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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
1.1. Z u m T h e m a 3
1.2. Zum Thema in der Forschung 3
1.3. Zu den Quellen 4
2. K a i s e r J u l i a n I 5
3. Der Feldzug gegen das Persische Reich 7
3.1. Kriegsgrund und -ziele 7
3.2. Kriegsvorbereitungen 10
3.3. Einfall der römischen Truppen in Persien 14
3.4. Römischer Rückzug 19
4. Mögliche Gründe für das Scheitern des letzten Feldzugs Julians 22
5. Zusammenfassung und Ausblick 26
6. Literatur- und Abbildungsverzeichnis 28
6.1. Quellen und Quellenkommentare 28
6.2. Monographien 28
6.3. Aufsätze in Sammelbänden, Nachschlagewerken und Fachzeitschriften 30
6.4. Abbildung 30
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1. Einführung 1.1. Zum Thema
Im Jahr 363 n. Chr. fielen römische Truppen unter Kaiser Julian I. in das Reich des Perserkönigs Sapor II. ein, drangen erfolgreich bis zu dessen Hauptstadt Ctesiphon vor, wurden dann aber in fortwährende, kleinere Gefechte mit persischen Einheiten verwickelt, in denen der römische Kaiser schließlich auch den Tod fand. Sein Nachfolger Jovian, führte das römische Heer wieder heim, nachdem ein von Sapor II. aufgezwungener Friede angenommen worden war, der erhebliche territoriale Einbußen für das Imperium Romanum bedeutete. Es ist das Anliegen vorliegender Arbeit, diesen letzten Feldzug Julians von seinen Vorbereitungen bis zum Tod des Kaisers anhand aussagekräftiger Quellen nachzuzeichnen. Dem soll eine Diskussion der möglichen Gründe Julians für den Kriegsbeginn und seiner Kriegsziele vorausgehen sowie eine Erörterung der denkbaren Gründe für das Scheitern des Feldzugs nachfolgen. Eine abschließende Zusammenfassung bündelt die gewonnenen Erkenntnisse und bietet einen Ausblick auf weiterführende Fragen zum Thema.
1.2. Zum Thema in der Forschung
Wirft schon die Person Julians und seine Innenpolitik, darunter besonders die mit der religiösen Entwicklung des Römischen Reiches seit Konstantin dem Großen wenig harmonierende, versuchte Wiederbelebung des Paganismus, seit alters her Fragen auf, deren verschiedene Beantwortung laut Bidez „ein verblüffend widerspruchsvolles Gesamtbild“ 1 ergibt, so wird besonders diese Offensive gegen das Sassanidenreich von der Geschichtswissenschaft immer wieder kontrovers diskutiert. So verneint Bringmann beispielsweise entschieden die Frage, ob dieser Krieg politisch notwendig und sinnvoll gewesen sei, während Scholl hier differenziert und rationale Gründe darlegt. 2 Die Erfolgsaussicht des Unternehmens hat am nachdrücklichsten Wirth in Abrede gestellt, andere lehnen eine solch extremes Urteil ab. 3 Abhängig von diesen Grundhaltungen fällt ebenfalls die Deutung der Handlungen und Entscheidungen Julians unterschiedlich aus. Sie reicht vom rationalen Ansatz über eine Mischform von rationalem und auf einer
1 Bidez (1956), 224.
2 Vgl. Bringmann (2004), 189; Scholl (1994), 137 u. 140.
3 Vgl. Wirth (1976), 455-507; Scholl (1994), 140; Giebel (2002), 199; Bringmann (2004), 188.
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Alexanderimitatio basierendem Antrieb bis zur Bescheinigung von Selbstüberhöhung Julians und damit einhergehender hybris und völliger Realitätsferne. Die Vielfalt der Einschätzungen und Wertungen hängt sicher auch mit den Quellen für dieses Ereignis zusammen, die zwar durchaus zahlreich sind, bestimmte Details aber entweder nicht oder sehr widersprüchlich wiedergeben.
