Inhaltsverzeichnis
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I. Einleitung. 3
II. Kanadische Identität. 6
a. Zum Begriff „Identität“ 6
b. Ansätze für eine kanadische Identität. 8
III. Kanadische Kultur. 12
a. Zum Begriff „Kultur“ 12
b. Zum Begriff „Popkultur“ 13
c. Das Spezifische an der kanadischen Kultur. 15
IV. Die kanadische Filmkultur. 19
a. Die schwache kanadische Filmindustrie. 19
b. Die Institutionen und ihre Kriterien zur Förderung von Filmen. 21
c. Men With Brooms als CanCon 23
V. Kanada, die Kanadier und die kanadische Popkultur in Men With Brooms. 24
a. Kurzinhalt. 24
b. Offensichtliche Kanadismen. 26
c. Typisch kanadische Motive nach Monk. 28
VI. Zusammenfassung. 33
VII. Literaturverzeichnis. 36
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I. Einleitung
Kürzlich wurde diskutiert, ob es im deutschen Radio eine Quote für deutschsprachige Musik geben sollte, da durch die ständig einströmenden Lieder ausländischer, vor allem englischsprachiger, Künstler die deutschen Musikproduktionen kaum mehr eine Chance auf dem Markt hätten. Durch den gegenwärtigen Erfolg diverser deutschsprachiger Bands scheint das Problem erst einmal aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden zu sein; der starke Einfluss der amerikanischen Kultur ist im Alltag jedoch allgegenwärtig. Deutschen Kulturschaffenden gereicht es dabei noch zum Vorteil, dass längst nicht jeder Deutsche das Englische gut genug beherrscht, um nur noch ausschließlich anglophone Kultur zu konsumieren. Ein Grundbedürfnis nach deutschen Kulturerzeugnissen bleibt bestehen. Dieser „sprachliche Vorteil“ ist in Kanada nur begrenzt vorhanden. Kanada ist zwar ein riesiges, multikulturelles Land, doch die überwiegende Mehrheit seiner Bevölkerung spricht englisch und mehr als 80% der Kanadier 1 leben nur wenige Autostunden von den USA entfernt, die sowohl die Wirtschaft als auch die Medien Kanadas dominieren. Nachdem sich Kanada von seiner alten Kolonialmacht Großbritannien größtenteils befreit hat (die Queen ist jedoch noch immer das kanadische Staatsoberhaupt), lebt es nun im Schatten eines anderen mächtigen Landes, gegen das es sich - auch in seinem Bild nach außen - zu behaupten hat. Zu leicht fällt es vielen Menschen, sogar Amerikanern, die beiden Länder als eins zu sehen und keine Unterschiede zwischen ihnen zu kennen oder gelten zu lassen. „It has always been easy for the rest of the world to write us off as “kind of” Americans.” 2 Gründe dafür gibt es viele, wie die gemeinsamen kulturellen Wurzeln als britische Kolonien, 3 die gemeinsame Sprache eines großen Teils der Bevölkerung beider Länder und die sich überlappende Medien- und Popkultur. Kanadier stecken daher sehr viel Energie in die Frage, wer sie sind. Das ist einleuchtend, wenn man sich überlegt, aus wie vielen verschiedenen Nationen die Bevölkerung zusammengesetzt ist. Es fehlen identitätsstiftende gemeinsame Religionen, Sprachen und Traditionen. 4 Auch in der Geschichte finden sich wenige Momente, die alle Kanadier vereinen. Es gibt zum Beispiel kein offizielles Gründungsdatum Kanadas. 5 Der am 1. Juli gefeierte Canada Day steht zwar für den Beginn der Konföderation, aber weite Teile
1 vgl. Krauss, Clifford: Soul Search. Maclean’s, November 25, 2002, S. 26.
