Lesen bildet und macht Spaß. Das sagen zumindest die, die lesen. Aber immer weniger Kinder und Jugendliche lesen gerne. Dies macht sich vor allem in der Zeitungsbranche bemerkbar. Hieß es im Jahre 1891 in den Deutschen Schriften für Literatur und Kunst noch: „man kann die Jugend nicht dringend genug ermahnen, das Zeitungslesen möglichst spät […] zu beginnen, wenn sie jeden Rest von Halbbildung überwunden hat“, so versucht man heutzutage in deutschen Zeitungsverlagen alles erdenkliche, um die Zielgruppe Jugend für das Medium Zeitung zu interessieren. Die Tageszeitung scheint im Zeitalter des Internets und des Fernsehens gänzlich an Bedeutung für die Jugend zu verlieren.
„Für die Zeitungsverlage ist die Zielgruppe der unter 30jährigen [sogar] sosehr zur Problemgruppe geworden, daß im Jahrbuch des Bundesverbandes der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) von 1996 bereits eine ’strukturelle Unverträglichkeit zwischen Jugend und Tageszeitung’ diagnostiziert wird.“
Erschwerend kommt auch der demographische Wandel hinzu, der von einer Veränderung der Werte und Einstellungen begleitet wird. Verständlich, dass die Zielgruppe Jugend im Fokus der Verlage und Verleger ganz vorne rangiert. Die Jugend wird zu einem hart umkämpften Gut, denn schon von frühester Kindheit an entscheidet sich, ob man Zeitungsleser wird und bleibt. Dies bestimmen verschiedene Prädiktoren, die das Kind und den Jugendlichen von außen beeinflussen. Wer also wird zum Zeitungsleser und was macht das Medium Zeitung so unattraktiv für die Jugendlichen? Warum ist es überhaupt wichtig, dass die Jugendlichen die Zeitung lesen und welche Angebote und Möglichkeiten bieten die Tageszeitungen den jungen Lesern? Diese und weitere Fragen sollen im Anschluss erläutert werden. Vorerst soll hier aber die genaue Definition der Zielgruppe Jugend geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition der Zielgruppe Jugend
3. Perspektive der Jugendlichen
3.1 Kritik und Themeninteressen
3.2 Ursachen für das Desinteresse an Zeitungen
4. Wer wird Zeitungsleser - Sozialisationsfaktoren
5. Angebote der Tageszeitungen für Jugendliche
5.1 Onlineangebote
5.2 Weitere Angebote für Jugendliche
6. Die Jugend erreichen
6.1 Struktur und Ordnung der Zeitung
6.2 Optische Aufmachung und Sprache der Zeitung
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Gründe für das nachlassende Interesse Jugendlicher an Tageszeitungen und untersucht Strategien, mit denen Zeitungsverlage diese Zielgruppe effektiver erreichen und binden können.
- Analyse von Lesehürden und psychologischen Distanzen zwischen Jugend und Medium.
- Untersuchung von Sozialisationsfaktoren und deren Einfluss auf das Zeitungsleseverhalten.
- Evaluierung von Verlagsangeboten wie Onlineauftritten, Jugendseiten und Marketingmaßnahmen.
- Untersuchung der Bedeutung von Struktur, optischer Gestaltung und Sprache bei der Blattgestaltung.
- Diskussion von Optimierungspotenzialen für eine jugendgerechte Tageszeitung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Kritik und Themeninteressen
Die Jugendlichen haben viel zu kritisieren an den heutigen Tageszeitungen. Und es ist von großer Wichtigkeit diese Kritik genau zu analysieren, denn die Jugendlichen sind mit ihrer „Zeitungsflucht“ Trendsetter. Lesen die heutigen Jugendlichen keine Zeitung, so werden die nachfolgenden Generationen mit großer Wahrscheinlichkeit diesem Trend folgen. Zur Erklärung dieses Trends können unterschiedliche Faktoren herbei gezogen werden: „Schulbildung, Geschlecht, Elternhaus, Lesesozialisation, Politikinteresse und -engagement, Freizeitverhalten, die Nutzung der Parallelmedien Hörfunk und Fernsehen.“ Diese Faktoren werden auch „Prädiktoren“ genannt und in Kapitel 4. noch näher erläutert. Natürlich kann man anhand der Interessen und Wünsche der Jugendlichen kein generalisiertes Leser-Profil erstellen, dennoch gibt es Faktoren die häufiger auftreten als andere und anhand derer „Umrisse eines spezifischen Nutzungsprofils jugendlicher Zeitungsleser erkennbar“ werden. Dabei handelt es sich, zunächst in Kurzform, anschließend um folgende Faktoren:
I. Die Jugendlichen haben bestimmte Themenvorstellung und Forderungen an Tageszeitungen, die so von den Verlagen nicht oder nur ungenügend erfüllt werden. So war zum Beispiel die häufigste Begründung für die Zeitungsflucht (bei einer Befragung Remscheider Jugendlicher): „Weil nichts interessantes drin steht“. Wie genau die Themenwünsche der Jugendlichen von den Themen einer Tageszeitung differieren soll im Anschluss noch genauer erläutert werden.