1.3. Zu den Quellen
Bringmann hat jüngst festgestellt, dass „[f]ür keinen einzigen römischen Kaiser [...] das Quellenmaterial so ergiebig [ist] wie für diesen großen Feind des Christentums, der in letzter Stunde den Strom der Geschichte umkehren wollte.“ Mag Bringmanns Wertung der Religionspolitik Julians streitbar sein, für die Quellenlage ist sie zutreffend. 4 Für das zu untersuchende Thema sind nicht nur Briefe auf uns gekommen, die Julian im Vorfeld und bei Beginn des Krieges noch versandte, sondern auch der detaillierte Bericht eines Kriegsteilnehmers, Ammianus Marcellinus. Der aus Antiochia stammende Ammian widmete als Augenzeuge des Geschehens vier Bücher seiner Römische Geschichte den Vorgängen im Jahr 363. Allerdings entstand das Werk erst lange nach den Ereignissen (um 390), so dass die Genauigkeit in Detailfragen nicht ohne Weiteres vorausgesetzt werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass Ammian als Parteigänger Julians nicht durchgängig aus sachlicher Distanz schreibt, sondern - bei aller Kritik, die er auch übt - durchaus an einem positiven Julianbild interessiert ist. Mit dem gleichen Vorbehalt müssen auch die Briefe und Reden des Libanios betrachtet werden. Libanios, als heidnischer Redner Lehrer und Freund Julians, stand mit dem Kaiser im Vorfeld des Feldzugs gegen die Perser in brieflichem Kontakt und erhielt auf diesem Wege einige Informationen aus der Hand des Feldherrn. Außerdem erhielt er nach dem Ende des Feldzuges einige Berichte von Kriegsteilnehmern. 5
Ebenso kann Eunapius auf einen Augenzeugenbericht, nämlich den des Oribasios, Arzt Kaiser Julians auf dem persischen Feldzug, bauen. Zwar sind Eunaps Aufzeichnungen verloren, doch der im frühen 6. Jahrhundert schreibende Zosimus greift sie in seiner ÿ12 !. . auf. 6
4 Zu den Quellen vgl. Arce (1984), 33-73.
5 Vgl. Lib. ep. 53,7-9.
6 Vgl. Fornara (1991), 1-15.
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Ein weiterer Historiker, der an Julians Feldzug teilnahm, ist Eutropius. Allerdings ist sein Breviarium ab urbe condita frühestens 367 verfasst und als Auftragswerk Kaiser Valens’ zu bemüht um die Vermeidung von zeitgeschichtlichen Details, die hätten Sprengstoff bergen können. 7 Stimmt die Annahme Ludwig Mendelssohns und anderer, bei dem Geschichtsschreiber Magnus von Carrhae und dem von Ammian und Zosimus als einer der Tunnelgräber bei der Eroberung Maiazamalchas erwähnten Magnus handele es sich um ein und dieselbe Person, dann liegt auch in Magnus’ Geschichte eine Primärquelle vor. Mendelssohns Überzeugung, in dem Augenzeugen Magnus müsse die gemeinsame Quelle Ammians und Zosimus’ gesehen werden, wird von der jüngsten Forschung m.E. überzeugend abgelehnt, die Möglichkeit aber, „that Magnus published prior to Eunapius and was occasionally cited by that writer“ wird eingeräumt. 8
Darüber hinaus gibt es Ausführungen zum Perserfeldzug in Werken anderer, dann aber christlicher, spätantiker Geschichtsschreiber, die in dieser Arbeit aber aufgrund ihrer Neigung, Julian propagandistisch zu verbrämen, nicht berücksichtigt werden.
2. Kaiser Julian I.
Vor der Beschäftigung mit dem eigentlichen Thema dieser Arbeit soll eine kurze biographische Skizze Kaiser Julians die Einordnung der nachfolgend beschriebenen Ereignisse und ihre Bewertung erleichtern. 9 Flavius Claudius Julianus wird um 331 in Konstantinopel als Sohn des Julius Constantius und der Basilina geboren und ist somit ein Enkel Constantius’ I. und Neffe Konstantins I.. Nachdem nur er und sein Stiefbruder Gallus den dynastischen Morden von 337 entkommen können, erhält er eine streng christliche Erziehung, beginnt sich aber schon bald, mit der Lektüre heidnischer Literatur und Philosophie zu beschäftigen. Bevor er etwa 351 zu weiteren philosophischen Studien nach Konstantinopel und Nikomedia aufbricht, verbringt er sechs Jahre auf der kaiserlichen Domäne in Kappadokien, wo seine
7 Vgl. Herzog (1989), 201-207.
8 Fornara (1991), 15.
9 Vgl. Dazu ausführlich: Klein (1986), 273-292; Demandt (1989), 93-109; Bouffartigue, J. L’empereur Julien et la culture de son temps. Paris 1992; Lippold (1999), 442-484; Wiemer (1997), 334-341; Krapinger (2001), 693; Browning, R. Julian der abtrünnige Kaiser. München 1977; Bowder, D. The Age of Constantine and Julian. London 1978; Braun, R. und J. Richter (Hrsg.). L’empereur Julien: De la légende au mythe. Paris 1981; Schall, Ute. Julian Apostata, Göttersohn und Christenfeind. (Reihe Sozialwissenschaften und Kultur), Ulm 2000. Zu durch Inschriften bezeugte Titel Julians vgl. Conti, Stefano. Die Inschriften Kaiser Julians. Stuttgart 2004.
