellt Durkheim den eigentlichen Gedanken der Arbeitsteilung entgegen, der darauf beruht, dass das Individuum im ständigen Kontakt zu seinen Nachbarfunktionen stehen soll und die Zusammenhänge sowie die Ziele der Arbeit für ihn bekannt sein sollten. Wenn sich das Individuum mit seiner Arbeit identifiziert, dann fördert sie seiner Meinung nach seinen Horizont und lässt ihn nicht Abstumpfen.
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Im Bereich der Arbeit unterscheidet Durkheim drei Bereiche die noch von anomischer Arbeitsteilung „befallen“ sind. Diese Bereiche sind industrielle/kommerzielle Organisation, die sich in Krisen ausdrückt, die Feindschaft zwischen Arbeit und Kapital, die sich in Revolten der Arbeiter gegen die Meister zeigt, sowie die Spezialisierung der Wissenschaften, bei der die Wissenschaftler sich auf ein Spezialgebiet beschränken, dieses für das wichtigste halten und den Gesamtzusammenhang aus den Augen verlieren. Für heutige Sichtweise sind diese „Pathologien“ nur Anzeichen für die Freiheit der Arbeiter bzw. Wissenschaftler, für Durkheim sind es ungeregelte Gebiete die keine Solidarität und Abhängigkeit erzeugen und somit Integrationshemmend und schädlich für die Menschheit sind. Da Durkheim die Vernetzung der einzelnen differenzierten Funktionen feststellt (eine Art Kettenreaktion, denn Geschehnisse in einem Bereich wirken sich auf einen anderen aus) sieht er auch die Notwendigkeit von Regeln zwischen diesen, um einen geregelten Ablauf von Interaktionen zu ermöglichen. Diese Regeln sollen von einer unabhängigen Instanz gesetzt werden. Für das menschliche Verhalten ist diese die Regierung, für die Wissenschaft die Philosophie. Die Regeln sollen den Zusammenhang der Funktionen herstellen, wobei sie die wesentlichen und die am öftesten vorkommenden Berührungspunkte festlegen, damit grundsätzliche Sachen nicht immer wieder neu verhandelt werden müssen. Der übrige Spielraum bleibt den Individuen frei zur Ausgestaltung und sie sind nur angewiesen, nicht den Gesamtzusammenhang aus den Augen zu verlieren. Außerhalb der Arbeitswelt, hat die Gesellschaft einen wesentlich größeren Einfluss auf das Individuum. In der Moralstatistik, wo Durkheim die sozialen Einfüße auf den Selbstmord untersucht, kommt er zur Feststellung, dass die Verbundenheit mit der Gesellschaft die Voraussetzung für das menschliche Leben ist. Da die Menschen ein höheres Ziel als das eigene, vergängliche Leben, als Motivation zum Leben brauchen und dieses aus der Einbindung in die sozialen Milieus entsteht, ist die Gesellschaft der Ursprung und das Ziel des Lebens. Jede starke Ausprägung der Individualismus lässt die Gründe des Lebens verwischen und das Individuum gerät in eine Zwickmühe in der er nichts mit sich anzufangen weiß, die Gefahr des Selbstmordes ist in einer solchen Situation sehr groß. Die Verfassung der Gesellschaft wird auf die ihr angehörigen Individuen übertragen, so dass wenn diese schwach und voll von
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Arbeit zitieren:
2005, Emile Durkheim: Individualisierung und Vergesellschaftung, München, GRIN Verlag GmbH
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