1. Einleitung
„North by Northwest“ oder „Der unsichtbare Dritte“ erschien 1959 unter der Regie von Alfred Hitchcock.
In der folgenden Arbeit möchte ich anhand bestimmter Szenen und anhand konkret sichtbarem Material den Film analysieren.
Dabei möchte ich vor allem auf die visuelle Gestaltung im Film eingehen und dabei alle gestalterischen Aspekte in einzelnen Szenen behandeln. Ich möchte aber auch den Inhalt betrachten und diesen bezogen auf das Dargestellte interpretieren. Im, zum Filmgeschehen entsprechend chronologisch aufgebauten Text, werden Themen, wie Schnitt, Bildkomposition, Kameraeinstellungen und andere gestalterische Besonderheiten, wie auch die einleitende Titelsequenz betrachtet. Dazu passend werden inhaltliche Fragen erörtert um die Bedeutung des visuell Dargestellten zu zeigen .
2. Titelsequenz und Einführung
Die Titelsequenz wurde von Saul Bass, einem bedeutenden Graphik-Designer gestaltet. Saul Bass designte eine große Zahl an Titelsequenzen und arbeitete des öfteren, unter anderem auch bei „Psycho“ mit Alfred Hitchcock zusammen. Sein Graphik-Stil, in dem er Themen des Films auf graphische Weise umsetzte und in den Titeln symbolisch darstellte hob sich, durch die Verwendung von einfachen Farben und rauen Schriftarten deutlich von den zu dieser Zeit üblichen, konventionellen und realistischen Bildern ab.
Bevor die Titelsequenz startet, wird auf einem planen Hintergrund mit einer, zumindest für mich in dem Moment
Farbgebung, die Signation der Produktionsfirma (Metro Goldwyn Mayer) in Graustufen eingeblendet.
Nachdem diese ausblendet, beginnt auf dem gleichen Hintergrund - nun ist auch klar warum zuvor diese Farbe verwendet wurde - die Titelsequenz. Diese Sequenz zeigt, auf planem Hintergrund, wie
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sich Linien von unten nach oben und umgekehrt und von rechts nach links bewegen. Dabei überschneiden sich die Linien bis sich schließlich ein geometrisches Muster bildet. Ganz klar ist mir nicht warum sich im rechten Bildabschnitt die Linien von oben nach unten bewegen, ansonsten könnte man hier eine Umsetzung des Titelseine Bewegung nach Norden und Westen - vermuten.
Mich hat diese Sequenz aber auch, vor allem nachdem ich den Film öfter gesehen hatte an eine Masse erinnert, eine Menschenmasse in der sich alle Teile in der Richtung der Masse bewegen müssen. Gleich nach der Eröffnungssequenz werden zudem auch Menschenmassen gezeigt.
Zurück aber zur Titelsequenz. Auf dem Hintergrund, des durch die Linien aufgebauten, perspektivisch wirkenden Musters werden nun in abwechselnden Bewegungen von oben nach unten bzw. von unten nach oben einige Credits eingeblendet bis schlussendlich der Titel „North by Northwest“ erscheint. Die Credits und der Titel sind dabei perspektivisch an die Gitterstruktur der Linien angepasst.
An dem Titel erkennt man die symbolische Umsetzung des Filmthemas im Titel selbst. Saul Bass gestaltete den Titel mit zwei Pfeilen. Der Erste bildet sich aus dem N, dem ersten Buchstaben und zeigt nach Norden, der Zweite aus dem letzten Buchstaben T und zeigt nach Westen.
Nach der Einblendung des Titels wird dieses bis jetzt abstrakte Muster plötzlich zu einem realen Bild - nämlich einer Aufnahme eines verglasten Bürogebäudes. Die Linien und das Muster welches das reale Gebäude bildet sind die gleichen wie zuvor. In dem verspiegelten Gebäude kann man den Verkehr und das Treiben auf den Straßen beobachten, welches so aussieht als würde es sich entlang der Linien des Gebäudes bewegen.
Interessant ist hier auch, dass wir das Geschehen noch nicht direkt beobachten (was wir eigentlich in einem Film nie tun), sondern über eine Spiegelung. Hiermit wird das Setting festgelegt und das Publikum auf die nächste Einstellung vorbereitet. Erst in dieser nächsten Einstellung, nach einer weichen Blende beobachten wir direkt und befinden uns mitten in einer Menschenmasse.