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Bewegungsfreiheit zwar eingeschränkt, sein geistiges Wachstum jedoch befördert wird. 355 wird Julian von Constantius II. zum Caesar ernannt und nach Gallien entsandt, um die Rheingrenze zu sichern. In Feldzügen gegen die Franken und Alemannen ist er siegreich. Als Constantius II. Truppen aus Gallien für einen Einsatz gegen die Perser anfordert, sendet Julian nur einen Teil. In Paris rufen ihn 360 n. Chr. seine Soldaten, die Gallien nicht in Richtung Osten verlassen wollen, zum Kaiser aus. Eine sich ankündigende militärische Auseinandersetzung mit Constantius II. wird durch den Tod desselben im November 361 verhindert. Am 11. Dezember 361 zieht Julian als unangefochtener Nachfolger - angeblich hatte Constantius II. ihn noch auf dem Totenbett offiziell zu diesem ernannt - in Konstantinopel ein. Anknüpfend an das Herrscherideal des stoischen Bürgerkaisers verkleinert Julian den Hofstaat, reduziert das Zeremoniell und gibt sich volksnah - eine Praxis, die schon gewachsene Strukturen von der Funktion des Kaisers als „repräsentatives Idol“ ignoriert und daher nicht von breiter Basis gebilligt wird. 10 Innenpolitisch reformiert Julian die Zivilverwaltung und das Steuerwesen und betreibt eine Städtepolitik, die den griechischen Polis-Gedanken wieder zu beleben sucht. Bis Ende 361 gibt sich Julian öffentlich als Christ, um dann aber die Verehrung der alten Götter in Toleranzedikten wieder zuzulassen. Dieser für die Außenwelt plötzlich erscheinende Glaubenswechsel bringt Julian von christlicher Seite den Beinamen Apostata, „der Abtrünnige“ ein. Allerdings scheint sich dieser Wandel allmählich und schon seit spätestens 351 vollzogen zu haben. 11 Alte Tempel werden wieder instand gesetzt; das dort Entwendete, muss zurückgegeben werden, was angesichts der Wiederverwendungspraxis im antiken Baugewerbe zu Konflikten mit den Christen führen musste, denn zahlreiches Material alter Tempel war in Kirchen verbaut worden. Julian lässt vordem verbotene christliche Sekten wieder zu und spielt die Gruppen innerhalb dieser Religionsgemeinschaft so gegeneinander aus. Mit dem Rhetorenedikt vom Juni 362 etabliert er die staatliche Kontrolle des Bildungswesens und schließt Christen vom Lehrberuf faktisch aus. Innerliche Erneuerung des Glaubens strebt er mittels eines Sonnenkults an, in dem bei ihm verschiedene religiöse Elemente, auch christliche, aufgehen. 12 Die versuchte Umkehr vom Christentum zurück zu einem vom Hellenismus geprägten Polytheismus ist jedoch
10 Demandt (1989), 99.
11 Vgl. dazu detaillierter Rosen (1997), 126-146.
12 Vgl. Leipoldt, Johannes. Der römische Kaiser Julian in der Religionsgeschichte. Berlin 1964;
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nicht von langer Dauer. 363 stirbt Julian auf einem Feldzug gegen das Persische Reich, der Gegenstand dieser Arbeit ist, und seine Nachfolger setzen seinen Weg nicht fort.
3. Der Feldzug gegen das Persische Reich 3.1. Julians Kriegsgrund und -ziele
Nachdem der persische König Sapor II. sich seit längerem um eine Neuordnung des Grenzverlaufs zwischen Persien und dem Römischen Reich zu persischen Gunsten eingesetzt hatte, war es schon unter Julians Vorgänger Constantius zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen, bei denen die Römer auch territoriale Verluste hatten hinnehmen müssen. 13 Ein mögliches Motiv Julians für eine Offensive gegen Persien stellt somit die Sicherung des Römischen Reiches vor persischer Aggression dar. In diesem Sinne können auch Ammians Angaben verstanden werden:
Auch Ammians Wiedergabe eines Schwurs Julians deutet in diese Richtung. So soll der Kaiser gelobt haben: sic sub iugum mitteret Persas, ita quassatum recrearet orbem Romanum. 15 Auch Libanios spricht in or. 12, die er am 1. Januar 363 vor Julian hielt, von einem Vergeltungskrieg, bei dem Ctesiphon erobert werden sollte. 16 Eine Einnahme dieser Stadt hatte beträchtlichen Symbolcharakter, wurde Ctesiphon als ein zentraler Ort der persischen
Smith, R. Julian’s Gods. Religion and Philosophy in the Thought and Action of Julian Apostate. London 1995.
13 Vgl. Lib. or. 18,206f.
14 Amm. Marc. 22,12,2.
15 Ders. 24,3,9.
16 Vgl. Lib. or. 12,100. Allerdings ist Ctesiphon nicht explizit, sondern kann aus einem Gleichnis mit Susa abgeleitet werden. Vgl. auch Barnes (1998), 164, der diese Absicht ausschließt.
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David Ronneburg, 2006, Kaiser Julians Feldzug gegen die Perser 363 v. Chr., München, GRIN Verlag GmbH
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