2 Gatehouse, Jonathon: America Lite: Is That Our Future? Maclean’s, November 25, 2002, S. 18-21., S. 19
3 vgl. Morrison, Katherine L.: Canadians are not Americans. Myths and literary traditions. Toronto: Second
Story Press, 2003., S. xiii
4 vgl. Francis, Daniel: National Dreams. Myth, Memory, and Canadian History. Vancouver: Arsenal Pulp Press,
1997., S. 10
5 vgl. ebenda, S. 18
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des Landes schlossen sich erst sehr viel später an. Dieses sogenannte kanadische Dilemma wird durch die noch immer nicht vollständig vollzogene Unabhängigkeit von Großbritannien, die Zweiteilung des Landes in einen englisch- und einen französischsprachigen Teil, sowie den großen Anteil indigener Bevölkerung verstärkt, deren Nationengrenzen nicht mit den Landesgrenzen übereinstimmen und die sich eher mit Indianern in den USA und Inuit in Grönland und Sibirien verbunden fühlt. Kanada befindet sich also noch auf der Suche nach seiner Identität. Dieses Problem wird seit Jahren heiß diskutiert und Kanadisten überall auf der Welt versuchen das typisch Kanadische zu definieren. Kulturprodukte (z.B. Filme, Romane oder Werbespots) jedweder Art und aus aller Herren Länder werden dahingehend untersucht, wie sie Kanada darstellen und wie also demnach die Sicht der Macher und ihrer Kulturen auf Kanada ist. 6
Ebenso heftig diskutiert wie die kanadische Identität ist auch die kanadische Kultur. Gibt es überhaupt eine eigene kanadische Kultur? Ist nicht alles britisch, französisch oder amerikanisch? Wird ausländische Kultur zu kanadischer Kultur, wenn sie von Kanadiern konsumiert wird? Ist die kanadische Kultur nicht nur eine „Light-Version“ der amerikanischen Kultur? Amerikanische Filme, Musik, Fernsehsendungen, Zeitschriften etc. sind im kanadischen Alltag viel leichter zu entdecken als „einheimische“ Produkte. Es ist also kaum verwunderlich, wenn an der Existenz von kanadischer Kultur und kanadischer Identität gezweifelt wird. Trotzdem entdeckt man beim genaueren Hinsehen durchaus Unterschiede zwischen amerikanischer und kanadischer Kultur und es wird klar, dass es eine eigene kanadische Identität gibt. Die vorhandene kanadische Identität und Kultur sind aber im Vergleich zur amerikanischen so schwach ausgeprägt, dass die Kanadier glauben, sie beschützen zu müssen.
1951 gab die kanadische Regierung eine Untersuchung über Kultur und Massenmedien im Land in Auftrag. Der sogenannte Massey Report brachte alarmierende Ergebnisse: Er stellte das Überleben Kanadas als Nation in Frage, da die kanadische Kultur von einer amerikanischen Invasion bedroht sei. Kultur sei der Leim, der eine Gesellschaft zusammenhalte und den Menschen als Individuen und als Gruppe eine Identität verleihe. Ohne eine gemeinsame Kultur und gemeinsame Werte könne man nicht zusammenleben. Es wurde davor gewarnt, dass eine „American invasion by film, radio, and periodicals” die eigenen kreativen Anstrengungen der Kanadier im Keim ersticke. Kanada brauche eine eigene, einheimische Kultur, die von allen Medien gespeist und unterstützt würde, um seine
6 vgl. Yves Laberge in Easterbrook, Ian K. et al.: Canada and Canadians in feature films: a filmography, 1928-
1990. Canadian Film Project, University of Guelph, 1996., S. v
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Eigenständigkeit und seine Identität zu bewahren. 7 Um der Bedrohung durch die amerikanische Übermacht zu begegnen, wurde ein Eingreifen der Regierung gefordert. Allerdings sollte sie nicht die Verbreitung amerikanischen Kulturguts verhindern, sondern die Herstellung kanadischer Kultur mit kanadischem Inhalt („Canadian Content“, im folgenden kurz CanCon) fördern, um dem kanadischen Publikum eine breitere Auswahl und ein ausreichendes Angebot an kanadischen Kulturprodukten zu bieten. 8 Es wurden Regelungen geschaffen, die Finanzhilfen für Projekte mit eindeutigem CanCon geben sollten. Die genaueren Bestimmungen sollen an späterer Stelle noch erläutert werden.