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Diese ganze nicht einmal zwei Minuten dauernde Eröffnung führt den Zuschauer, meiner Meinung nach sehr schön, schrittweise und trotz der kurzen Dauer langsam in das Geschehen.
Das wird auch durch die weiche Blende, die den letzten Übergang darstellt unterstützt.
Im Folgenden werden einige Szenen, mit harten Schnitten in der Großstadt gezeigt bis schließlich der Hauptcharakter, als eine Person unter dieser Masse eingeführt wird.
In zwei der Szenen verwendet Hitchcock bereits eine erste Auf- und Untersicht, welche im Verlauf des Filmes noch öfters zum Einsatz kommen und generell von Hitchcock gerne verwendet werden um eine bestimmte dramaturgische Wirkung zu erzielen (was in diesen ersten zwei Einstellungen aber, meiner Meinung nach nicht der Fall ist).
3. Thornhills Entführung
Roger Thornhill wird kurz nach seiner Einführung von zwei Männern entführt. Diese zwei Handlanger Vandamms, werden aus einem leicht unter Ihnen befindlichen Blickpunkt gezeigt, was die Stärke und Macht darstellen soll. Sie sind in dieser Einstellung immer zu zweit und sehr zentral und dominant im Bild und auch später im Film kann man diese Personen mit sehr ähnlichen Einstellungen beobachten. Mir ist aufgefallen, dass
zur Darstellung d er „bösen“ Charaktere oft eine Untersicht eingesetzt wird. Ganz bestimmte Kamerablickwinkel zusammen mit bestimmten Personen bzw. Personengruppen verwendet.
4. Vandamms Zimmer in Townsend
Einige sehr interessante Szenen finden sich in dem Abschnitt, in dem Thornhill in einem Zimmer von Vandamm festgehalten wird.
Hier sehen wir in einem Zwischenschnitt ein Insert, ein extremes Close-Up auf die Rolle, die Thornhill betrachtet. Solche Inserts werden oft benutzt um dem Zuschauer
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(in diesem Fall auch dem Protagonisten)
Informationen zu vermitteln oder auf ein Detail aufmerksam zu machen. In den folgenden Szenen inszeniert und choreographiert Vandamm die Szene selbst,
indem er die Vorhänge zuzieht und Licht anmacht. Es wird deutlich wer hier „an der Macht“ ist. Auch verwendet Hitchcock hier, sobald Vandamm den Raum betritt, wieder Kameraeinstellungen aus einer leichten Untersicht bei Vandamm und Einstellungen in Augenhöhe bei Thornhill.
Hinzu kommt die Inszenierung (hier nicht die Selbstinszenierung von Vandamm, sondern Hitchcocks Inszenierung) Vandamms durch die gezielte Verwendung des Lichts. Vandamm betritt den hellen Raum, wirft dabei einen starken großen Schatten auf die Tür und bewegt sich Richtung Fenster um die Vorhänge zu schließen. Bei seinem Weg Richtung Fenster, bewegt sich Thornhill langsamer in die entgegengesetzte Richtung. Die Kamera verfolgt dabei mit einem Schwenk Vandamm und es wird abwechselnd zwischen den beiden Protagonisten hin und her geschnitten. Für mich wirkt dadurch diese kurze Sequenz wie in einem Western, in dem sich zwei Duellierende gegenübertreten.
Schließlich, nachdem die Vorhänge geschlossen sind, ist der Raum in Schatten gehüllt. Bis Vandamm die Lampen einschaltet. Nachdem er die erste Lampe einschaltet, b leibt Vandamm vor dieser stehen.
Die Hintergrundbeleuchtung, die nun die Umrisse Vandamms besonders hervorhebt, in Kombination mit der leichten Untersicht lässt ihn sehr unheimlich erscheinen.
Zwei weitere Personen öffnen die Tür zu dem Raum in dieser Sequenz, in der mit Thornhill „verhandelt“ wird. Diese Personen werden dabei aus einer stärkeren Untersicht gezeigt - die Perspektive aus der Vandamm die Personen sehen würde. Interessant ist auch, dass alle drei Personen, die in dieser Sequenz vorkommen schwarz angezogen sind.
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Simon Wendler, 2002, Die visuelle Gestaltung im Film "North by Northwest", Munich, GRIN Publishing GmbH
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