Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung S.1
2. „Pagani“ und „Schweine“ S.1-6
2.1. Das Bild der Muslime S.1-4
2.2. Das Bild der Christen S.4-6
3. Friedensschlüsse zwischen Moslems und Heiden S.6-11
3.1. „Verbot“ von Verträgen mit „Heiden“ durch die Kirche
S.6-7
3.2. Verträge zur Sicherung des notwendigen „modus vivendi“
S.7-8
3.3. Die moralische Haltung zu den geschlossenen Verträgen
S.9-11
4. Schlussbemerkung S.11
5. Bibliographie S.12
II
1. Einleitung:
„Im Jahre 1167 sah sich der fatimidische Kalif al-Adid [...] mit einer ungewöhnlichen Forderung konfrontiert. Hugo von Cäsarea, ein fränkischer
Adliger, der [...] im Auftrag König Amalrichs von Jerusalem nach Ägypten
gereist war, verlangte, der Kalif möge ihm zur Bekräftigung des gerade
zwischen ihnen abgeschlossenen Rechtsgeschäfts seine bloße Hand
reichen.[...]. Zum Entsetzten seiner Höflinge entsprach der Kalif dem Wunsch der Gesandten, denn er brauchte diesen Frieden, [...]. Bereits im
folgenden Jahr entschloß sich König Amalrich jedoch, erneut gegen Ägypten
zu ziehen.“ 1
Wilhelm von Tyrus beschreibt an dieser Stelle den Vorgang eines Vertragsschlusses zwischen Muslimen und Christen während der Kreuzzüge. Auffällig sind an diesem Beispiel die
demütigende Behandlung des Moslems, die dieser auf sich nimmt, um seine Existenz zu wahren und das schändliche Verhalten des Christen, der, scheinbar willkürlich, das Abkommen bricht. Diese Arbeit befasst sich mit der Praxis der Friedensschlüsse zwischen Moslems und Christen im „Heiligen Land“. Es soll näher untersucht werden, ob ein dauerhafter Frieden möglich war oder Beleidigung und Hinterlist die Beziehungen der beiden Vertragspartner trübten. Dazu soll zunächst einmal ein kurzer Ausblick auf die gegenseitige Einschätzung gegeben werden.
2. „Pagani“ und „Schweine“:
2.1. Das Bild der Muslime:
Zur Zeit des ersten Kreuzzuges waren die meisten
westeuropäischen Christen niemals zuvor mit der islamischen Kultur und Religion konfrontiert worden, sieht man einmal vom südwestlichen Europa, also Spanien und Italien ab. 2 Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Christenheit jener
1 Burgtorf, Jochen:Die Ritterorden als Instanzen der Friedenssicherung?, in: Jerusalem im Hoch-und Spätmittelalter, Konflikte und
Konfliktbewältigung - Vorstellungen und Vergegenwärtigungen, hg. v. D. Bauer, K. Herbers, N. Jaspert (Campus Historische Studien Band 29), Frankfurt-New York 2001, S.165.
1
Gebiete leicht für ein negatives und aggressives, d.h. für das Christentum gefährliches, Bild der Muslime und des Islams gewonnen werden konnte, so dass die Euphorie, die nach Papst Urbans II. Kreuzzugsaufruf aufkam, als logische
Schlussfolgerung erscheint. 3 Geschürt wurde diese Aggression sicherlich durch die eher kriegerischen Erfahrungen, die beispielsweise die Bewohner der italienischen Halbinsel mit sarazenischen Piraten gemacht hatten, von zeitgenössischen Chronisten auch Pagani Saracini genannt. 4 Schwinges glaubt einen „kämpferischen Akzent“ 5 bemerkt zu haben, der in dieser Bezeichnung mitschwingt. Weiter spricht Schwinges von einer ausgeprägten, der Realität kaum entsprechenden, Rolle der Polemik, die sich in Ausdrücken, wie z.B. „inimici Dei, nefandi, odibiles, impii, nequissimi, barbari“ 6 widerspiegeln. Grundsätzlich gab es in der Kirche zur Zeit der ersten Kreuzzüge zwei wichtige Auffassungen von Heiden, nämlich die gentiles, die die „besseren“ Ungläubigen darstellten, da sie auf ihre Bekehrung warten, um von ihrer Sündhaftigkeit erlöst zu werden und den Begriff der pagani, welcher als Beschimpfung für die „unbelehrbaren“ Heiden steht, die z.B. in Form von Kultbildern dem Heidentum nachgingen und sich dadurch den Zugang zum Christentum verwehrten. 7
„Ein solcher Paganismus war ein schuldhaftes und herausforderndes
Verhalten, das eher den Zorn der Christenheit heraufbeschwor als ihr
Mitleid und den Wunsch nach Bestrafung der Gottesfeinde aufleben ließ.“ 8
Durch Vergleiche der Muslime mit dem Antichristen und der Verwendung apokalyptischer Motive wurde der Ruf nach
militärischen Aktionen gegen selbige lauter und das Bild der
2 Schwinges, Rainer Christoph: Kreuzzugsideologie und Toleranz, Studien zu Wilhelm von Tyrus (Monographien zur Geschichte des Mittelalters Band 15, Stuttgart 1977, S.97.