Die Furcht vor einer amerikanischen Übermacht im Kulturbereich und damit vor einem Untergehen der kanadischen Kultur und einer gemeinsamen kanadischen Identität existiert noch heute und bezieht sich auf alle Bereiche der Kultur, besonders jedoch auf die sogenannte highbrow-Kultur 9 und die Medien. Geoff Pevere und Greig Dymond argumentieren jedoch in ihrem (nicht-wissenschaftlichen) Überblick über die kanadische Popkultur, dass zumindest in diesem Bereich der Popkultur die Sorge weitgehend unbegründet sei, da hier kanadische Produktionen herausstechen „like a stunned moose in the middle of the trans-Canada highway.“ 10 Außerdem erfreue sich die kanadische Popkultur auch immer größerer Beliebtheit beim kanadischen Publikum. Möglicherweise ist also die Popkultur der Ausweg aus dem kanadischen Dilemma.
Ein auffälliges Beispiel für ein popkulturelles Produkt voller CanCon ist ein Film von Paul Gross, einem kanadischen Schauspieler, der vielen Menschen außerhalb Kanadas wegen seiner Rolle als Mountie in der Serie Due South (dt.: Ein Mountie in Chicago) als typischer Kanadier gilt. Men With Brooms ist eine Komödie und erzählt eine Geschichte über Curling, eine typisch kanadische Sportart. Die Intention der Macher von Men With Brooms war es nicht nur, das Image der kanadischen Filmindustrie zu verbessern und die Richtigkeit der kanadischen Filmpolitik zu beweisen, sondern auch etwas für das
Zusammengehörigkeitsgefühl der Kanadier zu tun, wie Gross in einem Interview erklärt: "I
7 vgl. Centre for Canadian Studies, Mount Allison University/Canadian Heritage: Canada at the movies: Movies,
culture and national identity. In: Szuchewycz, Bohdan und Jeanette Sloniowksi (Hrsg.): Canadian
Communications. Issues in Contemporary Media and Culture. 2 nd Edition. Toronto: Prentice Hall, 2002. S. 90-
97., S. 91
8 Centre for Canadian Studies, S. 91
9 „Highbrow“ nennt man Kultur im engeren, künstlerischen Sinne: Theater, Architektur, Oper, Malerei,
Literatur, künstlerisch anspruchsvoller Film etc., das Gegenteil ist die lowbrow-Kultur, die auch Fernsehen,
Zeitschriften, Kino, Popmusik etc. umfasst.
10 Pevere, Geoff und Greig Dymond: Mondo Canuck: a Canadian Pop Culture Odyssey. Scarborough: Prentice
Hall, 1996., Introduction
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wanted to tell a story about how we are knit together and find a shared commonality." 11 Entstanden ist ein Film, der vor „Kanadismen“ nur so strotzt. Er enthält viele Elemente des typisch kanadischen Films, wie sie von Katherine Monk beschrieben werden, 12 sowie fast alle denkbaren Stereotype und Symbole Kanadas. Sogar die Musik ist offenkundig kanadisch. Die kanadische Kultur, Popkultur und Identität werden in diesem Film regelrecht überzogen dargestellt. Das liegt einerseits daran, dass der Film als Paradebeispiel für die Effektivität der CanCon-Regelungen produziert wurde. Andererseits spielt der Film auch mit den Klischees über Kanada und stellt eine ironische Selbstreflexion der kanadischen Kulturindustrie dar. Trotz der großzügigen Förderung des Films, der Starbesetzung durch Paul Gross und Leslie Nielsen und des riesigen Werbe-Etats war der Film jedoch nicht so erfolgreich wie erwartet: Kanadische Filme haben es schwer beim kanadischen Publikum. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen der Diskussion um kanadische Identität und (Pop-)Kultur, den Bestimmungen zum CanCon, der kanadischen Filmindustrie und dem Film Men With Brooms. Zunächst erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Thema der kanadischen Identität und dem „typisch Kanadischen“. Danach folgt ein Kapitel über die kanadische Kultur, insbesondere Popkultur, und ihre Besonderheiten. Im nächsten Kapitel geht es dann um die kanadische Filmindustrie, die CanCon-Bestimmungen und um die Qualifizierung von Men With Brooms als CanCon. Danach folgt die genauere Untersuchung des Films im Hinblick auf die Darstellung Kanadas, der Kanadier und die kanadische Popkultur. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick über weitere Untersuchungsmöglichkeiten gegeben.