II. Jugendliche sind zu wenig vertraut mit dem Medium Tageszeitung und haben somit ein Defizit in der Nutzungskompetenz.
III. Die Jugend empfindet Tageszeitungen als grau und unspektakulär und die Zeitungssprache als zu trocken und kompliziert. Im Zeitalter des Fernsehens und des Internets ist die Mediennutzung der meisten Jugendlichen stärker visuell als textuell geprägt. Kritisiert werden hier also vor allen Dingen die optische Aufmachung, die Struktur und Ordnung und die Sprache einer Tageszeitung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt das abnehmende Interesse an Zeitungen in der jungen Generation und definiert die Relevanz der Untersuchung im Kontext des demographischen Wandels.
2. Definition der Zielgruppe Jugend: Analysiert die mangelnde Konsistenz der Verlagsdefinitionen für "Jugend" und zeigt auf, dass eine präzise Zielgruppenvorstellung eine Voraussetzung für effektive Angebote ist.
3. Perspektive der Jugendlichen: Erläutert die Kritikpunkte der Jugendlichen an Zeitungen, insbesondere das Fehlen interessanter Themen, mangelnde Nutzungskompetenz und ein als trocken empfundenes Design.
4. Wer wird Zeitungsleser - Sozialisationsfaktoren: Identifiziert fünf statistisch signifikante Prädiktoren (u.a. Verfügbarkeit im Haushalt und Spaßfaktor), die das spätere Zeitungsleseverhalten maßgeblich beeinflussen.
5. Angebote der Tageszeitungen für Jugendliche: Untersucht die Rolle von Onlineangeboten sowie weiteren Marketing- und Redaktionskonzepten wie "Zeitung in der Schule" zur Bindung junger Leser.
6. Die Jugend erreichen: Analysiert, wie durch verbesserte Struktur, optische Aufmachung und gezielte Sprache die Lesequote bei Jugendlichen gesteigert werden kann.
7. Resümee: Fasst zusammen, dass Verlage einen Kompromiss zwischen seriösem Anspruch und jugendadäquater Gestaltung finden müssen, um die Bindung der jungen Zielgruppe zu verbessern.
Schlüsselwörter
Jugendliche, Tageszeitung, Mediennutzung, Lesesozialisation, Zeitungsflucht, Prädiktoren, Verlagsbefragung, Crossmedia-Strategie, Onlineangebote, Blattgestaltung, Kontaktbarriere, Infotainment, Medienkompetenz, Jugendseiten, Lesehürden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Ursachen des sinkenden Zeitungsinteresses bei Jugendlichen und analysiert, welche Strategien Zeitungsverlage nutzen können, um diese Zielgruppe erfolgreich zu erreichen und zu binden.
Welche Themenfelder sind zentral?
Im Zentrum stehen die Kritik der Jugendlichen an aktuellen Zeitungsformaten, die Bedeutung der Sozialisation für das Leseverhalten sowie die Wirksamkeit von Onlineangeboten und gestalterischen Anpassungen der Printmedien.
Was ist das primäre Ziel?
Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Zeitungsverlage ihre Produkte durch bessere Zielgruppenkenntnis, ansprechendere Optik und gezieltere inhaltliche Ansprache für Jugendliche attraktiver gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien und Befragungen (z.B. ZMG, BDZV, JIM-Studie) sowie auf die Ergebnisse von Seitenexperimenten zur Sprach- und Bildwirkung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition der Zielgruppe, die Gründe für das Desinteresse, die prägenden Sozialisationsfaktoren sowie die verschiedenen internen und externen Verlagsangebote für Jugendliche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zeitungsflucht, Lesehürden, Mediensozialisation, Verlagsmarketing und jugendgerechte Blattgestaltung.
Warum spielt das Elternhaus eine so große Rolle für junge Zeitungsleser?
Studien zeigen, dass Jugendliche, in deren Haushalt die Zeitung regelmäßig gelesen wird, eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, selbst zu Zeitungslesern zu werden, da die frühe Vertrautheit eine entscheidende Sozialisationsphase darstellt.
Warum schneiden stark auf "Jugendsprache" getrimmte Artikel schlecht ab?
Die Jugendlichen empfinden eine solche Sprache oft als Anbiederung ("So stellen sich 50-Jährige die Jugendsprache vor") und bevorzugen stattdessen einen eher sachlichen, aber dennoch leicht verständlichen Stil.
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- Ina Hämmerling (Author), 2005, Jugendliche als Zeitungsverweigerer - Eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50677