3 Ebda., S.97.
4 Ebda., S.99.
5 Ebda., S.99.
6 Ebda., S.100.
7 Ebda., S.91.
8 Ebda., S.91.
2
Muslime übertrieben dargestellt. 9 Allerdings gab es natürlich auch Gelehrte, die über einiges Wissen betreffs der
islamischen Kultur verfügten, zu nennen wäre hier z.B. Wilhelm von Tyrus, die für eine tolerantere Betrachtungsweise der fremden Religion plädierten 10 und somit sicherlich einen Beitrag zu einer etwas vorurteilsfreieren Anschauung der Westeuropäer beitrugen.
„Im Laufe der Kreuzzugsbewegung sollte sich dieses negative Bild der
Muslime jedoch zu einem positiveren differenzieren, ohne daß es freilich
ganz aufgegeben wurde.“ 11
Zur allmählichen „Aufklärung“ der Christenheit trug
beispielsweise die Übersetzung des Korans ins Lateinische im Jahre 1141 bei, während nur kurz danach Bernhard von Clairvaux verbreitete, dass nicht bekehrungswillige Muslime zu vernichten seien. 12
„Das >neue Heidenbild<, das sich schon leise bei den Chronisten des ersten Kreuzzuges, [...], in manchen lobenden Äußerungen über die militärische
Tüchtigkeit der sarazenischen Ritter bemerkbar gemacht hatte, fand erst um
die Wende zum 13. Jahrhundert allmählich die größere Verbreitung.“ 13
Schwinges verweist außerdem auf die bedeutende Rolle
kultureller Einflüsse, die aufklärende Wirkung mit sich brachten, wie z.B. der Scholastik im 12. Jahrhundert oder die Berichte von heimkehrenden Christen, die einige Zeit in hatten. 14 Kleinasien verbracht Wesentlich neutraler und
toleranter den „Heiden“ gegenüber zeigten sich die Europäer, die in den Vorderen Orient übersiedelten, um dort heimisch zu werden. 15
Man kommt aber dennoch zusammenfassend zu dem Schluss, dass das westeuropäische Bild der Muslime gegen Ende des 11.
9 Ebda., S.103.
10 Ebda., S.104.
11 Ebda., S.105.
12 Ebda., S.106.
13 Ebda., S.107.
14 Ebda., S.107f..
3
Arbeit zitieren:
Philipp Gaier, 2003, Frieden zwischen Muslimen und Christen?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Nahostkonflikt bis zur Staatengründung Israels aus konstuktivistis...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 16 Seiten
Das Prophetieverständnis in der Bibel und im Koran, dargestellt an Abr...
Möglichkeit für einen Dialog?
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Seminararbeit, 24 Seiten
Heinrich der Löwe und der Wendenkreuzzug 1147
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Heinrich der Löwe und der Wendenkreuzzug 1147
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 19 Seiten
Zur Geschichte der Gramsci-Rezeption: Wolfgang Fritz Haug und Stuart H...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
Die Deutsch-Sowjetische Annäherung: Von den ersten Gesprächen bis zum ...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
DDR - ein autoritäres oder totalitäres Regime
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit, 25 Seiten
"Stadt der Frauen" - Frauen der Stadt
Christine de Pizans „Buch von ...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 39 Seiten
Der Zusammenbruch der SED-Hegemonie in der DDR während der politischen...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Philipp Gaier's Text Frieden zwischen Muslimen und Christen? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Philipp Gaier hat den Text Frieden zwischen Muslimen und Christen? veröffentlicht
Philipp Gaier hat einen neuen Text hochgeladen
Christen und Muslime Tür an Tür
Basiswissen kompakt
Bekir Alboga, Georg Bienemann, Werner Höbsch
Wenn es lebensgefährlich ist, Christ zu sein
Kampf der Religionen und Kultu...
Joachim Feyerabend
Christen und Muslime: Freunde oder Feinde?
Herausforderung an die Moderne
Emilio Platti, Karl Pichler
0 Kommentare