II. Kanadische Identität
a. Zum Begriff „Identität“
Das Duden-Fremdwörterbuch von 1997 definiert Identität als „das gefühlsbeladene Selbstverständnis einer Person oder einer Gruppe.“ Sich mit etwas zu identifizieren bedeutet das „sich Gleichsetzen mit einer Gruppe oder die Übernahme ihrer Motive und Ideale in das eigene Ich.“ 13 Der Mensch erlangt seine Identität im alltäglichen Leben, im Erleben von Sprache und Kultur seiner Mitmenschen, beim Bewerten der Positionen und Meinungen
11 Paul Gross auf http://news.bbc.co.uk/1/low/entertainment/film/1867280.stm (26.06.05)
12 Monk, Katherine: Weird Sex & Snowshoes and other Canadian Film Phenomena. Vancouver: Raincoast
Books, 2001.
13 Duden Fremdwörterbuch 1997, S. 344 zitiert nach Papenfuß, Ute, Region-Building im Ostseeraum.
Magisterarbeit am Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock, 2002., S. 10
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anderer, beim Erfahren seiner Umgebung. Die Identität ist das, was den Menschen emotional an seine räumliche Umgebung oder an eine bestimmte Gruppe bindet. Gerade kollektive Identitäten sind beeinflussbar und werden immer wieder (re-)konstruiert, um bestimmte Ziele zu erreichen. 14
Eine kollektive Identität, also ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Menschen, entsteht vor allem durch Gemeinsamkeiten in Sprache, Kultur, Ansichten, Religion, Traditionen etc. Meistens ist dieses Zusammengehörigkeitsgefühl an einen bestimmten Ort, eine Landschaft oder eben einen Staat gebunden. In diesem Zusammenhang ist auch die gemeinsame Geschichte der Menschen in diesem Staat von Bedeutung. Wenn es eine starke Verbindung zwischen den Menschen und ihrem Lebensraum gibt, wenn sie eine ideelle Vorstellung von ihm haben (seiner Geografie, Geschichte, Kultur, Sprache etc.), dann kann man davon sprechen, dass diese Menschen eine gemeinsame Identität bezogen auf ihren Lebensraum haben. Sie verstehen sich als Gemeinschaft. 15 Die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Lebensraum macht Identität zu einem Schlüsselbegriff für die Politik. Menschen, die sich mit ihrer Umgebung identifizieren und sich als Gruppe begreifen, sind eher bereit, sich in freiwilligen Initiativen für ihre Heimat zu engagieren. Will man also eine neue politische Einheit etablieren, so ist es zunächst wichtig, eine gemeinsame Identität der Bewohner zu schaffen. Dafür braucht es Mythen und Legenden. Die Menschen schaffen ihre eigene Identität durch das Erzählen von Geschichten, die sie benutzen um sich immer wieder auf der Welt und im Rahmen einer Gemeinschaft zu verorten. 16 Identität entsteht auch durch bestimmte Symbole, die zwar von jedem Menschen unterschiedlich interpretiert werden können, aber trotzdem von vielen Menschen als identitätsstiftend angenommen werden. Indem man solche Symbole schafft, fördert man ein Zusammengehörigkeitsgefühl.
Anthony D. Smith vertritt die These, dass zwei sehr unterschiedliche Arten von gemeinsamer Identität existieren. Erstens, eine „vertikale“, die auf gemeinsamer Muttersprache und Kultur besteht und zweitens, eine „laterale“, die auf der Akzeptanz einer Reihe von Werten beruht, ganz unabhängig von Sprache und Kultur oder Herkunft. 17 Außerdem ist es wichtig, im Auge zu behalten, dass jeder Mensch mehrere Identitäten
14 vgl. Papenfuß, S. 10
15 Karl Rohe in: Papenfuß, S. 27
16 vgl. Lehti, Marko: Possessing a Baltic Europe: Retold National Narratives in the European North. In: Lehti,
Marko und David J. Smith: Post-Cold War Identity Politics. Northern and Baltic Experiences. Cass Series:
Nationalism and Ethnicity. London (u.a.): Cass, 2003. S. 11-49, S. 28
17 vgl. Branch, Michael: Introduction. In: Branch, Michael (Hrsg.): National History and Identity. Approaches to
the Writing of National History in the North-East Baltic Region. Nineteenth and Twentieth Centuries. Helsinki:
Finnish Literature Society, 1999, S. 12
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haben kann, die nicht miteinander konkurrieren, z.B. seine Identität als Mitglied seiner Familie, eines Vereins, als Bewohner eines Ortes, als Bürger seines Landes, als Fan seines Fußballclubs etc. Diese verschiedenen Identitäten konkurrieren nicht miteinander. 18 Die Frage nach der kanadischen Identität ist, wie bereits dargelegt, seit Jahren aktuell und wird heiß diskutiert, mehrere Autoren sprechen gar von einer Obsession. 19 Bruce Wallace geht sogar noch weiter, für ihn ist die Suche nach der kanadischen Identität nicht nur eine Obsession, sondern inzwischen zur “defining characteristic of the place itself.” Geworden. 20 Im nun folgenden Abschnitt soll dieser Identitätsfindungsprozess näher beleuchtet werden.
b. Ansätze für eine kanadische Identität
Canada is the essence of not being. Not English, not American, it is the
mathematic of not being. (Mike Myers) 21
Wie ernst dieser Satz gemeint ist, lässt sich schwer feststellen (besonders mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Mike Myers sein Geld mit Comedy verdient). Tatsache ist aber, dass viele Kanadier an der Existenz einer kanadischen Identität zweifeln. In der Einleitung wurden schon einige Erklärungen für diese Zweifel genannt, wie z.B. die große ethnische Vielfalt, die regionalen Unterschiede in diesem riesigen Land und die praktisch nicht vorhandenen gemeinsamen historischen Erfahrungen. Bruce Elder gibt als weiteren Grund an, dass Kanada zu einer Zeit gegründet wurde, als das Industriezeitalter schon lange begonnen hatte und die Technik, die er als „the most corrosive dissolvent of national identities that has ever been known, the most powerful force toward the homogenisation of all the world’s cultures” ihren Siegeszug schon lange angetreten hatte. 22 Die Schaffung einer gemeinsamen Kultur und Identität wurde dadurch seiner Meinung nach extrem erschwert. Trotz allem scheint man sich jedoch auf einige Kernpunkte einigen zu können. Immer wieder taucht zum Beispiel die kanadische Landschaft in den Diskussionen über die Identität auf: Das (Über-)Leben in dieser rauen Umgebung, die von den ersten Siedlern als fremdartig
18 vgl. Kühl, Jørgen: Nationale Identität und kulturelles Gedächtnis. Die dänische Minderheit in Schleswig-
Holstein. In: Lundt, Bea (Hrsg.): Nordlichter: Geschichtsbewusstsein und Geschichtsmythen nördlich der Elbe.
Beiträge zur Geschichtskultur 27, Köln: Böhlau, 2004. S. 321-339, S. 329
19 vgl. Szuchewycz, Bohdan und Jeanette Sloniowksi (Hrsg.): Canadian Communications. Issues in
Contemporary Media and Culture. 2 nd Edition. Toronto: Prentice Hall, 2002., S. 49
20 Wallace, Bruce: What Makes a Canadian? In: Szuchewycz, Bohdan und Jeanette Sloniowksi (Hrsg.):
Canadian Communications. Issues in Contemporary Media and Culture. 2 nd Edition. Toronto: Prentice Hall,
2002. S. 55-57., S. 55
21 http://www.brainyquote.com/quotes/quotes/m/mikemyers137632.html (28.06.05)
22 Elder, R. Bruce: Image and Identity. Reflections on Canadian Film and Culture. Waterloo: Wilfrid Laurier
University Press, 1989., S. 9
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Susanne Opel, 2005, Typisch Kanadisch?! - Die Darstellung der kanadischen Popkultur in Paul Gross' Film 'Men With Brooms', München, GRIN Verlag GmbH
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